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Mr 9 Zweites Blatt Sonntag ven 11. Januar 18^'ft
KiekMuer AnMM Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.
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Preis üiertelj66rii<e 2 Start 20 Vf- mit Bringetto|n Durch ble Post bezogen rikrtkljährlich 2 Kat! 60 SM.
bekannt machen zu lassen. •
Gießen, am 2. Januar 1885.
Grobherzogliches Kreisaint Gießen. Dr. Boekmann.
gegen die Erwerbung derselben durch den Privatmann Lüderitz keine Einwände erheben zu wollen, wohl aber beanspruch^ es gegenüber Deutschland die ftaat- ltche Oberhoheit über dar belr. Territorium; allem Anschein nach wird diese Frage noch nicht so bald zur Entscheidung gelangen. In der Frage, ob Triest oder Genua als Ausgangspunkt für die zu subventionirende deutsche Dampfer, liuie nach Alerandrien zu wählen fei, hat sich die Retchsregierung für erstere Stadt entschieden, und zwar aus Zweckmäßigkeitsgründen, die man allmälig auch in Italien zu würdigen beginnt. n _ , .
Bezüglich Oesterreich-Ungarns liegen au» der ersten Woche des neuen Jahres keine besonders zu regtstrirenden politischen Vorgänge vor. Be» reichnend für die Korruption in den Handels- und Industrie-Kreisen Oesterreichs waren die mehr oder minder starken Kassen-Defrauvationen, welche bei verschie- denen finanziellen Instituten entdeckt wurden, was eine Reihe von Selbstmorden unter den betr. Beamten zur Folge hatte. Der Wiener Gemeinderath debütirte im neuen Jahre mit einer durch den bekannten Dr. Mandl hervorgerusenen argen Scandalscene, welche Seiten« der österreichischen Presse die entschiedenste Verurteilung sand. Der Tod der Fürsten Aovlj v. Auersperg, Präsidenten des obersten Rechnungshofes, hat namentlich in liberalen Kreisen schmerzlich berührt, da der Fürst stets ein überzeugter Anhänger der verfassungstreuen Prin- cipien war. c ., - . . .
In Frankreich beherrscht die Ersetzung der serthengen KrtegSmmtsters Campenon durch den General Lewal noch immer das politische Tagerinteresse. Das Programm des neuen KriegSministerr kann man als in folgenden Anden- tungen enthalten betrachten, die Lewal einem Berichterstatter des „Figaro gegenüber gemacht hat. Demzusolge ist der Minister mit dem Consell-Präfi- denten über die Nothwendigkeit einer entscheidenden Action in Ostasten einig geworden. Da auch Lewal von der Nothwendigkeit dieser Action überzeugt sei, so habe er das Porteseuille ohne Enthusiasmus, aber auch ohne Besorgniß übernommen. Nach seiner Meinung sei es leicht, die zur Ehre der sranzöstschen Fahne begonnene Campagne in Asien zu beenden, und habe er von der Regierung unumschränkte Vollmachten, die Operationen zu leiten. Er sei kein Pol»- tiker, sondern nur Soldat und die Armee gut zu führen, seine einzige Sorge. Er beabsichtige zwar Reformprojecte, aber feinen Umsturz in der Armee. Schließlich versicherte General Lewal, er werde von der Kammer die Votirung der Militärgesetze, besonders die Unification der Besoldung verlangen. Der Uebergang des sranzösischen KciegSministeriums an Lewal wird demnach vor Allem eine energischere Kriegssührung Frankreichs in Ostasien zur Folge haben, welchem Entschlüsse der angekündigte Abgang neuer Verstärkungen nach ^ongNng nur entspricht und die jüngsten Erfolge des Generals Negrier bei Chu bilden eine günstige Einleitung des neuen Abschnittes in den französischen Operation«!. Was Formosa anbelangt, so wollen Pariser Blätter wissen, daß die militärische Action aus Formosa Ende Februar ihren Abschluß finden werde und solle dann die französische Flotte an der chinesischen Küste operiren. - ,
Die öffentliche Meinung Englands beschäftigt sia) fortgesetzt in erregter Weise mit den deutschen Erwerbungen in Südostasnla und in der Südsee. Dem gegenüber ist es nur erfreulich, zu sihen, wie die Vertreter der englischen Regierung sich bemühen, Oel auf die erregten Wogen zu gießen, wie dies z B. jungst der Handelsminister Chamberlain in B.rmmg- gethan hat; vorerst bleibt frellich der Erfo g diejer Bemühungen abzu- warten. Daneben ist man aber auch mit dem Ministerium Gladstone unzufrieden, dem erst neulich die „Times" wegen ,eener verjchwommenen Politik in Egypten derb den Tert gelesen hat; ob Mr. Gladstone nunmehr wohl in 1i<$ 3e^ ”^'io)ia(e Unglück, welches Spanien durch die Erdbeben, die seine südlichen, sonst so gesegneten Provinzen heemgejucht haben, betroffen hat,
Woche« - Ueberficht.
Gießen, 10. Januar.
