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11/01/1885 Zweites Blatt
 
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nicht erlosch?!?-

Die Räude herrschte während des Monats November noch unter den Schafen in Bergheim, Dauernheim und Wenings, im Kreise Büdingen, in Ulrichstein und Michktbach, tm Kreise Schotten, in Engelrod und Hörgenau. im Kreise Lauterbach. In Rieder-Wöllstadt, im Kreise Friedberg, wurde sie bet einem aus dem Auslande cingebrachten Transport Schafe festgestellt und auch in Stockhausen, tm Kreise Lauter­bach, zeigte ft=? sich bet einem aus dem benachbarten Auslande eingesührtrn Schafe. In Bürg-Gemünden, im Kreise Alsfeld, ist die Räude erloschen, da die dortige Heerde zum Schlachten ausgeführt wurde.

Die älteste Geltung der Welt ist das Journal von Peking, welches tm Jahre 911 gegründet, aber erst vom Jahre 1315 an regelmäßig erschien. Dieses chinesische Blatt ist in neuester Zett einer gründlichen Veränderung unterzogen worden und erscheint jetzt in dret Ausgaben. Die erste unter dem TitelKlng-Paou" (Zeitung -der Einwohner), die auf gelbem Papier gedruckte, ist das amtliche Blatt des chinesischen Kaiserreichs. D e zweiteChsina Paou* lHandelSblatt), auch auf gelbem Papier,

erweckt die Theilnahme von ganz Europa. Auch am kaiserlichen Hofe von Berlin nimmt man den innigsten Antheil an diesen schweren Heimsuchungen und speciell Kronprinz Friedrich Wilhelm, welcher auf seiner spanischen Reife rm Jahre 1883 einige der von der jetzigen Katastrophe betroffenen Orte be- rührte, hat sich eingehende Berichterstattung erbeten. König Alfonso ist in Begleitung des Ministers des Innern am Donnerstag Abend nach Anda- lusten abgereist, um die Wirkungen der Erdbeben in Augenschein zu nehmen.

Die Anerkennungen der internationalen afrikanischen Gesellschaft als selbstständige Macht von Seiten der europäischen Re­gierungen mehren sich. Jetzt hat auch Spanien die Gesellschaft anerkannt und durch seinen Gesandten in Brüssel eine bezügliche Convention abschließen lassen. Dagegen schweben bie Verhandlungen der Gesellschaft mit Frankreich noch, welch letzteres bekanntlich einen Thell des von der Gesellschaft occu- pirten Gebietes am Congo für sich reclamirt, und Nord-Amerika steht dem neuen Congo - Staate sogar mit unverhohlenem Mißtrauen gegenüber, wie wenigstens die jüngst im amerikanischen Repräsentantenhause eingebrachten Re- solutionen bezeugen-____________________________________________

Auf diese Art a-lang eS der R publik, sich jetzt schon im vierz-hnten Jahre z« erhalten; das Mmlstknum Ferry hat sich befestigt und findrt in den Kammern eine Mehrheit selbst fär seine ostasiattsche Politik. Allein die Monarchisten finden eS gar so langweilig, ihre Zett mit weiterem Zuwarten zu »erlirren, A dürften nach der Macht, die sie schon so lange entbehren mußten, und fürchten daS Volk werde sich doch an die Republ k gewöhnen. wissen, daß die neue Präsidentenwahl schon bald vor sich gehen soll und beginnen daher sich schon i?tzt zur Campagne zu rüstcm So sehr auch die Prinzen deS Hauses Orleans sich tn Acht nehmen, irgend einen SchrUt zu thuv, der sie in di- Versammlung führen und ®®

