gemeinsam operiren, um Berber zu nehmen. Heute findet ein Cabinetsralh statt, in welchem die zu ergreifenden Maßregeln beschlossen werden.
— Der „Daily Telegraph" spricht in seiner zweiten Ausgabe die Ver- muthung aus, daß, obwohl die Entscheidung des Cabinetsrathtz, welcher augenblicklich noch versammelt ist, nicht bekannt sei, diese dahin gehen werde, Wolseley eine größere Actionsfreiheit zu geben und alle Ansprüche desselben an die Hülfs- quellen des Landes zu erfüllen, um den Mahdi zu schlagen und Gordon zu befreien oder zu rächen. Wahrscheinlich würden indische Truppen telegraphisch zur Verstärkung der Garnison von Suakim befehligt werden; inzwischen würden Verstärkungen von den Mittelmeer-Garnisonen, welche durch Truppen aus England completirt werden sollen, dorthin gesandt werden. „Daily Telegraph" glaubt, der Cabinetsralh werde sich nunmehr für eine thätige und kraftvolle Politik entscheiden.
— Dem „Reuter'schen Bureau" ist aus Loanda eine Nachricht vom 15. Januar d. Js. zugegangen, der zufolge die Portugiesen die. Mündung des Congo besetzt und daselbst vier Kriegsschiffe stationirt haben. Die holländischen und andere Handelshäuser protestirten hiergegen. Die englischen Kriegsschiffe „Forward" und „Rapid" befanden sich zur Stelle.
— Die Nachricht. daß die Citadelle von Khartum noch nicht im Besitze des Mahdi sei und von Gordon gehalten werde, ist bis jetzt amtlich nicht bestätigt worden. Außer der gestern mitgetheilten Depesche des Generals Wolseley liegen bis jetzt überhaupt keine weiteren amtlichen Nachrichten in Bezug auf Khartum vor.
— Eine neuere Depesche Wolseley'S bestätigt die bekannten Details über die Mission Wilson's und fügt hinzu, aus dem NegierungSgebäude Khartums, welches zerstört schien, wehte keine Fahne mehr; an Bord des Steamers sei nur ein Mann getödtet und fünf verwundet worden, lieber das Schicksal Gordon's cursirten die verschiedensten Gerüchte: Einige sagten, Gordon habe sich mit einigen Griechen in eine Kirche eingeschlossen. Der Fall Khartums veranlaßte die Schukriysch-Stämme, zum Mahdi überzugehen, beide Nilufer sind somit feindlich geworden. Eine Bote des Mahdi holte Wilson am 29. Januar ein. Der Mahdi ließ Wilson und die Engländer auffordern, sich zu ergeben und Muhamedaner zu werden, sonst werde er sie vernichten. Man sagt, Farag Pascha habe den Truppen des Mahdi verrätherischer Weise die Thore Khartums geöffnet. Von Korti traf Zufuhr von Proviant in Gebat ein. Die Aufständischen in Metammeh werden auf 2 bis 3000 geschätzt. Wolseley sendet Boten aus, um Näheres über das Schicksal Gordon's zu erfahren.
— Ein amtliches Gommumquö besagt; Die Regierung giebt Wolseley völlige Freiheit des Handelns, sie macht ihm die Zusicherung, daß ihm jede von ihm nothwendig erachtete Unterstützung, sei es durch Absendung von Truppen nach Suakim und Berber, sei es auf andere von ihm anzugebende Art und Weise, gewährt werden soll. Das 6omtnunique sügl hinzu, Wolseley werde selbstverständlich alles Mögliche thun, um Gordon zu befreien, wenn dieser noch lebe.
Lokale».
Gießen, 7. Februar. Wie man uns mtttheilt, wird sich auch in hiesiger Stadt ein Comilö bilden, um Sr. Durchlaucht dem Fürsten Reichskanzler Bismarck zu dkssen 70. Geburtstag am 1. April eine Ehrengabe anzubteten. Weiteres demnächst.
Zudas Maccabäus.
Oratorium von Georg Friedrich Händel.
II.
„Das Oratorium hat das menschlich Hohe. Edle und Große zum Inhalt", sagte Thibaut in seiner Broschüre „lieber Reinheit der Tonkunst" und dieser Ausspruch kommt in Händel's Musik zur volleren Erscheinung. Weltbildung und freie Lebensanschauung waren des Meisters beste Eigenthümlichkeiten; aber bei alledem wirkt auch die Religion bedeutend mit.
