Wie«, 9. Juni. Bon den im Ganzen vorzunehmenden 353 Reichsrathswahleu haben bisher 320 ftattgefunden. Von ben Gewählten gehören 167 der Regierungs- Partei , 132 den Deutsch - Liberalen und die Uebrigen verschiedenen Parteischattirungen an.
Paris, 9. Juni. Wie die „Agence Havas" meldet, wurden in der gestrigen Sitzung der Suezcanal-Commission von Seiten der englischen Delegirten mehrere Con- cessionen gemacht; trotzdem eine Uebereinstimmung noch nicht erreicht ist, sei doch zu hoffen, daß demnächst die englischen Delegirten dem von den andern Mächten ausgestellten Entwürfe zustimmen werden.
— Die „Agence Havas" berichtet ferner aus Tientsin von heute, daß die Verhandlungen noch nicht beendet seien, der Abschluß des Vertrages jedoch nahe bevor- ftche. Danach verzichtet China endgültig auf alle politischen Beziehungen zu Anam und erkennt alle aus dem von Frankreich errichteten Protectorate sich ergebenden Folgen an.
— Herbinger beantragte bei dem Kriegsminister, daß sein Verhalten bei der Räumung Langson's dem Kriegsgerichte überwiesen werde, da alle Zeugen sich in Tongking befinden. Campenon entschied, daß Herbinger nach Tongking zurückkehren solle und zur Verfügung Courcey's gestellt werde, welcher die Thatsachen in dem gewöhnlichen Verfahren feststellen werde. Je nach dem Ergebnisse der Ermittelungen werde Hcrbinger dem Kriegsgerichte oder dem Untersuchungsgerichte überwiesen.
— Deputirtenkammer. Freycinet theilte mit, der Regierung sei eine Depesche Patenotre's zugegangen, in welcher derselbe meldet, daß der Vertrag zwischen Frankreich und China heute um 4 Uhr in Tientsin unterzeichnet worden sei.
London, 9. Juni. Der Cabinetsrath tritt heute Mittag zusammen, um die in Folge der Abstimmung des Unterhauses entstandene Krisis zu berathen. Wenn die Minister abzudanken beschließen, so muß der Premierminister hierzu die Genehmigung der Königin einholen, welche gegenwärtig in Balmoral weilt.
London, 9. Jnni. Der Cabinetsrath dauerte fünfviertel Stunden. Aus der kurzen Dauer der Berathungen schließt man, die Minister hätten beschlossen, ihre Demission zu geben.
— Die „Pall-Mall-Gazette" schreibt, Gladstone's Ministerium habe aufgehört zu leben ; selbst wenn eine Neubildung desselben stattfände, würde die seit 1880 bekannte Form nicht wiederkehren. Das Blatt glaubt, Salisbury werde an Gladstone's Stelle treten, falls seine Partei sein Programm billigen werde; dann werde auch die liberale Majorität gezwungen sein, ihn zu unterstützen. Eine Reconstruction des bestehenden Cabinets sei unwahrscheinlich. Die „Pall-Mall-Gazette" vermißt hierzu die nöthigcn Elemente; Gladstone werde aus Ueberdruß zurücktreten. — Die „St. James Gazette" räth an, daß die Conseroativen die Leitung der Geschäfte übernehmen, obwohl dies gegenwärtig eine enorme Last sei. — Der „Globe" glaubt, Salisbury werde vor der schweren Aufgabe nicht zurückschrecken, seine Partei werde den Muth ihrer Ueber- zcugung haben.
Portland, 9. Juni. Mehrere zu dem Evolutionsgeschwadcr des Admirals Hornby gebärende Kriegsschiffe, nämlich fünfzehn Panzerschiffe verschiedener Klassen, acht Torpedoboote, mehrere Kanonenboote und Aviso's, sind heute Morgen von hier ausgelaufen.
Petersburg, 9. Juni. Die Zahl der in diesem Jahre auszuhebenden Rekruten für die Armee und Flotte ist auf 230,000 Mann festgesetzt.
Warschau, 9. Juni. Heute fand die feierliche Eröffnung der landwirthschaft- lichen Industrieausstellung in Anwesenheit des Generalgouverneurs, der Spitzen der Behörden und eines zahlreichen Publikums statt.
