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Mx. iss Crft-s Blatt. Sonntag den 9. August I85S
Gießener Anzeiger
Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.
t Vchulstra^e 7.
Erscheint mit ««nähme Msntags.
PvetA »ierteljLhrlich 2 Mark 26 Pf. mtt «ringerlatz» Durch die Poft bezogen vierteljährlich 2 Mark 59 Pf.
Amtlicher Theil.
Gefunden: 1 Taschenmesser, 1 Frauenhemd, 1 Kinderhemd, 1 Paar Strümpfe, 1 Kiffenüberzug, 1 Visitenkartentasche, 1 Sporn, mehrere Schlüffel.
Gießen, am 8. August 1885. Großherzoglicher Polizeiamt Gießen.-
I. V-: Kraemer.>
Betreffend: Die Rachjuchung der Berechtigung zum exnjapng freiwilligen Liren,r auf Grund von Schulzeugnissen.
Leute durch die Polizei-Obrigkeit oder ihre vorgesetzte Dienstbehörde
wirb.
4. Dem Gesuche sind folgende Papiere beizufügen:
Geburtszeugniß; 9
d. ein Eirrwilligungs-Attest des Vaters oder Vormundes mit der Erklärung über Bereitwilligkeit und Fähigkeit, den Freiwilligen während einer einjährigen activen Dienstzeit zu bekleiden, auszurüsten
auszustellen ist;
4. das Schulzeugnitz.
Sodann wird noch besonders bemerkt:
Zu pos. b: daß in dem EinwilligungS-Attest die Erklärung des Vaters oder Vormundes, in der Lage zu sein, den Freiwilligen während des einjährigen Dienstes unterhalten zu können, nicht fehlen darf.
Zu pos. d: daß die Schulzeugnisse, mit Ausnahme der Neisezeugniffe für die Universität und die derselben gleichgestellten Hochschulen und Reifezeugnisse für die Prima der Gymnasien und Realschulen L Ord., sämtlich nach dem Schema 17 zur Ersatz-Ordnung (L Theil der Wehr-Ordnung vom 28. Septbr. 1875 - Reg.-Bl. Nr. 55 von 1875) ausgestellt sein müssen.
2. Die Berechtigung zum einjährig freiwilligen Dienst darf nicht vor vollendetem 17. LÄensjahr und muß spätestens bis zum 1. Februar des Zakres nachgesucht werden, in welchem der sich Meldende das 20. Lebensjahr vollendet. Der Nachweis der Berechtigung zum einjährigen Dienst ist bei Verlust des Anrechts spätestens bis zum 1. April des- selben Jahres zu erbringen.
S. Das Gesuch muß von dem Betreffenden selbst geschrieben sein und ist Ön ein Bogen in Actensormat (nicht Briefpapier) zu verwenden, erscheint es zwecknenlich, wenn stets die nähere Adresse angegeben
Diejenigen jungen Leute, welche auf Grund ihrer Schulzeugnisse die Berechtigung zum einjährig freiwilligen Dienst nachsuchen wollen werden hierdurch aus die nachfolgenden, bei Anbringung der Gesuche zu beachtenden Vorschriften mit dem Anfügen aufmerksam gemacht, daß hiernach unvollständige Gesuche ohne Weiteres zurückgegeben werden. p.
1 Das Gesuch ist bei der unterzeichneten Prüfungs-Commisstou nur dann * o. ein UnbescholtenheitSzeugmtz, waches für Zöglinge von höheren amubrinaen, wenn der sich Meldende im Großherzogthum Hessen Schulen (Gymnasien, RealschulenProgymnasten und höheren Burger-
gestellungspflichtig ist, d. h. seinen dauernden Ausenthaltsort hat. schulen) durch den Director der Lehranstalt, für alle übrigen Mgen
und zu verpflegen;
Im Uebrigen wird auf die Bestimmungen der SS 88, 89, 90, 93 und 94 der angeführten Ersatz-Ord. verwiesen. Großherzogliche Prüfungs-Commission für einjährig Freiwillige.
Der Vorsitzende:
Gros.
