Einzelbild herunterladen

168»

Dienstag den 8. September

Rr. 208

Preis vierteljährlich 2 Mart 20 Pf. mit Bringeti*»

Durch btt Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf.

Erscheint ttgliO mit **0n«$me b*

BtÄTMWt vchulchr-he 7.

English?

ihl 1 '20 4 geb.

^aae.

1

aus

13.

d leicht lieh

V-? (Fran,.)

ießener Knjkijpr

Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.

n

Etz,. N .72'42

Der Karolinenstrcit.

Wie immer es sich auch mit den von der spanischen Regierung behaup­teten Rechten Spaniens aus die Karolinen-Inseln verhalten mag, jedenfalls liegt in dem bisherigen Verholten der deutschen Reichsregierung Nichts, was ter* nünfliqer Weise als eine Verletzung der sog.Ehre" ober der Rechte Spaniens betrachtet werden könnte. Daß sich bezüglich der Rechts- und Vesitztttel aus überseeische Länder Meinungs-Verschiedenheiten erheben, ist am Ende nicht ver­wunderlich, es ist das sogar die auch an dieser Stelle früher hervorgehobene, hauptsächlichste Schattenseite derColonialpolitik." Wenn dann aber der Eine der beiden Streitenden seine beste Absicht, die etwaigen Rechte des Andern aus's Sorgfältigste zu respectiren, in so unzweifelhafter Weise kundgiebt, wie dies von Seiten der deutschen Regierung in diesem Karolinenhandel geschehen, dann heißt es doch gerade frivol und leichtsinnig fein, wenn der Andere einen Spectakel ousschläat, wie der jetzt in Madrid ausgesührte, der leider nach den neuesten Nachrichten eher zu- als abnimmt. Die deutsche Reichsregierung hat, wie jetzt auch dem englischen auswärtigen Amt osficiell angezeigt worden ist, sich bereit erklärt, die Angelegenheit dem Schiedsspruch einer befreundeten, d. h. Deutsch­land sowohl wie Spanien befreundeten Macht zu unterbreiten, womit selbstver­ständlich gleichzeitig der Wille ausgesprochen ist, sich diesem Schiedsspruch zu unterwerfen. Mehr kann die Reichsregierung nicht thun und wenn Spanten in knabenhaftem Uebermuth diesen Vorschlag von der Hand weisen wollte, so wurde rs sich die etwaigen Folgen selbst zuzuschreibcn haben.

Betrachtet man die deutschfeindlichen Demonstrationen, die jetzt Tag um Tag in der spanischen Hauptstadt wie in der Provinz stattfinden, und wollte man nach der tollhäuslerischen Sprache mancher Blätter urtheilen, so mochte man fast annehmen, daß in der Thal die letzterwähnte Möglichkeit eintreten und daß der deutsche Schiedsspruchvorschlag werde zurückgewiesen werden. Indessen sind diese Dinge nicht so ernst zu nehmen. Zunächst kommt in Betracht, daß t)ie spanische Regierung selbst neuerdings bei dem Rummel, den sie Anfangs als em willkommenes Mittel, die öffentliche Aufmerksamkeit von den miserablen inne­ren Verhältnissen abzulenken, kräftigst gefördert hatte, nicht mehr mitthut, son- Dern im Gegentheil, soweit es in ihren Kräften steht, den Hetzereien entgegentritt. Sodann aber muß im Auge behalten werden, daß der ganze Lärm im Grunde genommen sozusagen unter falscher Flagge geht. Die republikanischen Blätter sind es nämlich in erster Linie, welche die Bewegung hervorgerusen haben und diesen ist es dabei weit weniger um die Karolinen-Inseln, als um ihre politischen Zwecke zu thun. Auf die Deutschen schlägt man und die eigene Regierung, Die Monarch e, den angeblichen Freund Deutschlands, König Alfons meint man. Es laßt sich in der That nicht leugnen, daß die Karolinenfrage der republikanischen Partei ein ganz vortreffliches Agitationsmittel in die Hand gegeben und daß diese von demselben einen nicht ungeschickten Gebrauch gemacht hat. Denn nach Allem, was man neuerdings hört, steht die Frage nicht mehr: Deutschland contra Spanien, sondern spanische Republik gegen spanische Monarchie, und wer wollte, da es sich um Spanien handelt, vorauszusagen wagen, welche Antwort Die Zeit auf diese Frage geben wird.