Newyorik, 9. Juni. Nachrichten aus Mexiko zufolge wurden bei Lagos durch eine Wasserhose gegen 100 Personen getödtet.
Kairo, 9. Juni. sReutermeldung.j Ofsieiellcn Depeschen aus Suakim zufolge ist Kassala Ende Mai gefallen.
Athen, 9. Juni. Nach den neuesten Nachrichten aus Kandia sind die Consuln der fremden Mächte ernstlich bemüht, die Differenzen zwischen Savas und der Re- präsentanten-Rersammlung versöhnlich beizulegen. Man hofft, daß dies in kürzester Frist gelingen werde.
Lokale-.
Gießen, 10. Juni. Seine Königliche Hoheit der Großherzog passirte gestern Nachmittag 4Va Uhr auf der Reise nach Lich die hiesige Station.
G. Gießen, 10. Juni. sSterblichkeit in Gießen.j Die Sterblichkeit ging in der Woche vom 31. Mai bis 6. Juni etwas herab, da im Ganzen nur 9 Todesfälle zu verzeichnen waren. Kinder wurden nur 2 betroffen. Das eine, nur 2 Monate alt, starb an allgemeiner Abzehrung, das andere, 4 Jahre alt, erlag einer Lungenentzündung. Bei den 7 erwachsenen Personen war Todesursache: Lungenschwindsucht zweimal, Schlagsiuß, Gehirnentzündung, Leberentzündung, Krebs, Brightische Krankheit je einmal.
Gieße«, 10. Juni. Der Geograph und Ethnograph Professor Robert v. Schlagintweit, dessen sterbliche Hülle gestern auf hiesigem Friedhöfe zur letzten Ruhe gebettet wurde, war der letzte der drei Brüder, welche sich um die Erforschung von Centtalasien und speciell der Gebirgswelt des Himalaya unsterbliche Verdienste erworben. Robert Schlagintweit, geb. am 27. October 1833, war der jüngste von fünf Söhnen des bayrischen wirklichen Raths Joseph Schlagintweit, der sich besonders im Fache der Augenheilkunde bekannt gemacht hat. Die fünf Brüder folgten einander im Alter: Hermann, Adolf, Eduard, Emil und Robert. Eduard, welcher 1860 als bayerischer Premierlieutenant an der Expedition der Spanier nach Marokko Theil genommen und das Werk: „Der spanisch-marokkanische Krieg 1859—1860" veröffentlicht hatte,^iel 1866 im Gefecht bei Kiffingen. Emil widmete sich neben der Jurisprudenz dem Studium der indischen, besonders der tibetischen Sprachen und schrieb verschiedene, darauf Bezug habende Werke und Abhandlungen. Hermann, Adolf und Robert gingen durch Humboldt's Vermittlung auf Kosten des Königs von Preußen und der Brittisch- Ostindischen Compagnie nach Indien und führten die berühmte wissenschaftliche Reise in jenem Lande und in das Himalayagebirge aus, vor Allem zum Zwecke der Bestimmung von magnetischen Curven im Innern Indiens, dann auch zur Ausführung meteorologischer Beobachtungen, geologischer und geognostischer Arbeiten und Höhenmessungen. Am 20. September 1854 schifften sie sich nach Egypten ein, langten Ende des Jahres in Bombay an, durchwanderten von da aus, thells vereint, theils jeder für sich das Dekhan und kamen im Februar 1855 nach Madras, dann nach Kalkutta. Von hier brachen Adolf und Robert am 25. März 1855 wieder auf, gelangten über Patua, Benares, Allahabad und Fatighar in die Nordwest-Provinzen zur Erforschung der Hochpässe über den Hauptkamm des mittleren Himalaya, über den sie bis ins chinesische Tibet vordrangen und erreichten am Jbi Gamin mit 6788 Meter die größte von einem wissenschaftlichen Reisenden erreichte Höhe. Robert wandte sich hierauf nach Centtal- Fndien in den damals noch schwer zugänglichen Amarkantakgebirgsstock, Adolf in das Godawcrithal, das er bis an's Meer durchwanderte, um nach Madras überzusetzen nnb von hier aus Süd-Indien bis Tritschinapalli mit Einschluß der Nilgiri auf seine geologische Beschaffenheit zu untersuchen. Hermann, 1855 am 5. April von Kalkutta aufgebrochen, hatte sich inzwischen nordwärts nach Dardschiling in Sikkim begeben und war von da aus nach Assam, nahe bis zur Südwendung des Brahmaputra, vorgedrungen. In Simla trafen die drei Brüder zusammen, trennten sich im Juli 1856 wieder, um nach dem westlichen Himalaya und