Lokale-.
Schriftstücke, um nachzuweisen, daß Briere de l'Jsle für seine Operationen in Tongking vollständig freie Hand gelassen worden sei.
Madrid, 9. December. Eine Versammlung der Conseroativen beschloß, alle Maßnahmen der Regierung, welche bezwecken, die Ruhe in (Spanten aufrecht zu erhalten, zu unterstützen.
London, 9. December. Wahlresultat. Bis heute Nachmittag 4 Uhr waren als gewählt bekannt: 331 Liberale, 250 Eonservative und 82 Parnelliten. Der Arbeitercandidat Arch wurde in Norfolk und ber Arbeitercandidat Fennwick in North- Eumberland gewählt.
— Der „Daily News" zufolge wird die Politik des Torykabinets darauf gerichtet sein, ein Bündniß mit den gemäßigten Liberalen anzubahnen und den Forderungen Varnell's entgegenzutreten.
Rom, 9. December. Der türkische Geschäftsträger erhob gestern im Auftrage der Pforte mündliche Vorstellung wegen der oom General Gene in Massauah getroffenen Maßnahmen. Die Negierung antwortete, die Maßnahmen berühren nicht die Gebietshoheit.
— Der König empfing heute den zum Kriegsminister ernannten bisherigen Gesandten Serbiens Farnassovich in Abschiedsaudienz.
Petersburg, 9. December. Gestern ist ein Sanitätszug vom Rothen Kreuz nach dem Kriegsschauplätze abgegangen.
— Der Meldung mehrerer Blätter zufolge beabsichtigt man den einschlügtgen Artikel des Gesetzbuches, welcher den in den russischen Unterthanenverband übergetretenen Ausländern gleiche Rechte wie den übrigen russischen Unterthanen gewährt, dahin abzuändern, daß der Artikel sich lediglich auf solche Uebertretende beziehen soll, welche nach dem Uebertrit mindestens zehn Jahre in Rußland gelebt haben. Ein entsprechender Gesetzentwurf solle dem Reichsrathe demnächst zugehen.
Petersburg, 9. December. Der „Regierungsanzeiger" meldet: Der Kaiser empfing am Montag den früheren bulgarischen Kriegsminister Kantacuzene und den Generalconsul in Sofia, Kojander.
— Die Zeitung „Ruß" erhielt eine erste Verwarnung, weil sie die lausenden Ereignisse in einem mit wahrem Patriotismus unvereinbaren Tone bespreche und Mißachtung gegen die Regierung heroorzurufen bestrebt sei. — Der Kaiser ertbeilte dem General Durnowo einen Verweis wegen seiner im slavischen Wohlthätigkeits- vereine gehaltenen Rede, welche eine directe Abweichung von dem Vereinsftatut involvire. „ p r
— Die gestrige Kirchenparade anläßlich des Georgsfestes ist bet Anwesenhett der Majestäten solenn verlaufen. Bei der Galatafel brachte der Kaiser den ersten Toast auf den ältesten Georgsritter, den Kaiser Wilhelm aus, den zweiten auf alle Georgsritter. Nach der Tafel hielten die Majestäten Eercle.
Belgrad, 9. December. Die Mächte übten einen starken Druck auf die Regierung wegen eines Friedensschlusses aus und der König soll versichert haben, Serbien werde in keinem Falle angreifen, erwarte aber eine bestimmte Sicherung des gtatae quo ante.
Sofia, 9. December. Meldung der „Agence Havas"3 Die bulgarische Regierung antwortete Serbien, sie müsse, weil die serbischen Wasfenstillstandsvorschläge nichts Sicheres und Bestimnttes enthielten, ihre Gegenvorschläge aufrechthalten und werde, falls sie binnen 24 Stunden keine Antwort erhalte, den Großmächten, auf deren Andringen sie die Feindseligkeiten eingestellt habe, Bericht erstatten.
Konstantinopel, 9. December. Madjid Pascha ist beauftragt, sich in außerordentlicher Mission zum Fürsten Alexander zu begeben, bei welchem er zum Abschluß eines Friedensvertrags zwischen Bulgarien und Serben hinwirken soll. Die Pforte zeigte dem Fürsten Alexander diese Ernennung an. Madjid Pascha reist unverzüglich nach Sofia ab. _______
Gießen, 9. December. Nach dem soeben erschienenen Personalbestand zählt unsere Universität 52 Docenten und Lehrer der freien Künste, 536 immatrikulirte, davon 424 Hessen, 112 Nichthessen, und 17 nicht immatrikulirte Hörer, im Ganzen also 553 Hörer. t
— Die Programme für die in 1887 in Mainz stattfindende Landcs-Gewerbe- Ausstellung sind kürzlich bei Herrn Hug hier eingetroffen und können bei demselben (Asterweg) von den interessirten Industriellen abgeholt werden.