London, 7. August. Eine Deputation der englisch-jüdischen Association begab sich heute zu Salisbury, um ein Einschreiten Englands, allein oder gemeinsam mit den anderen Berliner Signatarmächten, bezüglich der Lage der Juden in Rumänien zu erbitten. Salisbury erwiderte, die Regierung könne als Mitunterzeichner des Vertrages diese Frage nicht unberücksichtigt lassen, er bedauere, daß die Juden Rumäniens unter dem eingewurzelten Vorurtheil des Volkes, welches in der Gesetzgebung seinen Ausdruck gefunden habe, zu leiden hätten, die Angelegenheit sei sehr delikat zu behandeln. Die Regierung werde jedoch ihr Möglichstes thun, um eine Besserung der Lage der Juden herbeizuführen.
— Die „Times- theilt in der zweiten Ausgabe folgendes Telegramm aus Meshed von gestern mit: Britische Ossiciere sind noch in Herat, wo die Befestigungsarbeiten fortgesetzt werden; der Emir wolle auch Truppen zum Schutze Herats aufftellen.
Telegraphische Depeschm.
Wolst'S telegr. Correspondeirz - Brrreair.
Bad Gastein, 7. August. Der Kaiser und die Kaiserin von Oesterreich verliefen das Hotel Straubinger heute Morgen bereits um 7 Uhr, um sich nach der Kirche zu begeben. Sodann machte die Kaiserin einen Spaziergang, während der Kaiser, von dem Landeshauptmann Grafen Chorinsky und den Mitgliedern des Landesausschusses geführt, den Hebestollen besichtigte, durch welchen das Wasser aus den Gasteiner Quellen in das in die einzelnen Häuser führende Röhrennetz gepumpt wird.
— Seine Majestät der Kaiser Wilhelm machte heute in Begleitung des Flügel- adjutanten Qberstlieutenant v. Petersdorff eine Promenade auf dem Kaiserwege und stattete sodann dem Kaiser und der Kaiserin von Oesterreich, welche um 9 Uhr von ihrem Spaziergange nach dem Hotel Straubinger zurückgekehrt waren, einen Besuch ab. Kaiser Franz Josef hatte kurz vorher den Fürstbischof von Olmütz, Cardinal v. Für- ftenberg, und den Grafen Beust in kurzer Audienz empfangen.
— Zu dem heute bei Sr. Majestät dem Kaiser Wilhelm stattfindenden Diner sind außer dem beiderseitigen Gefolge der Staatsminister v. Bötticher, der Cardinal v. Fürstenberg, der Statthalter Graf Thun, der Landeshauptmann Graf Chorinsky und die Grafen Beust, Palffn, Lamburg und Zichy geladen.
— Nachdem Seine Majestät Kaiser Wilhelm etwa eine halbe Stunde bei den österreichischen Majestäten verweilt hatte, verabschiedete sich die Kaiserin Elisabeth, um einen Spaziergang in das nach Böckstein führende Thal zu machen. Beide Kaiser verblieben dann noch eine Viertelstunde allein.
Gastein, 7. August. Nachmittags um 3Vr Uhr begab sich der österreichische Kaiser, die Kaiserin am Arm führend, zum Diner beim deutschen Kaiser; Franz Josef trug die Uniform des Franz-Regiments, die Kaiserin ein schwarzes Spitzenkleid, schwarze Federn im Haar und ein schwarzes Sammtband mit Brillanten um den Hals. Die Bevölkerung begrüßte die Majestäten mit lebhaften Hochrufen. Hinter dem Kaiserpaar schritten Noosca und Frau Fließer, sämmtlich wie auch der Kaiser mit einem Trauerflor um den linken Unterarm, da heute die Hoftrauer um die Gräfin Meran beginnt. Auf ber zur Terrasse des Badeschlosscs hinaufführenden Treppe erwarteten der Hofmarschall Perponcher und Baron Reischach die österreichischen Majestäten. Kaiser Wilhelm erschien
