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Senkgrube.
Die Ausführung der Wasserleitung in Gießen.
Ansinnen Groß!). Kreisamtes Gießen an die Gemeinde Muschenheim betr. die Schreibmaterialienvergütung des Vorsitzenden des Schulvorstandes daselbst. Reclamation des Fürstlichen Rentamtes Griedel und des Heinrich Bender I. von Dorf-Gill gegen den Voranschlag der Gemeinde Dorf-Gill wegen Zuziehung zu der in Geld verwandelten Naturalbesoldung des Lehrers rc.
Urtheilsverkündigung in Sachen, den Recurs des Eduard Poschel modo Gebrüder Röhrte dahier gegen einen Polizeibefehl betr. die Ausdünstungen
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aus dem Schoorgraben.
Gießen, 5. November. Heute Abend fand in „Stein's Garten" das erste Abonnements-Concert unserer Regimentscapelle, unter Leitung ihres Dirigenten, des Herrn Musikdirectors Krauße statt. Der umsichtige Leiter hatte ein Programm zusammengestellt, welches nur einer Richtung huldigte, nämlich der leichtbeschwingten Muse und dem musikalischen Humor. Mit Recht war der Eoncert-Abend mit dem Ausdruck „Wiener Abend" bezeichnet, denn die Heroen der Wiener Operetten glänzten besonders durch ihre heiteren und anmuthigen Weisen. — Wir behalten uns vor, aus die Winter-Abonnements-Concerte bei nächster Gelegenheit näher einzugehen. (Anm. d. Red: Was nutzt es, wenn Herr Musikdirector Krauße ein noch so seines Programm zur Aufführung bringt, wenn ein großer Theil des Publikums so unruhig ist und derart laut conversirt, daß für den wirklichen Musikliebhaber der Besuch oer Abonnements-Concerte zur Qual wird. Und dann der belästigende Cigarrenrauch und die mangelnde Ventilation, welche keinen Abzug gestattete! Hoffentlich werden bei den folgenden Eoncerten die hier beregten Mißstände nicht mehr obwalten und die Abonnc- ments-Concertc das bieten, was sie ihrem Wesen nach bieten sollen: einen musikalischen Genuß und keine sog. Sonntags- oder Bier-Conccrtc.)
Gießen, 6.November. Mit dem Heutigen wurde der Ertrag des am Donnerstag den 29. October verunstalteten Concerts zum Besten der Hinterbliebenen der auf der Eorvette Augusta Verunglückten an die Ecntralsamnielstelle, die Depositenkasie der deutschen Bank in Berlin, abgesandt. Nach Abzug der Unkosten betragt die Einnahme 421.90 A ein hübscher Erfolg, mit welchem die Herren Eoncertgeber zufrieden sein können.
— Dem am 3. November in Daubringen ausgebrochencn Brande siel nur eine gefüllte Scheune zum Opfer. Dank der von allen Seiten herbeigeeilten Hülfe konnte das Feuer von den dicht angrenzenden Nachbargebäuden entfernt gehalten werdem Ein dortiger Bewohner ist der Brandstiftung verdächtig zur Haft gebracht und bereite geständig. _________________________
England.
London, 5. November. In einer gestern abgehalienen Versammlung der conservatwen Südbezirks von London erklärte Lord Salisbury sehr bestimmt, dah er niemals die Principien des Freihandels au,gegeben habe. Es wider, spreche nicht diesen Principien, die englischen Tarife für solche Länder zu erhöhen, welche englische Produkte ausschließen und diejenigen anderer Länder zulasten. Warum sollte man nicht beispielsweise Repressalien gegen Spanien ergreifen und den englischen Zoll auf Wein erhöhen? Das wäre zu rechtfertigen und ividerspreche keineswegs dem Freihandel, da keine englische Industrie darunter leide und die Xeres-Weine keine nothwendrgcn Subsistenzmittel seien.
Z-euiManü.
Darmstadt, 5. November. Ernannt wurde: am 3 t. October der Gerichtsvollzieher-Aspirant Christian Gunschmann aus Villingen zum Gerichts. Vollzieher mit dem Amtssttze zu Langen; ä m
an deins. Tags wurde der Gerichtsvollzieher.Aspirant Karl Rothenberger aus Alzey zum Gerichtsvollzieher mit dem Amtssitze zu Seligenstadt ernannt.