Die leichtfertige Art und Weise, in welcher die spanischen Republikaner die Karolinenfrage zu einer Aufhetzung des Volkes gegen uns Deutsche benutzt haben, legt übrigens auch Denjenigen, welchen die Rolle eines Verlheidigers der Alsonistischen Monarchie meilenweit fern liegt, die Verpflichtung auf, ihren sonst vielleicht vorhandenen Sympathieen für die republikanifche Partei Spaniens Schweigen zu gebieten. ,

Der Karolinenstreit wird trotz aller großmäuligen Prahlereien spanischer Komödien-Generale ohne Blutvergießen seine Erledigung finden; das deutsche Volk aber wird sich noch lange der sehr lehrreichen Bereitwilligkeit erinnern, mit welcher sich das spanische Volk von gewissenlosen Subjecten gegen uns auf- hchen ließ, die wir den Herren am Manzanares sicher nichts zu leide gethan haben. (Mainzer Anz.).

Aufruhr in Spanien.

Während alle Welt glaubte, die Korottn-n-Affair- neige ihrem Ende zu und die spanischen Hitzköpfe würden zur Ruhe gelangen, ist dar gerade Gegen« theil eingetroffen. Am Samstag spät Nachmittags erhielten wir nachstehende Depeschen, welche wir nur einem Theil unserer Leser leider zugehen laffen konnten. Wir reproduciren solch- nochmals und laffen die weiter eingelaufenen im Nachstehenden folgen: .

Madrid, 5. September. Ein osficieller Telegramm von den Philippinen ineldete gestern Abend, daß der Dampfer San Quintin daselbst von der Insel Pap angekommen und die Nachricht überbracht habe, daß der DampferManilla am 24. August, Abends, di- Besetzung der Inselvorbereitet" habe, als em deutsches Kanonenboot eintraf, Abends 7 Uhr des genannten Tages Mann- schasten ausschiffte, die deutsche Flagge aufhißte und die Insel im Namen des deutschen Reiches besetzte. Angesichts dieser Thatsachen legten die Commandanten der spanischen Kriegsschiffe Widerspruch ein. (Es ist somit endlich der Thatbe- stand festgestellt. Als die Spanier erfahren hatten, daß Deutschland die Karo­linen befetzen wolle, suchten sie ihm zuvorzukommen, kamen aber ob einige Stunden ober einige Tage, ist einerlei zu spät und beschränkten sich darauf, Widerspruch anzumelden.) Nach Bekanntwerden dieser Nachricht zogen große Menschenmassen durch die Straßen der Hauptstadt; es drohte em

n Glas, PorMarnc, er Garantie übernommen ich bei eintretendem w "^Hochachtungsvoll H.Weidenhau^

bei dem

Mi«»' *

Aufruhr auszubrechen. Die Generäle waren beisammen, die Garnison unter Waffen. Auf einem öffentlichen Platze verbrannte man angeblich ein deutsches sogenanntes Gesandtschafts-Wappen. Die militärischen Cirkel wurden geschlossen.

Gestern Abend herrschte hier große Ausregung. Ein Volkshause zog vor die deutsche Gesandtschaft, riß das deutsche Wappen lammt den Fahnenstangen herunter und verbrannte beide öffentlich aus der Puerta del Sol unter den Rufen:Nieder mit Deutschland 1" Später zog der Pöbel vor das Haus des Generals Salamanca, um ihn wegen feines Auf­tretens gegen Deutschland zu beglückwünschen. Mehrere Generäle hatten Be­sprechungen mit Canovas. 60 Personen wurden wegen aufrührerischer Rufe verhaftet. Die Polizei war aber der VolkSmasse gegenüber zu schwach unb mußte einen Gefangenen wieder Herausgebern Es wurde Befehl gegeben, gegen die Aufwiegler mit Waffengewalt einzuschreiten.