Mit der zurückgelegten Woche hat die Ruhepause, welche die Weihnachtszeit in unsere innere Politik gebracht, namentlich was die parlamentarischen Arbeiten anbelangt, ihr Ende erreicht, da Der Reichstag am Donners- iag zur Fortsetzung seiner Session wieder zusammengetreten ist. Die Thätigkeit des Reichstages im neuen Sessionsabschnitte wird wieder unter der Concurrenz de» in nächster Woche zusammentretenden preußischen Landtages zu leiden haben, was sich aber nun einmal nicht gut ändern läßt. Der Versionen über das meiure Arbeitsprogramm flieht es verschiedene; die neueste lautet dahin, daß innerhalb der nächsten 14 Tage, und zwar bis zum 22. d. Mts., unausgesetz' Plenarsitzungen stattfinden sollen, welche der EtatSberathung, sowie der ersten Lesung der Gesetze über die Postsparkassen und über die Ausdehnung der Unsallversicherung, dem Handelsverträge mit Griechenland und eventuell auch her zweiten Lesung der Dampfer-Subvention--Vorlage gewidmet sein würden. Hieraus soll sich das Haus zu Gunsten der verschiedenen Commissionen vertagen und wird alsdann auch der preußische Landtag Zeit zur sortlausenden Plenar- berathung des Staatshaushalts gewinnen.
Auch der Bundesrath hat in der zu Ende gegangenen Woche.seine Thätigkeit wieder ausgenommen. In seiner am Mittwoch abgehaltenen Sitzung beschloß er, dem Gesetzentwürfe, bett, die Abänderung des Art. 32 der Reichs- verfassung (Diäten), seine Zustimmung nicht zu ertheilen, dagegen genehmigte er den Gesetzentwurf, betr. die Abänderung des Gesetzes über die Krankenversicherung der Arbeiter. Die Eingaben wegen Erhöhung der Eingangszölle für landwirrhschaftliche Erzeugnisse wurden zur Kenntniß genommen. Am gleichen Tage hielt auck die afrikanische Conferenz ihre erste Plenarsitzung im neuen Jahre ab. In derselben genehmigte die Conferenz das sog. Declarations- piojcct, soweit eS sich um das Verbot der Sclaoerei im Congogebiet handelt. Die Berathung über einen weiteren Punkt des DeclarationSprojecteS, nämlich bezüglich der Formalitäten, vermöge deren neue Erwerbungen an Der Küste Afrikas al» effectioe anzufchen sind, wurde schließlich vertagt. Desgleichen bleibt hie Beschlußfassung über den amerikanischen Antrag aus Neutralisirung des Congo-Beckens einer anderweitigen Sitzung vorbehalten.
In Köln hat am Mittwoch die von hervorragenden Persönlichkeiten der Rheinlande und Westfalens angeregte Stanley-Feier stattgesunden, die in die Festversammlung im Saale der Lesegesellschast und in das am Nach- mittag veranstaltete Banket zerfiel. Der berühmte Asrikareisende Dankte in ersterer für den freundlichen Empfang, den er in Köln gefunden und sagte, als Forscher stehe er im Dienste der cimhnrten Welt und beabsichtige, dieser neue Absatzgebiete zu erschließen. Der Redner wies auf der Karte nach, daß noch ungeheuer viele uncivilisirte Gebiete in Afrika seien. Alsdann nahm die Versammlung eine Resolution an, worin Stanley dcr Dank für seine kraftvolle Arbeit am Congo auSgedrückr wurde. Mit lebhafter Anerkennung begrüßt die Resoluton die Berliner Congo-Comerenz al» einen Fortschritt moderner Cultur- Entwickelur.g und spricht die volle Zustimmung zur Colonialpolitik BiSmarck's au», die verbürge, daß die colomalvoluischen Schritte d:r Reichsregierung eine Aera friedlicher und cultureller Eroberungen herbeiführen würde.
Die colonial-politischen Angelegenheiten haben die Rerchs- regierung auch im neuen Jahre wieder stark in Anspruch genommen und sie zu neuerlichen Verhandlungen mit der englischen Regierung veranlaßt. Während letztere die deutschen Gebiets-Erwerbungen in her Südsee als eine vollzogene Thatsache betrachtet und die hierüber aufgeregte Meinung in England und dessen australischen Colonien zu beruhigen sucht, schwebt die Angelegenheit der Santa-Lucia-Bay noch zwischen den beiderseitigen Regierungen. England scheint
Betreffend: Das «rsatz-Geschaft für 1885.
Bekanntmachung.
q»it nilt- hie Restimmunaen der Deutschen Wehr-Ordnung fordern wir alle im Jahr 1865 geborenen Militärpflichtigen, sowie die in frühen*
ÄSffiEKCSS HSSSSEwämk: ed|ein ”Äna*en nmleid. daraus aufmerksam, daß Diejenigen, welche di- Anmeldung unterlassen, zu gewärtigen haben, daß sie mit einer Strafe bM »u 30 smart'ober mit Has? bi- zu drei Tagen belegt, von der Theilnahme an der Loosung ausgeschlossen und chrer etwaigen Ansprüche auf Zuruckstellung .c.
Beglich d-chnigen Militärpflichtigen, welche zur Zeit abwesend sind, sind deren Eltern, Vormünder, Lehr-, Brod- und Fabrikherrn zu diesen Au- meldunge^ verpflichtet ^gl^^n $ürgetn,eifteicien des Kreises werden beauftragt, Vorstehendes in ihren Gemeinden noch besonders auf ortsübliche Weife


