!onn, hat gerade als solches einen um desto größeren Werth. Wenn nun in der „Deutschen Petersburger Zeitung" lebhaftes Wohtwolten für die Bulgaren und Abneigung und Mißtrauen gegen Oesterreich, den Beschützer der Serben, zu Tage trat, so war damit die allgemeine Stimmung in Rußland gewiß richtig gekennzeichnet Die General-Versammlung des slavischen Wohlthätigkeitsoereins in Petersburg, an welcher unter Anderen auch Jgnatiew und Tschernajew Theil nahmen, lieferte dafür einen neuen Beweis.
Der Enthusiasmus für die Bulgaren, welcher sich in mannigfacher Weise bekundete, erreichte bei der Erklärung des Präsidenten seinen Höhepunkt, daß die kaiserlichen Worte des Tagesbefehls nicht nur eine offene Bestätigung der Solidarität Rußlands mit allen Slaven ohne Unterschied seien, sondern daß sie auch den Beginn einer neuen Aera für die slavischen Stäinme eröffneten. Der Präsident schloß mit einein Appell an die Versammlung, auf den Ruf des Czaren Vermögen, Leben und Blut gleich den Vorfahren von 1812 zu opfern.
Als symptomatisches Zeichen für den Umschlag der öffentlichen Meinung auch bei uns mochten wir nur auf das Gerücht verweisen, wonach Kaiser Wilhelm beabsichtige, dem bulgarischen Herrscher den Orden pour le mdrite zu verleihen was wir natürlich unter aller Reserve wiedergeben.
So häufen sich die Anzeichen der starken Sympathien des officiellen und nicht- ofsicrellen Rußlands mit den Bulgaren ganz ähnlich wie vor Ausbruch des Krieges 1876 Und welche Bürgschaft haben wir, daß die letztere Strömung das officielle Rußland nicht nochmals im Nothfalle zum Einschreiten für die bedrängten Brüder zwinget
Und wenn sich auch die erste Aufregung über die Mission Khevenhüller's in der russischen Presse gelegt hat, so ist doch ein Bodensatz von Verstimmung und Mißtrauen zurückgeblieben. Es läßt sich eben nicht leugnen, daß das freundschaftliche Verhältniß Oesterreich-Ungarns zu Rußland, so sorgfältig dasselbe auch von den Staatsmännern der beiden Reiche gepflegt werden mag, noch sehr wenig Tiefe in den Volksgesinnungen selbst gefunden hat. u
Die Stimme der tatsächlichen Interessen läßt sich ja nicht völlig zum Schweigen bringen. Und hierin liegt nun allerdings eine ungleich größere Gefahr als in den Vorgängen auf der Balkanhalbinsel. Man kann ja wohl die Behauptung aufstellen daß nichts bei den Letzteren an sich gut und böse fei; erst die politischen Gedanken der großen Eoncur-renzmächte des Orients machen es dazu. Die Aufgabe aber, die dabei hervortretenden Jnteressen-Gegensätze zu versöhnen, spotteten bisher noch jeder Lösung wenn nicht durch das Schwert.
Kirchliche Antigen der evsngel. Gemeinde.
Donnerstag, den 10. December, Abends 7*/2 Uhr, Erbauungsstunde in der Kirche: „David Lwmgstone, der Bahnbrecher in Afrika", Pfarrer Schlosser.
nach akuten Jnfections-Krankheiten (Typhus, Schar- Lungenentzündung re.) empfiehlt sich an Stelle des Kaffees und Thees der Gebrauch des reinen entölten Cacaos, der einmal die schädlichen narkotischen Wirkungen jener nicht hat, anderseits aber wegen seines hohen Gehaltes an Drotein- ftoffen gerade für Schwachezustande von nicht zu unterschätzendem Nährwerth ist Der ÄÄ Unb D°n feinftem Geschmacks, und
AsoKe"-Buseck, 8. December. Heute Nacht wurde beim Nachbauseaeben ana ^^tl^bause neben seiner Wohnung der Ackersmann Joh. Wagner III von Rodgen von Burschen uberfalleii und derart mit einem vorder im 'TMrfhaFinnfo »eftta Messerm ben ®opf'gefloßen, daß das Srn Se™»urte ©tunbeu der ob emtrat. Der Messerheld hat sich dem Gerichte gestellt. Auch die Fran welche ihrem Manne zu Hilfe eilte, wurde am Kopfe mißhandelt Die ^hat geschah dem Vernehmen nach ohne alle äußere Veranlassung. — Die Diphtberitis- epldemle Hierselbst ist immer noch nicht erloschen und erkranken täglich einige Kinder daran ~ December. Heute fand im hiesigen
5 Laubach, ältesten Tochter des Grafen zu Solms - Laubach ?fboreue Gräfin zu Stolberg - Wernigerode, mit dem Prinzen &Ä ff“ Zurich und dessen GeV»
Ztanley und Peschuel- Lösche über den Congostaat, über Colonisten- und Negerwohl.