Gießen, 10. December. Mit dem gestrigen Vortrage des Herrn Stadtbaumeister Stief über die Anlage von Schlachthäusern hat nach ungefähr einjähriger Pause der Gewerbeoerein dies wichtige Volksbildungsmittel, allgemein interessanter und verständlicher Vorträge, im Vereine mit dem Volksbildungsvereine, wieder aufgegriffen in der Hoffnung, in diesem Winter eine größere Betheiligung zu finden, als vor 2 Jahren. Diese Hoffnung hat sich nun gestern Abend noch nicht ganz erfüllt. Ist es schon wunderbar, daß diese Vorträge im letzten Winter wegen der notorisch geringen Betheiligung ausgesetzt werden mußten, so dürfte es noch wunderbarer sein, daß ein Porttag, der wie der gestrige actuell und interessant ist, kaum 40 Zuhörer fand. Wenn sich Herr Stadtbaumeister Stief trotz der geringen Betheiligung doch herbeiließ, in übersichtlichem, gediegenem Vortrage — auf welchen wir anderen Orts sachlich eingehend zurückkommen werden — die Geschichte der Schlachthausfrage im Allgemeinen wie im Besonderen Tn Gießen darzulegen, sowie die jetzt int Werke befindliche Schlachthausanlage durch Skizze und Vortrag zu erklären, so gebührte ihm dafür der ganz besondere Dank der Zuhörer, der sich denn auch in dem stürmischen Applaus aussprach, welcher dem Vortrage folgte.
Wenn wir uns nach den Gründen der geringen Betheiligung fragen, so finden wir:
1) Die Zeit im Allgemeinen war vielleicht ungünstig, da kurz vor Weihnachten fast alle Geschäfte viel zu thun haben.
2) Der Tag war wohl falsch gewählt; bekanntlich ist der Mittwoch der Versammlungstag für unzählige kleinere und größere Gesellschaften (Gesang-, Kneip- und andere Vereinigungen).
S) Ma» hatte sich im Lokale vergriffen; der Lenz'sche Felsenkcller liegt zu wett vom Mittelpunkte der Stadt ab.
4) Mancher würde einem Wirthslokale ein städtisches oder staatliches Lokal vor- gezogen haben.
Indem wir diese Bedenken den Vorständen des G. V. und des V. B. V. zur Beachtung unterbreiten, hoffen wir auf einen baldigen weiteren, ebenso interessanten
Vortrag. An unsere Mitbürger aber möchten wir die dringende Bitte richten, durch eine regere Betheiligung in Zukunft verhüten zu wollen, daß ein so wohlthätjges Institut einschläft.
Gießen, 10. December. Von Eisenbach bei Lauterbach erhielten wir unterm 9. ds. folgende Zuschrift, welche wir unter allem Vorbehalt wiedergeben:
In vergangener Nacht ereignete sich bei dem benachbarten Orte Rudlos ein höchst seltenes, in unserer Gegend noch niemals gesehenes Naturereigniß, dessen Aufklärung einem Fachmanne vorbehalten bleiben möge. Gegen V21 Uhr Mitternachts bohrte sich unter furchtbarem, donnerähnlichem Getöse eine hellglühende, fast hausgroße Feuermasse nahe am Dorfe neben den Gebäuden des Gutspächters Backhaus tief in die Erde. Die aus dem Loche entströmende Hitze uitb Gase sind so stark, daß man sich denselben bis jetzt noch nicht nähern kann.
Altkatholischer Gottesdienst.
| Sonntag den 13, December findet um 11 Uhr in der Stadt- I kirche altkatholischer Gottesdienst statt.
— Wie die „Bonn. Ztg." schreibt, ist dem Publikum Vorsicht bei der Annahme Din Papiergeldscheinen höheren Betrages anzurathen, da, wie es heißt, falsche Hundertmarkscheine letzter Tage mehrfach zur Ausgabe gelangt sind. In Rheinbach soll ein fremder Mensch zwei Stück dieser gefälschten Hunderter untergebracht und in Endenich daß gleiche am späten Abend vermittelst Wechslung versucht haben.
Limburg, 9. December. Rother Weizen JL. 13 85, weißer Weizen JL 13.70, Korn JL 10 80, Gerste 8.80, Hafer JL 6.40, Kartoffeln b 100 Pfund Jt 0.00, Erbsen ä 100 Pfund JL 00.00.
Vermischtes.
Darmstadt, 7. December. Der auf dem jüngsten mittelrheinischen Turntag hier gewählte technische Turnausschuß des Mittelrhein - Kreises hat sich nunmehr con- ftituirt und wurde Herr Fritz Heidecker von Wiesbaden zum Kreisturnwart des Mittelrhein-Kreises erwählt. Weitere Mitglieder sind die Herren Otto Schatt (Hanau), Karl Demuth (Gießen), Karl Schaffner (Frankfurt a. M.) und Ludwig Neumann (Mainz).