Der Tumult ist vorüber. Der Osficier, welcher einen Gefangenen fteiließ, ist seines Amtes entsetzt worden. In der Provinz Cadix rottete sich gestern ein Hause von etwa 300 Socialisten unter dem Befehl des Schmugglers Tuerta unter dem Rufe:Es lebe Zorillazusammen. Nach 6 Stunden waren die Aufrührer genöthigt, vor der feindlichen Haltung der Bevölkerung zurückzuweichen. . .

Die Minister machten gestern dem in La Granja weilenden König telephonische Mittheilung von den Vorgängen in Yap. Der König wird einem heute stattsindenden Ministerrath Vorsitzen. Der deutsche Gesandte, Graf Solms, welcher sich in La Granja aushielt, ist heute Vormittag von dort hierher zurück- gekehrt. Er wurde bis zum Gesandtschafts-Hotel von Mitgliedern der Behörden mit einer starken Escorte begleitet. Volks-Demonstrationen fanden nicht statt.

Zu diesen Meldungen wird derKöln. Ztg." aus Berlin geschrieben:

Die gestrigen Austritte in Madrid erheischen zunächst eine Gcnugthuung für das Herabreißen und Beschimpfen des deutschen GefandtfchaftSwappens. So gern man auch in Deutschland anerkennt, daß die Stellung des Königs Alfons eine sehr schwie­rige ist und so sehr man bestrebt ist, die aufgeregten spanischen Masten auf den einzig fruchtbaren Weg der diplomatischen Verhandlungen-zu ketten, selbst unter Beizicht- leiftur. mit sonst übliche Förmlichkeiten, so wenig kann gleichwohl Deutschland sich gefallen lassen, daß seine nationale Ehre im Auslande, wenn auch nur äußerlich, außer Achtung gebracht wurde. Die Urheber der gestrigen Straßenscenen zu bestrafen, kann und wird übrigens der spanischen Negierung nicht schw^ werden, und so wird an diesem Punkte die von Deutschland vorgeschlagene friedliche Verständigung sicher nicht scheitern. Was man aber hier noch immer vermißt, das ist eme klare Kilndgebung der spanischen Negierung an die aufgeregte Bevölkerung, das; die Ebbende Frage nach Necht und Gerechtigkeit entschieden werden solle. Die Besetzung der Insel /)ap ist, beiläufig bemerkt, durch S. M. KauonenbootHyäne erfolgt und steht "i vollem Einklang mit den durch die letzte Berliner Eonferenz anerkannten volkerrech licken Grundsätzen. Es wird sich jetzt zeigen, inwieweit Komg Alfons Herr. ^uies Landen ist. Hat Spanien den Muth, die Karolinen ohne Prüfung der Rechtsfrage De tsch land abnehmen zu wollen, so mag König Alfons die Cortes berufen und den Krieg beschließen lassen. Stehen die Vertreter des Landes erst vor der ernsthaften Ent- sckeidung, so werden sie wohl auch Vcrnunstgründen zugänglich werden und es wird sich klar Herausstellen, daß das Ministerium Canovas durch Gewahrenlassen und vielleicht Begünstigen der Umtriebe gegen Deutschland Niemand genutzt hat ab ben Feinden des Königs und der Monarchie überhaupt ^.eden^lls durfte der Aus­schreitung, wie sie gestern in Madrid vorgekommen ist, die Ernüchterung auf dem ^uße folgen unb das Ministerium Canovas genöthigt werben, offen Aarbe zu bekennen ober bie8(?ntfd)eibunfl der Volksvertretung anheim,«stellen. Wir in Deutschland können> dm wahnwitzigen Kuubgebungen ruhig zusehen; wrr haben das Recht auf umcicr ^Clte und wir haben die Macht, es zu vertheidigen. Spanien ist and) außerhalb Europas nid)t unverwundb^ar^cht i)em Angriff eines Pöbelhaufens in Madrid auf das deutsche Gesandtschastsgebäude mußte um so mehr überraschen, al^ ollem Anscheine nach die künstlich erregte Stimmung in Spanien ruhigerer ErwägungPlatz zu inachen schien und ein erneuter Ausbruch her Volksleidenschaft in feiner Weise begründet war Die Wuth des Madrider Pöbels wird durch die Nachricht erregt worben fein, daß auf der Insel Vap burch ein deutsches Schiff die deutsche Flagge gehistt worben fei. Selbst unter der Voraussetzung der Nichtigkeit dieser Nachricht lag zu einer Entrüstung überhaupt kein Grund vor, da bekanntlich schon vielfach sowohl im amtlichen Verkehr wie in der Presse betont worden ist, daß die Hissung der Flagge nur eine vorläufige Maßregel sei welche der endgiltigen Regelung der Besitzergreifung durchaus nicht vor­greift ^Jedenfalls bedarf es keines besonderen Hinweises darauf, derartige prägen nicht durch Sckiffscapitäne, sondern durch die Regierungen entschieden werden. Aber auch durch Pöbelausbrüche werden dergleichen Strettpunkte nicht ousgeglichen, vielmehr würde eine Ueberhandnahme der Straßentumulte nur ben Crfolq eiaenen Regierung Verlegenheiten zu bereiten. Es kann aber keinem «o^eisel unter, liegen daß^dieser ganze Aufruhr nur ein Ausbruch der Unzufriedenheit gewisser repu­blikanischer Clemente war, welche ben Anlaß zum Beweis ihres ^^"£>011* emfm unwesentlichen Punkte der auswärtigen Politik entnommen durch einen solchen Volksauflauf in Mabrld um so weniger berührt, je weniger Die spanische Regierung in ber Lage ist, dieses Tumultes Herr zu werden«

