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Afghanistan ermordet worden sei. Die Bestätigung dieser Nachricht muß abge­kartet werden.

In Spanien ist die Cholera wieder ausgetreten. Die von Madrid nach Valencia abgehende Sanitäts-Commission hat sestgestellt, daß in Valencia und ungefähr 20 Städten und Dörfern die wirkliche asiatische Cholera herrscht. Die Zahl der in Behandlung befindlichen Kranken wird auf mehrere Hunderte angegeben.

Deutschland.

Berlin, 7. Juni. Bekanntlich ist das Haftpflichtgesetz bezüglich aller der Personen außer Kraft gesetzt, welche unter das Unfallversicherungs-Gesetz fallen. Deshalb haben wie diePolit. Nachr." melden viele Genossen­schaften in ihre Statuten die Bestimmung ausgenommen, daß die Versicherungs­pflicht auch aus solche Personen ausgedehnt merden soll, welche mehr als 2000 «4L Jahreseinkommen haben, bis wohin das Gesetz die obligatorische Versicherung erstreckt hat. Auf diese Weise kommt das Hastpflichtgesetz aus diese Personen nicht mehr zur Anwendung und bei solchen Betrieben regeln sich alle Unfälle nach den Vorschriften des Unfallversicherungs-Gesetzes.

Wilhelmshaven, 6. Juni. Der hier vom AvisoPommerania" am 3. d. Mts. eingeschleppte englische FischkutterScheme" aus Yarmouth ist heute wieder in Freiheit gesetzt und in See gegangen, nachdem ihm zuvor sammtliche Fijchergeräthe abgenommen worden sind. Der Kapitän des Fahr­zeuges befindet sich vorläufig noch in Untersuchungshaft. Seitens der Admira­lität ist von der oldenburg-portugiesischen Dampsschiffs-Gesellschast der Dampser Portugal" gechartert worden. Derselbe verläßt schon am 10. d. Mts. Ham­burg und geht nach Kamerun in See. Die Befrachtung des Schiffes besteht aus Proviant und Schiffsutensilien, die von hier per Bahn nach Hamburg transportirt worden sind. Gleichzeitig führt der genannte Dampfer auch das für den KreuzerMöve" bestimmte Ablösungs-Commando nach der Westküste über. Der AvisoPommerania" hat sich wieder auf seine Station Norderney begeben.

Spanien.

Madrid, 8. Juni. In Familien, welche von Valencia hierher gekom­men waren, kamen einige unbedeutende Cholerasälle vor; der Gemeinderath be­schloß in Folge deffen wirksame Maßregeln zur Aufrechterhaltung des Gesund­heitszustandes. Die Berathung der Gesundheitssrage in den Cortes wird heute Abend erwartet. __________________

Telegraphische Depeschen.

Wolff'S telegr. Correspondenz- Bureau.

Berlin, 8. Juni. Auf der Dampfschiffsstation Tabbert's Waldschlößchen an der Oberspree brach in der vergangenen Nacht in Folge zu starken Andranges des Publikums die Landungsbrücke zusauunen. Etwa 40 Personen stürzten in das 4 Fuß tiefe Wasser, wobei zwei Erwachsene und ein Kind um's Leben kamen.

Baden-Baden, 8. Juni. Se. K. u. K. Hoheit der Kronprinz ist heute Mittag 1 Uhr 20 Min. direct nach Berlin gereist.

Ihre Königl. Hoheit die Frau Großherzogin von Baden wird morgen zum Besuche Ihrer Majestät der Kaiserin erwartet.

Sigmaringen, 8. Juni. Die Königin von Rumänien ist mit dem Fürsten von Wied nach Nemoied und der Gras von Flandern über Basel nach Brüssel abge­reist. Der König von Rumänien und die übrigen Kinder des verstorbenen Fürsten verbleiben vorläufig hier.

Wien, 8. Juni. Da der Währinger Friedhof eingeht, wurden heute tue Ueber- reste der seit 1844 daselbst ruhenden Alma v. Göthe, der Enkelin des Dichters, ex- humirt; dieselben werden sofort nach Weimar überführt werden.

Basel, 8. Juni. Gestern Abend prallte ein 15^ Personen enthaltendes kleines Schiff an ein Joch der alten Rheinbrücke, wobei das Schiff kenterte und 8 Personen ertranken.

Paris, 8. Juni. Die Deputirtenkammer nahm nach unerheblicher Debatte den Gesetzentwurf, betreffend die Wiedereinführung des Listenskrutiniums, mit den vom Senate beschlossenen Modificationen an. Der Gesetzentwurf ist somit definitiv genehmigt.

