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KutterDiedrich" undAnna" durch englische Schiffer hat jetzt ihre ge­richtliche Ahndung gesunden. Vom Geschworenengerichte zu Ipswich sind von den hierbei betheiligt gewesenen englischen Seeleuten drei zu 12 und fünf zu 9 Monaten Zwangsarbeit verurtheilt worden, auch drohte der Richter im Wie- derholungssalle Zuchthausstrafe an. In Deutschland wird man über dreien Wahrspruch der englischen Geschworenen sicherlich nur Genugthuung empfinden.

Die neuesten Meldungen über die afghanische Frage kann man am besten mit dem Börsen-Ausdrucke:Tendenz steigend" charakterisiren. Es wird jetzt verschiedentlich wieder einmalabgewiegelt"; die Besetzung Port Hamiltons durch die Engländer soll ebensowenig wahr sein, wie diejenige Merut- schaks durch die Russen, auch die Nachricht von einem englischen, resp. russischen Ultimatum wird wieder dementirt. Daneben taucht immer entschiedener das Gerücht von einem Schiedsspruch bezüglich der Frage aus, ob Rußland durch das Vorgehen General Komarofsts das Abkommen vom 17. März verletzt habe oder nicht. Ein gekröntes Haupt Europas soll hierüber entscheiden und heißt es bereits, daß England den König von Dänemark zum Schiedsrichter m der Pendjeh-Angelegenheit wählen werde, vorausgesetzt, daß Rußland überhaupt dem Gedanken eines Schiedsgerichts zustimme. Bei den nahen verwandtschaftlichen Beziehungen der dänischen Königssamilie zu den Lösen von London und Peters­burg wäre diese Wahl auch eine sehr glückliche und scheint man sich auch fcherseits mit diesem Ausweg befreundet zu haben. DieDaily News ben nämlich:Die (englische) Regierung wurde auf nichtamtlichem Wege informirt, der Czar sei einem Schiedsgericht geneigt, welches nicht das Verhalten Komaroff's oder Lumsden^s beurtheilen, sondern entscheiden solle, ob die Jnstruc- klonen, welch- gemäß de« Abkommens vom 17. März ertheilt worden waren, falsch ausgelegt wurden. Die amtliche Antwort Rußlands ist erst m nächster (also in dieser) Woche zu erwarten. Sobald die Einsetzung eines Schiedsge- richts accentirt ist, werden die Grenzverhandlungen fortgesetzt werden. Vollends friedlich klingt eine Mittheilung derDeutschen Zeitung m Petersburg, wonach der F r i e o - a l s g e s i ch - r t zu betrachten sei. Dre ganze diplomatische Action, die sich englischerseits noch jetzt vollziehe, sei lediglich eine Rückzugsbewegung, der man möglichst einen anständigen Charakter wahren wolle. Die Zuckung äußert jedoch noch Zweifel, ob die Situation in dieser unbevmgt guMgen Werse schon jetzt aufzusassen sei; nun, hoffentlich darf man dies und auch der Umstand, daß dem Emir von Afghanistan das Großcommandeur.Kreuz des Sterns von In­dien englischerseits verliehen worden ist, hat weiter nichts besonders Beunruhi- gendes an stch^ ina(dja, der als Specialgesandter des Sultans über zwei Monate in London verweilte, ist plötzlich telegraphisch nach Konstantinopel zurückbeordert worden. Was er eigentlich in London gewollt oder gesollt hat, darüber ist die Welt heute noch im Unklaren,.wahrscheinlich ist, daß er eme Ver- ständigung zwischen England und der Pforte wegen der egppttschen Angelegen­heiten herbeizuführen beauftragt war; daß ihm dies gelungen sem sollte, ist indessen - nach seiner plötzlichen Abberufung zu urtheileu - nicht anzunehmen.

