erkundigt hat, ob Herr Tisza geneigt sei, von der hierfür in erster Reihe verantwortlichen Regierung des Königreichs Sachsen Genugthuung zu fordern. Herr Olay scheint ein großer Patriot zu fein, sonst ist aber seine Interpellation nur als ein harmloser politischer Scherz auszufassen.
Die Wiener Officiosen dementiren entschieden das Gerücht, wonach die österreichische Regierung Befehl zur Mobilistrung von Truppen und Ausrüstung von Kriegsschiffen gegeben haben sollte.
Im italienischen Ministerium hat sich durch die Uebernahme des Portefeuilles des Ministers für die auswärtigen Angelegenheiten seitens des Grafen Robilant, welcher bislang italienischer Botschafter in Wien war, ein bemerkenswerther Personalwechsel vollzogen. Derselbe bedeutet eine radicale Aenderung in der auswärtigen Politik Italiens, denn alle Berichte über den Grafen Robilant besagen, daß derselbe der geeignete Mann sei, der auswärtigen Politik Italiens das fehlende Rückgrat zu verleihen. Namentlich werde er bemüht sein, in das Verhältniß Italiens zu den Kaisermächten die wünschenswerthe Klarheit zu bringen und anderseits auch der colonialen italienischen Politik zunächst am Rothen Meere einen bestimmteren Zug zu geben- Ueber die Persönlichkeit des Grafen Robilant sei mitgetheilt, daß derselbe 1826 geboren ist und schon frühzeitig in die sardinische Armee eintrat. 1848 und 1849 nahm er an den sardinisch-österreichischen Kämpfen lebhaften Antheil; in der Schlacht bei Novara (23. März 1849) verlor er seine linke Hand. Trotzdem blieb er im activen Dienst und avancirte verhältnißmäßig rasch. 1867 wurde Graf Robilant Generallieutenant und 1870 ernannte ihn seine Regierung zum Botschafter in Wien-
Aus der Türkei werden jetzt ebenfalls kriegerische Vorbereitungen gemeldet. Von Ismail und von der Küste des Marmarameeres marschiren 40,000 Redifs (türkische Reservisten) an, von denen 17,000 nach Adrianopel dirigirt werden. Ferner verhandelt die türkische Regierung, wie die „N. Fr. Pr." zu melden weiß, mit dem Triester Lloyd wegen Truppentransporte durch Lloyddampfer. Es soll sich um Truppentransporte nach Salonichi und nach Dedeagatsch handeln. Osman Pascha und Mukthar Pascha würden erforderlichen Falles den Oberbefehl übernehmen.
Nach langer Pause kommt aus dem Sudan wieder eine schwerwiegende Nachricht. Dieselbe besagt, daß das in Folge eines Vertrags mit England zum Entsätze Kassalas bestimmte abyssinische Heer einen großen Sieg über die Sudanrebellen davongetragen hat, die von Osman Digma befehligt waren. Die Aufständischen sollen 3000 Todte und Verwundete — unter ersteren Osman Digma selbst — auf dem Schlachtfelde gelassen haben, doch soll auch der abyssinische Verlust schwer sein. Bestätigt sich diese Nachricht, so würde die sudanesische Rebellion nunmehr einen Schlag empfangen haben, der für sie der Anfang vom Ende bedeutet; ob indessen das siegreiche Eingreifen der Abyssinier den chaotischen Zuständen im Sudan ein Ende machen wird, ist noch fraglich.
Aus den Verhandlungen der XXXVIII. Uersammlung deutscher Philologen und Schulmänner*)
(Die „E o m m e n i u s - S t i f t u n g" und die „Monumenta Germaniae pädagogic a.u)
Es ist kein Zweifel, daß ein immer vollständiger und deutlicher werdender Einblick in die Geschichte der Erziehung und des Unterrichts nicht nur von weittragendster culturhistorischer Bedeutung ist, sondern daß er auch die Aufgabe unserer Pädagogen — unsere Erziehung und unseren Unterricht zu den denkbar besten und wirksamsten zu gestalten — praktisch zu fördern geeignet ist. Von diesem Gesichtspunkte ausgehend, hat die 38. Versammlung deutscher Philologen und Schulmänner, die von: 30. September bis zum 3. October in Gießen tagte^in Bezug auf die zwei an der Spitze dieses Artikels genannten Institute bedeutsame Schritte gethan.
