Dienstag den 10. Februar
1886
Rr. 3M
iebener Anzeiger
Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.
, ,, . , .. - ■. Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf mit vringerlohn
BurtflU : echulstraße 7. €rf<$emt täglich mrt br. Montckgs Lurch die Pest besäen viertelfabrlich 2 Mark 50 bi.
Amtlicher Iyeit.
Bekanntmachung.
Nachdem Grobherzogliches Ministerium des Innern und der Justiz dem (Süffelet Pferdämarkt-Comit4 die Erlaubniß zum Vertriebe von 500 Loosen a 3 für die am 3. Juni l. I. zu Cassel stattstndende Verloosung von Pferden rc. in den Kreisen Gießen und 'Alsfeld ertheilt hat, wird dies hierdurch zur öffentlichen Kemttniß gebracht.
Gießen, am. 7. Februar 1885. Grobherzogliches Kreisamt Gießen.
Fevtschland.
Darmfiadt, 7. Februar. Se. König!. Hoheit der Grobherzog haben Lllergnädigft geruht:
Am 28. Januar den Lehrer an dem Realgymnasium und der Realschule zu Mainz, Dr. Johann Maneseld, aus sein Nachsuchen bis zur Wiederherstellung seiner Geiundheit in den Ruhestand zu versetzen;
an deins. Tage den Lehrer an der Bictoriaschule und dem Lehrerinnen- Seminar zu Darmstadt, Dr. Eduard Körner, zum Lehrer an dem Real' gymnastmn und der Realschule zu Mainz mit Wirkung vom 1. April d. Js. an zu ernennen.
Darivstadt, 7. Februar. Se. Königl. Hoheit der Großherzog empfingen heute den Obersten und Jnspecteur der 3. Jngenieur-Jnspection v. Krause, den Major z. D. Winter aus Gießen, den Premierlieutenant Harseim vom 4. Großh. Infanterie - Regiment (Prinz Karl) Nr. 118, den Gymnasiallehrer Sommer ans Bensheim; zum Vortrag den Geh. Staatsrath Hallwachs.
— Se. Königl. Hoheit der Großherzog haben Allergnädigst geruht:
Am 4. Februar den Landgerichtsrath bei dem Landgerichte der Provinz Rheinheffen, Karl Theodor Walter, zum OberlandeSgerichtsrathe — sowie
den Landgerichtsrath bei dem Landgerichte der Provinz Rheinheffen, Adolf Lipp old, zum OberlandeügerichtSrath bei dem Oberlandesgerichte — zu ernennen.
Berlin, 7. Februar. In der Bejchwerdesache des ausgewiesenen Zei- tungS-Berichterstatterü Alwm Böhme gegen das Polizei-Präsidium hat das Oberoerwallungsgericht die Entscheidung des Bezirksausschusses, welcher sich für incompeteut erklärt halte, bestätigt.
Atel, 7. Februar. Bei der Taufe der Kreuzer-Korvette „Alexandrine" begrüßte Prinz Wilhelm dieselbe im Namen des Kaisers als neuestes Mitglied der Marine und fügte hinzu: „Möge dir vergönnt sein, in fernen Meeren des Reiches Banner mit Ruhm zu tragen, zur Freunde Schutz, zur Feinde Trutz, zu Reiches Wehr, zu Kaisers Ehr'."
Straßburg, 7. Februar. Der Landesausfchuß überwies die Vorlagen über das Hypothekenwesen, den Erwerb und die Belastung von Grundstücken und die Einführung eines Grundbuchs nach zweitägiger Debatte einer Special- Commission.
Aravkreich.
Pari-, 7. Februar. Eine Depesche Courbet's aus Keelung vom 3. Febr. meldet, daß die neuen Positionen in der Nacht vom 31. Jan. auf den 1. Febr. von 1 bis 2000 Chinesen angegriffen worden seien. Der Feind wurde nachdrücklich zurückgcschlagen mit einem Verlust von mehr als 200 Todten, worunter ein europäischer Osficier und mehrere Mandarinen sich befanden. Die Verluste der Franzosen betragen einen Todten und einen Verwundeten. Die Chinesen haben vom 25. Januar bis zum 1. Februar 700 Todte und Verwundete verloren.
