Ausgabe 
8.11.1885 Drittes Blatt
 
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Dbgehalten, in denen der Beschluß aufrecht erhalten wurde, das Cabinet solle am Eröffnungstage der Kammer seine formelle Demission einreichen. Grevy wird alsdann den bisherigen Cabinetspräsidenten Briffon mit der Neubildung -es Ministeriums beauftragen und unterhandelt Briffon bereits mit ver­schiedenen hervorragenden Persönlichkeiten, theils um deren Mitwirkung im Cabinet zu erlangen, theils um der Regierung die nöthige Unterstützung in der neuen Kammer zu sichern. In letzterer Beziehung sind die Deputirten- Versammlungen ausschlaggebend, welche beim Abgeordneten Lockroy stattfinden, And hei denen es sich in erster Linie um die Bildung einer zuverlässigen republikanischen Mehrheit und Aufstellung des Programms derselben handelt. Auf der Seite der Monarchisten geben sich bereits Symptome beginnender Uneinigkeit kund, indem die clericalen Blätter fordern, daß die katholischen Ansprüche an die Spitze des Programms der parlamentarischen Opposition der Rechten zu stellen seien, während die übrigen conservativen Organe diesen Vorschlag entschieden zurückmeisen. Dem Präsidenten der Republik, Herrn Grevy, ist auf der Straße durch Ausgleiten des Fußes ein Unfall zugestoßen, der indessen nicht weiter bedenklich erscheint. Die lateinische Münz-Con- serenz hat am Mittwoch ihre Arbeiten beendigt.

In England haben am Montag die Municipalwahlen stattgefunden, also kaum drei Wochen vor den Neuwahlen zum Parlamente. Erstere ergaben sirr die Conservativen bedeutende Gewinne, was für diese Partei von glück­licher Vorbedeutung für den Ausfall der Parlamentswahlen sein mag. Es heißt freilich, daß die Conservativen ihren Erfolg bei den Municipalwahlen Der zwischen dem gemäßigten und dem radicalen Flügel der liberalen Partei herrschenden Uneinigkeit im Wesentlichen zu verdanken hätten. Wenn sich also die Gemäßigt-Liberalen und die Radicalen bis zum 24. November, dem Tage der Parlamentswahlen, einigen, so würden die Chancen der Conser- Dativen bei denselben sich bedeutend verringern.

War lange währt/wird gut." Nun, wenn dies Sprüchwort wahr ist, dann muß die Konstantinopeler Conserenz sehr gut werden, denn bis zu ihrem Zusammentritt hat es herzlich lange gewäsrt. Am Donnerstag Nachmittag 2 Uhr soll nun endlich die erste Conferenzsitzung im Arsenal Tophane stattgefunden haben; die Türkei hat zu ihren Vertretern aus der Conferenz den Minister des Aeußeren, Said Pascha und Server Pascha er­nannt. Gerade jetzt kommt aber eine bedeutsame Nachricht aus Petersburg: Laut Tagesbefehl des Czaren wird der Fürst von Bulgarien, welcher als Generallieutenant ä la suite der russischen Armee geführt wurde, aus den Listen gestrichen und gleichzeitig von der Jnhaberschaft des 13. russischen Schützenbataillons enthoben. Es bedeutet dies einfach, daß der Bulgarenfxrst der Gnade des Czaren verlustig gegangen ist, und ob nach seiner Streichung aus den russischen Armeelisten Fürst Alexander noch lange Beherrscher von Bulgarien bleiben wird, kann jetzt leicht beurtheilt werden.

Die Sensationsnachricht desStandard", König Milan von Serbien habe seinen Truppen Befehl zur Offensive ertheilt, hat sich als unwahr herausgestellt.

In elf Staaten der nordamerikanischen Union sind am Dienstag die Wahlen zu den Staatsämtern und der Staats-Legislatur vorge­nommen worden. In Massachusetts, Connecticut, Java, Pennsylvanien, Colo­rado und Nebraska drangen die Republikaner, in Virginien, Maryland und Mississippi die Demokraten durch. Im Staate New-Dork siegten die Republi- kaner bei den Wahlen zu den gesetzgebenden Körperschaften, die Demokraten bei den Wahlen zu den Staatsämtern.

Aus Texas wird der Beginn eines großen Arbeiterstrikes ge­meldet, der alle Arbeitsgebiete zu berühren droht. Die Ursache des Strikes ist die Ersetzung weißer Arbeiter, welche höhere Löhne gefordert hatten, durch Neger.

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