fiscation bedrohen wüßte, tauchen in allen größeren Städten freunde de« l «f,

welche die gedrückte Lag« der Industrie, den Rückgang der Preise der und die ganze Roth der Zetten g-sch ckt benutzen, um dieRepublik d Sk.edtttren. BtS jetzt haben sie noch keine Erfolge aufzuweisen, denn die üff-ntltche Meinung hat sich fdt vierzehn Jahren bedeutend geändert. Damals waren eS die Bürgerklaffeui in den Städten, welche republikanisch fühlten, die Reichen, die Hochgebildeten und das Landvolk blieben monarchisch; jetzt aber ist es gerade die Landveoölkerung, welche sich mit der Rpublck befreundet hat, die Orleantsten haben nur in den Städten einige Hoffnung^^8^01^ rann mafi bQ^er auf eine große monarchische Agitation

tn Frankreich gefaßt fern und darum will auch Ferry daS Llstenskcutirttum, diesen alten verunglückten Plan Gambetta's, etnführev, durch welchrS die kleinlichen persön­lichen Prtnctptrnretter aus der Kammer ausbletben und eine compacte Majorität a« die Stelle der verschi»d>nen Gruppen treten würde. Er glaubt seiner Sache gewiß sein zu können. Gelingt eS ihm, so wird Niemand ihm und Frankreich dazu herzlicher Glück wünschen, al« unser Reichskanzler und mit ihm daS deutsche Volk

IranMsche Zustände.

AlS tn Frankreich nach dem Sturze des Kaiserreichs die R-vubl-k her,gestellt »Mde und ThierS sich ihr anschloß, glaubte Niemand an den langen Bestand dieser RegteruugSform bet einem der großen Völker Europas. Man erinnerte sich der kurzen Dauer der ersten und zweiten Republik, auf welche betd smal daS Kaiserreich tolgte. Man sprach davon, daß seit achtzig Jahren sich in dl.srm Lande keine RegtnungSform für die Dauer erhalten konnte und jcde Generation mehr als eine Rcvolutwn durch­zumachen hatte. Die Herrschaft Napoleon I. dauerte achtzehn Jahre, daraus folgte dte Restauration; aber schon nach fünfzehn Jahren machte die Juli Revolution ihr ein Ende. Die Regierung Louis Philipps dauerte wieder achtzehn Jahre, darauf folgte die kurzleb'oe zweite Republik und bald darauf das zweite Kaiserre'ch. Aber auch Napoleon III. konnte seine Herrschaft nicht über einundzwanzig Jahre auSdehnen, eS folgte wieder dte Republik-

Natürlich prognosttztrte man auch dieser kein langes Leben. Man glaubte, das monarchische Europa werde sich mit ihrer Consol'dtrung nicht befreunden, aus Besorg, niß, daS gefährliche Beispiel würde auf dir lateinischen Nachbarstaaten eine revo« lvt onäre Wnkung üben. In Frankreich selbst waren genug monarchische Elemente vorhanden, besonders in den höchsten Kreisen der Gesellschaft, welche bereit waren, die Monarchie wieder herzustellen; wir ja die erste Nationalversammlung, welche in Bordeaux tagt?, in ihrer Mehrheit monarchisch gesinnt. D'.e große Schwierigkeit einer Restauration bestand nur darin, daß die monarchischen Parteien tn Hinsicht der Per­son, welche den Thron besteigen sollte, tu dret Theile gespalten waren, und jeder Ver­such, die Legitimisten, Olleanifttn und Imperialisten miteinander zu versöhnen, ge­scheitert ist.

Trotzdem glaubte man in Europa nicht an einen langen Bestand der franzö­sischen Republik. Fürst Bismarck aber, der anders zu danken pflegt, als die Dutzend­menschen, fand, daß dte republikanische Form tn Frankreich eine Bürgschaft des Friedens sei, welch v eine monarchische Restauration ernstlich bedrohen würde. Wer immer den Thron Frankreichs besteigen sollte, würde einen Resanchekrieg um so leichter anfangen, als er dte Nothwendtgkeit fühlen müßte, den Thron fester zu begründen und ihn mit dem Glanze des Krtegsruhmes zu umgeben. Der Kanzler ertheilte daher seine In­structionen an den Gesandten in Parts, daß das deutsche Reich kein Interesse daran bade, dte Bestrebungen der monarchistischen Parteien zu unterstützen. Dietz konnte Graf Arnim. der tn der konservativen Schule ausgewachsen war, freilich nicht ver­stehen; sein preußisches monarchisches Gefühl empörte sich dagegen, daß er die Repu­blik nicht nur ertragen, sondern unterstützen sollte- Er machte daher auf eigene Faust im Gegensätze zu den Ansichten Bismmck's Politik und wurde natürlich durch den eisernen Kanzler entfernt.

