Ausgabe 
9.8.1885 Zweites Blatt
 
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Millionen JL,

sind

folgende zu verzeichnen:

Gold und Silber.

(Nachdruck verboten.)

Ansichten des großen keine klare Vorstellung und werthoollsten Pro-

Das russische Kaiserpaar bereist gegenwärtig Finnland, wo es von der Bevölkerung mit außerordentlichem Enthusiasmus empfangen wird. Am Dienstag Nachmittag trafen die hohen Reisenden in Willmanstrand ein und begaben sich alsbald nach dem Lager der finnischen Truppen.

Die Nachricht vom Tode des sudanesischen Rebellen­führers Osman Digma wird von englischer Seite selbst dementirt; es scheint sich hier daffelbe Spiel zu wiederholen, wie bei den Mitthellunaen über den Tod des Mahdi.

in den Jahren: 14931600 1993 16011700 2504 17011800 = 5301 18011850 = 3305 18511860 5629 18611870 = 5259 1871-1880 = 4756 zusammen also 82,751 Millionen JL.

lieber die Gold- und Silberproduction gehen die Publikums oft recht weit auseinander; es herrscht ebensowohl über die Gewinnquanten, wie auch über die hauptsächlichsten ductionsplahe vielfacher Jrrthum verbreitet ist.

Die Statistik der Goldproduction hat nun allerdings für die ältere Zeit nur die Bedeutung der Schätzung und weist leider auch in der Gegenwart noch nicht die wünschenswerthe Vollständigkeit und Genauigkeit auf. So viel jedoch ermittelt worden ist, betrug der Werth der Goldproduction in allen Ländern der Erde

Als Hauptproductionsgebiete der letzten Jahre sind Vereinigte Staaten Nordamerikas, Australien, Rußland, Columbia, Venezuela, Brasilien, Mexico, Oesterreich - Ungarn, Canada und Deutschland. Deutschland selbst hat nur eine geringe Goldausbeute. Sie betrug im Jahre 1830: 463 K. 1,292,000 c/M.

Dahingegen ist die Silberausbeute Deutschlands höher als in irgend einem anderen Lande und zwar betrug sie 1880 186,000 K. 28,608,000 namentlich ErMbirge 44,600 K., Oberschlesien 9700 K. und im Mannsfeldischen 01,600 jt.

Die Verwendung des Goldes und Silbers in den Gewerben ist eine überaus große und mannigfache. Der industrielle Edelmetall-Verbrauch in den Culturländern wird von Professor Adolf Soetbeer, einem der bedeutendsten Kenner des Münzwesens rn der Zettperiode von 18711880 auf annähernd 84,000 K. Gold 234 Mill, und 450,000 K. Silber 81 Millionen JL pro Jahr geschätzt. Nach demselben hat sünfzig Jahren, d. i. von 1831 bis 1880, der gesammte Verbrauch an @010 32,6 pCt., an Silber 25,2 pCt. der Edelmetallproduction betragen, während zu Munzzwecken etwa 2/a alles neu gewonnenen Goldes und etwa % alles neu gewonnenen Silbers verwandt werden.

einen Blick in die Goldschmiedeläden werfen, so sehen wir die haupt­sächlichste industrielle Verwerthung des Goldes. Wir erblicken hier Armspangen, Diademe, Fingernnge, Haken, Ketten, Knöpfe, Kreuze, Medaillons, Pokale, Uhrsthlupel und vieles andere. Eine außerordentliche Bedeutung hat namentlich die Goldverwendung zu Uhrgehäusen. In früherer Zeit hatte die Verarbeitung von Gold zu Schnupftabakdolen viel größeren Umfang als gegenwärtig. Auch die Anschaffung von goldenen ^afelgeräthen kommt jetzt viel seltener vor als früher. Diese Ver- wendungsart ist jedoch im Verhältniß zum Gesammtgoldverbrauche stets nur un- wefentlich ms Gewicht gefallen. Von schon größerer Bedeutung ist die Abnahme der Goldverwerthung zu Schmuckgegenständen, indem der immerhin sich bahnbrechende feinere Geschmack weniger auf die Verwendung sehr massiven Goldschmuckes als auf den mit Juwelen verbundeneii gerichtet ist.