Die Unruhen in der central-amerikanischen Republik Panama neigen ihrem Ende zu. General Aizpur, der Jnsurgenten-Chef hat mit dem Führer der Regierungs-Trüppen em Abkommen getroffen, laut dessen die Insurgenten die Stadt Panama räumen werden, worauf die Regierungs- Truppen dieselbe besetzen. ________ ___________

London, 4. Mai.Daily News" erfahren, die Antwort des Peters- burger CabinetS auf Lord Granville'S Depesche sei am Samstag Morgen hier eingetroffen, Lord Granville vom russischen Botschafter v.

mittelt und in einem am Samstag Nachmittag abgehaltenen Cabmetsra he be rathen worden, lieber die Antwort der englischen Regierung auf die ru st che Devescke babe man sich bereits in dem am Samstag stattgehabten Cabmets rathe im Principe geeinigt, heute werde die f"MÄe Anwort erfolg^ Dw russische Depesche sei in Form und Inhalt versohnüch, die Antwort Lord Gran ville's werde dieselbe Eigenschaft tragen. In der russischen Antwort heiße es, daß der günstige Eindruck, den der Kaiser und die Minister aus dem telgraphi- schen Resums der Depesche Lord Granville's vom 25. April gewonnen hatten, nach Prüfung des Wortlautes derselben noch verstärkt worden fei. DenDaily News" zufolge wird heute oder morgen em Courier mit dem vollen Text der russischen Depeschen erwartet. ,, . .

Lord Granville wurde am Samstag nach dem Cabmetsrath von derKom- ain in Windsor in Audienz empfangen.!

9 DieTimes" will über die Antwort Rußlands ans die englischen Vor-

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Nr. 1O4L Mittwoch den 6. Mai 188S

Erscheint täsUch mit Ausnahme des MorrtagS.

WKr-«irr Schulstraße 7.

PrriS vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlohn.

Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf.

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Awtkicher Hheit.

Betreffend: Quartierleistung für die bewaffnete Macht im Frieden. Gießen, den 2. Mai 1885.

Das Großherzogliche Kreisamt Gießen

an die G rotzherzoglich en Bürgermeistereien des Kreises.

Wir benachrichtigen Sie, daß nach Mittheilung Königlicher Intendantur 11. Armeecorps in Kassel vom 1. April t I- an die Liquidationen über Marschfouraqe nicht mehr in dreifacher, sondern nur in doppelter Ausfertigung einzusenden sind.

' Dr. Boekmann.

C. LchrmuM. ijcm hoher Rabatt

Politische Ueberficht.

Gießen, 5. Mai.

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8 ^Der Bundesrath hat am Donnerstag fast zwei Stunden lang über die geplante Reform des Gerichtsverfassungs-Gesetzes und der Strafproceß- Drdnung debattirt, ohne zu irgend einem Resultate gekommen ju fern. Vom Staatssecretär im Reichsjustizamte wurde hierbei der neue preußische Antrag ... vertreten, bezüglich der beabsichtigten Verminderung der Zahl der Unheils-

^(jßroorenen; Fürst Bismarck, welcher prästdirte, betheiligte sich eifrigst an den ------- Verhandlungen und befürwortete lebhast die Regierungs-Anträge hinsichtlich der Zusammensetzung der Schwurgerichte. Ob bereits in der nächsten Sitzung des Bundesrathes, in welcher er sich ausschließlich mit dieser Materie beschäftigen wird ein Beschluß erzielt werden wird, steht noch dahin. Am genannten Tage wurde vom Bundesrathe auch der Anslieferungs-Vertrag mit Rutzland geneh- migt und dürste derselbe unverzüglich dem Reichstage zugehen, dessen Zustimmung a°er ^DerÄrwen^du"ngs-Antrag Huene ist vom preußischen Abgeord- netenhause in seinen hauptsächlichsten Theilen noch in voriger Woche erledigt, resp genehmigt worden. Am Donnerstag wurde der grundlegende § 1 gegen die Stimmen der Deutschfreisinnigen und der Nationalliberalen angenommen; es bleibt also dabei, daß den preußischen Communen bte Erträgnisse aus den Vieh- uno Getreidezöllm, nach Abzug emer Summe von 14'/- Mill.sur die Staatskasse, überwiesen werden sollen. Selbstverstanvlich kam es hierbei zu sehr animirten Debatten, die sich auch am Freitag jortfpannen und die Meßlich tu rein persönlichen Auseinandersetzungen zwischen den Rednern der verschiedenen . r.., . ........... ___hrtA C\rtiiÄ rturh 9 mplmp.r