Nebenbei gehen auch die „häckeleien" zwischen Serbien und Bulgarien weiter. Die bulgarische Regierung hat jetzt den Mächten die osficielle Mittheilung zugehen lasten, daß di- Serben in der Nacht vom 24. October allerdings einen Th-il des bulgarischen Dorses Klissura besetzt und sich erst am nächsten Morgen auf serbisches Gebiet zurückgezogen hätten. Diese Miitheilung wird schwerlich dazu beitragen, die serbisch-bulgarischen Beziehungen freundlicher zu gestalten.
Von russischer Seite tritt man mit fast ängstlichem Elser der Mei- nunq entgegen, als ob Rußland bei der Erhebung in Philippopel die Hand im Spiele cehabt habe. Das „Journal de St. Pötersbourg" stellt alle derartigen Gerüchte als bloß- Manöver hin, darauf berechnet, der bulgarischen Bewegung alle antirussischen Elemente zu gewinnen. Das officiöss Blatt siebt weiter zu, daß Rußland allerdings Sympathiesn für die Verwirklichung der wohlbekannten Wünsche des bulgarischen Volkes hege, dastelbe dürfe aber bei Unternehmungen gegen die Verträge nicht auf den Beistand Rußlands rechnen, die kaiserliche Ansprache zu Fredensborg sei eine neue öffentliche Bestätigung dieser Politik GciDcten.
Eine Meldung des „Standard" aus Nisch vom Dienstag behauptet, König Milan sei nach Pirot (an der serbisch-bulgarischen Grenze) abgereist und habe Befehl zur Ergreisung der Offensive ertheilt. Die Meldung des „Standard" ist indessen noch von keiner Seite bestätigt worden, auch der „Times" ist keine derartige Nachricht zugegangen.
Das am künftigen Dienstag zusammentretende neue französische Parlament wird bei seiner Eröffnung die formelle Demission des Cabinets Brisson wahrscheinlich schon vorfinden. Wenigstens bringt der „Temps" eine bezügliche Notiz, in welcher es weiter heißt, daß Briffon von Gröoy mit der Neubildung des Cabinets beauftragt werden würde. Das ministerielle Blatt glaubt, in das neue Ministerium werde die Mehrzahl der bisherigen Minister, besonders Freycinet und Goblet, eintreten. Das Cabinet würde eine Erklärung vor der Kammer abgeben und alsdann ein formelles Vertrauensvotum fordern, um die ministerielle Frage unverzüglich zu lösen. — Sollte die Regierung bei ihrer Abficht bleiben und mit einem Programm vor das neue Parlament treten, so dürste sie zugleich beantragen, daß die Deputirtenkammer sich nur mit der Prüfung der Vollmachten beschäftige und sich dann bis zum Zusammentritt des Congrcffes, das heißt also, bis Ende December, vertage. Ein Eingehen der Kammer auf diesen Antrag würde die Regierung wohl als das vom „Temps" erwähnte formelle Vertrauensvotum betrachten.
Lokales.
Gießen, 6. November. Samstag den 14. November l. 3. findet eine öffentliche Sitzung des Kreisausschusses des Kreises Gießen statt, in welcher zur Verhandlung kommt: .
1. Recurs des Michael Deis von Wetzlar gegen einen Polizeibefeht Großh. Polizeiamts Gießen wegen des ordnungswidrigen Zustandes einer
Verwischtes.
Mainz, 3. November. (Selbstmord. Körperverletzung. Unglücksfall. Realgymnasium. Nachtwandler.) In verflossener Nacht machte ein stellenloser Kellner den Versuch, sich mittelst eines Revolvers das Leben zu nehmen und schoß sich eine Kugel in den Mund. Der Tod trat aber nicht sofort ein, denn der Mann wurde am Morgen noch lebend, aber bewußtlos in seinem Bette aufgefunden und dann in das Hospital verbracht. Hier stellte es sich heraus, daß ihm die Kugel im Hinterkopf stecken geblkeben war. Ohne wieder zum Bewußtsein gekommen zu sein, verstarb er heute Mittag gegen 12 Uhr. Der Körper des Selbstmörders wird nach Gießen zur Anatomie gefchickt werden, da der Heimathsort desselben nicht ermittelt werden konnte. — In einem Hause des Augustinergäßchens gerieth heute Vormittag ein Metzgergeselle mit seinem Meister in Streit; letzterer ergriff hierbei ein Beil und schlug mit demselben seinem Burschen derart auf den Kopf, daß das Blut hoch emporspritzte. Der schwer, aber nicht lebensgefährlich Verletzte wurde alsbald in das Rochusspital gebracht, woselbst eine etwa 4 Zoll lange Wunde am Kopfe constatirt wurde. Der Thäter, ein Pferdemetzger, wurde