Die Nordd Allg Itg." sagt:Es kann kaum ausblerben, das; die ^/ack- rickten Übe? die^Scenen deren Iielpunkt d e deutsche Botschaft war,.eine gewisse Er- regunß bei de« 3 XXUufcn, vor Allem

eintreten, da in ben Augen jedes Unbefangenen b^J^erlauf bCT ÄwoIinen^n^eflenljcit bisher kein Moment bot, um das zügellose Treiben der Madrider^uniMtua ite zu erklären Derlei Vorgänge sind aber nicht nach dem ersten Eindruck zu Deurthetlen, FS im oXn sfr Spr 91uaenblicfe wo selbst eine kräftige Regierung, beispiels- es gibt tm Leben der Volker Stande sehen könnte, Ausschreitungen,

weise die preußische, fuh vo . .u verhüten. Im vorliegenden Falle wird ®l.c. Smnbftiftung und tb 9<yeae durch gerichtliche Untersuchung klargestellt:

und'vo« X fi? geleitet waren, die ju jedem Mttte"^eften Feindschaft zwischen Deutschland und Spanien zu stiften.

kenternder Abends. Das Gebäude der deutschen Gesandtschaft wird v^-M GenSd^men b-wacht. Militärische und politische Clubs oerlangew

«W'^ift

&**\ hsr lke ll. V m lctitbcton,

5098 tem, Wetzlar,

eUano? xSpan) 3.

1 A 20 4 (art.

l0? (bat) 5. Auf].

) v>cart.Ul50^ )rtuguez? (Portug.)

de Hollandache H.) 2. Aufl. Geh

3k? (Dän) 2. Aufl ö"

enska? (Schwed.) 50 4

arul? (Ung.) Geh.

)o polsku? (Po)n.) icbe. Geb 2 JL usaisch? Mit Aus- ufl. Geb. 2^ 50 4 ?misiniz?

1 , i

ka? ^eugh=z6.)l 0 I,. 1

dtIin Veriag '