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Paris, 5. October. Bis 4Vz Uhr Nachmittags wurden aus 51 hiesigen Sectionen folgende Wahlresultate bekannt: Brisson und Allain-Targv erhielten gegen 10,000, Floquet, Lockroy, Barodet, Delaforge, Cttmenceau und Bert 7000 bis 9000, die Conservativen Calla, Hervö Mangon, Cassagnac durchschnittlich 6000 Stimmen. Perhältnißmäßig die wenigsten Stimmen erhielten die opportunistischen und radikalen Kandidaten. Aus 60 Departements sind folgende Resultate bekannt. Die Conservativen gewannen 44 Sitze, 142 Stichwahlen sind erforderlich. Im Departement Nord erhielt die conseLvative Liste die Majorität, welche an Stimmenzahl die der Candidaten der verschiedenen republikanischen Listen übersteigt. Trotzdem sind Stichwahlen erforderlich, da keine von der eonservativen Liste erzielte Stimmenzahl ein Viertel der eingeschriebenen Wähler ausmacht. . ''

Bis 53/4 Uhr ist folgendes Wahlresultat aus 260 Sectionen von 8a0 sectionen, woraus das Seinedepartement besteht, bekannt: Lockroy 73,000, Brisson 62,000, Allain- Targö 58,000, Cl^menceau 55,000, Rochefort 34,000, Hervä-Mangon 31,000, Calla 30,000, Spuller 29,000, Ranc 28,000 Stimmen. Die republikanischen Journale er­kennen an, daß der gestrige Tag für die Republik kein guter war und daß die Mon- archistcn einen unerwarteten Erfolg errungen haben. Diese Blätter erklären, die Uneinigkeit der Republikaner sei Ursache dieser Niederlage. Die Opportunisten und Radikalen schieben sich gegenseitig die Verantwortung für die Niederlage zu. Der Teinps" macht das Wahlresultat aus 72 Departements bekannt. Danach gewannen die Conservativen 66 Sitze, und 186 Stichwahlen sind erforderlich.

Bis 6V2 Uhr wurden Wahlresultate aus 79 Departements bekannt. Die Conservativen gewannen danach 84 Sitze, wenn man die Departements Nord und Pas de Calais hinzurechnet, wo die Conservativen eine gewisse Majorität haben, wo aber Stichwahlen möglich sind. _

Rom, 5. October. Aus Palermo wurden von vorgestern Mitternacht bis gestern Mittag 16 Cholera-Todesfälle gemeldet. Der Justizminister ist vom Con­tinent zurückgekehrt. __ . , .

In Palermo starben gestern 70 Personen an der Cholera; in den übrigen inficirten Provinzen kamen 12 Cholera-Todesfälle vor.

Petersburg, 5. October. An den in hiesigen Zeitungen enthaltenen sensationellen Meldungen über militärische Maßnahmen Englands in Herat ist zufolge von in Askhabad mt authentischer Stelle eingezogenen Erkuiidigungen nur richtig, daß in Herat durch Engländer geleitete Befestigungsarbeiten vorgenommen werden.

DerPetcrsburgskija Wedemosti" zufolge gilt der Uebergang der Eisen­bahnen der Großen russischen Eisenbahn-Gesellschaft in die Verwaltung der Krone für fest beschlossen.

Moskau, 5. October. DieMosk. Ztg." sagt bezüglich der bulgarischen Frage: Wenn Rußland nicht beabsichtige, die Orientfrage gegenwärtig anzuregen, wäre dessen beste Politik, die Wiederherstellung des Status qno ante zu fordern, dem Sinne des Berliner Vertrags gemäß, zugleich aber auch die Sicherstellung des bulgarischen Mace- donien zu verlangen, was ebenfalls dem Sinne des Berliner Vertrags entsprechen würde. Rußland werde gerecht und seiner Mission im Orient entsprechend handeln, wenn es, auf der Basis des erwähnten Vertrages bleibend, lediglich andere auffordere, denselben ebenso genau zu erfüllen, wie Rußland es selbst gethan habe durch Aufrecht­erhaltung der Rechte des Sultans auf Rumelien und es könne um so eindringlicher die Pforte bewegen, auch Macedonien ungefähr in derselben Art sicherzustellen wie Rumelien. Dadurch werde Rußland dem bulgarischen Volke einen größeren Nutzen bringen als durch Erfüllung der Jntrigue, ivelche darauf berechnet sei, den russischen Einfluß aus Bulgarien zu verdrängen und dieses Land in ein ebensolches Verhältniß zu Rußland zu bringen, in welchem Serbien gegenwärtig zu ihm stehe. Serbien ver­danke seine Unabhängigkeit ebenfalls Rußland, doch in welchem Verhältnisse befinde sich jetzt das serbische Königreich nach dem siegreichen russischen Kriege? Dürfte sich etwa ein Königreich unter dem Fürsten Battenberg in einem besseren Verhältnisse zu Rußland befinden?