Der hauptsächlichste gewerbliche Goldverbrauch dient indessen zu den von den Massen gekauften Schmuckgegenständen, deren Absatz mit der Zunahme der Bevölkerung Md des Wohlstandes in engster Verbindung steht. Seit mehr als fünfundzwanzig Jahren haben die Einkäufe an goldenen Bnouterieartikeln eine enorme Ausdehnung gewonnen und selbst der wachsende Vertrieb täuschend nachgemachter Pseudo - Gold- artikel, z. B. der Talmifabrikate, hat der rapiden Zunahme des gewerblichen Gold­verbrauchs keine Schranken zu setzen vermocht. Es könnte wohl noch eher behauptet werden, daß der Absatz unechter Schmuckgegenstände nur der Vorläufer für die Ein- fuhrung wirklicher echter Goldwaaren in neue Bevölkerungskreise bildet. Der Schein sättigt nicht, sondern weckt die Bedürfnisse. '

, Ein nicht unbedeutendes Quantum von Gold geht jedes Jahr vollständig ver- Alles Gold, welches zu Bilderrahmen, Buchbinderarbeiten, Möbeldecorationen Ausschmückung von Porzellan-, Steingilt- und Glaswaaren verwendet wird, ist für die Volkswirthschaft nur einmal zu benutzen.

Daß die Goldschmiedekunst eine uralte ist, beweist der im Berliner Museum aufbewahrte sogenannte Hildesheimer Schatz, welcher ganz ohne Zweifel Arbeit der Augusteischen Zeit ist. Im Münz- und Antikencabinet Wiens befindet sich eine in-

Collection von Goldgefäßen, die in Ungarn gefunden wurde, aber asiatischer Herkunft ist, mit merkwürdiger Vermischung hellenistischer, asiatisch-barbarischer, christ- U" ""ck Ät ?£2ta?tfAer Elemente (ffreua , Runen, griechische Inschrift). Die Bluthezekt der Goldschmledekunst^st unstreitig das 16. Jahrhundert. Von der da­maligen Leistungsfähigkeit der Künstler und Arbeiter einestheils, sowie anderntbeils D0? Kunstsinn und Geschmack des Publikums jener Zeit geben die in Privatbesitz und den Museen befindlichen Goldschmiedearbeiten einen glänzenden Beweis- , . Der industrielle Verbrauch des Silbers ist in neuerer Zeit ebenfalls ganz be­deutend gestiegen, wenn auch nicht in demselben Verhältnisse als derjenige des Goldes Hauptsächlich hat zu dem größeren Verbrauche von Silber zu gewerblichen Zwecken der mcht unerhebliche Preisfall des Silbers größeren Einfluß gehabt. Einen ungeheuren Silberconsum hat ferner die Photographie aufzuweisen. Die Anschaffung schwerer lUbermr Gera he als Leuchter Schüsseln, Teller, Tafelaufsätze, scheinen nicht mehr sn ^m Maße wie früher zu bestehen, da-man sich in der Neuzeit mehr mit anderen dem Silber ähnlich sehendeii Metallcompositionen (Christofle) begnügt.

Was die deutsche Goldwaarenindustrie der Gegenwart anbelangt, so hat dieselbe ihren Hauptsitz m Hanau, Stuttgart, Pforzheim, Gmünd, Frankfurt a. M., Offen- bach. Aber mcht nur die Fabrikation von Gold - Schmucksachen steht in Deutschland auf hoher Bluthe , auch die Herstellung von Blattgold und Golddraht ist eine ganz enorme. Die letztere Industrie hat namentlich in dem gewerbfleißigen Nürnbera und Umgegend lhren Sitz. Hinsichtlich des Exports der Schmuckmaaren überragt z 3 Deutschland alle anderen Länder. u

~r... der deutschen Silberwaarenindustrie zkommt neben den schon genannten

Platzen, m welchen beide Edelmetalle verarbeitet werden, hauptsächlich noch Berlin in Bettacht. In unserer deutschen Hauptstadt werden jährlich ca. 15000 K. Silber ver-

arbettet. Wie bereits erwähnt, verbraucht die Photographie bedeutende Quanten von Suber in Deutschland pro Jahr gegen 10,000 K. ivelches als Höllenstein in den Handel kommt. Von Fachleuten wird der jährliche industrielle Silberocrbrauch Deutsch­lands auf ca. 100,000 K. pro Jahr geschätzt, während der gesammte industtielle Gold­verbrauch auf ca. 15,000 K. veranschlagt wird.

, -§§^eßlich sei noch erwähnt, daß die Edelmetall-Schmucksachen der Japanesen vortteffuchste Arbeit und originellsten Geschmack zeigen; ihnen zur Seite steht der chinesische Schmuck aus Gold- und Silberfiligran. Am interessantesten aber, wenn nicht gar am vollendetsten sind die indischen Gold- und Silberschmuckwaaren.

