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Donnerstag den 8. October
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ießener Anzeiger
Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.
Bureau: Sch ulst raße 7.
Erscheint tä^Ud) mit Ausnahme des Montags
Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlohn. 5urd) die Past bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf.
Amtlicher Theis.
Betreffend: Den Rundgang der Feldgeschworenen. Gießen, am 5. October 1885.
Das Großherzogliche Kreisamt Gießen
an die Grotzherzoglichen Bürgermeistereien des Kreises.
Sie wollen veranlassen, daß der vorgeschriebene Rundgang der Feldgeschworenen behufs Besichtigung der Gemarkungs-, Flur- und Gewanngrenzen und Ausnahme der Mängel im Lause dieses Monats voraenommen wird.
Bor der Besichtigung ist unser Ausschreiben vom 29. Januar l. I. (Anzeiger Nr. 27) den Feldgeschworenen durch Sie zur Einsicht und pünktlichen Nachachtung zu behändigen. Daß dies geschehen, ist in Ihren Begleilberichten bei Vorlage der Abschrift der Protokolle über die Grenzbegehung zu bescheinigen. Dieser Vorlage sehen wir längstens bis zum 10. November L I. entgegen.
Dr. Boekmann.
Bekanntmachung.
In Gemäßheit des § 9 des Gesetzes vom 13. Februar 1875 über die Naturalleistungen für die bewaffnete Macht im Frieden werden hiermit nachstehende Durchschnittsmarktpreise vom Monat September veröffentlicht.
Hafer dt. 13.30, Heu JL 4.30, Stroh JL 3.50 pro 100 Kilogramm.
Gießen, am 5. October 1885. " Großherzogliches Kreisamt Gießen.
Dr. Boekmann. il„ii,„iiiiifWiui । । «■■'!!■ «mihi । ' mrim-mmi........................... i um« rrniTWiimn.i ■■
][ Darmstadt, 6. October. Nach einer Abwesenheit von 11 Wochen ist der Erbgroßherzog Ernst Ludwig heute Nachmittag aus Schottland wieder hierher zurückgetehrt.
Der Großherzog ist gestern Abend aus der Bukowina in Pesth eingetroffen und im Europäischen Hose abgeftiegen. Der Großherzog reift incognito als Graf von Starkenburg; sein Oberstallmeister Frhr. v. Nordeck zur Rabenau ist ihm nach Pesth entgegengereift und wird nun für den Rest der Reise in seinem Gefolge sein.
Die Tochter des deutschen Kronprinzen, Charlotte, Erbprinzesstn von Sachsen-Meiningen, ist heute Vormittag von hier nach Meiningen abgereist. Die hohe Frau kam von einem Besuch, welchen sie ihrer kaiserlichen Großmutter in Baden-Baden abgestattet, und hielt sich hier zwei Tage als Besuch in ber Großh. Familie aus. Vor ihrer Abreise hat sie sich mit ihren sämmtlichen zur Zeit hier anwesenden Verwandten im Atelier.des HosiPhotographen Karl Backofen photographisch aufnehmen lassen.
Der Herzog und die Herzogin von Edinburgh, welche sich seither in Mecklenburg aufh'ielten, sind gestern zu Besuch der gräflichen Familie auf Schloß Schönberg eingetroffen. Sie wurden auf ber Durchreise hier im Bahnhose von ihren Verwandten begrüßt. _________________
Telegraphische Depeschen.
Wolst'S telegr. «orrefpondenz - Bureau.
Berlin, 6. October. Die „Colonialpolitischc Correspondenz" meldet aus Zanzibar: Lieutenant Schmidt erwarb die Landschaft Usarmo durch Vertrag für die deutsch-ostafrikanische Gesellschaft. Damit ist die wichtige Küstenlandschaft südlich von Useguha ebenfalls deutsch und der ganze Lauf des Rusidji im Besitz der Gesellschaft. Der vorzügliche Hafen von Daresalam, der beste der gesammten Ostküste Centralafrikas, gehört dieser Landschaft au. Es wird zu untersuchen sein, wie weit der Sultan von Kanzibar an einem oder dem andern Küstenpunkt Usarmos Anrechte hat. Durch die Schmidt'sche Erwerbung dieser Provinz von 400—500 deutschen Quadratmeilen gewinnt die Erwerbung von Chutu erst vollen Werth.