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Die Frühjahrs-Besichtigungen der Truppen der Berliner imb Potsdamer Garnison durch den Kaiser haben am vorigen Samstag ihren Anfang genommen. Am genannten Tage inspicirte der erlauchte Kriegsherr lm Potsdamer Lustgarten, dem alten Exercirplatze der preußischen Garde, die drei Bataillone des ersten Garde-Regiments z. F., deren erstes Prinz Wilhelm oon Preußen vorsührte. Der 2. Mai ist der Tag der Schlacht von Groß- aörfchen und bildet vorzugsweise einender Ehrentage des ersten Garde-Regiments i F. damals des Regiments Garde zu Fuß. Ueber die Reise-Dispositionen des Kaisers verlautet noch nichts Bestimmtes, doch darf man wohl annehmen, daß im Allgemeinen auch Heuer an dem Reiseprogramm früherer Jahre sestge- balten wird , wonach aus den Badeausenthalt in Ems die gewohnte Nachkur tn Gastein folgt. Daß anläßlich d?r Anwesenheit des Kaisers Wilhelm auf öster­reichischem Boden wiederum eine Begegnung deffelben mit dem Kaffer Franz ... c\ocec stattfindet, darf wohl kaum bezweifelt werden, wenngleich auch hierüber

noch keine bestimmten Mittheilungen vorliegen. Was das unter den gegenwär- . Verhältnissen doppelt allarmirende Gerücht anbelangt, der Kaiser von $u6# sand werde an dieser Begegnung theilnehmen, so wird dasselbe von Wien aus

-'S** 'halb und halb wieder dementirt, wenigstens schreibt die Polit. Corresp." daß

die hierüber verbreiteten Einzelheiten durchaus unzutreffend seren, ganz und gar

--wird also der Gedanke einer Wiederholung der Drei-Kaiser-Zusammenkunft von "©fietnieroice nicht in Abrede gestellt; vorläufig ist aber das Weitere in dieser

M rein persönlichen Auseinandersetzungen zwischen den Rednern der verschiedenen Parteien sührien. An letzterem Tage genehmigte das Haus auch § 2, welcher von der Ueberweisung an die Kreise handelt, und § 3, der den Vtttheilukig»- Modus betrifft, des Antrags Huene, nebst einem Amendement Huene-Rauchhaupt e»»x'.'X-unter Ablehnung aller übrigen Unter-Anträge.

Vom Reichskanzler-Amte find die Submissions-Bedlngungen für bie zu subventionirenden Dampser-Linien jetzt veröffentlicht und die betreffenden Schriftstücke den Hamburger und Bremer Firmen, die zur engem Submission «inaetaben find, zugestellt worden. .

Das neue französische Cabinet Brisson pflückt jetzt m aller Rübe die Früchte der Friedens-Verhandlungen, welche bereits das Ministerium Ferrv mit Chwa eingeleitet batte. Die Berichte des Generals Andre de l Jsle, Les bisherigen französischen Oberbefehlshabers in Tongking, constatiren fortgesetzt iie Räumung Tongkings Seitens der chinesischen Truppen und überhaupt die regelmäßig fortschreitende Ausführung der Friedens > Bedingungen. Langson "baden die^ Chinesen bereits geräumt und außerdem sind Dangson und Thammoi non den Fram n b setzt worden. Trotzdem hält es die sranzösische Reg erung ür aut in der Absendung von Verstärkungen nach Tongking kerne Unter­brechung eintreten zu laffen?auch der neue französische D6erft.6ommanbtrenbe für Tongking, General de Courcy, hat sich noch >n voriger Woche m Toulon nach seinem Bestimmungsorte eingeschifft.

Die so viel Aufsehen erregenbe Beraubung ber deutschen