Es kann bei den überschwänglichen Hoffnungen, welche man von Colonien, namentlich für das Mutterland selbst hegt, nicht entschieden genug betont werden daß die Colonien in erster Linie den Colonisten gehören unb nicht dem Mutterlande daß man nur durch energische Colonisationsarbeit Früchte ernten kann und daß das Streben nach Verbesserung des Looses der in fernen Welttheilen wohnenden ober dorthin auswanbernben Menschen allein eine Besitznahme und schützende Hoheitsrechte rechtfertigt, während die Sucht, nicht nur die tropische Statur, sondern womöglich auch die dort wohnenden Menschen mit den Hilfsmitteln einer höheren Cultur schonungslos und rasch auszubeuten, sich früher ober später an ben Ausbeutern selbst oder ihren Beschützern rächen wird.
Wir schätzen daher an Stanley und auch an seinem ihm soeben scharf antwortenden Gegner Peschuöl-Lösche vor Allem, daß ihnen die Verbesserung des Looses der Reger selbst am Herzen liegt und daß sie es für die wichtigste Aufgabe erklären, den Afrikaner zur Arbeit zu erziehen. Nur wenn dieser hohe Cnlturzweck dauernd im Auge behalten und unerbittlich eine Vergiftung der Neger und anderer fremder Völker durch Branntwein und andere Laster einer alten Cultur abgewehrt wird kann man auf ein Aufblühen von Colonien und auf einen zukünftigen Handel mit ihnen rechnen.
Wir halten es zunächst für geboten, uns mit dem Gründer des „unabhängigen Congostaates" zu beschäftigen. Henry W. Stanley, 1840 zu Derby, Wales, geboren hieß ursprünglich James Rowland, nahm aber den Namen seines Adoptivvaters Stanley in New-Orleans an. Den dritten Namen, Bula Matari, Felsenbrecher Laben ihm die Congoneger gegeben. Dieser Ehrentitel ist jetzt sogar auf den neuen Gouverneur des Congostaates übergegangen. Stanley begann seine Laufbahn, nachdem er vom dritten bis dreizehnten Jahre in einem englischen Armenhause zugebracht, als Schiffsjunge. Im Jünglingsalter verlor er seinen Wohlthäter, nahm Kriegsdienste im Heere der Verbündeten, gerieth in Gefangenschaft und wurde der Marine der Vereinigten Staaten zugetheilt. Nach dem Frieden bereiste er die Türkei und Kleinasien, begleitete als Berichterstatter des „New York Herald" das englische Heer in Abessymen und erlangte 1871 durch Auffindung Livingstone's Weltruf.
Mehr als allen seinen kühnen Vorgängern ist ihm, unterstützt vom König der Belgier, Leopold II., und der Internationalen Afrikanischen Gesellschaft, die Erschließung des „dunklen Welttheils" zu danken. Mit welchen ungeheuren Mühen, Gefahren und Leiden er auf seinen weiten Entdeckungsreisen in Jnnerafrika zu ringen hatte, welche Ausdauer, findige Gewandtheit und unerschütterlichen Muth er dabei entwickelte, welche Dienste er der Wissenschaft und der Civtlisation. leistete und wie sehr ihm auch eine Verbesserung des Looses der Neger am Herzen liegt, kann hier nicht erörtert, mag in feinen Schriften selbst'oder in oolksthümlichen Bearbeitungen und Auszügen nachgelesen werden. Noch fesselnder vielleicht als alle darin aufgespeicherten Einzelheiten der Völkerkunde, der Erdbeschreibung und anderen Naturwissenschaften wird dem größeren Publikum die daraus zu schöpfende Bekanntschaft mit dem Geistesleben und der Willenskraft eines so bedeutenden Mannes sein, welcher alle Schwierigkeiten der Oert- lichkeit. des Klimas, ebenso Unverstand, Unbotmäßigkeit, Schwäche seiner weißen und farbigen Untergebenen siegreich zu bekämpfen wußte.