Risch, 5. October. Die Session der Skupschtina wurde gestern geschlossen, nachdem dieselbe alle Vorlagen bezüglich der Anleihe und der militärischen.Maßnahmen einstimmig und ohne Diskussion genehmigt hatte. Die Adresse auf die Thronrede lautet kriegerisch. Der Ministerpräsident kehrt nach Belgrad zurück, während der König und der Kriegsminister in Nisch bleiben.

Die Adresse der Skupschtina bedauert den Versuch, die Grundlage der Existenz der Balkanstaaten zu erschüttern. Wollte man heute die Möglichkeit zugestehen, einen internationalen Act wie den Berliner Verttag gewaltsam zu zerstören, so würde unabsehbaren Folgen Thür und Thor geöffnet. Das Serbenvolk könne dem nicht gleichgiltig zusehen, deßhalb folge die Volksvertretung begeistert dem Rufe ihres Königs und votirte mit Acclamation sämmtliche Vorlagen, damit die Regierung den Status quo ante oder das Gleichgewicht Herstellen könne, welches die Existenzfähigkeit Serbiens «thatsächlich garantire. Das Volk vertraue blindlings dem ersten Könige Serbiens.

Konstantinopel, 5. October. Die Botschafter hielten gestern die erste Be- rathung ab und einigten sich dem Vernehmen nach über ein Memorandum, welches vor der officiellen Miltheilung an beide Theile zunächst der Genehmigung der Mächte unterbreitet werden soll.

Athen, 5. October. Es ist der Regierung gelungen, durch Wiedereinführung des Zwangscurses eine Anleihe von 44 Millionen Drachmen von der Nationalbank zu erhalten.

sHavas-Meldung.f Der Ministerrath beschloß die Mobilisimng der Marine und die Einberufung zweier Classen der Marinereserve. Die militärischen Ausrüstungen dauern ununterbrochen fort.

Bukarest, 5. October. Der König hat in Begleitung des Kriegsministers Falcoyano und des Arbeitsministers Radoumhiai schon die Garnisonen von Jassy und Roman inspicirt, woselbst er begeistert empfangen wurde. Der König begibt sich von da nach Galatz.

Konstantinopel, 5. October. Der bisherige türkische Gesandte in Athen, Tevfik Bey, ist zum Botschafter in Berlin und der ehemalige Gouverneur von Metelin, Agujah Effendi, 541m Gesandten in Athen ernannt worden.

Lokale-.

Gießen, 6. October. Tagesordnung für die Stadtverordneten-Sitzung am Donnerstag den 8. October 1885, Nachmittags 4 Uhr.

1. Verwerthung von Bauplätzen an der Grünbergerstraße.

2. Vermiethung von Kellerräumen in der höheren Mädchenschule.

3. Unterhaltung der städtischen Wiesen.

4. Gesuch des Jacob Helfenbein um Bauerlaubniß.

5. Gesuch des Maurermeisters Georg Pfaff von Launsbach um käufliche Ueberlassung städtischen Geländes.

6. Gesuch des Konrad Atzbach um Ueberlassung städtischen Geländes zur Gewinnung von Sand.

7. Das Gießener Stadtwappen.

8. Aufnahme des Hamm in den Bauplan.

9. Berathung des Entwurfs eines Localpolizeireglements zur allgemeinen Bauordnung.

Gieße«, 6. October. [39. Stiftungsfest des Turnvereins Gießen.? Das Programm für die Feier des diesjährigen Stiftungsfestes des hiesigen Turn­vereins war sowohl in turnerischer als geselliger Beziehung ein recht reichhaltiges und- sehr befriedigendes.