Darmstadt, 5. December. Dieser Tage ist eine wichtige Entscheidung vom hiesigen Landgericht ergangen. Bekanntlich hat die Großh. Regierung in Ueberein- ftiinmung mit den Ständen die bischöfliche Dotation — wegen Nichtbesetzung des Bischofsstuhles in Mainz — seit einer Reihe von Jahren eingehalten. Das bischöfliche Ordinariat erhob vor einiger Zeit Klage gegen den hessischen Fiskus auf Auszahlung der Dotation und das Landgericht hat die Klage zurückgewiesen, weil diese Angelegenheit nicht privatrechtlicher 9tatur sei, sondern dem Staatsrechte angehöre, letzteres aber der Entscheidung der Gerichte entzogen sei.
Langen, 7. December. Wir lesen im „Offenbacher Tageblatt", welchem wir die Verantwortung für seine fast unglaubliche Mittheilung überlassen müssen, Folgendes: Ein schauerliches „Leichenbegängniß" erregte am vorigen Montag die Aufmerksamkeit unserer Einwohnerschaft und bildete seitdem das Tagesgespräch in der ganzen Stadt. Wir berichteten schon über den Selbstmord des inhaftirten Egelsbacher Bürgers Christ; dessen Leiche wurde nun, als es dunkel geworden war, auf einen einräderigen Schiebkarren gesetzt und mit einem um den Hals gewundenen Strick an die Rücklehne des Karrens festgebunden. Die Beine des Mannes zwängte man auf den Boden des Karrens zusammen und^fuhr ihn, ohne jede Decke, gefolgt von einem Haufen lärmender Schulkinder, durch die e>tabt. Da es dunkel war, setzte man den Karren auch noch eine Weile nieder und entfernte sich, um eine Laterne zu holen, wobei mehrere Leute in der Dunkelheit über den Karren purzelten und zu Falle kamen. Wir finden diesen Vorfall unerhört und erlauben uns zu fragen, ob unsere Behörde Kenntniß von dem scheußlichen Transport erhalten und ob der Schuldige für seine scandalöse Pietätlosigkeit zur Verantwortung gezogen werden wird.
Wien, 9. December. Auf der Arlbergbahn erfolgte heute Nacht in der Stadt Hintergasse nächst Bludenz ein Zusammenstoß der von Innsbruck und Bregenz kommenden Personenzüge, wobei zwei Conducteure getödtet, sieben Bedienstete, vier Passagiere und ein Postbeamter verwundet wurden. Bei zwei Personen sind die Verletzungen lebensgefährlich. Beide Züge entgleisten. Der Zusammenstoß erfolgte dadurch, daß der Innsbrucker Zug in die Station einfuhr, bevor ber Bregenzer Zug das Geleise freigemacht hatte. (Fr. Z.)
Rl. sRatenloose.) Es ist eine alte Geschichte, die, durch die Unwissenheit vieler Privatleute unterstützt, immer wieder neu wird, daß nämlich gerade der Handwerkerstand in der guten Absicht, seine Sparpfennige recht nützlich anzulegen, in die Hände gewissenloser Agenten fällt, die ihm Anlehensloose gegen monatliche Abzahlung verkaufen, welche, wie folgender Fall wieder einmal illustrirt, doppelt so theuer zu stehen kommen, als ihr Courswerth präsentirt. Ein Agent ber Firma Engel u. Co. in Köln, deren Namen hier zur Warnung deutlich genannt werden muß, verkaufte nach der „Hdlbgr. Ztg." einem Handwerker ein 3%ige§ Madrider 100 Francs-Loos für JL 70 — laut Courszettel heute ä 47 •/Ot d. h. ä 37 60 erhältlich — zahlbar in monatlichen Raten zu 4, wozu die Firma die Postanweisungsformulare franfirt stellte. Der Agent stellte erst einen Jnterimsschlußschein aus, ber richtige Schlußschein tarn dann später von Köln. Nachdem die 14 Raten, d. h. 70 JL, bezahlt sind, wünscht der Käufer das Loos zu erhalten, schreibt an die Kölner Firma und erhält folgende Antwort : „Nachdem Sie uns mitgctheilt haben, daß Sie das Loos nicht mehr in unserer Verwaltung (?) lassen wollen, so ersuchen wir Sie, 14mal 20 H 2.80 für
Postanweisungsporto einzusenden, worauf wir Ihnen das Loos einsenden werden." Das Loos hat der Käufer durch Vermittelung einer befreundeten Kölner Firma holen lassen und es fehlte, nur nebenbei bemerkt, der Coupon pro 1885. Also für das Loos, welches jeder Bankier für JL 37.60 besorgen kann, nahm die Firma Engel u. Co. in Köln, man kann dieselbe nicht oft genug nennen, Jt 70, hierzu kommt JL 2.80, ferner Porto für Rücksendung 40 H, zusammen JL 73.20, mithin wurden ca. JL 37 zu viel, d. h. also das Doppelte bezahlt. Warum tragen die Leute ihre Spargelder nicht auf eine Kasse und acquiriren, wenn der Betrag zusammen, das Loos zum reellen Werth beim Bankier?
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