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Politische Ueberficht.
Gießen, 5. Februar.
Mit der Berathung de» Etat» der Reichspost- und Telegraphen«Verwaltung, mit welchem Gegenstände sich der Reichstag am Dienstag beschäftigte und welcher ihn auch am Mittwoch in Anspruch genommen, wird das Haus die wesentlichsten Theile des Etats in zweiter Lesung erledigt haben. Bereits nächsten Freitag soll die dritte EtatSberathung ihren Anfang nehmen und wird hierbei der berühmte Directorposten im auswärtigen Amte natürlich das Hauptinteresse aus sich ziehen und mit absonderlicher Spannung steht man allseitig dem Ausgange dieser parlamentarischen cause cdebre entgegen- Schon jetzt macht sich indeflen die Meinung geltend, daß die Position diesmal werde genehmigt werden, wenn auch vielleicht nur mit geringer Mehrheit. Gegen dieselbe stimmen jedenfalls das Centrum und die kleinen Fraktionen, wie Elfäsier, Polen, Socialdemokraten und Volkspartei; was dagegen die Deutschfreisinnigen anbetrifft, so dürste der größere Theil derselben abschwenken und so den Ausschlag zu Gunsten der Position geben.
In parlamentarischen Kreisen betrachtet man es allgemein als zweifellos daß im Falle der Ablehnung der Dampfer-Subventions-Vorlage die sofortige Auflösung des Reichstages erfolgen werde. Vorläufig hält man in* dessen trotz des negativen Ergebnisses der CommisstonS-Berathung an der Erwartung fest, daß sich für die Vorlage im Plenum schließlich doch noch eine Majorität finden werde. . ...
Vor dem Reichsgericht in Leipzig wird m nächster Zeit em neuer Landesoerraths - Proceß stattfinden. Derselbe betrifft den Kaufmann Janssens aus Lüttich (Belgien) und den Geschäftsmann KNipper aus Birkenfeld und handelt e» sich um Veruntreuung secreter mllitänscher Acten (MobilisirungSplan des 8. Armee-CorpS). Die Verhandlung ist auf den 2. März anberaumt worden.
Bei der im vierten mecklenburgischen Wahlkreise stattgesun- denen Neuwahl zum Reichstage ist der deutschsreifinnige Candidat Wilbrandt mit großer Majorität gegenüber dem conservativen Candidaten v. Hirsch seid gewählt worden.
Ein dem „Hannov. Courier" aus Dubrica zugegangener Brief berichtet von neuen deutschen Erwerbungen an der afrikanischen Westküste, indem daü zwischen den Flüssen Dubrica und Bramiah gelegene Land Capitay vom Kapitän der Kreuzer-Corvette „Ariadne" unter deutsches Protettorat gestellt worden ist. . ~ .. n , r, k
Die französischen Operationen rn Tongkrng flehen anscheinend am Vorabend ihrer Wiederaufnahme, da General Briöre de l'J-le aus Chuad- man (Nord-Tongking) meldet, daß die Concentration feiner Truppen um diesen Punkt nunmehr durchgeführt sei. DaS Ziel der neuen Operationen des fran- röfifchen Oberbefehlshabers dürste das hart an der chinesischen Grenze gelegene Langson sein, welches insofern ein strategisch wichtiger Punkt ist, als es die aus dem nördlichen Tongking nach der chinesischen Grenzprovinz Dün-nan führende Route beherrscht. Lanaion ist von den Chinesen stark befestigt und mit zahl-
reicher Garnison versehen und wird daher die Einnahme dieses Platze» sich noch zu einem harten Strauß für die Franzosen gestalten. Auch haben dieselben von Chuadman nach Langson ernste Terrain-Hindernisse — stelle Berge, dichte Wälder u. s. w. — zu überwinden, ebenso wird die Verpflegung große Schwierigkeiten bereiten.
In London lenkt die nahe militärische Entscheidung im Sudan die Aus- merksamkeit von den übrigen schwebenden Tagessragen wieder etwas ab. Das Gros der Nil-Expedition unter General Wolseley hat jetzt seinen Wüstenmarsch angetreten, der sich aus Gubat richtet und woran sich die Operationen gegen Metammeh, wo der sranzösische Renegat Olivier Pain befehligen soll, anschließen werden. Von der englischen Vorhut hört man indessen noch immer nichts und ist überhaupt über das, was zwischen Metammeh und Khartum vorgeht, nichts Bestimmtes zu erfahren. Dagegen wird von der Kolonne des Generals Earle, welche ganz für sich im Nllthal aufwärts operirt und die fpecielle Ausgabe hat, den Stamm der Monassirs zu züchtigen, gemeldet, daß sie sich bei Birti con* centrirt habe und unmittelbar gegen den Feind, der sich dort in einer sehr starken Stellung befindet, vorgehen wolle. Man wird darum schwerlich aus die Mitwirkung der Kolonne Earle bei dem Entsätze von Khartum rechnen können, da die Entscheidung vor Khartum längst gesallen sein muß, ehe General Earle nur Berber, also noch viele Mellen unterhalb Khartum, erreicht habe. — Die Londoner Behörden können in ihren Nachsorjchungen nach den Urhebern der jüngsten Dynamit-Attentaten in London nur langsam an Terrain gewinnen. ES ist ein zweites verdächtiges Individuum, Namens Gilbert Cunningham, verhaftet worden. Der Verhaftete, welcher aus Amerika gekommen ist, vermag über sein Thun und Treiben keine genügende Auskunft zu geben, auch wurde in seinem Besitz eine kleine Maschine gesunden, die wohl zur Ansertigung von Dynamit dienen kann, überdies hat er in feinem Absteigequartier einen aus Nordamerika mitgebrachten Reisefack verschwinden lassen. Die Verhandlungen gegen Cunningham vor dem Polizeigericht zu Bowftreet ist am Montag auf 8 Tage verschoben worden, um Beweismaterial gegen ihn zu fummeln.