Das unbarmherzig schlechte Wetter, mit welchem der bekannte Jupttcr schon dle ganze letzte Woche uns heimgesucht hatte, war Schuld daran, daß der turnerische *-j)eiL des Festes nicht in Stein's Garten abgehallen werden konnte, vielmehr in der städtischen Turnhalle, welche recht hübsch mit Fahnen, Kränzen und Bildern geschmückt mar, statt­finden mußte. L '

Als wir dieselbe kurz nach 4 Uhr betraten, intonirte gerade die Musik Den Turnermarsch, unter dessen Klängen gegen 80 ältere und jüngere Turner in strammem. Tritt und guter Ordnung zu den Freiübungen aufmarsckirten. Der 1. Turnwart oc> Vereins, Herr Gg. Stosser, zeigte uns hier eine recht schön gewählte Gruppe Frcr- ii bungen, welche schneidig und fehlerlos ausgeführt wurden. Alsdann trat man zu dem Riegenturnen in 7 Riegen an, worunter eine 12 Mann starke Mannerriege. Hier muß die militärische Schnelligkeit und die Lautlosigkeit lobend erwähnt werden, mit denen dies geschah. _

Wir hatten nun Gelegenheit, ein recht geregeltes Schulturnen zu sehen, welches mit einmaligem Riegenwechsel etwa eine Stunde lang dauerte und vielfach den lauten Beifall der Zuschauer veranlaßte.

Nunmehr trat eine kleine Pause ein, nach welcher Herr Stoffer uns mit 16 besseren Turnern Stabübungen (mit langen Stäben) vorführte, die einen donnernden Applaus ernteten; wir sind Herrn Stoffer für diese schönen Hebungen um so dank­barer, weil solche bisher in Gießen noch nicht gezeigt wurden und sie eine recht an­genehme Abwechselung boten. Leider versagte während derselben das Gas, was viele leicht fi'ttchtige Gemüther in große Unruhe versetzte und eine unliebsame Störung ver­ursachte. Gleichwohl ließen sich weder Herr Stoffer noch seine Turner aus der Fassung bringen. .

Die letzte Abtheilung des Schauturnens bildete das Turnen zweier Muster­riegen, von welchen die eine sich im Stemmen, Klimmen und Freihochsprung be- thätigtc, die andere am Reck, weiten- und Längenpferd und Barren turnte und schließlich Stabhoch sprang. Die Leistungen waren recht gute, besonders im Stabhochsprüngen, wobei das Sprunggestell (2 Dieter 60 Ctm. hoch) von fast allen Turnern dieser Riege frei übersprungen wurde.

Kurz vor 7 Uhr war das Schauturnen beendet. Die Thatsache, daß zahlreiche Zuschauer vom Anfang bis 311111 Ende des Turnens aushielten und mit hohem Interesse den Hebungen folgten, ist wohl der beste Beweis dafür, daß einerseits die gesehenen Leistungen allgemein anerkannt wurden und das Programm turnerisch geschickt gewählt war, andererseits, daß die Gießener für die Turnerei warme Sympathieen hegen.

Das Letztere bestätigte auch wieder das sehr gut besuchte Bankett im großen Saale von Stein's Garten, welches nach 8V3 Hhr durch den 2. Sprecher des Turn­vereins Herrn Carl Vogt mit einer kurzen Ansprache eröffnet wurde, in welcher. Redner rnittheilte, daß der 1. Sprecher leider durch einen Todesfall zu erscheinen ver­hindert sei, die Anwesenden herzlich willkommen hieß und für das zahlreiche Erscheinen dankte. Der 1. Schriftwart Herr K. Stieb er gibt hierauf einen Rückblick über das- verflossene Vereinsjahr, in welchem der Verein sich auf vielen Turnfesten ehrenvoll hervorgethan habe, erwähnt Friesen's und seiner, Verdienste, gedenkt des wackeren Turners und Volksmannes Wigard und des dem Gießener Turnvereine besonders nahegestandenen, unlängst in Königsberg verstorbenen Professors Zöppritz, welcher jahrelang dem Vereine als eifriger Turner angehört und als 1. Tnrnwart werthvolle Dienste geleistet habe. Redner schließt mit einem begeistert aufgenommenen Hoch auf Vaterland, Kaiser und Großherzog.