Das Volk, welches sich in Europa zuerst auf sich selbst gestellt und in sich selbst gegliedert hatte und dem er seit 20 Jahren in Lieb' und Leid angehörte, gab ihm die wesentlichsten Aneiferungen und ohne England wären weder Händel noch seine Oratorien denkbar. Durch die politisch-religiösen Kämpfe im britischen Lande, die wie die Bilder des alten Testaments auf ihn wirkten, sand er die Gedanken zu seinem „Saul", seinem „Israel in Egypten" und dem heroischen Werke: „Der Messias".
Mag auch sein „JudaS Maccabäus" dem Messias gegenüber in mancher Hinsicht zurückstehen und sich nicht zu der Höhe aufzuschwingen berufen gewesen sein, so gibt eS eben nur ein Werk, welches so große, erhabene Momente oufweist, als das genannte. Was in demselben mächtig und titanenhaft bervortritt, das finden wir im Judas mit schlichter Einfachheit wieder, volksthümlich, ansprechend und somit dem Allgemeinen Rechnung tragend.
Eine kurze Einleitung führt zu dem tiefernsten Klaacchor der Israeliten (C-moli) hinüber; Verwaist ist Zion, denn ihr Freund und Vater ist nicht mehr. Ein Israeli! fordert die Brüder auf, das Feierkleid zu zerreißen, sich in Trauer zu hüllen und Asche auf daS Haupt zu streu'« und eine Israelitin beweint im höchsten Schmerz den Tod deS Matathias. „So liegt auch seines Volkes Hoffnung- schließt sie in dem schönen dramatischen Recitativ Nr. 2, welchem das Duett (G-moll) „Ach! Israel Dein Schmuck versank in trauernden Ruin" folgt. Der Chor erhebt alsdann mit ergreifenden Tönen „Wir weih'n dem Edlen Klag und Schmerz!"
Ein etwas freundlicherer Zug liegt dagegen in Simons Aufruf an Judatz Volk. Ein Strahl der Hoffnung schimmert den Traurigen und die lieblicke Arte (G-dar) „Fromme Thränen, heißes Fleh'n" erweckt ein neues Leben in den Trauernden, die mutyig einen Mann verlangten, der alle Bande kühn zerreißt. Kraftvoll sind die Worte Simons, durch den die Gottheit spricht: Hinfort sei Maccabäus euer Fürst und edle« Feuer der Begeisterung flammt in der nun folgenden 0-äur-Arie, die das Volk mit kühnem Muthe beseelt. Mit herzlicher Wärme dankt Judas für diesen Muth und tritt als edler Held, ein Streiter für die goldne Freiheit hin. Der Freiheit gilt der Kampf, in wundersüßen Tönen ruft man der holden Göttin das Willkommen zu und baut auf Judas Maccabäus. Der kühne Held stellt sich an ihre Spitze und führt die Tapferen in die Schlacht. Groß sind seine Worte: „Denn Gott ist unsere Kraft, ist Sonn' und Schild." Der Schlußchor des ersten Thrtls fangt gleichsam wie ein Gebet an und führt dann zur höchsten Begeisterung im Angesicht des nahen Kampfes hinüber.
Bezugnehmend auf den Artikel „Zur Berufswahl" in Nr. 21 d.Bl. erhielten wir nachstehendes „Eingesandt" -.
Auf Anregen verschiedener Mitglieder des kaufmännischen Vereins war auf ben 30. Januar eine Vereinsversammlung anberaumt worden, in welcher Über obigen Artikel verhandelt wurde. In einem längeren Referate eines Mitglieds über diesen Gegenstand der Tagesordnung wurden die einzelnen Punkte und namentlich diejenigen, die in einer schweren Anklage gegen den jüngeren Kaufmannsstand gipfelten, eingehend erörtert. ES wurde in diesem, sowie in der sich hieran anschließenden Diskussion einstimmig constattrt, daß der Verfasser mit erwähntem Artikel gegen den KaufmannS- stand nicht allein unter fremder Flagge gesegelt habe, sondern auch, daß derselbe verschiedenseitige Erfahrungen entbehre und in seinen Darstellungen über die heutige Lage deS jungen Kaufmannsstandes weit über die Grenzen der nackten Wirklichkeit hinausgegangen sei u. f. w.
Die Ansicht war allgemein vertreten, daß die kaufmännische Laufbahn durch verschiedene obwaltende Mißstände Schwierigkeiten in sich schließe, wovon aber keine
BervfSart verschont sei, aber trotzdem finde ein junger Mann der eine dem Fortschritte der Zeit entsprechende Vorbildung besäße und sich mit Fleiß und Liebe dem Berufe widmete, wobei allerdings Rücksicht auf das Lehrhaus zu nehmen sei, auch heutzutage als Kaufmann sein Fortkommen.