Welches erhöhte Interesse übrigens die deutsche Goldschmiedekunst in neuerer »^E^ouuen hat, zeigen am deutlichsten die in Wien, Prag und Gmünd errichteten Goldschmiedefchulen, die von Schülern aus allen Ländern besucht sind. E W.

Vermischtes.

Grün berg, 4. August. Heber eine sonderbare Brautwerbung wird hier folgendes erzählt: Ein Amerikaner verliebte sich in die Tochter eines Carousiell- vefitzers aus einem benachbarten Städtchen und hielt bei dem Vater um die'Hand der­selben an. Da dieser erklärte, seines Geschäftes wegen die Tochter nicht entbehren xxv fonnen, bot der Verehrer als Entschädigung 4000 JL, worauf Vater und Tochter emgegangen sind.

Worms, 3. August. Gestern Abend gab es am Rhein ein komisches Jnter- 53/4 Uhr zu Berg fahrende Personenboot der Köln-Düsseldorfer GefellfchastAdolph' eine ansehnliche Zahl Mannheimer Excursionisten, Ruderclubiften Horchheimer Gurken eingeladen hatte und bereits die Gänge abgezogen waren, rlv* ein behandkofferter Herr und theilt luftschnappend mit, daß noch

sechs Personen mitfahren wollen, die, so rasch es ihre Körperfülle erlaubte, im Schweiße ihre^ Angesichts heranwatscheln. Der gefällige Capitän läßt die Gange wieder anlegen und mit dankbarem Blick eilen die Nachzügler auf Teck. Endlich stößt derAdolph" von der Landebrücke ab und fängt an zu paddeln. Da erschallte auf dem Boote ein ?ch.reckensrus und die fechs Nachzügler machen Miene, vom Boote zu springen. Mit ftarken Armen halten die Matrosen sie zurück. Die Aermsten wollen nach Mainz und muffen nun noblenz-coblenz nach Mannheim fahren. Tableau homerisches Gelächter der Erd- und Wassergeister. (gj 2 )

r r; I®in W« PapageisIch hielt mich", erzählt ein berühmter, noch lebender Sanger ui der ZeitschriftIbis",einige Wochen in Leipzig auf, wo ich für eine Anzahl von Gastrollen engagirt war. Um dem unbehaglichen Wirthshausleben zu entgehen, hatte ich mir eine Wohnung gesucht, deren Fenster nicht nach der Straße, sondern nach einem wohlgepflegten Garten hinaussahen und welche mir ungestörte Ruhe zu verfprechen schien. Leider erwies sich meine Rechnung als falsch. Unter mir wohnte eine Familie, welche im Besitze eines vielsprechenden Papageien war. Die Leute hatten außerhalb der Zimmer vor ihren Fenstern ein langes Brett und darüber e^ne ebenso lange Stange anbringen lassen, auf welcher der Papagei es war warmer Sommer an seinem über die letztere gezogenen Ringe hin und her spazierte. Ick hatte bei dieser oder jener Collegin und auch bei anderen Damen schon manchen ab­scheulichen Lürmmacher aus dieser zur Plage aller Ruhe liebenden Leute erschasienen Sippe kennen gelernt, aber ein so unausstehlicher Schreier war mir doch noch nickt vorgekommen. Das Thier war so ausgesucht niederträchtig, daß es stets am meisten Skandal machte, sobald ich nur anfing, irgend eine Cantilene zu probiren. Man kann

Erbitterung vorstellen, die sich endlich zu einer förmlichen Wuth gegen den Jiubeftorer steigerte. Ich trug mich schon mit heißen Rachegedanken, als ein Ereigniß cintrat, welches mich völlig besänftigte und mit meinem Feinde aussöbnte. Eines Nachmittags war ein starkes Gewitter über die Stadt heraufgezogen und ein mörderischer dnaFe0en ha"8 die Straßen überschwemmt. Als ich unmittelbar darnach meine Wohnung betrat, war mein erster Weg zum Fenster, um zu sehen, wie der Garten bei dem Unwetter daoongekommen war. Aber zuerst zog der Papagei meine Auf­merksamkeit auf sich. Die Familie unter mir war auf einem Ausflug begriffen und batte vergessen, den Vogel vorher ins Zimmer hineinzunehmen. Er hatte in Folge besten den ganzen Gewitterregen auf den Pelz bekommen, war völlig durchnäßt und suchte nun unter ängstlichem Hin- und Herlaisten und Flattern und unter fortwährendem mufe:Ei Herrcheses!" das Wasser abzuschütteln. Die Situation war so komisch, daß ich mich kaum erinnern kann, jemals in meinem Leben so anhaltend und so erschütternd gelacht zu haben. Aber die Geschichte war zu unbezahlbar, als daß ich nicht allen Grolls gegen meinen bisher so intensiv gehaßten Feind hätte fahren lassen.

