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Rr. 1S2 Zweites Blatt Donnerstag den 11. Juni
is Gießen.
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auf Kreta telegraphisch angewiesen, seinerseits Alles zu thun, um zur Beschwich tigung der Aufregung beizutragen.
Die peruanische Republik kann mit ihren Parteigängern noch nicht zur Ruhe kommen, doch scheint es, daß der jetzige Präsident, General Iglesias, seine Herrschaft in Peru schließlich behaupten wird. Vier Bataillone des Generals Cleorres haben ihre Dienste dem Präsidenten, General Iglesias, angeboten und 1000 Mann sollen von Lima abrücken, um Arequipa, den Sitz der Rebellen, anzugreifen.
erzielten.
Gießen, 6. Juni 1885.
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Darmstadt, 6. Juni. Gegenwärtig läßt das Ministerium durch die Bürgermeistereien die Zahl und Vermögensoerhältnisse der noch im Großherzogthum lebenden Veteranen aus den Freiheitskriegen ermitteln, da die, Absicht besteht, eventuell Bedürftigen unter ihnen eine staatliche Gnadenpension für den 9i'eft ihrer Tage aus-
Darmstadt, 5. Juni. Bei Gelegenheit der im Juni hier stattfindenden großen Gartenbau-Ausstellung werden nach dem „Mainzer Anzeiger" auch die belangreichen,
Neber die Aufsuchung unterirdischer (Quellen.
(Nachdruck verboten.)
Der „Gedankenleser" ist abgethan, jetzt folgt der „Quellenleser" — so ist man versucht zu denken, wenn man liest, daß der jetzt auch in unserer Nähe (Frankfurt re.) arbeitende Quellensinder seine Fähigkeit von einer ihm innewohnenden „magnetischen Kraft" herleitet. Wir sind überzeugt, daß der betreffende Herr sich mit der „misera plebs" einen kleinen Scherz erlaubt hat, und daß er nicht im Ernste das Ergebniß eifrigen Studiums und langer Praxis, über das er verfügt, einer Wundergabe zuschreibt, die heute oder morgen jedem anderen Sterblichen bei der Geburt von einer gütigen Fee in die Wiege gelegt werden kann.
Studium und Praxis, jawohl; denn das Quellenfinden ist eine Wissenschaft, allerdings noch ohne Lehrbücher und Lehrstühle, und darum bis jetzt eine Geheimwissenschaft, weil nur von wenigen gekannt und mit Erfolg geübt.
Vor mehr als zwanzig Jahren hat ein damals vielgenannter Quellenfinder, der Ingenieur Henoch, in einer lesenswerthen Abhandlung auf die wissenschaftliche Bedeutung seiner „Kunst" hingewiesen und die Grundzüge derselben dargelegt. Die Verfolgung und Bestimmung des Wasserlaufs unter der Erdoberfläche ist — so führt er aus — eine Fähigkeit, ein Wissen, das erworben werden kann. Das Vorstudium und der erste Hauptfactor bei den Studien des Quellenfinders ist geognostisches Wissen. Ein Theil der wässerigen Niederschläge — Negen, Schnee, Thau u. s. w. — dringt stets in die Erde ein, sammelt sich und nimmt einen unterirdischen.Lauf. Entweder kommt dieses Wasser an tiefer gelegenen Stellen der Erdoberfläche wieder zum Vorschein — als selbstständiges Bächlein oder dergl. — oder aber es setzt seinen unterirdischen Lauf bis zu benachbarten Bächen, Flüssen oder Meeren fort. Je weniger wasserdicht, je poröser und „wasserdurchlassender" also die Oberfläche einer gewissen Gegend ist, desto reicher wird diese an Quellwasscrn sein. Daher ist Kenntniß der Durchdtingbarkeit der einzelnen Gesteine vom Wasser und ein intensives Studium ihrer Schichtungs- und Structurverhältnisse das erste Erforderniß für den unnrag- netischen Quellensucher; der magnetische braucht's nicht. Ein zweiter Hauptfactor ist die Oberflächenbildung, der Lauf, die Stärke und Menge der fließenden und sichenden Gewässer, sowie die Bildung der Gebirge. Denn in den meisten Fällen wird die Oberflächenbildung einer Gegend, zumal in den relativ geringen Tiefen, in denen Quellen gesucht werden, eine analoge Bildung im Niveau der unterirdischen Wasserläufe im Gefolge haben. Die Hindernisse nun, die Hügel, Berge und Gebirge für die Laufbildung oer oberirdischen Gewässer bilden, werden für die unterirdischen von undurchdringlichen Schichten gebildet, so daß unter der Erde ebenfalls em Wassernetz von Bach- und Flußgebieten sich befindet. Daß beide Thatsachen dem Quellensucher wesentliche Anhaltspunkte bieten, ist ersichtlich.
