Nr. 156 Erstes Blatt. Donnerstag den 9. Juli 1SS5
Weßmer Anzeiger
Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.
rNMBi Sch»»Or«ße 7.
Erscheint ߻Ottch mit M
Preis »ierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mU »rtnge
Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50
Amtlicher Hheil.
Betreffend: Maßregeln zur Unterdrückung des Mllzbrandes in der Wetterau. Gießen, am 6. Juli 188ö.
Das Großherzogliche Kreisamt Gießen
an die Grvßherzvalicheu Bürgermeistereien Allendorf a. d. Lahn, Bellersheim, Bettenhansen, Birklar, Dorf-Gill, Gberstadt. Groß.Linden, Grüningen, Hol-Heim, Hnngen, Inheiden, Klein-Linden, Langd, Lang-Göns, Langsdorf, Leihgestern, Lich, Muschenheim, Obbornhofen, Ober-Hörgern, Skabertshanfen, Rodheim, Steinheim, Lrais-Horloff und Utphe.
Sie werden, insoweit Sie noch im Rückstände sind, an baldige Einsendung der in unserem Ausschreiben vom 23. August 1880 — Anzeiger Nr. 201 — vorgeschriebenen Tickelle nach dem unten abgedruckten Muster über die in dem letzten halben Jahre crepirten Thiere erinnert, wobei namentlich in der Spalte „Bemerkungen" die Angabe über die Kraßheit des Thieres und die Art der Beseitigung des Cadaverö nicht zu vergessen ist.
vr. Boekmann.
Tabelle
über die in der Gemeinde.......vom.....18 ... bis......18 . crepirten -der getödteten Thiere.
Ord.- Nr.
Monat
Datum
Namen der Besitzer
Der crepirten oder getödteten Thiere
Alter
Zahl Gattung Jahre
Bemerkungen
über Krankheit, wenn solche durch den Thierarzt festgestellt ist, sowie über die Art der Beseitigung der Cadaver.
Deutschland.
Darmstadt, 6. Juli. Das Großherzogliche Regierungsblatt Nr. 21 enthalt:
Gesetz, das Ausführungsgefetz zur Deutschen Strasproceßordnung, hier insbesondere die Kosten des Unterhalts der Sträflinge im Landeszuchthause und in den Gefängnissen, sowie den Erlaß von Kosten der Strafvollstreckung betteffend.
Darmstadt, 7. Juli. Se. König!. Hoheit der Großherzog haben Allergnädigst geruht:
Am 1. Juli den Ministerial-Registrator bei dem Ministerium des Innern und der Justiz, Philipp Feidel, auf sein Nachsuchen, unter Anerkennung seiner langjährigen mit Treue und Eifer geleisteten Dienste in den Ruhestand zu versetzen.
— Se. König!. Hoheit der Großherzog haben Allergnädigst geruht:
Am 1. Juli dem Ministerial-Registrator bei dem Ministerium des Innern und der Justiz, Philipp Feidel, die Krone zum Ritterkreuz 2. Klaffe des Verdienst-Ordens Philipps des Großmüthigen zu verleihen.
— Auf Gründ der Verordnung vom 6. December v. Js., die Vorbereitung für den Staatsdienst im Justiz- und Verwaltungssache betreffend, sind nach Bestehen der im April l. Js. mit ihnen vorgenommenen Staatsprüfung die Gerichts-Accessisten Edmund Beyke von Ober-Mörlen, Heinrich Breidenbach von Darmstadt, Karl Ludwig Dapper von Wörrstadt, Peter Fleitz von Ober-Hilbersheim, Wllhelm Grünewald von Offenbach, Dr. August Hof von Aschaffenburg, Eduard Holzapfel von Gießen, Christian Landmesser von Bensheim, Joseph v. Löhr von Darmstadt, Ludwig Kritzler von Darmstadt, Adolf Lindt von Darmstadt, Dr. August Nagel von Offenheim, Dr. Otto Scherer von Kastel, Dr. Ludwig Sommer lad von Wieseck, Ludwig St rein von Darmstadt, Wilhelm Welcker von Darmstadt und Eduaro Ziegler von Weinolsheim — zu Gerichtsaffefforen und Anton Franz von Dieburg und Karl August Weber von Darmstadt — zu Regierungs- affefforen ernannt worden.
Berlin, 6. Juli. Der Reichskanzler hat bereits gestern den Vertrag mit, dem „Norddeutschen Lloyd" in Bremen wegen Ertheilung der Dampfer- Subvention vollzogen und hat gleichzeitig festgesetzt, daß die ostasiatische wie die australische Linie Den Hasen von Vlijsingen anzulausen haben. Von deutscher Seite sind neuerdings an Ort und Stelle die Verhältnisse der Häfen von Antwerpen, Rotterdam und Vlissingen eingehend untersucht worden. Das Ergebniß war die unbedingte Entscheidung für Vlissingen. Es ist aber kein Zweifel, daß die Reichsregierung den Versuch machen wird, die lästige Bestimmung des Anlaufens eines belgischen oder holländischen Hafens aus dem Gesetze wieder fort* zubringen. Der Vertrag ist bereits am Samstag in Bremen eingetroffen. Bekanntlich wird der Lloyd neun seiner gebrauchten und sechs neue auf deutschen Wersten zu erbauende Dampser einstellen. Die Reichsbehörden hatten, wie der „Nat.-Zlg." geschrieben wird, sich bemüht, den Lloyd zur Einstellung von neun neuen und nur sechs alten Dampfern zu bewegen. Allein daraus hat sich der Verwaltungsrath nicht eingelassen und so ist es bei den neun alten und sechs neuen Schiffen geblieben.