Wien, 6. October. Dem Diner bei Kalnoky zu Ehren Nobilants wohnten Taaffe, Kallay, die Botschafter Deutschlands, Englands, Frankreichs, Rußlands, der Türkei und mehrere Gesandten, sowie das Personal der italienischen Botschaft bei.
Paris, 6. October. Rach den bisherigen Wahlresultaten sind in 89 Departe- ntents 135 Republikaner, 174 Conservative gewählt und 226 Stichwahlen sind erforderlich. Es fehlen nur noch die Wahlen des Seine-Departements. In 473 Pariser Sectionen, wo 229,000 Wähler sind, erhielten Lockroy und Floquet je 148,000, Dcla- sorge 123,000, Brisson 116,000, Borodet und Allein-Targe 112,000, Maret, Revillon, Lacrois-und Clemenceau 110,000—100,000, Dreyfus und Bert je 86,000, Rochefort 73,000, Pichon und Michelin 65,000, Calla, Hervu und Cassagnac 53,000—50,000, Ranc, Spuller je 54,000 Stimmen.
— Grevy wird Abends zurückerwartet. — Der Senator Rane, Mitglied des Instituts, ist gestorben.
— „Temps" bespricht die letzten Depeschen aus Tongkrng und glaubt, daß ein - ernster Widerstand zu erwarten sei, da die schwarzen Flaggen unter der Führung eines -Chinesen sich neu formirt und starke Stellungen inne hätten.
— „Liberte" schreibt, der Kriegsminister bereite Creditforderungen für Madagaskar, Obock und Tongking vor.
Paris, 6. October, früh. Rach den bisherigen Wahlergebnisten sind in 81 Departements 165 Conservative und 141 Republikaner aller Schattirungen gewählt. Die Conseroativen gewinnen 93 und verlieren 5 Sitze. Stichwahlen haben 202 statlzufinden. Cs fehlen noch die Resultate der Departements Seine, Oise, Haute-Garonne, Rhone, Tarn-et-Garonne und Loire.
Paris, 6. October. Dem Vernehmen nach wird die neue Kammer Mitte November einberufen.
Rom, 6. October. An Cholera sind in der Provinz Palermo gestern 163 Personen erkrankt und 61 gestorben, davon fallen auf die Stadt Palermo 135 Erkrankungen .und 51 Todesfälle. In den Provinzen Massa, Modena und Parma sind je 7 Personen erkrankt und gestorben. c .
Kopenhagen, 6. October. Die bulgarische Deputation reift heute Abend via Korsör_a . Fglkething brachte der Finanzminister die Budgetvorlage für 1886—87 ein. Die Einnahmen sind auf 55Vr Millionen, die Ausgaben auf 65 Mill. Kronen
Uollendete Thatsachen.
Die in Konstantinopel zu einer Conserenz vereinigten Botichaftcr müssen vollendeten Thatsachen gegenüber Stellung nehmen. Gewöhnlich bequemt ninir sich nun lieber, diese anzuerkennen, als sie zu andern, wav selten ohne Anwendung von Gewaltmitteln geschehen kann. Diese Erfahrung durfte sich auch hier wieder emmal bewahrm.^ Alexander von Bulgarien aus eigene Faust in Scene
setzte, indem er die Vereinigung Bulgariens und Rumel.ens Proklam.rte berettete den Staatsmännern Europas eine osficielle Ueberraschung. Es gehörte Muth dazu, das
veranschlagt, so daß sich ein Deficit von 9% Millionen Kronen ergibt. Das Deficit entsteht durch Vorlagen für verschiedene, von Jahr zu Jahr aufgeschobene wichtige Bedürfnisse, ist jedoch nach Ansicht des Finanzministers ohne Bedeutung, da der Ueber- schuß für spätere Jahre auf ca. 16 Millionen jährlich veranschlagt wird. Der Kassen- bcstand beträgt 58 Millionen. Wie verlautet, wird die Linke eine Diskussion des Budgets ablehnen.
.1 ' — Giers reist heute Abend, dem Vernehm-m nach zunächst nach Friedrichs- ruh, ab.