verhaftet. — Gestern Abend stürzte der Fuhrmann I. in der Nähe des Neu- thors von seinem eigenen, mit neuem Wein beladenen Fuhrwerk herab, wobei ihm das rechte Bein von den Rädern zerquetscht wurde. — Die Schülerzahl für das Realgymnasium hat für das Wintersemester eine erhebliche Zunahme erfahren; die Zahl betrug im letzten Wintersemester 579 und beträgt jetzt 676^ Vor 50 Jahren, also im Jahre 1835, hatte die Realschule 3 Elasten und etwa 90 Schüler. — Eine eigenthum- liche Wahrnehmung wurde gestern Abend an einem in der Stadthausstraße beschäftigten Schneiderlehrling gemacht. Der junge Mann klagte am Morgen über Kopfschmerzen und wurde dieserhalb von seinem Meister zu Bett geschickt; den ganzen Tag über verweigerte er Speise und Trank zu sich zu nehmen. Am Abend wurde dem Schneidermeister plötzlich mitgetheilt, daß sich Jemand auf dem Dach seines Hauses befände; die Leute eilten auf den Speicher, um nachzusehen, als sie gewahrten, daß der Schnewer- junge auf dem Dachfirste saß, sich völlig auszog und ein reines Hemd anzog. Es kostete viele Mühe, den Jungen wieder von dem Dache herab und in Sicherheit zu bringen. Der Junge wußte gar nicht anzugeben, warum er eigentlich auf das Dach geklettert sei; ein eigenthümlicher Drang habe ihn dazu veranlaßt. Da der Junge fortwährend über Kopfschnierzen klagte, so wurde er zu weiterer Beobachtung und Behandlung seinen Eltern übergeben. (D. Z.)
Wetzlar, 2. November. Heute Nachmittag ereignete sich hierselbst ein Unglucksfall, welchem beinahe mehrere Menschenleben zum Opfer gefallen mären. Von mehreren an der Eisenbahnbrücke am Taubenstein beschäftigten Anstreichergehilfen stürzten drei derselben in Folge Zusammenbruchs des jedenfalls zu leicht,gebundenen Gerüstes in die Lahn. Zwei derselben trieben ca. 500 Meter in dem Wasser weiter,, wo sie dann in einen hinzugeeilten Kahn ausgenommen wurden, während der Dritte sich schon nach einer kurzen Strecke an's Land arbeitete. Das jetzt schon sehr kalte Wasser und Vie Arbeitskleider der Leute verhinderten ein Schwimmen gänzlich und konnten sich dieselven nur durch Festklammern an einigen Bretterbohlen über dem Wasser halten, bis denselben Hilfe gebracht wurde. , (®:
Frankfurt a. M., 5. November. Vorgestern wurde in Bockenheimem seit 1868 daselbst von einem Sonderling hinterlegtes Testament eröffnet. Derfelve bedachte seine alte Dienerin mit 12,000 außerdem wurden in seiner,Woynmig hierin Lappen rc. eingewickelt im Bett, Schrank, Cornrnode-Ecken versteckt, noch
Madrid, 5. November. Der Zustand des Marschalls Serrano hat sich sehr verschlimmert; er empfing heute die letzte Oeliing.
— Sechs hiesige Zeitungen werden gerichtlich verfolgt, weil ffe aus Manilla eine Revolte und große Feuersbrunst, wobei das deutsche Consulat eingeäschert wurde, gemeldet hatten. Die Negierung erklärt die Nachricht, daß eine Revolte stattgesunden habe, für unbegründet. Bei der Feuersbrunst, welche am 24. v. Di. stattfand, wurden zwei Häuser zerstört.
Nisch, 5. November. Der französische Gesandte Millet überreichte dem König feierlich seine Creditive. Es wurde beiderseits eine herzliche Ansprache ausgewechselt.
Konstantinopel, 5. November. Die Conferenz hielt heute die erste Sitzung ab, worin der Austausch der Vollmachten und die Constituirung des Bureaus stattfand. Samstag ist die nächste Sitzung.
UniverfitätS - Chronik.
— Für das Fach der Cheniie hat sich in der philosophischen Fakultät zu Berlin Dr. Andreas Fock mit einer Vorlesung über „die Bedeutung der krystallo- graphischen Forschung auf dem Gebiete der organischen Chemie" als Privatdocent habilitirt. r . .
— Die Gesammtstudentenschaft zu Heidelberg wird dem neuvermahlten erbgroßherzoglichen Paare als Angebinde zum Hochzcitsgeschenk eine silberne Bowle widmen, die von dem berühmten großen Heidelberger Fasse getreulich nachgebildet iltr d. h. den 27,000sten Theil desselben Rauminhalt hat,, oder etwa 9 Trinkflaschen. Der Erbgroßherzog von Baden hat früher mehrere Semester in Heidelberg studirt und sich am studentischen Leben in reger Weise betheiligt.