London, 8. Juni. Im Unterhause theilt Fitzmaurice mit: Seit Ankündigung des Abbruchs der commerciellen Unterhandlungen mit Spanien ist eine Depesche von der spanischen Regierung eingegangen, in Folge deren die Regierung nicht ohne Hoff- mmg auf Wiederaufnahme der Unterhandlungen ist.

Im Oberhause antwortet Derby Jersey, die im Zululande angesiedelten Boeren hätten eine Proklamation erlassen, in welcher sie gegen Lieutenant Moore's Besitznahme der St. Lucia-Bai protestiren, die brittschen Rechte daselbst bestreiten und die Rechte der neuen Boerenrepublik behaupten. Bulwer verlor keine Zeit, diese An­sprüche zarückzuweisen, was die Regierung billigte. Hinsichtlich der Rechte Deutsch­lands auf die Lucia-Bai glaubt Derby sagen ju dürfen, die Sache sei durch diplomatische Action erledigt.

Nach einer bei Lloyds eingegangenen Depesche aus Perim (Arabien) vom gestrigen Tage geht daselbst das Gerücht, daß der französische AvisoRenard", welcher am 3. ds. Obock auf der Fahrt nach Aden verlassen hatte, mit der Besatzung verloren gegangen sei. Ein enalisches und ein türkisches Kanonenboot, welche zum Aufsuchen desRenard" ausaesanot gewesen, seien in Perim wieder eingetroffen, ohne etwas von demRenard" entdeckt zu haben.

Konstantinopel, 8. Juni. In Stambul ist gestern Abend eine Feuersbrunst ausgebrochen, durch welche gegen 300 Gebäude in Asche gelegt worden sind, darunter 50 Kaufläden und 3 Moscheen. Eine Person ist dabei umgekommen, mehrere haben Verletzungen erlitten.

Tientstn, 8. Juni. Li - Huug - Ehang theilte dem französischen Gesandten Patenotrc eine Depesche des Vicekönigs aus Eanton mit, wonach Liu-Vin-Phuoc, der Ehef der Schwarzflaggen, Vorbereitungen treffe, auf Yunnan sich zurückzuziehen und Tongking zu räumen.

London, 9. Juni. fPrivatdepesche.j Das Unterhaus verwarf mit 264 gegen 252 Stimmen in zweiter Lesung die Einnahmebudgetbill. Mit dieser Verwerfung wurde die Regierung, welche aus dem Votum des Unterhauses eine Eabinetsfrage gemacht, geschlagen. Auf Gladstone's Antrag wurde das Haus sofort vertagt.________

Lokal e

Gießen, 9. Juni. Se. Kaiser!. Königl. Hoheit der Kronprinz passirten gestern Abend, mit dem Zuge 8 Uhr 36 Min. von Frankfurt kommend, die hiesige Station.

Gießen, 9. Juni. Unter zahlreicher Betheiligung wurde heule Morgen die sterbliche Hülle des Herrn Professor Dr. Robert von Schlagintweit zur Erde bestattet. Nach der durch Herrn Pfarrer Rady vollzogenen kirchlichen Einsegnung in der Friedhofkapelle warf Herr Professor Dr. Sic deck als derzeitiger Decan der philo­sophischen Facultät in längerer Rede einen Rückblicks auf das Leben des Verblichenen und seine Wirksamkeit. 'Nachdem derselbe seine erste Forscherreise in das Innere Asiens, nach dein Himalayagebirge mit seinen Brüdern Hermann und Adolph beendet hatte, sehnte er sich nach einer akademischen Thätigkeit und wurde durch Großherzog Ludwig III. an unsere Landes-Universität berufen. Aber schon 1868 trat der an Strapazen gewöhnte Mann eine größere Reise nach dem Westen "Nord-Amerikas an und mar er der erste Deutsche, dem es gelang, die Amerikaner für Vorträge von deutscher Seite zu interessiren; er erzielte hierin ganz bedeutende Erfolge, auch in pecuniärer Hinsicht. Der von ihm hcrausgegebene Bericht über seine 1000 in Europa nnd Nord-Amerika vom 21. October 1864 bis 2. April 1878 gehaltenen Vorträge

wurde nur als Manuscript, zum Geschenk für seine Freunde bestimmt, gedruckt. Eine weitere nur zu wissenschaftlichen Zwecken nach Nord-Amerika unternommene Reise brachte ihn nach Neu-Mexico, Cansas, Santafec ?c. und in diesen Gegenden, wo er schwer durch das dortige Klima zu leiden hatte, ist jedenfalls der Keim zu seinen späteren Leiden, denen er nur zu schnell erlag, zu suchen. Möge ihm die Erde leicht sein. Der Beerdigung wohnten 2 Brüder des Verstorbenen, der ebenfalls durch wissenschaftliche Arbeiten bekannte Dr. Emil Schlagintweit und ein Rittmeister bei.