Sehr schöne Concertstücke (von 25 Mann der Militärcapelle, unter Leitung beä Herrn Musikdirectors Krauße gespielt), Chorgesänge und Toaste wechselten nun mit einander ab. Turner W. Eid mann brachte einGut Heil" aus aufdie Gäste. Herr Stadtverordneter Commerzienrath Adolf Noll dankt im Namen der Stadtverordneten, die leider, weil sie schon in der letzten Woche durch die vielen Festlichkeiten zu sehr in Anspruch genommen worden, nicht so zahlreich hätten erscheinen können, als sie es gewünscht, und bringt ein Hoch aus auf Turner und Turnerinnen. Es danken ferner im Namen ihrer Vereine Herr L. Petri II. für die Gießener Feuerwehr, Herr Adolf Bieler für die Rudergesellschaft, Herr H. Wagner für den Liederkranz, Herr Gg. Marx für die Gäil'sche Feuerwehr, Herr L. Petri HI. für den Veteranenverein. Turner Klotz gedenkt des dieser Tage Heimgegangenen Turners Hofmann, dessen Gedächtniß die Versammlung durch Erheben von den Sitzen ehrt. Herr Bierau- Wieseck spricht den Dank der Wiesecker Turner aus, welche das schlechte Wetter ab­gehalten habe, zahlreicher zu erscheinen.

Nachdem noch Turner Stud. Flett auf den Vorstand des Turnvereins einen Salamander hatte reiben lassen, und Herr Assistenzarzt Ga r t h eine launige Ansprache auf die Damen gehalten, begann gegen 12 Hhr das obligate Tänzchen, welches die Jünger und Jüngerinnen Terpsichorens bis zum frühen Morgen zusammenhielt.

Möge es dem Turnverein gelingen, sich die Sympathien der Einwohnerschaft unserer Vaterstadt auch weiterhin zu erhalten und dadurch seiner Sache und so wieder indirect dem Gemeinwohl zu dienen. Feste wie das vorgestrige werden hierzu stets beitragen.

F cd t e

Bochum, 2. October. Untere Stadt ist vorgestern der Schauplatz eines furcht­baren Verbrechens gewesen. Zwei zwölfjährige Jungen haben einen neunjährigen Knaben in einen dortigen Neubau hineingelockt, ihm Hände und Füße mit Stricken verschnürt, Nase, Mund und Ohren mit Erde und Steinen verstopft und dem armen­völlig wehrlosen Kinde mit einem Messer einen Stich beim Ohre beigebracht, so daß die Klinge am Munde wieder herauSkam. Das arme Opfer wurde erst nach mehreren Stunden zufällig aufgefunben und ist bereits gestern Nachmittag an den Folgen der erhaltenen Verletzungen gestorben.

[Ein seltener Treffer.) Im Jahre 1849 berichtete ein süddeutsches Blatt über die Ergebnisse einer Bauernjagd bei Keberburg, daß 4 Ziegen, 1 Ziegenbock, 3 Füchse, 2 Hasen, 11 Heimen, 2 Katzen, 14 Tauben, 3 Dachshunde, 8 zahme (SntcnF 1 Grenzsäule und 2 Ortstafeln erlegt, dagegen 1 Fleischergeselle, 1 Bahnwärter, 2 Dienstjungen und 1 Gemeindediener nur angeschossen seien. Daß es heutzutage noch geschicktere Schützen gibt, bewies ein Jagdpächter in Rothwasser in der Görlitzer Haide dieser Tage, der aus einen Schuß, den er in ein Volk Rebhühner nbfeuerte, seinen Bruder, seinen Mitpächter und seinen Hund traf. Am besten kamen die Reb- hühner bei dem Schüsse weg, denn ihnen geschah nichts.

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Gießen, 6. October. Auf dem heutigen Markt kostete: Butter per Pfund JL 1.051.20, Hühnereier pr. Stck. 70 Enteneier St. 00 H, Käse pr. St. 58 A» Käsematte 30 H, Erbsen pr. Liter 22 Linsen 32 H, Tauben per Paar 0,50 bis 0,60 H, Hühner per Stück 0 851.30, Hahnen pr. Stück JL 0.501.00, Enten per Stück v4t 1.401.70, Ochsenfleisch per Pfund 6800 H, Kuh- und Rindfleisch 5660 H, Schweinefleisch 5060 ^>, Hammelfleiich 6070 Kalbfleisch 4850 Kartoffeln per 100 Kilo vtt 3.004.00, Milch per Liter 1216 4h, Zwiebeln per Centner vtt 4.006.00.

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