Tibet vorzudringen. Hermann und Robert gingen nach Ladak, überschritten von hier aus unter Verkleidung den Karakorum und überstiegen als die ersten Europäer den Kuenlün. Adolf schlug die Richtung nach dem oberen Indus ein, um das westliche Tibet oder Baltt zu untersuchen. Im November 1856 trafen die Brüder wieder zu Rawal-Pindi am Indus zusammen, trennten sich aber sofort abermals. Robert durchzog das Jndusland und schiffte sich im Frühjahr 1857 nach Europa ein. Hermann besuchte noch Nepal und ging dann nach Kalkutta, wo er über Ceylon ebenfalls die Rückreise nach Europa anttat, in Egypten sich mit Robert vereinigte und am 8. Jnni 1857 in Triest landete. Adolf wollte noch ein Jahr auf die weitere Durchforschung Tibets und Türkistans verwenden, ging von Rawal-Pindi nach Le in Ladak, überstieg die Gebirgsketten des Karakorum und Kuenlün, kam Anfangs August 1857 in die Gegend von Jarkand, wurde hier aufgegriffen, nach Kaschgar gebracht und hier am 26. August 1857 auf Befehl des damaligen Gewalthabers getödtet.^ Die Brüder Hermann und Robert ließen sich zuerst in Berlin nieder, kauften später Schloß Jägersburg bei Forchheim und stellten hier ihre reichhaltigen cthnographisch-natnrhistorischen Sammlungen auf, die im Mai 1877 auf Anordnung
£ontö Ludwig ü. von Bayern in die Burg zu Nürnberg übergeführt wurden. Hermann der specrell wegen der Uebersteigung des Kuenlün 1864 den Beinamen Sakünlünsi krU, gab in deutscher- Sprache „Reise in Indien und Hochasien" (Jena 1869-79
^CVaUV?b zahlrerAe Abhandlungen für die bayerische Akademie dcr Wissenschaften. Robert trat werter Ende 1868 eine zehnmonatliche Reise nach Nord ^.enka an, bie er ^nIifDrnien au§^e^xte und deren Ergebniß er in den Schnsim- /D" Pacific-Eisenbahn" (Köln 1870), „Kalifornien" (Köln 1871), „Die Mormonen" (Äoln, 2. Aust. 1877), „Die Prainen" (Köln 1876) veröffentlichte. Robert (welchem mit Hermann und Adolf 1858 vom König von Bayern der erbliche Adelstand verliebkli worden), war, wenn auch in Sprache und. Darstellung weniger gewandt, ein gewissen Hafter und unterrichteter Beobachter. ncn'
c ~ Eine aufregende Scene spielte sich gestern Nachmittag gegen 5 Uhr oberhalb der Brücke rn der Lahn vor dem Neustädter Thor ab. Der Knecht einer hiesiaen Cigarrenfabrik, cm schon bejahrter Mann, wollte, nachdem er mit seinem Fuhrwett olntenl #®eifP®nni|Jcn Wagen, Wäsche zur Bleiche gefahren, durch die Lahn oberhalb der' Lahnbrucke fahren. Auf dem Wagen befand sich außer dem Knechte noch ein Dienst madchen. ^n früherer Zeit war an dieser Stelle die Lahn sehr seicht, jedoch im vorigen ^apre rouriJe dorten Sand gebaggert und in Folge dessen bedeutende Tiefen geschaffen Berm Eintreten der Pferde nun in das Wasser geriethen dieselben alsbald in eine solche m eJe —c P^rde, Wagen und Menschen waren im Nu verschwunden, bis auf die
Nasenspitzen der ersteren. Zum guten Glücke befand sich der Knecht des Maurermeisters Langsdorf, ein junger Mann, welcher bei den Pionieren gedient, am Ufer und iah ber Scene mit zu. Nasch entschlossen sprang er in's Wasser, tauchte unter und holte erst das Dienstmädchen, sodann den Knecht aus dem nassen Element. Letzterem mußte er sogar die krampfhaft die Leine festhaltenden Hände unter Wasser aufbrechen um lhn sodann an die Oberfläche zu befördern. Nachdem die beiden Menschen gerettet amg der Muthige wieder in das Wasser, tauchte unter und schirrte unter Wasser' die beiden Pferde aus, welche auch bereits dem Tode nahe waren, und rettete sie dadurch glücklich an's Ufer.- Angesichts dieser mit eigener Lebensgefahr vollbrachten edlen That gebührt dem Knechte des Herrn Langsdorf wohl alle Aneickennung, welche ihm hoffentlich auch zu Theil werden wird. Fuhrleute mögen jedoch durch Vorstehendes gewarnt sein, in ein Wasser zu fahren, bevor sie von der Tiefe desselben nicht aam genau unterrichtet sind.
