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Nr. SS. Freitag den 6. März L88S

Gießener Anzeiger Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen. ------------------------------- ' ~~7 TTZ» I I «reiS vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlohn.

V^urean r Schulstraße 7. Erscheint täglich mtt AnLnahnre des Montags. $>ur^ die Poft bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf.

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öller.

die Zweite Kammer der Stände des GroßherzogthumS nach- der Grotzh. Ministerien des Jnmrn und der Justiz und der

1

unter

Parteien mit gleichem Wohlwollen enlgegengekommen und gebühre in Oesterreich keinem Volksstamme und keiner Partei die ausschließliche Herrschaft. EL ist die« der reine Hohn auf die deutschliberale Partei, denn sie kann von dem gleichen Wohlwollen" der Regierung des Grafen Taaffe ein Liedchen singen. Im Uebrigen lasten die Ausführungen Dunaiewski's erkennen, daß an einen Systemwechsel in Oesterreich vorläufig nicht zu denken ist und werden also die Deutschen auch fernerhin da« Aschenbrödel unter den Völkerstämmen de« Kaiser­staates spielen. m

Die französische Deputirtenkammer hat am Montag die neuen Getreibezölle im Ganzen angenommen, was einen entscheidenden Sieg des Cabi- netS Ferry in der inneren Politik bedeutet. In einigen Tagen roiro die Kam­mer an die Frage de« Listenscrutiniums herantreten und zwar handelt es sich in erster Linie darum, wann die Neuwahlen auf Grund des Listenscrutiniums stattfinden sollen- Die Kammer soll der Ansicht zuneigen, daß dieselben am Besten im September oder spätestens im Oclober d. Js. vorzunehmen feien, während die Regierung diesen Termin aus gewissen Gründen noch weiter hinaus verschieben möchte; indessen dürfte hierbei schließlich doch die Kammer mit ihrer Meinung durchdringen. , . . m .

In der Schweiz findet gegenwärtig eine große Anarchisten - Razzia statt. Nachdem erst vor ein paar Tagen in Bern 10 Anarchisten au« dem Zuge heraus, mit dem sie eben abfahren wollten, verhaftet worden sind, ist da­selbst am Montag die Verhaftung von noch zwanzig anderen Anarchisten erfolgt. Die meisten derselben sind leider Deutsche. Außerdem wurde in Genf bie Druckerei de« anarchistischen JournalsLa Rövolte" der Name sagt schon genug von der Polizei geschloffen, unb alle vorgefundenen Papiere sind mit BeWag belegt worden. ______________________

Politische Ueberficht.

GieHen, 5. März.

