Ausgabe 
6.2.1885 Zweites Blatt
 
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Lagen und somit die Aufmerksamkeit Europas auch einmal auf die portugiesische Hauptstadt lenken. Die Delegirten der dem Weltpost'Verein angehörenden Staaten sind fast sämmtlich schon in Lissabon eingetroffen, die für diese Woche geplante Eröffnung des Congreffes ist indessen um einige Tage verschoben wor­den, da der portugiesische Handelsminister, welcher dem Congresse präsidiren sollte, inzwischen seine Entlassung genommen hat.

Auf O'Donnovan Rossa, dem bekannten Führer der amerikanischen Fenier, ist am Montag in New-Jork von einer Frau ein Attentat gemacht wurden. Dieselbe feuerte fünf Reoolverschüsse aus den Agitator, ohne denselben indessen erheblich zu verwunden. Die Frau, welche sofort verhaftet wurde, giebt an, Krankenwärterin im englischen Hospitale zu sein.

Das Werk eines Mainzer Künstlers.

Mainz, 28. Januar.

In den Schaufenstern der Kunst- und Buchhandlung von I. Diemer (Ludwtg- Äreße) Ist im Augenblicke eine Folge von Kunstblättern auSgttegi, welche der besonderen Aufmerksamkeit werth ist. Zunächst muß eS überraschen, von einer Hand eine so stattliche Reihe von Erzeugrnssm einer Kunstgattung hcer vereinigt zu sehrn, welche »tchtS weniger als Kinder des Augenbl cks oder flüchtiger Wiedergabe, sondern der sorgfältigsten Beobachtung und Ausführung sind. Reicher aber noch wie an Zahl, ist die Vielfältigkeit der behandelten Gegenstände und der tu denselben vertreteneu Schulen und Meister. Es sind Vorwürfe auS dem Gebiete der religiösen und profanen Kunst, Sttll-Lebeu und Andachtsbilder, Reiterscenen und statuarische Leistungen hier vereinigt; neben Modernen sind Italiener und Niederländer, Spanier und Deutsche wiedergegeben. WaS endlich aber das Jntereffe unserer Bevölkerung sicher in vorzüglicher Weise in Anspruch uehmsn wird, ist der Umstand, daß in diesen Leistungen ein Künstler unS evtgegentritt, welcher unserer Stadt entstammt und mit seiner Heimath fortwährend tm engsten Austausche steht. Die kleine Ausstellung bietet zum erstenmale der Oeffeut- Uchkrit theilweisen Einblick in die fruchtbare und verdienstvolle Thätigkeit unseres V Halm. Bereits als Schüler war sein Sinn auf Kunst und Alterthum gerichtet. Die nähere Vorbereitung auf seine mit Beharrlichkeit festgeholtene Neigung zur künstlerischen Laufbahn erhielt er auf dem Polytechnikum in Darmstadt, von wo er an die Kunstschule nach München überging. Unter I. L- Raab's Führung widmete er sich daselbst dänu seinem ausgesprochenen Künstlerderuf a!8 Kupferstecher und Radirer. Gediegene Lettung und eifervolles Streben reiften das Talent unseres jungen Freundes zu den erfreulichsten Leistungen. Die neue anregende Bewegung auf kunstgewerblichem Gebiet fand zugleich in ihm den freudigsten Widerhall und entwickelte seine vorzüglichen Anlagen als Ornamenttst. Namentlich pflegt er mit überraschendem Erfolg das graphische Ornament. Die Aufmunterung, welche ihm gerade in dieser Richtung auS dem Kreise seiner hiesigen Freunde und besonders durch die Druckerei von C. Wallau zu Theil wurde, führte seine Beanlagung zu praktischen Zielen. Mit Genugthuung darf hier hervorgehoben werden, daß in Folge dessen Halm alS Ornamenttst einen hochgeachteten Namen und die Wallau'schm Druckerz ugnisse sich einen durchschlagenden Beifall in den weitesten Kreisen drr kunstverständigen Wttl errungen haben. Seit Jahresfrist weilt Halm nun in Berlin, theilS mit der Durchführung ebenso ehrenvoller alS bedeutender Aufträge beschäftigt, theils der Vervollkommnung in ferner Kunst rnt Emsigkeit und voller Begeisterung zugewandt. Der R^tchthum an Studienmittel in der Reichshauptstadt kommt ihm dabei ebenso wohl zu Statten, als die vielseitige Anere kennung spornend auf ihn einwirkt. Fügen wir diesen Angaben über die äußeren Momente im L-ben unseres Künstlers ergänzend hinzu, daß mit einem seltenen Ver- ständviß für daS Wescn der Kunst und mit einem vielseitigen Können die gediegensten persönlichen Eigenschaften sich verbinden. Die tiefe, gedanktnvolle, gediegene Art seines Schaffens ist nur da8 Widerspiel einer gleichgestimmten harmonischen Natur.