Telegraphische Depeschen.
Wolff'- telegr. Eorrespondenr - Barra«.
Berlin, 5. November. Der heutigen Bundesrathssitzuna liegt ein Antrag Preußens vor über Abänderung des § 22 des Preßgesetzes, betreffend die Verlängerung der sechsmonatlichen Verjährungsfrist bei Preßvergehen m besonderen Fallen. Auf der Tagesordnung steht ferner die Vorlage über den Nordostfeekanal. Dem Vernehmen nach soll der Beitrag des Reiches von 106 Millionen durch eine Anleihe, bezw. durch Schatzanweisungen aufgebracht werden.
Berlin, 5. November. Bekannt sind 42a von 433 Wahlen; davon 135 con- fervative 59 freiconfervative, 99 Centrum, 10 nationalliberale, 42 deutschfreisinnige, 14 Polen 2 Dänen, 3 Welfen. Berlin wählte durchgängig freisinnig, ebenso Königsberg und Breslau. Köln wählte beide Centrums-Candidaten, Hannover beide Nationalliberale. An hervorragenden Parteimitgliedern wurden sonst gewählt: v. Wedell- Malchow (Prenzlau), Kropatschek (Westhavelland , Hammerstein (Stolp), Cuny Eynern (Solingen), Boretius (Halle), Hammacher (DuAurg), Hobrecht (S argardt), Gneis Magdeburg und Kreuznach), Reichensperger (Olpe)>, Hmue (Francensein), Rickert (Danzig), Hänel (Altona), Staatsminister Maybach (Waldbröl), Lucius (Greifswald), Bötticher (Stralsund), Oberpräsident Achenbach (Siegen).
— Von 433 Wahlen sind 432 bekannt. Gewählt find 140 Conservative, 60 Freiconfervative, 99 Klerikale, 70 Nationalliberale, 44 Freisinnige, 14 Polen, 2 Dänen und 3 Weisem $ ^vernder. Der Bundesrath überwies die Nordostseekanal-Vorlage den Ausschüssen für Landheer, Festungen, Seewesen, Handel, Verkehr und Rechnungswesen. Er überwies ferner den Antrag Preußens, betreffend ine Abänderung des S 22 des Preßgesctzes, an den Justizausfchuß. Zu dem vom Reichstag angenommenen Gesetzentwurf wegen Aufhebung des Gesetzes über die Verhinderung der unbefugten Ausübung von Kirchenämtern wurde befchlofsen, daß, da der s#unbe3ta_g erst am 14. November 1884 dem Beschlüsse feine Zustimmung versagte, kern Anlaß vorliege, von solchem Beschlüsse abzugehen. , „ . .. r .
Braunschweig, 5. November. Gestern fand tm Schlosse em Galadiner von Etwa 70 Gedecken statt, woran der Hofstaat und die Spitzen der Behörden mit ihren .Damen^thel^ahmem^^^n^^b.^^ Tageblatt" zufolge begibt sich der Prinzregent Freitag Abend zur Hofjagd nach der Göhrde und kehrt Samstag hierher zurück. Die Vriinessin begibt sich Montag über Berlin nach Kamenz.
Paris, 5 Wooeinber. Graf Münster überreichte heute Grevy sein Beglaubigungsschreiben im Beisein Freycinet's. In. seiner Ansprache sagte Graf Münster: „Indem der Kaiser mich mit dieser hohen Mission betraute beau tragte mich Allerhochst- derfelbe zugleich, die von meinem Vorgänger so glücklich unterhaltenen Beziehungen der guten Nachbarschaft fortzusetzen und weiter zu entwickeln. Wollen Sie, Herr Präsident, sich überzeugt halten, daß es mir zur größten Genugthuung gereichen wird, wenn ich dieser meinen persönlichen Gefühlen vollständig entsprechenden Aufgabe mich entledige, indem ich mich zum getreuen und aufrichtigen Dolmetsch der guten Intentionen meines erhabenen Souveräns mache." Grevy erwiderte: „Ich nehme mit Vergnügen Ihr Beglaubigungsschreiben entgegen und bin überzeugt, daß Sie beseelt von den persönlichen Gefühlen für Frankreich, deren Sie eben gedachten, und im Bewußtsein der gemeinsamen Interessen beider Nationen dazu beitragen werden, die guten Beziehungen zwischen denselben ebenso zu befestigen, wie Ihr eminenter Vor- Länger."
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