Der gestrige 4. März bildet einen bedeutungsvollen Wendepunkt in der Geschichte der Vereinigten Staaten von Nordamerika der neue Präsident Gr over Cleve land hat an diesem Tage in seierlicher Weise sein Amt an- getreten. Zu diesem Zwecke hatte sein Vorgänger, Präsident Arthur, den neuen Senat zu einer außerordentlichen Session nach dem Weißen Hausse m Washington einberufen, und hier leistete Cleveland Den von der Verfassung vor- geschriebenen Eid. Gerade der diesjährige PräsidentschastSwechsel darf auf eine erhöhte Bedeutung Anspruch machen; denn seit dem Jahre 1860, m welchem als Candidat der damals neu begrünoeten republikanischen Parte,, Abraham Lincoln, dasWeiße Hau«" bezog, hat die jetzt besiegt- republikanische Parte, ununterbrochen die Zügel dek Regierung in Händen gehabt, und gestern nimmt nach 25 Jahren zum eistenmale wieder ein Demokrat den Präsidentenstuhl ein. Die allmälig immer mehr um sich greifende Verderbniß und die schonungslose Ausbeutung der Aemter durch die Republikaner führten ihren Sturz herbei und speciell das deutsche Element wär es, das dagegen Opposition erhob. Als namentlich die Republikaner den übel beleumdeten Blaine als Candidaten für die Präsidentschaft aufftellten- da wandten sich fast alle befferen Elemente Cleve- land zu, den die Demokraten zu ihrem Bannerträger erkoren hatten. Präsi- bent Cleveland, der als Gouverneur von New-Dork die Feuerprobe eines unbe­stechlichen Beamten glänzend bestanden hat, ist kein Schwächling, sondern ein starker in der vollen Manneskraft stehender energischer Mann, aus den man allgemein da« Vertrauen setzt, er werde den verrotteten Zuständen der amerika­nischen Verwaltung ein Ende machen. Da« ist indessen eine solche Mesenaus- gäbe, da das Unkraut in üppigster Blüthe steht, daß ein radikaler Umschwung nicht mit einem Male erwartet werden darf, sondern nur allmälig eine Besserung angebahnt werden kann. Gerade weil Cleveland nicht al« Candidat einer ein­zigen geschloffenen Partei, sondern als Compromtß«Candidat zweier einander noch schroff gegenüberstehender Gegner, der Demokraten und der unabhängigen Republikaner gewählt worden ist, wird seine Stellung um so schwieriger sein, und die ihm feindlichen Republikaner haben schon sroh darauf hingewiesen, daß selbst ein Cleveland solchen Schwierigkeiten nicht gewachsen sein dürste. Wir hoffen indessen, daß sich dies als ein gründlicher Jrrthum erweisen wird; denn die gebührende Geltendmachung des deutschen Elementes in de« Vereinigten Staaten steht mit der erfolgreichen Durchführung der Reformen Cleveland's im engsten Zusammenhänge. Besonders die Deutsch-Amerikaner waren es, welche sich von der verrotteten republikanischen Partei abwandten und einem Manne bei der Präsidentenwahl zum Siege verhalfen, von dem sie bestimmt voraussetzen konnten, daß er mit starker Hand eine Versöhnung der Intelligenz und Moral »m staatlichen Leben fördern werde. Da im Senat die Republikaner noch eine geringe Majorität besitzen, so ist dadurch ohnehin dasür gesorgt, daß das erwar- Ute Reformwerk des neuen Präsidenten keine allzuschnellen Fortschritte mache. Leber die Entscheidungen von ganz bedeutender Tragweite, welche in nächster Zeit aus wirthschastlichem Gebiete und in der auswärtigen Politik getroffen werden müssen, läßt sich noch kein bestimmtes Urtheil sällen. Daher ist es sehr erklärlich, daß die Antrittsbotschast des Präsidenten nicht nur in Amerika, son­dern auch in der ganzen civilistrten Welt mit großer Spannung erwartet wird.

Wiederum hat am Montag vor dem Reichsgerichtshof zu Leipzig ein Landesverraths-Proceß begonnen, der aber dem Publikum in seinen Einzelheiten nicht in dem Maße bekannt werden wird, wie dies bei dem Proceß gegen Hentsch und Kraszewski der Fall war, weil diesmal die Oeffent- lichkeit der Verhandlungen ausgeschlossen ist. Es handelt sich in dem vorliegen­den Falle um die Veruntreuung geheimer militärischer Acten, welche sich auf die Mobilmachung der 8. (rheinischen) Armee-Corps beziehen. Angeklagte sind der Kaufmann Gustav Janssens aus Lüttich und der Geschäftsmann Adolph Knipper aus Birkenfeld, welche sich eines früheren Sergeanten, Namens Schnei­der aus Münster, bedienten, um sich in Besitz der Acten zu bringen. Im Ganzen find 12 Zeugen vorgeladen, unter ihnen mehrere preußische Oificiere. Da, wie schon erwähnt, die Oeffentlichkeit der Verhandlungen ausgeschlossen ist, so vermag die Presse über den Proceß nur das Urtheil mitzutheilen, welches für Donnerstag oder Freitag erwartet wird.

Seit voriger Woche wird das österreichische Abgeordneten­haus durch die Budgetoebatte in Anspruch genommen, welche der Regierung scharfe Angriffe Seiten« der Linken eingebracht hat. Am Montag übernahm es der Finanzminister Dunajewski, diese Angriffe zurückzuweisen und gestaltete sich sein- Rede zu einer umfaffenden Darstellung der gegenwärtigen politischen Lage in Oesterreich. Natürlich beleuchtete der Minister dieselbe vom Stand- punkte der Taaffe'schen V-rsöhnunqspolitik aus und daß er die Erfolge dieser Politik glorificirle, darf daher nicht Wunder nehmen. Etwas mehr als naiv klang e« aber doch, wenn Herr Dunajewski versicherte, die Regierung sei allen

Deutschland.

Darmstadt. 3. Mir». Mit Genehmigung Seiner Königlichen Hoheit des Großherzogs Ist an °**------ k '3aÄW* rarn6h»rinflthtmia naib-

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Äarl Wunder, ______WagnermePer.