Begleiten wir übrigens in kurzer Betrachtung unseren Künstler in fernem Werke. Dem Leben zug-kehrt, hat er seine Kunst selbstverständlich auch den Lebenden gewidmet, und darum von diesen zuerst. Die Bildniffe des Reichskanzlers und Moltkc's zeigen eine klare, durchdringende Erfasiung der Persönlichkeit; dabei gewinnt aber durch die meisterliche Handhabung der Technik namentlich das Porträt Bismarck's eine geradezu farbige Wirkung. DaS Porträt von Oberschulraih Greim stammt auS der jüygsten Zeit und fand verdientes Lob. Außerdem kennen wir ein meisterlich behandeltes Bild- niß eines Verwandten Halm's. deS t Herrn Pet. Jgn. Becker, dcS Bischofs v. Ketteler, der Schriftsteller Wilhelm Jensen, Paul Meyerheim und andere. D e übrigen Blätter geben durchweg hervorragende Kunstwerke wieder. Die Freiheit und Beweglichkeit der Radel des Radireis tu Verbinduvg mit der Aetzkuvst bieten fast unerschöpfliche Mittel, um den verschiedensten Bedingungen gerecht zu werden. Die herrlichen Broacewerke der alten italienischen Meister, des Donatello in seinem David (Bargello Florenz) und deS Benvevuto-Cellini io seinem Perseus mit dem Medusenhaupte (Loggia bei Lanzi Florenz) zeigen die straffe Behandlung zugleich mit dem spiegelnden Glanze des Metalls. Daneben zieht das Altarbild in der Sakristei der Frari zu Venedig von Giov. Bellini durch die tiefe, warme Stimmung und den andächtigen Ton mächtig an. Die Stiftung der vatikanischen Bibliothek durch Papst Sixtus iv. von Melozzo da Forli und die Krönung Mariä in dem figurenretchen AndachtSbilde von Bellini sind in charakteristi­scher Wiedergabe und namentlich in der Tönung von hoher Vollendung. Ein herr­liches Blatt nach Fra Filippo Lippi, die Madonna den heil. Bernardus inspirtrend, sowie eine durch Costümretchthum ausgezeichnete Anbetung der Könige von Boticelli, daS eben feiner Vollendung entgegengeht, verdienen hier angeretht zu werden. Neben diesen hehren, idealen Werken der italienischen Kunst erschließt sich unS eine ganz andere Welt tn den Radirungen nach niederdeutschen und zumeist niederländischen Meistern. Die derbste Wahrheit des Lebens tritt unS hier entgegen. Den Reigen eröffnet das in der Tiefe und Wärme deS Tones geradezu meisterliche B'ldntß deS WiederiäuferkönigS aus der Galerie zu Oldenburg. Gonzalez Coques mit seinem Lautenspteler fügt sich mit dem schlafenden Thorwächter von Fabrif us als Mittelglied ein zwischen die Bauern- scenen von TevierS (Raucher tn der Schenke) und den köstlichen BrouwerS (zechende Männer und Weibersi Von gewaltiger Wirkung durch den Gegensatz von schroffem ?^e und tiefster Schaltenwkkuns ist das Reitergefecht nach PalamedeS. Und damit da« Stillleben nicht fehle, sei auch noch ein stimmungsvoll durchgesührteS Blatt nach Heda genannt. D.e vollendetste Leistung dagegen bewundern wir in einer heiligen Familie von TenierL. Durchaus naturalistisch in der Auffassung, ist über das Bild e n Za"btt von seelenvoller Stimmung ausgegossen, die durch eine bewunderns- werthe Weichheit der Darstellungswetse zum Ausdruck gebracht wird. Aus der sammt- ar^aen Tiefe des Grundes tritt die Mtttelgruppe in vollendeter Abrundung und Licht- WE hervor. Neben dieser genrehaften Darstellung der heiligen Familie hebt sich durch ^e Herbe dcS Stiles, wie durch dte Selbstbeschränkung in der Behandlungsweise die Pieta von Michel-Angelo seltsam ab. In der gleichen Richtung bewegt sich etne Mater dolorosa, bie nadj einem spanischen Original eher für bas Berliner Jahrbuch der Museen vollmdet würbe. Halm versteht es übrigens gleicher Weise, dem modernen Kunstwerke gerecht zu werden. Die Loreley nach Steinte, sowie die meisterlich be­handelte Alpenbrant von ß. Bode legen Zeugniß davon ab. Ein großes Blatt, Umriß­stich nach Genelll, behandelt einen mythologischen Vorwurf, und schließlich findet Jagd und Sport auch noch ihre Vertretung in dem vorzüglich wiedergeg-benen Parforce- reitermitdem sich überschlagenden Hasen und den Windspielen von Henneberg. Wir schließen damit für diesmal unsere Aufzählung. Sämmwche Blätter sind aus Aus- welche theilS von der Wiener Gesellschaft für vervielfältigende Künste, theilSfür das bei Spemann erscheinende Prachtwerk von Lützow, für die Verwaltung der König!. Museen in Berlin und die ZeitschriftNord und ©üb", sowie von bem Diemer'schen Verlag ertheilt worden sind. Die Wiedergabe der Cauer'schen Grabstaur von dem Denkmale der Ehegatten Schott auf unserem Friedhöfe, welche die edle schmerzerfüllte Stimmung und die herrliche Ausführung vorzüglich zur Darstellung bringt, ist aus einem Auftrage deS Herrn Dr. Strecker vom HaufeB. Schott Söhne hervorgegangen. w ö y