In Frankreich selbst nahmen die Versuche, dte Monarchie herzustellen, ein kläg­liches Ende. Mac Mahon und seine Genossen wurden durch die Wahl desavouirt, dazu trat noch der Umstand, daß keiner der Prätendenten tm Stande war, sich per­sönliche Popularität zu verschaffen. Nachdem der kaiserliche Prinz im Zulukrtege ge­fallen war, wurden dte Jmpertalisten durch die häuslichen Zwistigkeiten des Prinzm

Vermischte-.

DaS Vorkommen von Viehseuchen tm Großhrrzogthum Hessen während be« Monats November 1884:

Rotzkrankheit. Dte über ein Pferd tn Asthetm, tm Kreise Groß-Gerau, an- geordnete polizeiliche B obachtung wurde, weil 6 Monate, seitdem der Verdacht der Ansteckung bestanden, verflossen waren, aufgehoben. In Dorndürkheim, im Kreise Worms, tust hen die Maßnahmen (Sperre über ein der Seuche verdächtiges Pferd und voltzeiltche Beobachtung über 2 der Ansteckung verdächtige Pferde) noch fort. Auch in Jugenheim, tm Kretse BenSheim, stehen noch 11 Pferde eine« Besitzers unter pollzei- ltcher Beobachtung wegen Verdachts der Ansteckung.

Mtlzbrand wurde constattrt: In Großhausen, im Kreise BenSheim, am 26., in Eichelsachsen, tm Kreise Schotten, am 9., in Griedel und Hochweisel, im Kreise Friedberg, am 19., bezw. 20., in BellerShetm und Obbornhofen, tm Kreise Gießen, am 17., bezw. am 26. November bei je einem creptrten Rtndvtehstücke.

Lungenseuche. Wegen Verdachts der Ansteckung stehen 2 Kühe in einem Stalle in Hitzkircheb, tm Kreise Büdingen, unter polizeilicher Beobachtung, weil bei 2 aus demselben Stalle am 20. October verkauften Rindern dte Seuche tm Königreich Bayern am 14- Nov mber constattrt wurde.

Dte Maul- und Klauenseuche tn Ilbenstadt, tm Kreise Friedberg, welche im vorigen Monot dorten festgestellt wurde, ist wieder erloschen. In D-enheim, tm Kreise Oppenheim, ist die Seuche im Nov mber aufgetreten und auch wieder erloschen. In Mainz wurde sie zweimal auf dem Vtehhofe bet Schweinen, welche von Berlin dorthin gekommen waren, konstatirt.

Der BläschenauSschlag in Klein-Sieinhetm, tm Kreise Offenbach, und in Nteder-Seemen, tm Kreise Schotten, ist erloschen. In AngerSbach, im Kreise Lauter­bach, ist die Seuche am 7. November constattrt worden und ist dorten bis jetzt noch

Napoleon und seines Sohnes Victor entmuthtgt, während andererseits selbst der Tod des Grafen Chambord nicht tm Stande war, die Legittmisten und Orleantsten voll­

kommen mttetnander zu verschmelzen. Dte bürgerlichen Tugenden und besonders die I veröffentlicht die Handelsnachrichten, und die dritte Ausgabe,Pckan-Paou" (Provinz- Sparsamkeit des Grafen von Chambord find auch sonst kaum dte geeigneten Mittel, Zeitung), auf rolhem Papier gedruckt, v-röffentlicht Auszüge aus den beiden erst- nm einem Prätendenten den Thron zu erwerben. I genannten Blättern.

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