Das erste seiner Werke ist: „Wie ich Livingstone fand", 1872; ihm folate* „Durch den dunklen Welttheil", 1878, deutsch von C. Böttger (u. A. von B Volz Ar weitere Kreise bearbeitet); endlich 1885: „Der Congo und die Gründung des Congostaates", deutsch von H. v. Wobeser, 2 Bände mit vielen Abbildungen und jvflrtcn* —
Nach Stanley ist das afrikanische Tropenklima nicht in dem bisher allgemein angenommenen Grade „mörderisch", fordert aber sehr viel körperliche Fähigkeit und noch mehr moralische Festigkeit von Jedem, der dort seinen Aufenthalt nehmen und am Ausbau einer der wichtigsten künftigen Welthsndelsstraßen helfen will. Das dürfte namentlich zum Besten jugendlicher „Colonialschwärmer" dienen, welche ohne diese Ausrüstung das Wagstück unternehmen möchten.
Wie daheim so ist auch drüben Sorgfalt in Bezug auf Nahrung, Kleidung, Leibesbewegung und Ruhe viel wesentlicher als ärztliche Behandlung. Dr. Martin (Influences of tropioal Chmates) sagt und Stanley bestätigt es, daß „Verringerung der Hitze und strengste Mäßigkeit" obenan stehen und Ausschweifungen noch verderblicher
ü b 4n Guropa Zu meiden ist viel thierische und fette Nahrung, soweit als
thunlich Sonnenbrand, Abend- und Nachtkühle, Rebel, Thau. Rach starker Ermüduna des Körpers oder Geistes ist ein kaltes Bad der Tod. „Leider werden ftorfe tranfe, bcr Fluch von Westafrika, in falschverstandener Gastfreundschaft vielfach in verführerischer Welse angeboten.". Selbst leichter Wein darf nur bei der abendlichen Hauptmahlzeit und nur sehr mäßig genossen werden. $
Den Stanley'schen Angaben tritt neuerdings u. A. besonders Dr. PeschM-Lösche — ein angesehener wissenschaftlicher Forschungsreisender, der auch als Chef einer früheren Congo-Expedltion gewirkt hat — in der „Gartenlaube" und einer Broschüre schroff entgegen, vertheidigungs- und angriffsweise. Seine Anschauungen gipfeln in ber Versicherung, unser gegenwärtiges Wissen berechtige unb verpflichte uns, bie Idee JÄ“?' bie ihre Felder selbst bestellen sollen, mit ihren Familien im Congostaate anzusiedeln, entschieden zu bekämpfen. Dern Kaufmanne unb dem Pflanzer, im Bunde mtt Missionar und dem Forscher, liege die wichtigste Aufgabe ob: Den Afrikaner
AU r-2,e^enarunb die Hilfsquellen des Landes zu entwickeln. Dr. Peschuöl- Losche beruft sich u. auf den amtlichen Bericht des Staatssecretärs der Union „Congo Reports of W. P. Fisdel. Washington 1885." Auch was Mönckemener in h.-r „(Solonialjeitunfl" vorn 15. November mittheilt, spricht mehr für Peschuel-Lösche's als fuv bie Stanley-schm Ansichten. Außer bem Klima sieht Manckemeyer auch n ch araße s" b«r„arte‘terfrafle, d H. Anstellung van Negern, bie Badenbeschaffen- beit, bie Wahl ber Culturpflanzen unb bie Transportmittel seien weitere heikle Punkte L L°Lahme k°7nm^' ,,Ur bQm' °ufblüh°n, wenn nEbm Wanta^audÄ
lokale-.
ließen, 9. December. (Sterblichkeit in Gießen.s Die Zahl der Todesfälle stieg in der Woche vom 29. November bis 5. December auf 10 im Ganten non den-n sich 7 bet Erwachsenen, 3 bei Kindern ereigneten. Bei ben Lachsenm wirb Sllib^kiL^° bezeichnet: Lungenschwindsucht, Branchicnentzünbung, Schlags!üß » h nÄn orfln,",d’c Herzkrankheit, Knochenfraß, Altersschwäche je einmal Ell! Kinb von o ^.agen starb an angeborener Schwäche. Von 2 Kindern im 4 siebens- hJnnrf,?,1 7 cms brCu!».to*ArIa^' ba8 °udere der Diphtherie. Letzteres war aus einem benachbaUeu pieuß,scheu Dorfe zu ärztlicher Behandlung hierher gebracht raorbeii.