F ^Jn^dem Hauptvoranschlag der Staats-Einnahmen und -Ausgaben pro 1885/88 ist unter Kapitel 119 Titel 2 der Betrag von 200 000^ für Errichtung eines chemischen Laboratoriums an der Landes-Universität eingestellt, dabet jedoch von Errichtung einer Wohnung des DtrectorS in dem Gebäude abgesehen worden, weil man von der Ansicht ausgtng, daß letztere in dem dermaltgen Laboratorium verbleiben könne. In­zwischen hat der Direktor des chemischen Laboratoriums in dem seinem Hauptinhalt nach abschriftlich beiliegenden Berichte das dringende Ersuchen gestellt, die DtrectorS- wohvung mtt dem Laboratorium zu vereinigen, beziehungslose eine solche in der un­mittelbaren Nähe desselben zu errichten, und konnte die Regierung das Gewicht der hierfür geltend gemachten Gründe nicht verkennen. Dazu^ kommt, daß das Gebäude, in welchem sich daS chemische Laboratorium befindet, überhaupt so defect ist, daß die Einrichtung der Wohnung des DirectorS in demselben sehr bedeutende Kosten ver- ursachen würde- nd fon)te Unzulänglichkeit der dem Institute zur VerAguvg stehenden Räume waren die Veranlassung, daß von Ueberwetsung der früheren Dienst­wohnung an den neuernannten Director abgesehen und deren Verwendung für JnsttttttS- zwecke gestattet werden mußte. Dem Director mußte hiergegen eine MtethsentschLdtg- ung von jährlich 1000 JL bewilligt werden. Diese wird indessen wegfallen, sobald er in den Genuß der neuen Dienstwohnung gelangt. . _

Nach dem nebst Bauplan vetltegenden Kostenüberschlag wird der projectirte Bau der Dtrectorswohnung, für welchen daS erforderliche Terrain bei der neuen Aula vor­handen ist, einen Kostenaufwand von 34,200 erfordern.

Die unterzeichneten Ministerien richten hiernach mtt Allerhöchster Ermächtigung Sr- König! Hoheit des GroßherzogS an die Stände des GroßherzogthumS, zunächst au die zweite Kammer daS Ansinnen, m

Ihre Zustimmung zur Ausnahme der bezeichneten 34,200 JL für den Bau einer Dienstwohnung des DtrectorS deS chemischen LaboratortuwS an der LandeSuntversität in daS Staatsbudget für 1885-88 Kap. 119 Titel 2 zu erthetlen. t .

L Darmstadt, 3. März. ^Zweite Kammer der Landstande, außerordent­liche NachmtttagSsttzung.j Diese außordentltche Sitzung fand^zwecks

und Besprechung der Interpellation deS Abg. Metz (Darmstadt) die ^hohung und Verstärkung der Rb-tvdSmm- bett-, statt. Gleich zu Anfang erklärte ^st-rtalr°ty Weber, daß ein Pioject für die V-rftS'kung und Erhöhung b" RhetndSmm-toedeu bei der Regierung in Bearbeitung sich befinde und f-hr beschleunigt werde, um noch Im Laufe dieser LandtaaSperto^e vorgelegt werden zu können. , .

Aba. Metz ist mit dieser Versicherung der Regierung Mfrieden glaubt ledoch nochmals ^t'hunlichste Beschleunigung der Arbeiten Angesichts der stets drohenden Wasser-

Schröder bei dem Stand ber e*nufroc'läc"

ba$ 7d'an'kg7^!ssm und ^nächste Sitzung auf Mittwoch

Vormtttaa anberaumt.

-! 4 März sZweite Kammer der Landstände/s Zur B^rathung

kam beute Kav^^'^ Technische Forstverwaltung und Forstschutz- worüber gestern ein nff aefafet tonnte Die Debatte drehte sich heute, wie gestern, fcaupb FsÄ1«UfHm? teh» ©ermfnberunß der stehenden Forstmeisterstellen. Abg. nbetSelne Sebcntin in der Befestigung, da dt-jer Dtenstzw-ig voll.

Nr. 9 des Reichs-Gesetzblatts, ausgegeben den 28. Februar, enthält:

sNr. 1590.1 Handels- und Schifffahrtsvertrag zwischen dem Deutschen Reich und Griechenland. Vom 9. Jnlr 1884.

Gießen, am 4. März 1885. Großherzogliches Kreisami Gießen.

p Dr. Boekmann.

ȧmtztchrahe, sich in Anfertigung w -polieren, Sutten, Mm jen, WaMen unb am Zach emschchckn AM cherung prontpioM^

dediemng-______

in braoelMdcheu M zum 25. Mr; für eint M sucht-, . , p die Erped- b. Bl- .

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pr nie ns-0

ina beituTeintrelcn.

"" Heinrich