Auf einen gestellten Antrag, dem in Rede stehenden Artikel behufs Widerlegung und Abschwächung der zutreffenden Punkte mit einer eingehenden öffentlichen Erwiderung zu begegnen, wurde beschloffen. denselben weiter zu ignoriten, da sich die berechtigte Ueberzeugung geltend machte, daß jcher Leser dem Artikel die ihm gebührende Beurtheilung zu Thetl werden lasse.
Handel und Verkehr.
Gießen, den 7. Februar. Auf dem heuttgen Martt kosteten Butter per Pfund X 0.75—0.85, Hühnereier pr. Stück 7—8 H, Käse St. 4—8 Käsematte 2—3 Erbsen pr. Liter 20 Linsen 25 Tauben per Paar 1,00—0,00 H, Hühner per Stück «X 1.10—1.50, Hahnen pr. Stück X 1.50—2.50, .Enten per Stück X 2.00—2.20, Gänse per Pfund 55—60 Welsche X 0.00—00.00, Ochsenfleisch per Pfund 66—68 H, Kuh- und Rindfleisch 54—60 H, Schweinefleisch 50—60 Hammelfleisch 60— 68 Kalbfleisch 50—54 Kartoffeln per 100 Älo X 400—0.00, Milch per
Liter 12—16 <4, Zwiebeln per Ctr. X 4.00—0.00, Weißkraut pr. Stück 4—7
Auszug aus deu Standesamtsregistern des Standesamts Gießeu.
Aufgebote.
Januar: 31. Der practische Arzt Dr. Karl Jacob Gg. Heinrich Schellhaas za Herrnhut mit Anna Pauline Zeiße, Tochter des BanquterS Leonhard Gustav Zeiße zu Marburg. 31. Georg Merkel, Wittwer zu Gießen mit Kath. Hamel, Tochter des Polizeidieners August Hamel zu Romrod. 2 Der Secondelieutenant und Beztrks- adjmant Max Emil Waldemar Stumpff zu Gießen mit Katharine Pauline Auguste Caroline Bodenstein, Tochter des verstorbenen SanitätsrathS Dr. Hermann Emil Alexander Bodenstetn zu Colberg. 2. Kellner Georg Keller mit Elisabethe Margarethe Hölscher, Tochter des Tuchmachers Gg- Eberh. Hölscher zu Mainz. 2. Schuhmacher Karl Duchmann mit Helene Müller, Tochter des Taglöhners Daniel Müller II. zu Biedenkopf- 2. Schlossermeifter Georg Damm mit Marie Friederike Caroline Auguste Wagner, Tochter des Handelsmanns Hermann Wagner zu Elsterback- 3. Steinhauer Karl Guntrum mit Henriette Elise Luch, Tochter des Arbeiters Johannes Luch zu Gießen. 5. Ziegler Karl Georg Schmidt mit Minna ZinSheimer zu Butzbach. 5. Schloffer Emil Steller mit Marie Bachmann, Tochter des Maurers Johannes Bachmann zu Annerod. 6. Bauunternehmer Joh. Heinr. Winn II. zu Lich nut Sophie Haas, Tochter des Kalkbrcnnereibesitzers Karl HaaS zu Gießen.
Ghofchließungen.
Februar: 3 Pfarrer Heinrich Adolph zu Watzenborn mit Anna Karoline Melior, Tochter de« verstorbenen Rentners August Melior zu Gießen. 3. Kaufmann Meier Baer mit Nannette Rosenthal, Tochter des Fruchthändlers Nathan Rosenthal zu Gießen. 6. Schlosser Johannes Ommert mit Elisabethe Klöß zu Gießen. 6. HÜlfs- tclegraphift Gg. Döll mit Kath. Spahn, Tochter des BlättermacherS Joh. Helnr. Spahn zu Gteßm.
Geborene.
Januar: 25. Dem Arbeiter Heinr. Becker ein Sohn. 25. Dem Kunstreiter Gg- Karl Parpalioni zu Schönberg eine Tochter, Emilie. 28. Dem Barbier und Heilgehilfen Friedr Weicker ein Sohn. Louis Sftebr. Wild- 29. Dem Schneider Albert Wiskow ein Sohn, Albert Arnold Karl Herm. Wilh. Emil. 31. Dem Stationsassistenten Konrad Schalch ein Sohn. Ludwig. 31. Dem Amtsrichter Wilhelm Müller eine Tochter, Wilhelmine Helene. Februar: 1. Dem Telegraphenleitungsaufseher Leo Mainzer ein Sohn, Otto Hubert Johannes. 2. Dem Fabrikarbeiter Heinrich Diehl eine Tochter, Katharine.