Die Gestaltung der Pflanzenwelt, für sich allein betrachtet, bietet dagegen wenig oder gar keine Sicherheit für die Bestimmung unterirdischer Quellen. Denn diese fließen meist in solchen Tiefen, in denen sie keinen Einfluß auf die Vegetation der Erdoberfläche mehr auszuüben vermögen. Aber eine umgekehrte, äußerst wichtige Wechselwirkung findet statt: das ist die Einwirkung der Wälder, der Gebirgswälder und Waldgebirge, auf die Quellenbildung, und dies ist der dritte Factor, den der Quellenfinder im Auge behalten muß.
Wald und Moos halten die Regenmassen und Schneewasser fest, bewirken ihr Eindringen in die Erde und somit Bildung unterirdischer Quellen, sowie die Entstehung kleiner Bäche auf der Oberfläche; kahle Bergfelsen vermögen diese Thätigkeit nicht auszuüben. Schon diese Thatsache allein spricht gegen ausgedehnte Entwaldung, deren schädliche Einwirkung übrigens heute kaum mehr geleugnet wird.
Außer diesen drei Hauptfactoren gibt es noch eine Anzahl anderer Punkte, die nicht außer Acht gelassen werden dürfen: Kenntniß der klimatischen Verhältnisse der betreffenden Gegend, ihre Seehöhe, die Menge ihres Regenniederschlages. Ein genaues Studium aller dieser genannten Factoren ist das Material, mit dem der Quellensucher zur praktischen Ausübung seiner Wissenschaft schreiten kann. Natürlich läßt in den meisten Fällen keiner der angeführten Factoren für sich allein eine Anwendung zu, jeder derselben hat eben nur Bedeutung, wenn er mit allen andern in richtige Wechselbeziehung gebracht wird. Und hier verläßt uns die graue Theorie; diese Wechselbeziehung kennen zu lernen, keinem Factor einen geringeren oder größeren Einfluß zu gestatten, als ihm, den localen Verhältnissen entsprechend, wirklich zukommt — dies bleibt dem wichtigen Blicke vorbehalten, der das Resultat einer langjährigen, mühevollen Praxis ist.
Wenn irgendwo, so ist hier Uebung unerläßlich. Henoch weift noch besonders darauf hin, daß die Beobachtung der Bildung und des Laufes zahlreicher oberflächlich entspringender Quellen dem Aufmerksamen vielerlei Winke gibt. „Man muß", sagt er, „die Natur nachahmen, um glücklich zu graben, und die Terrainverhältnisse, unter denen man gräbt, müssen denen ähneln, welche das natürliche Hervortreten der Quelle begleiten. Darin liegt das ganze Geheimniß!"
Aber das Geheimniß ist ein durchaus natürliches, wenn auch für Viele undurchdringbar; es ist das Geheimniß menschlichen Scharfsinnes und gründlicher Arbeit. Henoch hat es durch die That bewiesen, daß dem Quellenfinder keine übernatürliche Begabung nothwendig ist, um mit Erfolg zu wirken. Er hat seiner Zeit in drei Jahren nicht weniger als 2800 Quellcnpunkte in wasserarmen Gegenden bestimmt , von denen nur 15 , also kaum V-2 Procent, das gewünschte Resultat nicht
Politische Ueberficht.
Gießen, 10. Juni.
Der Zustand des Kaisers hat sich soweit gebessert, daß der erlauchte Herr seit einigen Tagen wieder seine Ausfahrten unternehmen und die gewohnten Arbeiten erledigen konnte. Der Kaiser wird daher möglicher Weise sich schon Ende dieser Woche zur Kur nach Ems begeben, dessen Quellen auf die Huls- chectionen des Monarchen seit Jahren schon eine vorzügliche Wirkung geübt haben und dieselben hoffentlich auch diesmal nicht versagen werden.
Von den Vordereitungeu der einzelnen Parteien zu den Neuwahlen für das preußische Abgeordnetenhaus hört man noch wenig. Nur die nationalliberale Partei hat ihre vorläufige Parole für den Wahlkampf oahin abgegeben, daß sie zunächst allein und ohne jedes Bundniß in bu Wahlbewegung emtreten will. Von der Socialdemokratie trennen die Parteien eine Kluft, über welche keine Brücke führe. Von dem Fortschritte scheiden die Nationalliberalen Personen- und Principien-Fragen, zwischen ihnen und den gemäßigt Conservativen überwiegen die Differenzen in Bezug aus Personen- Fragen. Die Partei weise die Gemeinschaft mit Stöcker, Wagner und Cremer energisch zurück. Der Anhang der „Kceuz-Zeum g", welche als ihre höchste Aufgabe die Verunglimpfung der nationallibcralen Partei betrachte, diene nur dem Centrum. Die Nationalliberalen werden zunächst daher allein vorgehen. Es werde sich ja später ergeben, ob und mit welchen Elementen sich eine Ver- ständigung erzielen lasse.