Handel und Deekede.

Vom 1. August ab ist vom Reichs-Postamte durch Vermittelung der zwischen Hamburg und der West- und Südwestküste Afrikas verkehrenden Dampfer der Firma C. Woermann m Hamburg ein Packetbeförderungsdienst zwischen Deutschland einerseits und einer Reihe westafrikanischer Küstenplätze andererseits, nämlich Accra, Addah, Ambriz, Ambrizette, Bagida, Banana (Kongo), Cabenda, Cape Coast Castle, Cape Palmas, Eloby, Gabun, Grand Bassa, Grand Popo, Kamerun, Kinsembo, Landana, Little Popo, Loanda, Lome, Mayumba, Monrooin, Muculla, Musera, New-Calabar, Quistah, Salt Pond, Sinoe, Waida und Winebah, eingerichtet. Dieser Dienst erstreckt sich auf gewöhnliche Packete ohne Werthangabe und ohne Nachnahme bis zum Gewichte von 5 Kgr. einschließlich. Die Einlieferung und Auslieferung der Packete in den ge­kannten Plätzen hat an Bord der Dampfschiffe zu gesckehen oder kann, soweit sich Agenten der Woermann'schen Unternehmung an diesen Plätzen befinden, durch deren Vermittlung erfolgen. In der Richtung nach Afrika sind die bei den deutschen Post- anstalten etngelicferten Packete sämmtlich dem Postamte 2 in Hamburg zuzuführen, von wo aus die Weitersendung nach dem Bestimmungsorte in der Regel am letzten Tage jeden Monats erfolgt. Den Packeten müssen zwei Zoll-Inhaltserklärungen bei­gegeben sem, welche bei Packeten nach deutschen Schutzgebieten (Bagida, Kamerun und Lome) in deutfcher Sprache lauten können, sonst aber in französischer oder englischer Sprache abgefaßt fein müssen. Das Porto, welches stets vom Absender im Voraus entrichtet werden muß, beträgt in beider Richtung ohne Rücksicht auf die Entfernung und bas Gewicht 1.30 «4L für jedes Packet. Hiervon entfallen 50 Pfg. auf die deutsche und 80 Psg. auf die Seebeförderungsstrecke. Der neue Dienst wird bis auf Weiteres aus den Verkehr nach und aus Deutschland selbst beschränkt; Packete nach und aus rucklicgenden Ländern bleiben von der Beförderung vorerst ausgeschlossen. Den Packeten burfen verschlossene oder offene Briefe, sowie sonstige Schriften nicht beigepackt werden. Die Begleitadressen dürfen auf dem Coupon außer dem Namen und der Wohnung des Absenders keine Bemerkungen enthalten. Im Falle des Verlustes oder der Bcschädiaunn von Packeten wird dem Absender für den wirklich erlittenen Schaden Ersatz geleistet jedoch betragt der Ersatz in feinem Falle mehr als 3 JL für jedes halbe Kilogramm ber ganzen Sendnng. Mit Rücksicht auf die örtlichen Verhältnisse in den gedachten Kuftenplatzen find Einrichtungen zu einer geordneten Bestellung der Packete und Begleitadressen an die Empfänger unthunlich und es wird für einen durch die ver­lagerte Empfangnahme der Packete am Bestimmungsorte entstehenden Schaden keinerlei Erfatzverbindlichkeit übernommen. Es ist daher dringend zu empfehlen, die Adressaten von der Absendung der Packete mittelst besonderer Schreiben in Kenntniß zu setzen und fie aufzufordern, für Abholung der Packete Sorge zu tragen.

Allgemeiner

Herrn, fing. Müller, Giessen, Seltersweg.

Leinen und Baumwollenwaaren,

Bettwaaren und Anfertigung von Betten,

Steppdecken, wollene Decken, Reifedecken, Großes Gardiuenlager.

Alleiwverkaaf des Herforder Kettgarnleinen zu Fabrikpreisen.

Billige feste Preise, beste Wsaren. 602

Anzeiger.

Schlackensteine

Zu Massiv- und Fachwerk-Bauten empfehlen wir als Alleinverkäafer zu Fabrikpreisen, mit dem Be> merken, daß dieselben auf unser Gesuch, vom großherzogl. Mnisterium des Innern und der Justiz, zur Aufführung von Massivbauten im Stadtbezirk Gießen ebenfalls genehmigt sind.

5574 Jean Dem öt Co.