In der II. allgemeinen Sitzung dieser Versammlung hielt Herr Dr. Kehrbach aus Berlin einen Vortrag, betitelt: „Die pädagogische > Central-Bibliothek seil. Commeniusstiftung in Leipzig, ihr Zweck, ihr gegenwärtiger Zustand und ihre nothwendige Erweiterung".
Der Vortragende betonte zunächst, daß eine nur aus Biographien bedeutender Schulmänner bestehende Geschichte der Pädagogik den nothwendigen Einblick in das geistige Streben, das Lehren und Lernen, kurz in das ganze Schulwesen einer bestimmten Epoche nimmermehr gewähren könne. In erster Linie sei vielmehr nothwendig die Kenntniß der Schulbücher, die nachweislich längere Zeit und bei einer größeren Anzahl von Schülern im Gebrauch gewesen seien; sie lückenlos aufzubewahren, sei die Pflicht jeder Generation. Besonders unser Jahrhundert habe gegen diese Pflicht vielfach gesündigt; die Vernachlässigung des Pflichtexemplar-Statuts Seitens der Landesbibliotheken mache den Mangel einer Reichsbibliothek, wie man sie — als Musteranstalten — in England und Amerika habe, noch fühlbarer. Um für das Gebiet der Pädagogik diesen Mangel zu beseitigen, faßte der Leipziger Volksschullehrer Beeger im Jahre 1871 den Plan, eine pädagogische Sammlung zu veranstalten, die allmälig zu einer pädagogischen Centralanstalt erweitert werden sollte; er nannte sie „Commeniusstiftung", zu Ehren des 200 Jahre vorher verstorbenen großen Lehrers und Methodikers Johann Amos Commenius. Das Unternehmen fand freudige Anerkennung; zwar lehnten die meisten Regierungen jede Unterstützung ab, aber Lehrer und Laien schenkten Bücher und Geld. Die Bibliothek zählt jetzt 37 000 Bände, darunter 12 000 Programme; die fortwährend steigende Benutzung beweist einerseits die Noth- wendigkeit ihrer Existenz, andererseits die rege wissenschaftliche Thätigkeit auf diesem Gebiete.
Nun hat aber leider, trotz der energischen Bemühungen des Herrn Gymnasialdirector Dr. Vogt aus Cassel, die materielle Unterstützung des Unternehmens abgenommen, die Geldspenden werden spärlicher, die Lehrbücher mancher Fächer sind nur sehr lückenhaft vorhanden; außerdem bedingt der Geldmangel den Mangel guter bibliographischer Einrichtungen, ohne die keine Bibliothek ihren Zweck erfüllen kann. Soll darum die „Commenius-Stiftung" das werden, wozu sie den Anfang gemacht hat,
*) Die befreundeten Redactionen werden um gefl. Abdruck gebeten _______________________________Red. d. „G. A."
eine pädagogische Centralbibliothek für ganz Deutschland, und soll es ermöglicht werden, eine Sammlung aller gebrauchten Lehrnüttel und Schulgeräthschaften, also ein förmliches Sch ul museum mit ihr zu verbiuden, so muß der gesammre deutsche Lehrerstand sich voll und ganz der Sache annehmen; es muß aber auch das Deutsche Reich zur Erhaltung und Förderung dieses für die Wissenschaft wie für den Unterricht gleich wichtigen Unternehmens mit Hand anlegen. Und in diesem ^>inne stellte der Vortragende, der warm und beredt das ausführte, was wir hier kurz wiedergegeben haben, folgende zwei Anträge:
I. Die 38. Versammlung deutscher Philologen und Schulmänner wolle beschließen, in das jeweilige Programm ihrer Versammlungen einen Bericht über den Fortgang der „Commenius-Stiftung" aufzunehmen.