Gestorbene.
Januar. 31. Porcellanmaler Ernst Gebhardt, 49 I. alt. Februar. 2. Backer Karl Theodor Rühl, 23 I. alt. 4. Oeconom Wllhelm Pfeiffer, 83 I. alt. 4. Perron- btener Johannes Dietz, 68 I. alt. 5. Elise Wetrich, geb, Henkel, 44 I. alt, Ehefrau des Schneiders Adam Wetrich. 6. Schreinermeister Philipp Theodor Kreiling in., 68 I. alt. 6. Marie Albertine Wilhelmine, 6M- alt, Tochter des Maschinenschlossers Wilhelm Rau.
Auszug aus den Kirchenbüchern der Stadt Gießen.
Evangelische Gemeinde.
Getraute.
Den 3. Februar. Heinrich Adolph, Pfarrer zu Watzenborn und Anna Karoline Melior, Tockter des verstorbenen Rentner« August Melior zu Gießen.
Den 6. Februar. Johannes Ommert, Schlosser und Elisabeth Klöß von Nieder-Ohmen.
Denselben. Georg Döll, Hilfstelegraphist und Katharine Spahn, Tochter deS BlättermacherS Johann Heinrich Spahn zu Stockhausen.
Getaufte.
Den 1. Februar. Dem Lackirer Christoph Schmidt ein Sohn, Ernst Konrad Christoph, geboren den 29. December.
Denselben- Dem Schuhmacher Georg Todt eine Tochter, Marte Anna, geboren den 28. December.
Denselben. Dem Kaufmann Christian Reiber eine Tochter, Wilhelmine Luise, geboren den 20. October.
Dcn 4. Februar. Ein unehelicher Sohn, Otto Martin, geboren den 22. Decbr.
Beerdigte.
Den 31. Januar. Karoline Klmgelhöffer, geb. Ebel, Wittwe deS JustizrathS August Kltngelhöffer, alt 80 Jahre, starb den 28. Januar.
Denselben. Georg Leib, Schneidermeister, alt 68 Jahre, starb den 28. Januar.
Den 3. Februar. Ernst Gebhardt, Porcellanmaler, alt 49 Jahre, starb den 31. Januar.
Den 4. Februar. Karl Theodor Rühl, Bäcker, ledig, alt 23 Jahre, starb den 2. Februar.
Den 6. Februar. Johannes Dietz, Perrondiener, alt 68 Jahre, starb den 4. Februar.
Denselben. Wilhelm Pfeiffer, Privatmann, alt 84 Jahre, starb den 4. Februar.
Brodpreise
vom 8. bis 22. Februar 1885.
der Bäcker
1 Kgr. (2 Pfd.) Weißbrod .... 27
2 „ (4 Pfd.) Weißbrod .... 54
1 „ (2 Pfd.) Schwarzbrod 1. Sorte 24
2 „ (4 Pfd.) Sckwarzbrod 1. Sorte 48
1 „ (2 Pfd.) Schwarzbrod 2. Sorte 21
2 „ (4 Pfd.) Schwarzbrod 2. Sorte 42
3 „ (6 Pfd.) Schwarzbrod 2. Sorte
bet L. Keil ........ 63
bei K- Haas.......64
Gießen, den 7. Februar 1885.
der Brodverkäufer H
1 Kgr. (2 Pfd.) Weißbrod .... 27 2 „ (4 „ ) .......54
1 „ (2 „ ) Schwarzbrod 1. Sorte 24 2 * (4 „ ) Schwarzbrod 1. Sorte 48
3 „ (6 „ ) Schwarzbrod 1. Sorte —
1 „ (2 „ ) Schwarzbrod 2. Sorte 21
2 „ (4 „ ) Schwarzbrod 2. Sorte 42
3 „ (6 „ ) Schwarzbrod 2. Sorte —
Großherzogliches Polizeiamt Gießen. Fres enius.
I Herzogi Baugewerkschule Holzmindenl s
I damit verbunden Maschinen-,Mühlenbau- u. MüllerschulejS A
Winters 4. Nov. Vorunt. 6. Oct. Pensionat. Dir.: G. Haarmann. BEa