England.
London, 7. Februar. General Wolseley'erließ am 23. Januar folgende Proklamation an die Notabeln und die übrigen Einwohner von Metammeh und der benachbarten Ortschaften: „Die englische Regierung entsandte mich mit einer Armee, um den Frieden herzustellen, nicht Steuern zu erheben oder Jemanden BöseS zuzusügen. Zch werde alle nöthigen Lebensmittel bezahlen und die Versprechungen Gordon'S ausführen. Wir werden nur Diejenigen strafen, welche es verdienen, und fordern Alle auf, sich zu unterwerfen und nicht auf böSidillige Rathgeber zu hören. Kommt in's Lager, um die Officiere zu besuchen; Niemaud wird Euch mißhandeln, weder beim Kommen, noch beim Gehen."
— Die MorgLnblälUr sprechen ihre Befriedigung über den Beschluß der Regierung aus, General Wolseley völlige Freiheit zu geben und betonen die Nothwendigkeit, Gordon um jeden Preis Hülfe zu leisten. Die Antwort Wol- seley's wirb heute Nacht erwartet. Heute findet wieder ein CabinetSrath statt.
London, 7. Fetnuar. Da eins Escorre, welche oou Guoal (südlich voa Metemmsh) nach Kortt abgegangen ist, heute Abend an dem letztgenannten Orte erwartet w'rd, so hofft man auch Näheres darüber zu erfahren, ob eS Beresford gelungen ist, dm Obersten Sßtlfon und die Mannschaft der beiden gcscheitertm Dampfer von der Nilivlel in der Nähe be6 sechsten KatarakteS abzuholcn. Die Eingeborenen erzählten Wilson am 26. Januar vor Khartum, Gordon habe 15 Tage lang harte Kämpfe zu bestehen gehabt. Am 27. Januar berichtete ein Eingeborener, daß Gordon tobt sei und bei der Rückfahrt der Dampfer meldeten Boten, daß Gordon sammt allen ^optischen (christlichen) Truppen getödtet sei. Später kamen Leute vom Shagiyeh-
Stamme an Bord und erklärten, daß sie die Absicht hätten, ftch dem Mahdi anzu- schlietzen. Zugleich erklärten fie, Gordon habe sich mit dem griechischen Consnl Nicola, 50 Griechen und einigen Soldaten in der katholischen Kirche eingeschlossen; fie hätten Munition und Lebensmittel bei fich.
— AuS Gubat wird unterm 1. Februar gemeldet, bah die dortigen englischen Truppen auf drei Viertel Rationen gesetzt waren, nun aber Zufuhr an Bohnen, Dhnrra und frischem Fleffch erhalten haben. Die Kameele haben gutes Futter. Der Dampfer bomdardirt von Zeit zu Zeit Shendy und Metemmeh. Die Truppen säubern die Front des Lagers. Der Rest der Artillerie der Marine-Brigade (10 Kanonen) ist angekommen und ein Convoi ist mit 40 Verwundeten nach Gakdul abgegongen, um noch mehr Borräthe zu holen. (Fr. Ztg.)
Atakleu.
Rom, 7. Februar. Die „Agencia Stefani" meldet: Mancini ersuchte den italienischen Botschafter zu Konstantinopel, Grafen Corti, auf. den erbetenen Urlaub zu verzichten, um jeden Zweifel über die zwischen Italien und der Pforte bestehenden guten Beziehungen zu beheben.
— Mancini conserirte heute mit Depretis und empfing sodann den englischen Botschafter. — „Esercito" meldet, das italienische Expeditions-CorpS für den Sudan werde aus ungefähr 15,000 Mann bestehen; als Basis der Operationen wolle man Maffauah und Suakim nehmen und in 20 Tagen vorthin vabgeherr. ■ < j
Türkei.
Konstantinopel, 7. Februar. Der frühere Metropolit von Erzerum, Haratium, ist anstatt des Narses zum armenischen Patriarchen gewählt.