— Von Berliner Blättern wird mit einer gewiffen Hartnäckigkeit die an sich wenig glaubwürdige Nachricht verbreitet, daß der Minister des Innern, v. Puttkamer, als künftiger Statthalter in den Reichslanden designirt sei.
Dem gegenüber wird dem „Hamb.- Corresp." bestimmt versichert, daß diese An- . gäbe ebensowenig wie alle früheren in dieser Richtung Anhalt in den Thatsachen ' finde»! kann. Alle Erwägungen und Beschlüsse in dieser Frage sind einer spätere Zeit vorbehalten.
Kesternich.
Wien, 7. Juli. Kaiser Wilhelm kündigte seine Ankunft in Gastein für den 21. Juli an. (Fr. Ztg.)
Spanien.
Madrid, 6. Juli. Die Cholera nimmt noch immer zu. Gestern kamen in Spanien im Ganzen 1616 neue Erkrankungen und 785 Todesfälle, in Madrid 5 neue Erkrankungen, 3 Todesfälle vor. Die spanische Preffe dankt den deutschen Blättern für das dem König Alfons gespendete Lob und führt aus, daß seit der Reise des Königs nach Deutschland und seit der Erwiderung seines Besuches durch den deutschen Kronprinzen die guten Beziehungen beider Länder immer enger geknüpft worden seien. Dem Könige werden noch fortwährend die begeistertsten Huldigungen dargebracht.
Telegraphische Depeschen.
Wolffs telegr. Lorrespondenr - Burea«.
Ems, 7. Juli. Se. Majestät der Kaiser beehrte gestern vor dem Diner die Herzogin von Arcnberg mit einem Besuche. An dem Diner nahmen Se. K. u. K. Hoheit der Kronprinz, Se. K. Hoheit der Prinz Wilhelm und der Prinz Nikolaus von Nassau Theil; nach demselben verabschiedeten sich der Kronprinz und Prinz Wilhelm. Gegen Abend unternahm Se. Majestät eine Spaziersahrt und besuchte dann das Theater. Heute früh machte Se. Majestät nach der Trinkkur eine Promenade und kurz darauf, in Begleitung des Generallieutenants Grafen Lehndorff, eine Spazierfahrt. Später nahm Allerhöchstoerselbe den Vorttag des Generallieutenants von Albedyll entgegen. Um 1 Uhr Nachmittags trifft Ihre Majestät die Kaiserin zu einem ei»- stündigen Besuche hier ein.
Berlin, 7. Juli. Der Reichskanzler Fürst Bismarck begab sich heute Nach- mittag 1 Uhr nach Potsdam zu Sr. K. u. K. Hoheit dem Kronprinzen und kehrte nach 4 Uhr wieder hierher zurück.
Paris, 7. Juli. Senat. Der Minister des Auswärtigen, Freycinet, legte den Vertrag von Tientsin vor. Es wurde die Dringlichkeit für die Berathung desselben beschlossen. Der Senat berieth hierauf die Finanzconvention mit Egypten. Gavardie (von der äußersten Rechten) sprach gegen dieselbe und beantragte Vertagung der Berathung. Freycinet bekämpfte diesen Antrag. Die Convention wurde schließlich angenommen.
— Wie heute als sicher verlautet, werden die allgemeinen Wahlen nicht vor Ende September stattfinden.
— Den Abendblättern zufolge ist Bouräe zum Gesandten in Kopenhagen ernannt worden.
Paris, 7. Juli. Eine Depesche Coury's aus Hue von gestern, lOVz Uhr Abends meldet, daß Ruhe herrsche; die anamitischen Truppen seien vollständig deser- tirt. Der Palast des Königs sei nicht niedergebrannt in demselben befänden sich große Kunstschätze. Der Regent Thuhong befinde sich in der Gewalt der Franzojen, welche 10 Todte und 62 Verwundete verloren. An das anamitische Volk sei eine von General Courcy und dem Regenten Thuhong unterzeichnete Proklamation erlassen, welche den hinterlistigen Angriff der Anamiten brandmarke, den König und die Königinmutter auffordere in den Palast zurückzukehren. Tie Citadelle, welche einen Flächenraum von 480 Hectaren einnehme und leicht 15,000. Mann Truppen aufnehmen könne, sei von dem 3. Zuaven-Regiment besetzt. Aus Tongking sei alle dort befindliche Marine-Infanterie herbeibeordert.
London, 7. Juli. Im Untcrhause erklärte vicks-Bcach, es sei die Entsendung einer Special-Mission nach Egypten beabsichtigt, die besonderen Einzelheiten für die-