Das „Reichs-Gesetzblatt" publicirte das Gesetz über die Ausdehnung der Unfall- und Kranken Versicherung vom 28. Mai 1885. Das Gesetz bezieht sich bekanntlich auf die tn Transport-Gewerben beschäftigten Personen. Das auf die land- und sorstwirtnschaftliche Ardetter bezügliche Gesetz ist noch nicht zu Stande gekommen.
In der braunschweigischen Erbfolgesrage ist jetzt ein neues Moment aufgetaucht. Danach soll einer der deutschen Bundesstaaten beim Bun- desrathe einen Antrag emgebracht haben, welcher eine andere Lösung, als die von Preußen vorgeschlagene in der braunschweigischen Erbiolgefrage bezwecke. Das Nähere in dieser Beziehung muß allerdings noch abgewartet werden.
Um die Mannschaften der Kreuzer-Corvette „Olga", die sich namentlich vor Kamerun ausgezeichnet hat, zu ehren, hatte bekanntlich der Kcriser angeordnet, daß zwci Obermatrosen und acht Matrosen der „Olga" in voriger Woche einen Tag den Wacht- und Ehrendienst vor dem kaiserl. Palais zu leisten hatten. Vor ihrer Abreise nach Kiel hat nun der Kaiser diese Obermatrosen zu Bootsmanns-Maaten befördert und diesen wie jedem der acht Matrosen ein Geldgeschenk von je 200 JL überreichen lassen.
Im socialdemokratischen Lager liegen sich die „Gemäßigten" und die „Unversöhnlichen" noch immer in den Haaren und treten jetzt die Herren Zollinger und Gerser für Frohme gegen Bebel ein, dem sie Autoritäts- Terrorismus und Rücksichtslosigkeiten gegen gleichberechtigte Collegen vorwerfen.
General Peter Lumsden, der in dem afghanischen Grenzstreite die unkluge Rolle gespielt hat, nt am Sonntag in London angekommen, doch dürfte sein Erscheinen daselbst wenig Ernfluß auf den weiteren Verlaus der afghanischen Affaire haben, da die englische und russische Regierung den Zwischenfall von Pendjeh wohl schwerlich abermals als Zankapfel behandeln wollen. — Bezüglich der Zukunft Sapiens scheint jetzt England mit dem Plane umzugehen, dasselbe unter der Garamie der Großmächte in einen neutralen Staat umzu- wandeln, wie das bekanntlich mit Belgien seiner Zeit auch geschehen ist.
Der englische Handelsminister Chamberlain sagte vor seinen über. Wählern in Birmingham in Betreff Egyptens u. A.: „Wir haben ein Recht, zu erwarten, daß, ehe wir das Land verlassen können, irgend eine Bürgschaft gegeben werde, daß andere Nationen ebenso selbstoerleugnend sein werden, als nrir selbst zu sein beabsichtigen." Dtese „Selbstverleugnung" würde vielleicht unter Umständen in der Neutralisirung des Nil-Landes ihren Ausdruck finden. Mittlerroeile will England trotz Chamberlain's Freundschafts-Betheuerungen für Frankreich, trotz der Annäherung, die sich zwischen England und Frankreich in bei Suezkanal-Frage zu vollziehen beginnt, den Franzosen doch nicht recht trauen und beläßt Die Garden bis auf Weiteres in Alexandrien. Was die Haltung der Pforte in der Neutralisirungs-Frage anbelangt, so glaubt man in Pariser diplomatischen Kreisen. dieselbe dürste, vorausgesetzt, daß hierfür eine mit den Hoheitsrechten des Sultans verträgliche Form gesunden werde, keine ernstlichen Schwierigkeiten bereiten.
Die französische Deputirtenkammer setzte ihre Berathungen ohne sonderliche Zwischensalle fort. Sie nahm mehrere Artikel des RekrutirungS' Gesetzes an; die Berathung des Gesetzes über die Wiederherstellung des Liften- seratinismus, welches bei der Berathung in dem Senate Abänderungen erfahren hat, fand am Montage sialt. Die Commission für dieses Gesetz beantragte die Annahme der von dem Senate beschlosseuen Abänderungen.
Ueber die Unruhen auf Kreta, welche Insel bekanntlich vorzugs- wnse von Griechen bewohnt ist, erfährt man, daß die Ankunft des jungst ernannten Gouverneurs, Savas Pascha, unter der Bevölkerung eine gewisse Äristegung hervorg-rusen hat. En von der candiatischen Repräsentanten-Ver- iatmmlung ernannter Ausschuß begab sich an Bord des Dampfers, mit welchem de« neue Gouverneur eingetroffen war, und erklärte demselben, daß seine Er- nemnung den Wünschen der Repräsentanten-Versammlung nicht entspreche. — 7)§r griechische Minister des Aeußein, Delyannis, hat den griechischen Consul