Die Action Italiens am. Rothen Meere tritt berüts jetzt über ihren vorn Minister Mancini gekennzeichneten Rahmen hinaus. Aus dre Besetzung von Beilul Seitens Italiens wird diejenige des mcht unwichtigen Hasenplatzes Massowah folgen, trotz des Protestes der egypiischm Regierung, welche dort eine kleine Garnison unterhält. Wie ^'"legramm " 9 Stemm" meldet, sind die Dampser „Vespucciund »Gottardo in ouahm eingetroffen, aber nach Einnahme von Kohlen so,ort nach Maffowah weiter- gegangen. Inzwischen hat bie Pforte einen Protest gegen bie Besitzung der Häsen am Rothen Meere durch Italien erhoben, der
Staatsmänner wohl sehr kühl lassen wird; wegen man nch aber m Konstantinopel von Seiten der Italiener versieht , beweist die Meldung daß die Garnison von Tripolis um 4000 Mann verstärkt werden soll Vielleicht hat die Pforte nicht so Unrecht, in Tripolis gegenüber den Annexwnsgelüsten Italiens aus ihrer Hut zu fein. .
In Lifsabon wird in nächster Zelt ein Weltpost-Congrev
189»
Freitag den 6. Februar
Zweites Blatt
Nr. 81
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Durch die Poft bezogen vierteljährlich 2 Marl ?K) Pf.
Srschemt täOlich mit «»»nähme M Montag»
BWfte« t Schulftratze 7.
®ieieniaen jungen Leute welche auf Grund ihrer Schulzeugnisse die Berechtigung zum einjährig freiwilligen Dienst nachsuchen wollen werde» hierdurch aus die nachsilgenden, bei Anbringung der Besuche zu beachtenden Vorschristen mit dem Ansügen aufmerksam gemacht, daß hiernach unvollständig«
Ge^ck ^bei^d^un^teneichneten Prsisungi-Somwission nur dann «. ein UubejcholtenbettSzeugnih, welche« für Zöglinge von höheren
mi-Hfirinnnt wenn her sich Meldende im 8rosiher,»ftthum Hessen Schulen ^Gymnasien, Realschulen, Progyinnasicn und höheren Bürger'
ÄÄr.XSF» h h ieinen bauernbTn Ausenld.l'«ort hat. schulen) durch den Director der Lehranstalt, für alle übrigen jungen
,estell>,ng»i>fl,cht.g >st, d. h. seinen dauernden Au en rsorc g , iw j w Dbrifltcü oder ihre eoraeiette Dienftdedorve
und zu verpflegen;
®roi.
schulen) durch den Director der Lehranstalt, für alle übrigen jungen Leute durch die Polizei-Obrigkeit oder ihre vorgesetzte Dienstbehörde
auszustellen ist;
d. das Schulzeugniß.
Sodann wird noch besonders bemerkt:
Zu po-. d: daß in dem Einwilligungs-Attest die Erklärung de» Vater» oder Vormundes, in der Lage zu fein, den während de» einjährigen Dienstes unterhalten zu können, nicht fehlen darf.
Zu pos. d: daß die Schulzeugnisse, mit Ausnahme der Reifezeugnisse für die Universität und die derselben gleichgestellten Hochschulen und Reisezeugnifle für die Prima der Gymnasien und Realschulen 1. Ord, sämmtlich nach dem Schema 17 zur Ersatz-O^nung (L Theil d« Wehr-Ordnung vom 28. Septbr. 1875 — Reg.-Bl. Rr. öi von 1875) ausgestellt fein müssen.
2. Die Berechtigung zum einjährig freiwilligen Dienst bars nicht vor »ollen- Metern 17. Lebensjahr und muß spatesten» bi» zu» 1. Februar de» 3ahre» nachgesucht werden, in welchem der sich Meldende da» 20 Lebensjahr vollendet. Der Nachweis der Berechtigung zu« elnjährigen Dienst ist bei Verlust deS Anrechts spLiestenS bis zu» 1. Aprrl bei«
ießener Anzeiger
Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.
Betreffend: Die Rachsuchung der Berechtigung zum einjährig freiwilligen Dienst aus Grund von Schulzeugnisse».
3m klebrigen wird auf die Bestimmungen der SS 88, 80, 90, 93 und 94 der angeführten Lrsitz-Ord. verwiesen. Grobherzogliche Prüsung«'Sommifsion für einjährig Freiwillige.
Der Vorsitzende:
selben Jahres zu erbringen.
3 Das Gesuch muß von dem Betreffenden selbst geschrieben fein und ist hierzu ein Bogen in Actensormat (nicht Briefpapier) zu verwenden. Auch erscheint e» zweckdienlich, wenn stets die nstzrre Adresse angegeben wirb.
*. Dem Gesuche sind folgende Papiere beizufügen:
t. Geburt»,eugnitz; . _ . “ . _
d. ein «inwilligung». «Nest bei »ater« -der Vormunde« nut der Erklärung über Bereitwilligkeit und Fahl,kett, den Fre,will>a« »ährend einer einjährigen activen Dienstzeit zu bekleiden, auszurüsten