II. Eine Commission soll an die deutsche Reichsrcgierung unter Darlegung der Gründe das Gesuch stellen, die Leipziger „Commeniusstiftung" zu einer Reichsanstalt zu machen; in die Commission sollen möglichst Mitglieder aller deutschen Staaten gewählt werden.
Beide Anträge werden einstimmig angenommen. Auf Vorschlag des Herrn Dr. Kehrbach wurden in die Conlmission gewählt die Herren: Gymnasialdirector und Professor Dr. Schiller, Professor Dr. Oncken aus Gießen, Professor Dr. Jürgen Bona-Meier aus Bonn, Gymnasialdirector Dr. Vogt aus Cassel, Prof. Dr. Uhlig aus Heidelberg, Oberschulrath Prof. Dr. Albrecht aus Straßburg i. E. und — auf Vorschlag von Herrn Prof. Stengel aus Marburg — noch der Antragsteller, Herr Dr. Kehrbach aus Berlin. Wir sind der festen Ueberzeugung, daß die Commission den besten Erfolg zu verzeichnen haben wird; wir hoffen aber auch, daß das Unternehmen im Kreise unserer Leser und besonders der Lehrer immer mehr Verständniß, Anerkennung und Unterstützung finden möge.
Zwei weitere wichtige Beschlüsse wurden von der Versammlung gefaßt in Betreff eines Unternehmens, das zwar noch nicht das Licht der Welt erblickt bat, dessen künftiges Gelingen aber als gesichert betrachtet werden kann; es ist dies die Herausgabe der „Monumenta Germaniae paedago gicau- Herr Dr. Kchrbach aus Berlin, der die Anregung dazu gegeben und die Redaction übernommen hat, hat in seinem „kurzgefaßten Plane der M. G. P.“ (48 u. 8 S. Berlin, Hofmann il Comp.) Zweck und Art des Unternehmens dargelegt. Der Zweck ist: Edition und kritische Sichtung aller Quellen, die zu einer genügenden historischen Darstellung der Pädagogik unentbehrlich sind; denn daß eine umfassende und gründliche Geschichte des Er- ziehungs- und Unterrichtswesens bis jetzt nicht vorhanden ist, ist fraglos.
Vom frühen Mittelalter ausgehend, sollen nun die M. G. pacdagogica ver suchen, „Jahrhundert für Jahrhundert zu verzeichnen, was die Menschen in den weiten Schichten aller der Stände, die überhaupt einen Unterricht und eine Erziehung genossen, wirklich an Kenntnissen und an Bildung besessen haben. Dann aber werden die „Monumenta“ die Bausteine zu einer Geschichte des gesammten Unterrichts- und Erziehungswesens in den Ländern deutscher Zunge, und zwar von der frühesten Zeit an liefern. Die gesammte Entwickelung des deutschen Erziehungs- und Unterrichtswesens soll in ihren wesentlichen literarischen Mani- festatronen ohne Bevorzugung einer besonderen Schulgattung, eines besonderen Zeitraumes oder einer besonderen Confession, überhaupt ohne jeden Parteistandpunkt durch die „Mon umenta Germ, paeda- gogica“ vorg eführt werden." Wird dieser Zweck erreicht, dann wird das Werk von weittragender nationaler Bedeutung sein. Pädagogen von Fach, gelehrte Vertreter der verschiedensten Fachwissenschaften und Mitglieder der verschiedenen Ordenscongre- gationen haben in stattlicher Anzahl ihre Mitarbeit zugesichert; und es konnte denn der 1. Präsident obengenannter Versammlung, Herr Gymnasialdirector und Professor Dr. Schiller, als er in der letzten Sitzung der pädagogischen Section über die „M. G. P." referirte, die erfreuliche Mittbeilung machen, daß demnächst die ersten Publikationen zu erwarten sind. Doch sind, um einen gedeihlichen Fortgang und ein glückliches Ende zu erzielen, allgemeines warmes Interesse besonders der deutschen Schulmänner, sowie einsichtige, der Bedeutung des Werkes entsprechende Opferwilligtcit der Regierungen, unerläßlich.