Universität-- Chronik.
Göttingen, 8. Juni. Aus dem amtlichen Verzeichnisse des Personals der hiesigen Universität für das Sommersemester ist Folgendes von allgemeinem Interesse Die Gesammtzahl der Jmmatrikulirten beträgt 1017. (Theologen 199, Juristen 179 Mediciner 204, Philosophen 435.) Außerdem sind zu Vorlesungen berechtigt, aber von der Immatrikulation dispensirt 24. Die Gesammtzahl der Zuhörer beträgt demnach 1041 (gegen 1002 im letzten Semester). In Bezug auf Landesangehörigkeit entfallen auf die preußischen Provinzen 794, auf die übrigen Reichsländer 161, auf die übrigen .europäischen Länder 21. Das Prorektorat führt Professor Or. L. Meyer, das Dekanai der theologischen Fakultät Conststorialrath vr. Schultz, das der juristischen Fakulka! Geh. Justizrath Dr. v. Jhering, das der medicinischen Fakultät Professor Dr. Orth das der philosophischen Fakultät bis 30. Juni Professor W. Müller, vom 1. Juli an Professor Griepenkerl.
Vermischte-.
— sZum Capitel von der Trunksucht.^ Es ist leider eine feststehende Thatsachr, daß der „Trinkteufel" sich gerade in den untersten Volksschichten die bei weitem meisten seiner Opfer ausersieht, daß gerade hier die Trunksucht, diese häßliche nationale „Eigene thümlichkeit" der Deutschen, in ausgedehntem Maße zu finden ist und durch sie all jährlich Hunderte von Familien dem Elende in die Arme getrieben werden und schließlich der öffentlichen Mildthätigkeit anheimfallen. Fast ausschließlich ist es der Schnaps, der hierbei seine Rolle als Verderber der Familie spielt, dem der Ernährer der Familie mitunter seinen ganzen Wochenlohn opfert und wobei sich derselbe allmälig körperlich und geistig ruinirt, bis er völlig zum Vagabunden wird und sein elendes Leben nicb leicht an irgend einem Baume endigt. — Daß der Alkohol ein Lebensverkürzer ist, läßt sich an der Hand der Statistik entschieden nachweisen. Der Alkohol, in com centrirter Form und regelmäßig in größerer Menge genossen, erzeugt successive eine Reihe von Krankheiten, deren schlimnlste der Säuferwahnsinn oder das delirium tremens ist. Nach genauen statstischen Berechnungen hat ein 20jähriger Mensch, der keinen Alkohol genießt, Aussicht, noch 44 Jahre zu leben, ein Trinker dagegen nur 15 Jahre. Die Sterblichkeit der Trinker ist dreimal größer, als diejenige der Scichtttinker, die Familie eines Gewohnheitssäufers stirbt mit dem vierten Gliede aus und nach der Untersuchung eines berühmten französischen Irrenarztes sind die Hälfte der blödsinnigen Kinder solche von Trinkern; auch stellen die Trinker erwiesenermaßen einen verhältniß- mäßig hohen Procentsatz zu den Insassen unserer Krankenhäuser und Irrenanstalten, wie andererseits der Gefängnisse und Zuchthäuser.