Gießen, 9. December. (Tur nerlsches.f Der im vorigen Monate entstandene Manner-Turnverein hat mit dem gestrigen (Dienstag) Abende feine Uebunaen in degonnen. Der Verein soll bereits eine stattliche Anmbl allen Altersklassen besitzen, denn seinen Satzungen entsprechend nimmt derielbe auch junge Leute von 14 bis 18 Jahren als Turnzöglinge auf
HandeL rrnd Werketzr.
™ c lKettenschiffsahrt auf dem Main.f Bereits vor zwei Jahren wurde diese Gesellschaft un er der Firma „Mainkette" mit dem Sitze in Mainz geßrüSibet u b baren wir letzt baß bie Emission von 1000 Stück Actien h 500 ^schonbnnen Kurzem burch bas Bankhaus A. Merzbach in Frankfurt a. M. zum Course von 101 bewerkstelligt werden wird, wobei die 5% Zinsen bis 31. December er. vom Käufer
CnJUlb,ff ?'5Actw" haben Dividendenscheine per 1886 unb sollen an ben Börsen von Frankfurt, Dresben und Leipzig notirt werden Das Actien der Gesellschaft beträgt ! Million^, zur einen Hälfte in Wien A l welche vollgeza ll fmb, jur anderen Halste in Actien A 2 mit nur 2 o/o Einzahlung. Die Fttma ^h. Elimeyer in Dresden hat die Actien A 1 übernommen; nach den contractlichen Bestimmungen werden dieser Firma bei ber Uebernahme 100 Gewinn - AntheUschZue sCm ganzen Reingewinnes erhalten, bcr nach Vertheilung
ber o o Divibende erübrigt, lieber bie Vertheilung ber reftirenben % 6ewmnes entscheidet bie Generalversammlung. Die Großherzoglich hessische Ireaieruua garantirt für zehn Jahre einen jährlichen Beitrag bis 3 o/o bei benötbiaten^unb SS
Ianc?C n^t 5o/gDivibenbe erzielt sind; bas Maximum d eser Leistung ist 30 000 per Jahr. Würde demnach die Gesellschaft aus dem Betriebe einen Verlust von 10,000 JL erleiden, so käme den Actionären non b J ©arantie nur -0,000 JC. zu gute, während andererseits bei Betrieb mit Gewinn nur tn^oroetrt Zuspruch genommen werden kann, als nothwendig ist um Dividende auf 5 % zu complettiren. — Die unter analogen Verbältuissk'n op- ? «"^^QQ^^Ppfahrt - Gesellschaft auf dem Neckar hat an Dividenden öertbeHt 1879 '• 1880: 1881:6o/o, 1882: 5%, 1883: 6°/o, 1884: &/Q Sb aXbcm 18^
1881 unb 18b3jufammen ca. 34,000 Jt Gewinn - Antheile an Sie babische Regierung roCC^ar : ^bsellschaft ist nicht einmal in bie Lage gekommen bie chr von ber badischen Regierung garauhrten Zuschüsse in Anspruch zu nehmen. P
Als wiMch beliebtes und ebenso gesunde-, wie erfrischende-, nur natürliche-, kohlensaures Tafelwasser empfiehlt sich der urolke, schon feit 1327 allbekannte und ärztlich vielfach empfohlene
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Hess.-Nass. Baugewerks-Berussgenossenschaft. Section Gießen.
Wir bringen hierdurch zur allgemeinen Kenntniß der Mitglieder, sowie auch der betreffenden Behörden, daß die zur Benutzung vorgeschriebenen Formularien für Anmeldungen, Lohnnachweisungen, Unfall- anzergen und Unfall-Untersuchungen, für den Umfang der Section Gießen durch das Bureau des Sections-Vorstandes zu beziehen sind.
Gießen, im December 1885. 8784
Der Vorsitzende der Section Gießen:
L. Petri II., Ludwigstraße.
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l>r. LrCIiSCn. schlochtskrankhelten (Syphilis)eto. Frankfurt a. m. o
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