Darum stellte Herr Professor Dr. Schiller folgende beiden Anträge:
I. Es möge bei der pädagogischen Section der künftigen Philoloaen - Versammlungen ein Referat über den Stand der „M. G. P." in das Programm ausgenommen werden.
II. Es möge eine Commission gewählt werden, die an sämmtliche deutsche Negierungen ein Gesuch richte um Unterstützung dieses großen nationalen Unternehmens. Der Wortlaut der Petition und die Zeit ihrer Absendung bleibt dem Ermessen der Commission überlassen.
Tie Anträge werden angenommen.
Herr Gymnasialdirector Professor Dr. Schiller und Herr Realgymnasialdirector Nodnagel werden gewählt, mit der Verpflichtung, sich zu cooptiren, und zwar so, daß möglichst Angehörige aller deutschen Staaten in der Commission vertreten sind.
Wir zweifeln nicht, daß diese Beschlüsse und ihre Folgen einen bedeutsamen Schritt vorwärts bezeichnen in der Entwicklung eines Werkes, das uns unser wichtigstes Culturinstitut, unsere Schulen, in ihrem Entstehen und Werden vor Augen führen will. Der gesammte deutsche Lehrerstand wird die Thätigkeit der 38. Versammlung deutscher Philologen und Schulmänner in Betreff der beiden Institute — der Commenius-Stiftung, sowie der M. G. P. mit Freuden begrüßen. Mögen aber auch diese Unternehmungen, die ein Denkmal deutschen Fleißes und der Stolz deutscher Wissenschaft sein werden, in den weiten Kreisen aller Gebildeten die gebührende Würdigung und Aufmerksamkeit finden.
Vermischtes.
— Auf dem allgemeinen deutschen Handwerkertag, der jüngst in Köln versammelt war, wurde auch die Frage der Sonntagsruhe berathcn. Bei dieser Gelegenheit führte der Schneidermeister Möller aus Dortmund aus, der Türke habe aU Feiertag den Freitag, der Jude den Samstag, der Christ den Sonntag und nur der „Lump" den Montag.
. , — Der Großh. Bezirksdirector zu Weimar hatte im Laufe dieses Sommers durch eine Verfügung darauf aufmerksam gemacht, daß das Tragen der Sensen olme schützende Umhüllung der Schneide bei Strafe verboten sei. Dem Bürgermeister zu Tiefurt war diese Bekanntmachung jedenfalls nicht hübsch genug stilisirt, kurzum, der gestrenge Ortsvorstand setzte sich hin und meisterte sich die Geschichte , etwas Zurecht". Demzufolge ist nun im Aushängekasten des klassischen Tiefurt folgende Musterleytung zu leien:
, 'E Wiederholt Bekannt gemacht das daß Sensen Tragen auf Oefeut- Straße und m Orte die Scheite der Sense mit Holzscheit oder andere verdecketc
Weise Bedeckt sein must bei Vermeidung einer Geldbuße bis zu 15 je oder eine Haft- strafe bis zil 5 Tagen für jeden Zuwiederhandlungsfall getragen werden dürf wird hierdurch zur Rachachtung mit dem Bemerken in Erinnerung gebracht das die Großh. Gendarmen des L Verw. Bezirk Anweisung erhalteii hat die genaue Bekanntmachung zu überwachen. Der Großh. Bez.-Director, gez. Wokenius."
Dem Bezirksdirector zur Lehr'. (Klingt fast unglaublich!)
A l l g r M s i n e r K n zeige r°
Zur gefL Beachtung S
Unterzeichnete empfiehlt sich in allen in ihrem Fach vorkommen- den Arbeiten in und außer dem Hause.
Bestellungen werden Neue Baue 13, IL Stock entgegengenommen.
Gertrude Bauer,
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