M Die ausgelegten Blätter sind alle vor der Schrift und mit besonderer Sorge als Künstler-Abdrücke im besten Sinne des Worte« gewählt; sie vertreten auch in diesem Sinne daS Werk von Halm in würdiger Weise.

Gerade im gegenwärtigen Augenblicke, wo die Radirkunst unter der Betheiliauna von Ung», Raab, Jacoby, KrauSkopf, Klinger u. a. in Deutschland eine so hervor- raaende Bedeutung gewonnen hat, ist eS doppelt erfreulich, auch einen Mainzer k Reihen zu wissen. Und wenn da« Mainzer Künstlerverzeichniß unter

den Stechern eine ganze Anzahl von Namen, theilweise guten Klange«, aufzuweisen hat.

wie Person, Rücke-, Schalk, I LindeUschmit, Cöntgen, Kuntz u. so haben doch ale nunmehr tn P. Halm ihren Meister gefunden. Dr.

Universität-- Chronik.

Die »Hall. Ztg." meldet, daß Medicinalrath Dr. Birch -Hirfchfeld itt Dresden einen Rus an die Universität zu Leipzig als Profeflor der allgemeinen Pathologie und pathologischen Anatomie an die Stelle bt8 vor einigen Monaten ver­storbenen Proftssor« Dr. Cohnheim erhalten und angenommen hat.

An Stells des von Karlsruhe nach Tübingen berufenen Professors Braun ist der Privatdocent Dr. Herz in Kiel zum ordentlichen Professor der Physik an der polytechnischen Schule tn Karlsruhe ernannt worden.

Zum Nachfolger deS zu Ostern an die Universität München abgehende» Professors Dr. Lehr in Karlsruhe ist als ordentlicher Professor der Nationalökonomie der Privatdocent Dr. Gotheim tn Straßburg tn erster Reihe vorgeschlagen.

Professor WtSltcenuS zu Würzburg hat einen Ruf an dte Univerfität Leipzig, an Stelle des verstorbenen Professors Kolbe, des berühmten Chemikers, angenommen.

Die juristischen Prüfungen an der Universität Leipzig gingen am Sams­tag zu Ende. Die schriftlichen Examina hatten 41 Candtdaten mitgemacht, den münd­lichen Prüfungen hatten sich 86 unterworfen. Davon erhielten 30 Kandidaten Censuren.

AlS Privatdocent für Agrikultur - Chemie habilitirte sich in Göttingen Dr. Pfeiffer.

Die BreSlauer Studentenschaft richtete einen Aufruf an die Studenten sämmtlicher deutschen Universitäten, worin zu einer gemeinsamen Kundgebung zu« Jubiläum deS Fürsten BiSmarck aufgefordert wird.

Vermischte».

Friedberg, 29. Januar. In einer hier abgehaltenen, stark besuchten Ver­sammlung ward d. schlossen, den Geburtstag des Fürsten Bismarck durch ein Bankett ZU feiern. Für Beschaffung deS Ehrengeschenkes für den Reichskanzler sind auch hier verschiedene Sammelstellen errichtet worden.