Wenn , die „Schnapsbrüder" den Branntwein als ihren Sorgenbrecher bezeichnen, so haben sie insofern Recht, als sie sich durch denselben momentan betäuben, aber desto trauriger ist für sie bann das Erwachen aus dieser Betäubung. Für den Augenblick verleiht er allerdings Feuer und Kraft, eine gewisse körperliche und geistige spann-- kraft, aber es ist nur ein Strohfeuer, das er entzündet und das nur zu bald verlischt, um schließlich von einer völligen Erschlaffung der Nerven gefolgt zu werden. Unter Umständen kann ja ein mäßiger Branntweingenuß von Vortheil fein, so namentlich bei den Erntearbeiten, wo unter Umständen ein Schluck Schnaps bessere Dienste leistet, als Kaffee oder Bier und überhaupt mag ein Gläschen guten Branntweins bei Leuten, die sich viel im Freien bewegen, nicht so unangebracht sein; aber auch hier wirkt der Branntwein, wenn im Uebermaß genossen, nur schädlich.
Der Alkohol mordet aber nicht nur den Leib, sondern auch die Seele, den Ecist und das ist fast noch schlimmer. Den Trinker befällt in der Regel ein lärmendes, brutales und rohes Wesen, dem namentlich die armen Ehefrauen und Kinder ausgesetll sind, welche von dem Trunkenbold hart behandelt zu werden pflegen. Die Trunksuckl erzeugt ferner Verbissenheit und Feindseligkeit gegen alles religiöse Wesm, gegen die Autorität, das Pflichtgefühl, die Pietät. Ebenso ist die brutale Rücksichtslosigkeit gegen Sitte und Anstand, der wir so oft in Arbeiterkreisen begegnen, wesentlich mit eine Folge des Alkoholismus.
Es ist demnach die Trunksucht eines der zenüttendsten Laster, welches Körper und Seele gleichmäßig zerstört und das äußere gesellige Leben mit Schande und Elend erfüllt. Es erscheint darum als ein dringendes Gebot einfacher ^Nächstenliebe, daß die menschliche Gesellschaft alle Energie aufwendet, um das Volk — wir denken hierbei in erster Linie an die eigentliche, arbeitende Masse der Bevölkerung — so viel wie möglich gegen die Folgen dieses in unser Volksleben so tief einschneidenden Uebels zu schüym. Daß es sich hierbei nicht darum handeln kann, der Trunksucht vom diätetisch-ärztlichen Standpunkte entgegenzutreten, erscheint wohl selbstverständlich, denn diejenigen, welche durch ärztliche Mittel erst von der Trunksucht geheilt und einem neuen Leden wicdcr- gewonnen werden sollen, sind diesem Laster gewöhnlich schon so sehr ergeben, daß ein derartiges Verfahren in ben meisten Fällen resultatlos ist. Selbst wenn es aucb gelang, ben Trünker burch gewisse Kuren zu bekehren, so war alle gute Wirkung wieder verschwunden, wenn es ihm nur ein einziges Mal gelang, sich in seinem unversetzten Lieblingsgetränke wieder zu berauschen. Wo es möglich ist, den Menschen durch moralischen Zwang, eigene Willenskraft und Ehrgefühl von der Trunksucht zu eui; mobilen, muß diese Entwöhnung allmälig gescheben durch stufenweise Verringerung des Quantums, weil sonst solche Menschen hinfällig zufaiumenfallen und oft gefährlich erkranken. Gan; entschieden zu verwerfen sind aber die Geheimmittel gegen Trunksucht, weil nutzlos und oft auch gefährlich für ben Betreffenden; außerdem müssen alle diese Mittelchen weit über ihren Kostenpreis bezahlt werden.
Die Bekämpfung der Trunksucht hat auf einem ganz anderen Wege zu erfolgen und zwar muß hierbei vor Allem der Staat durch enffprechende Gesetze cingreiren. Im Gegensatz zu anderen Ländern, welche längst schon zu gesetzgebei-ischen Matzregeln behufs rationeller Bekämpfung dieses Lasters geschritten sind, ist in Deutschland m dieser Beziehung noch viel zu wenig geschehen. Ohne Zweifel steht die Zahl der Schänken in engem Zusammenhang mit der Steigerung des Consums geistiger Gelran und hier muß auch zuerst zur Hebung des Hebels der Anfang gemacht werden. Das, wa bisher in Deutschland geschehen ist, um die Zahl der Schänken und Destillationen .■>