in österreichischer Uniform. Das Diner wurde an zwei Tafeln im Speisesaale und Salon servirt. An der ersteren, in Hufeisenform, sitzt Kaiser Wilhelm m der Mitte, zur Rechten die Kaiserin, links Kaiser Franz Josef. Die österreichischen Malestaterr kehrten wenige Minuten vor fünf Uhr von der Hoftafel zurück. Der Kaiser führte die Kaiserin. Graf Perponcher begleitete dieselben bis zum Fuße der Terrassentreppe. Bald darauf kam Kaiser Wilhelm in österreichischer Uniform, gefolgt von der gesammten Suite, die Treppe hinab, schritt über den Straubinger Platz und begab sich tn die Appartements der österreichischen Majestäten. Rach wenigen Minuten kam Kaiser Wilhelm, die Kaiserin führend, die Treppe des Hotels herunter, hinter ihnen Kaffer Franz Josef in österreichischer Generalsuniform. Kaiser Wilhelm geleitete die Kaiserin bis zum Wagenschlag der bereitstehenden vierspännigen Postkutsche. Beide Kaiser umarmten ünd küßten sich dreimal herzlich, während die Bevölkerung wahrhattbegeffterte Hochs ausbrachte. Kaiser Wilhelm küßte der Kaiserin die £>anbals der Wagni sich langsam in Bewegung setzte, reichte die Kaiserin nochmals die Hand, die der Kaffer abermals küßte. Als der Wagen den Blicken des Kaisers entschwunden war, kehrte Se. Majestät ins Badeschloß zurück. Den Herren des österreichischen Gefolges wurden von Kaiser Wilhelm Auszeichnungen verliehen, die dieselben bereits zum heutigen Dmer
Fulda, 7. August. Die Conferenz der preußischen Bischöfe ist geschlossen und haben die letzteren Fulda verlassen. _ _ o , , .
Paris, 7. August. Ein Telegramm der „Agence Havas" aus London sagt, Sir Henry Drummond Wolff begebe sich heute direct nach Konstantinopel, ohne Paris zu berühren und ohne in Wien Aufenthalt zu nehmen.
Paris, 7. August. Der „Fran?aise" zufolge wählt der Krlegsminffter gegenwärtig Offiziere für die Reorganisation der annamitischen Armee aus.
Marseille, 7. August. In den letzten vierundzwanzig Stunden zahlte man Hierselbst 26 Choleratodte. , _ . ,
Petersburg, 7. August. Nach entern heute veröffentlichten Gesetz wird regierungsseitig für in's Ausland exportirten Zucker die Steuer zurückerstattet und eine Prämie von einem Rubel pro Pud gemährt. Das Privilegium erstreckt sich aus Zucker, welcher bis zum 1. Juli 1886 nach Asien ausgeführt wird. Das Privilegium erlischt, sobald der Zucker-Export 2 Mill. Pud erreicht. „ .
— Das „Journal de St. Petersburg" schreibt: Wir wollen bei den Erklärungen nicht stehen bleiben, in welche Lord Salisbury eintritt. Was die Grunde für den Aufschub anbelangt, welchen die Regelung der Zulfikarfrdge erleidet, so sind diese Gründe bekannt, und man darf wohl annehmen, daß die Ergänzung der Informationen, welche die russische Regierung glaubte einholen zu müssen, ihr ohne Zögern zu- qeben wird. Was die Besetzung von strategischen Positionen aut afghanischem Gebiete anbelangt, bemerkt das Journal weiter, so bildet die Unabhängigkeit Afghanistans einen Theil des zwischen Rußland und England getroffenen ^kommens, welches den setzt schwebenden Verhandlungen als Grundlage dient. In Bezug aut die Nachricht des Bureau Reuter", daß afghanische Truppen bei Pendjeh concentrirt ^wurden und russische Truppen ebenfalls dorthin gesandt worden seien, constatnt das Journal, daß in Petersburg keinerlei Bestätigung dieser Behauptung euigegangen sei, und das; uber- dem, da Pendjeh in Folge der Ereignisse vom 30. Marz ueutralffirt worden sei, weder russische Truppen, noch afghanische Soldaten dorthin hatten Vordringen tonnen.
Selstnafors, 7. August. Das russische Kafferpaar ist heute, um i Uhr Nachmittags, eingetroffen uni) wurde von der Bevölkerung enthusiastisch begrüßt.
Belgrad 7 Nugust. Der serbische TepuUrte Jacowlewitz Ut am 5. August in Berines (Kreis Rudnik) von Räubern in bosnischer und montenegrischer Tracht: überfallen und ermordet worden.