Gieße«, 8. Juni. Verflossenen Mittwoch hielt der Oberhessische Verein für innere Mission in hiesiger Stadtkirche seine Jahresversammlung ab, die von aus­wärtigen Gästen recht gut besucht war. Hauptgegenstand der Verhandlung war: Der Kampf wider die Trunksucht. Die von Herrn Pfarrer Fuchs aus Beerfelden und Dr. Pfannmüller, Arzt am Landeszuchthaus Marienschloß dazu erstatteten Referate beleuchteten in überzeugender Weise die von diesem Schaden unserem Volksleben er­wachsende Gefahr. Besonders wies Dr. Pfannmüller auf die Vererbung der Folgen der Trunksucht hin. Im Nachfolgenden theilcn wir die von beiden Referenten auf­gestellten Thesen mit:

1. Der Kampf gegen das Laster der Trunksucht erscheint als ein ebenso christ­liches, wie patriotisches und humanes Werk.

2. Der Kampf muß sowohl von dem Staate, wie von der Kirche und der Gesell­schaft (freie Vereine) gleichzeitig aufgenommen werden.

3. Pflicht des Staates ist es, der Trunksucht zu steuern durch:

a) höhere Besteuerung des Branntweins,

b) Unterdrückung der Branntweinverkaufs- und Verminderung der Schank­stellen,

c) schärfere Beaufsichtigung der Schankwirthe,

d) Bestrafung des Verkaufs von Spirituosen an Kinder und junge Leute unter einer gewissen Altersgrenze,

e) Beschränkung der Ausschanks- und Verkaufszeit,

f) sanitätspolizeiliche Ueberwachung der geistigen Getränke und bei" Schauk- lokale,

g) gesetzliche Bestimmung darüber, daß die Zechschulden nicht Nagbar fmb,. h) Bestrafung öffentlicher Trunkenheit,

i) Förderung von Privatunternehmungen, welche die Verminderung der Trunksucht zum Ziel haben.

4. Von der Kirche fordern wir, daß sie durch Lehre sowohl wie durch >Leel- sorge und Zucht den Kampf führe.

Zu den kirchlichen Zuchtmitteln rechnen wir die Entziehung von Ehrenrechten und die Verweigerung des Sakraments.

5. Die Gesellschaft (freie Vereine) soll gegen die Trunksucht kämpfen:

a) durch Belehrung über Natur und Werth des Alkohols, b) durch Hebung des Familienlebens,

c) durch Anlegung von Volksküchen, Kaffee- und Theehäusern, von Kaffee- Verkaufsstellen auf den Straßen, von Herbergen ohne Branntwein,

d) durch Gründung von Vereinsbibliotheken, Volksbibliotheken und Lesehallen, e) durch Errichtung von Trinkerasylen,

f) durch Verlegung des Zahltages.

Die Versammlung bekundete ihre wesentliche Zustimmung zu den von den Referenten vorgetragenen Anschauungen durch Annahme folgender Resolution: Die heute zu Gießen tagende Jahresversammlung des Oberhessischen Vereins für innere Mission erklärt den Kampf gegen das Laster der Trunksucht für ein ebenso christliches wie humanes und patriotisches Werk, das von Staat, Kirche und Gesellschaft (freie Vereine) gleichzeitig, aber auch mit allem Nachdruck getrieben werden muß.

Sie fordert ihre Mitglieder auf, die Gründung von Vereinen gegen den Mißbrauch geistiger Getränke zu unterstützen und ihnen selbst beizutreten.

Sie richtet an das Kirchenregiment die Bitte, den kirchlichen Organen die Beobachtung und Bekämpfung dieses Lasters und die Unterstützung der dahin zielenden Vereinsthätigkeit einzuschärfen.

Sie beauftragt den Vorstand, sich in Gemeinschaft mit dem hessischen Landcs- ausschuß der Südwestdeutschcn Conferenz für innere Mission bei Großh. Staats­regierung dahin zu verwenden, dieselbe wolle:

1. kräftigen Gebrauch von den vorhandenen gesetzlichen Bestimmungen machen und vornehmlich eine Beschränkung der Schank- und Branntweinverkaufs- stellen und eine Verschärfung der Qualifikationsbestimmungen in Bezug aus Wirthe, deren Lokale und Getränke eintreten lassen,

2. bei dem Bundesrath auf eine höhere Besteuerung des zum Eonsum dienenden Branntweins und der Wirthschaften, sowie auf völliges Verbot des Handels mit Spirituosen in unseren Colonialgebieten hinwirkcn.