Köln, 28. Januar. Gestern Nachmittag trafen, von Antwerpen kommend, 13 marokkanische Soldaten hier ein, um mit dem Expreßzuge um 8 Uhr Abends nach Berlin weiterzufahren. Es waren starke und stämmige Leute der premibre dass«, wie der Führer sie bezeichnete, welche in Folge einer Vereinbarung mit der marokkanischen Regierung nach Berlin gehen, um dort eine gründliche Ausbildung im preußischen Exerciren und in der Instruction zu erhalten, damit fie später in ihrer Heimath alS militärische Lehrer Verwendung finden. Die Garnison dieser Marokkaner war die Festung Tanger. Sie trugen alle ihre Nationaltracht, verschiedenfarbige Costüme, wie wir sie seinerzeit bei den TurkoS gesehen haben, alS Kopfbedeckung den Fez. E'nige Leute, welchen die kalte Witterung keineswegs zuzusagen schien, trugen unter ihren Anzügen den Mllitänock, eine rothe kurze Blouse mit gelbem Kragen und Aermel- aafschlägen. Sie hatten die Reise von Tanger Über London und Antwerpen gemacht; im Hotel Meyer am AnbreaSkloster nahmen sie ihr Mittagsmahl. Der größere Theil dieser Afrikaner zeichnete sich durch scharf markirte GesichtSzüge und einen muskulösen Körper aus. Interessant war es, dem Mittagsmahl zuzuschauen, bei welchem daS Weißbrod die Hauptnahrung bildete. Da geistige Getränke bei den Marokkanern ver­pönt sind, so war keiner der Fremdlinge dazu zu bewegen, ein GlaS Bier oder Wein zu trinken. Wie der Führer versichert, können sämmtliche Leute lesen und schreiben und sind eben alS die intelligentesten zu der weiteren Ausbildung In unserer Haupt­stadt bestimmt.

Darmstadt. Unter dem 1. Februar erläßt der Centralausschuß des Lokalcomitö's (unterzeichnet von Herrn Oberbürgermeister Ohly als Vor­sitzenden) folgende

Einladung

zur

XXVI. Allgemeinen Deutschen Lehrerversammlung ?u Darmstadt.

Der Central-Außschuß des Lokalcomitö's in Darmstadt erlaubt sich hier­mit alle deutschen Lehrer und Schulfreunde zu der

vom 26. bis 28. Mai d. I.

dahier tagenden Allgemeinen Deutschen Lehrerversammlung freundlichst emzu- laden. Das Lokalcomitö wird es sich angelegen sein lassen, den Theilnehmern an der Versammlung den Ausenthalt in Darmstadt so angenehm als möglich zu machen, erwartet aber auch, daß ihm von Seiten der deutschen Lehrerschaft durch möglichst frühzeitige Anmeldungen die schwierigen Vorarbeiten erleichtert und alle nöthigen Vorkehrungen zu treffen ermöglicht werde. Man bittet daher, den 1. Februar als Anfangs- und den 12. Mai als End­termin für die Anmeldung zum Besuch der Versammlung ansehen zu wollen.

Im Hinblick auf die Größe der früheren Versammlungen und in An­betracht der günstigen Lage Darmstadts, die eine mindestens ebenso starke Becheiligung wie in den vorderen Jahren wahrscheinlich macht, erscheint es unbedingt erforderlich, zugleich mit den Anmeldungen Aufträge zur Besorgung von Wohnungen zu geben. Freiquartiere in möglichst großer Menge zu beschaffen, wird das Lokalcomitö eifrigst bemüht sein, doch wird die schließlich zur Verfügung stehende Zahl schwerlich ausreichen, um allen Nachfragen nach solchen zu genügen. Frühzeitige Anmeldung dürfte sich daher auch aus diesem Grunde empfehlen; jedenfalls wird das unterzeichnete Comite alle die Wohnungs­frage betreffenden Wünsche genau nach der Reihenfolge der An­ns eldungen berücksichtigen.

Für die Mitgliedkarte ist der übliche Betrag von 3 JL, eventuell weitere u^enJen Nachen durch Posteinzahlungunterfolgender Adresse

Comitv für die XXVI. Allg. Deutsche Leserversammlung zu Händen des Herrn Lehrer Fuchs,

Karlsstraße 29,

Darmstadt.

Die nöthigen Mittheilungen auf dem dazu bestimmten Abschnitt der Postanweisung wolle man im eigenen Interesse recht deutlich schreiben und dabei folgendes Schema einhalten:

!) Name; 2) Stand; 3) Wohnort; 4) Poststelle, wenn diese nicht am Wohnort des Absenders sein sollte; 5)Wünscht Freiquartier" oberWünscht bezahltes Quartier";nimmt am Festessen Theil" oderNimmt am Festessen nicht Theil".

r. . Angaben um Fahrpreisermäßigung für die Besucher der Versammlung sind M.tte December an alle Eisenbahn-Directionen Deutschlands abgeganaen über den Erfolg dieser Eingaben wird in den nächsten Nummern d. 8L Näheres rmtgetheilt,