Berlin, 7. Februar. (Reichstag.) In der heutigen Sitzung des Reichstags kam als erster Gegenstand der Gesetzentwurf wegen bet Ergänzung des Gerichts- verfaffuugsgesetzeS zur ersten Berathung. Derselbe bezieht fich auf bte Exterritorialen, welche von her beutschen Gerichtsbarkeit gänzlich unabhängig gemacht werden sollen. Die Abgeordneten Rintelen, Winbthorft (Zentrum) und Marquardsen (natlib.) äußern verschiedene Bedenken und tönntn einem solchen Gesetze nur dann -ustimrnen, wenn vollständige Reciprocität gesichert wäre, was aber hier nicht der Fall sei.
Abg. Klemm (cons.) dagegen fand, daß der Inhalt der Vorlage eigentlich schon in den Gesetzen enthalten sei und eS sich hier nur um eine authentische Erklärung der Vorschriften handle.
Dem trat der Vertreter der Regierung bei, worauf die Vorlage bann an eine Commission von 14 Mitgliedern verwiesen wurde.
Ohne Diskussion erledigte der Reichstag darauf die Rechnungen der Ober, rechnungSkamrner Bezüglich der allgemeinen Rechnung für daS Etatsjahr 1879—80 hatte die Commisffon vcrgeschlagen, gewisse EiatSüberschreiiungen, sowie den Kabel- dertrag der Post- und Telegrapbenverwaltuvg mit einer Gesellschaft nachträglich zu genehmigen und dem Reichskanzler Decharge zu ertheilen. Bei ben nachträglich genehmigten Ausgaben befinden sich mehrere Bettäge der Militärverwaltung, die vom preußischen und sächsischen KrtegSminister durch Extrahirung Königl. CabtnetSordreS justificirt find.
Abg. Meyer (Halle) beantragte, die nachträgliche Genehmigung mit dem Vorbehalte auSzufprechen, daß der Reichskanzler für dieselben nachträglich die Verantwortlichkeit durch Gegenzeichnung der betreffenden CabinetSordre übernehme; in Bezug auf den Kabelvertrag sollte die nachträgliche Gmehmigung deS Reichstags eingehvlt werden. Abg. Myer hob hervor, daß er, um der Regierung entgegenzukommen, den ersten Theil seines Antrags dahin modificiren wolle, daß nur die nachträgliche Genehmigung auSgesp-ochkN werden solle.
Daraus entwickelte sich eine außerordentlich ausgedehnte Diskussion, an der sich die Abgeordneten Maltzan-Gültz, Richter, Meyer, Winbthorft, HSnel, v Benda, Rickert, ». Helldorf wiederholt detheiligteu. Die Vertreter der Regierung, General-Major v. Hänisch und Director Aschenborn vertheidigten vergeblich die Rechtmäßigkeit deS Vorgehens, denn schließlich wurde der Antrag Meyer vom Centrum, Polen, ©odalbemofraten, Deutschfreisinnigen und National!lberalkn angenommen. v _ ..
Der Kabeloer trag wurde, gleichfalls nach langen Debatten, in denen von peilen der Regierung und der Nationalliberalen betont wurde, daß eS fich hierbei mcht um einen Garantie-, sondern nm einen Pachtvertrag handle, nachträglich genehmigt.
D,e nächste S tzung findtt Dienstag den 10. Februar statt und zwar die erste Berathung deS Zolltarifs. __
Telegraphische Depeschen.
Wolff's telcgr. Sorrespondenz-Burtau.
Paris, 8. Februar. Von der Polizei sind gestern etwa 20 Anarchisten wegen Reden, in welchen sie zu Plünderungen aufreiztsn, verhaftet worden.
— Ein Telegramm des Generals Briere de l'Jsle aus Dongsong vom 6. b. Mts. sagt ■ „Der Angriff auf das verschanzte Lager des Feindes wurde am Vormittag durch starken Rebel verhindert; nach dem Rebel trat Regen ein. Gleichwohl gelang es uns, noch vor Einbruch der Nacht vier Vertheidigunas- Linien des Feindes, die sich auf 10 Schanzen stützten, wegzunehmen. Die Zette, sowie die Lebensmittel und Munitionsvorräthe der Chinesen find in unseren