Vermischte-.

Aus Oberhessen, 3. Juni. Dem Projecte der Erbauung einer Nebenbahn von Hungen über Berstadt, Echzell, Reichelsheim und Beyenheim nach Friedberg ist man kürzlich wieder einen Schritt näher getreten, indem von Großherzoglichem Ministerium der Finanzen dem Banquier Cäsar Strauß in Frankfurt die Erlaubniß zur Vornahme von Vermessungsarbeiten für eine Nebenbahn in obengenannter Richtung crtheilt worden ist. Die Fruchtbarkeit und der Wohlstand dieser Gegend sind bekannt; ferner könnten mehrere sehr reichhaltige Braunkohlengruben, eine Brikettfabrik und der" Römerbrunnen im Grund Schwalheim berührt werden, so daß die Rentabilität einer so angelegten Bahn nicht zu bezweifeln wäre. Schwierigkeiten würden sich beni Bau auch kaum entgegenstellcn, da die Gegend meist flach und nicht bewaldet ist.

Frankfurt a. M., 4. Juni. Einem im Wirthsyärten am Bahnhof sitzenden jungen Manne nahte sich von hinten ein Mädchen, hielt ihm die Augen zu und laglc mit verstellter Stimme:Rath', wer's ist!" Der junge Mann rieth hin und her, ohne auf den rechten Namen zu kommen. Endlich wurde ihm ein Kuß auf die Stirne gedrückt und die Hände ließen los.Heinrich", sagte das Mädchen,wo warst Tu?, Heinrich hatte sich nämlich vor vier Jahren mit dem Mädchen verlobt, sich aber vor der Hochzeit heimlich davon gemacht.Ich war," sagte er etwas befangen und mürrisch, in Frieoberg und reise eben nach Amerika."Ach, das macht sich ja schön, Bruder, rief sie ihrem Begleiter zu,bringe einmal den Buben her, damit er seinen Vater noch sieht." Eiligst holte dieser das Kind aus einer am Garten haltenden Droschke und stellte es seinem Vater vor, der nun ganz sprachlos war. Als er noch hörte, day die von ihm verlassene Braut mit dem Kind und ihrem Bruder auch nach Amerika reiste», kämpfte er sichtlich, doch nicht lange mit sich.Bertha", hob er an, »kannst Tu mn verzeihen?"Ja!" hieß es und beide lagen sich in den Armen. Die Reise nach Amerika wurde nun gemeinsam unternommen.

Frankfurt a. M., 5. Juni. sBackfischliches.j Ein hiesiger Pfarrer machte mit seinen 75 Confirmandinnen gestern einen Ausflug nach Wilhelmsbad und ipaiei von da nach Hochstadt, wo nach alter Frankfurter Sitte Handkäs und Aepfelwem ge­nossen wurde. In fröhlichster Stimmung fuhren nun die Backfischchen nut dein 8 Uhrzug nach Frankfurt. Während die Mädchen in einem hinteren Waggon -My genommen, hatte der Pfarrer sich in einen Wagen neben dem Gepäckwagen sorgw niedergelassen. Kaum war der Zug recht im Gange, als die künftigen Jungfrauen oa Lied anstimmten:Denke Dir, mein Liebchen!" Mit besonderem Gefühle langen i zur großen Erheiterung der Passagiere den Schlußrefrain:Mein einziger Gedai warst Du mein Lieb allein!"

Berlin, 5. Juni.Die Bergschloßbrauerei brennt!" Dieser Ruf schreckte heute Morgen i/^ Uhr die Bewohner von Rixdorf, der Hasenheide und der augienz - den Stadltheile Berlins aus dem Schlafe, und in demselben Augenblicke stiegen a schon mächtige Feuergarben aus dem Dachstuhle des nördlichen Ouergebauoeo Brauerei, welches als Lagerraum für die leeren Biertonnen dient. Alo die #). ' wehren von Rixdorf und Berlin zur "Stelle kamen, war der Tonnenraum bis a Umfassungsmauern niedergebrannt, während die übrigen Lagerräume, sowie em ~) der Maschinenanlagen, Kühlraum u. s. w. bereits in Hellen flammen standen. Löschthätigkeit mußte sich daher auf die Erhaltung des Jnfpectionsgebaudes, de. Hauses und der Hauptmaschincnanlage beschränken, was auch gelang, .alleromg Ueberwindung ganz erheblicher Schwierigkeiten, da es an genügender W ss Z i mangelte. Vollständig zerstört sind die Lagerräume mit ihren Vorrath en, s Theil der Maschinenanlageu und Comptoirräume. Der Gesammtschaden laß Stunde noch nicht vollständig übersehen, ist aber ganz bedeutend.