London, 6. October. Gestern fand in Wicklow unter dem Vorsitze Parnell's eme national-irische Convention behufs Aufstelluna von Unterhaus-Candidaten für die 'Wafschaft Wicklow statt. Es wurden zwei Candidaten ernannt und formell verpflichtet, Mrnell unbedingt zu folgen, auf ihre Deputirtensitze zu verzichten, sobald die Parnellitische Ärlei es verlangt. Diese Convention soll als Muster für alle weiteren in Irland Mn-m. Parnell hielt eine Rede, worin er sein Vertrauen aut die Zukunft Irlands uS:;.x einer unabhängigen Regierung aussprach und hervorhob, daß die Irländer, wenn man sie nicht befriedigte und versöhnte, schon Gelegenheit finden würden, wenn das britische Reich in Gefahr sei, sich für die Unterdrückung des Landes zu rächen.
Petersburg, 6. October. Das „Journal de St. Petersbourg" bespricht ein Wiener Telegramm des „Temps", welches über eine Unterredung mit einem Diplomaten berichtet, der gesagt haben soll, der Berliner Vertrag sei von den Mächten nicht garantirt. Das „I. d. St. P." bemerkt dazu, der Vertt'ag sei allerdings nicht im buchstäblichen Sinne des Wortes garantirt, aber er sei abgeschlossen, um einer schweren Krise vorzubeugen, nicht minder aber, um schwere Verwickelungen zu verhindern. Diese Anschauung theilten auch jetzt noch alle Cabinette. Die Viächte seien einig in dem Wunsche der Aufrechthaltung des Status quo. Es sei wünschenswert!), daß dieses Einvernehmen fortdauere und daß man dadurch dahin gelange, jeder Ausdelnnmg der Derivicklungen vorzubeugen und die Wirkung der unerwarteten bulgarischen Bewegung auf die engsten Grenzen zu beschränken.
Petersburg, 6. October. In Cbarkoiv brach gestern 'Abend in den sogenannten Susdalschen Kaufhallen Feuer aus. 9iach den hier vorliegenden Nachrichten sind 13 Magazine niedergebrannt. Die Waaren sind theilweise gerettet. Der Schaden wird auf mehrere hunderttausend Rubel geschätzt.
Konstantinopel, 6. October. Halil Khaliv Bey, gegenwärtig Gesandter tn Belgrad, ist für Teheran und Zia Bey zum Gesandten in Belgrad ernannt.
— Dem Vernehmen nach bezeichneten die Botschafter in ihrem vereinbarten, den Mächten vorzulegenden Memorandum die Haltung, welche der Pforte und Bulgarien gegenüber behufs Vermeidung eines Conflictes seitens der Mächte anzunehmen wäre, ohne daß sie einen Lösungsvorschlag unterbreitet hätten. .... .
Sofia, 5. October, s.ftavasmeldung.^ Die Garnison von Wlddm i)t hier eingetroffen und nach Küstendil wciterbefördert worden. Gegenüber anderweitigen Behauptungen, daß die bulgarischen Truppen demoralistrt seien, muß die Drsciptm als musterhaft bezeichllet und hervorgehoben werden, daß in der Arniee volles Vertraiien herrscht. Die Ruhe an der bulgarischen Grenze ist gesichert. Serbische Geheimagenten suchen, von serbischen Grenzbeamten unterstützt, die bulgarische Bevölkerung zu Gunsten Serbiens aufzuregen, jedoch sind strenge Maßregeln ergriffen worden, um Aufregungen zu verhindern. r .. zr, , ,
Bukarest, 6. October. Der König wird morgen die Garnison von Galatz, sodann jene von Bukarest inspicireir und hierauf zur Truppeninspection sich nach Kra- jova begeben.
Rio de Janeiro, 6. October. Der brasilianische Gesandte stt von Petersburg abberufen und in den Militärliften gestrichen worden.
Athen, 6. October. sHavas-Meldung.j Ein russisches Geschwader von drei Schiffen und ein österreichisches von vier Schiffen werden demnächst in griechischen Gewässern erwartet. Das englische Geschwader bleibt bei Korfu. .... r ,
— In Folge der Wiederherstellung des Zwangscurses auf den lonnchen ^nieln, in Epirus und Thessalien gab die jonische Bank der Otegierung ein Darlehen von 4 Millioneii Drachmen und die epiro-thessalische Bank ein solches von zwei j.mlione» Drachmen. Die Negierung bestellte für niehrere Millionen Drachnren Kriegomaterrat im Auslande.


