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Nr. 179. Mittwoch den 5. August 188»
Gießener Anzeiger
Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.
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Politische Ueberficht.
Gießen, 4. August.
Die bevorstehenden Monarchen-Begegnungen unterbrechen die politische Sommerstille in erwünschtester Weise und haben den politischen Tagesblättern bereits einen willkommenen Anlaß gegeben, allerhand Betrachtungen an bü stgnalisirten Begegnungen des österreichischen Kaisers mit Kaiser Wilhelm uno dann wieder mit dem Kaiser von Rußland zu knüpfen. Weiter bilden aber auch die angekündigten Reisen hervorragender Staatsmänner ein Thema der öffentlichen Besprechung, wenngleich diese Reisen noch vielfach nur als Project erscheinen. Bekanntlich war das Gerücht, es werde im Laufe dieses Sommers il A. eine Zusammenkunft zwischen dem Fürsten Bismarck und dem Grafen Kalnoky stattsinden, von den Wiener Officiösen in Abrede gestellt worden. Trotzdem erhält sich dasselbe mit einer Hartnäckigkeit, welche darauf hindeutet, daß die Nachrichten von einer beabsichtigten Conserenz der beiden Staatsmänner einer gewisien Grundlage nicht entbehren. Besonders die „Kreuz-Zeitung" macht sich zum Träger dieser Nachrichten, nach ihr ist diese Begegnung gesichert, wenn auch der Ort derselben noch nicht bestimmt sei und werde sie die Grundlage für die weiteren Verhandlungen über das handelspolitische Verhältniß zwischen Oesterreich-Ungarn und Deutschland schaffen. Auch die signalisirte Reise des russischen Ministers des Auswärtigen, des Herrn v. Giers, wird mit einer Zusammenkunft mit auswärtigen Staatsmännern in Verbindung gebracht. Wiener Blätter wissen bereits zu melden, daß Herr v. Giers demnächst eine Kur in Marienbad gebrauchen und daß er daselbst eine Zusammenkunst mit d?m Grasen Kalnoky haben werde; auch wird vermuthet, daß der russische Staatsmann den Weg nach Marienbad über Varzin nehmen werbe. Indessen sind diese Mittheilungen doch noch recht unbestimmt und begnügen wir uns, sie vorläufig ohne einen weiteren Commentar zu registriren.
Die Ernennung des seitherigen deutschen Botschafters in Paris, des Fürsten Hohenlohe, zum Statthalter von Elsaß - Lothringen, hat u. A. auch die Frage in Fluß gebracht, wer sein Nachfolger auf dem ebenso wichtigen wie schwierigen Botschafter-Posten in Paris werden solle. Diese Frage ist nicht leicht zu entscheiden, da die Vertretung des deutschen Reiches bei der französischen Republik einen Mann von großem Tact und seinem Verständniß für die obwaltenden Verhältnisse, dann aber auch von rechtzeitiger Energie und eingehender Kenntniß der politischen Situation zwischen den Cabineten von Paris und Berlin erfordert. In Berlin nennt man bereits verschiedene Candidaten für den Pariser Posten, ohne daß man indessen mit Bestimmtheit zu sagen wüßte, welche von den in Aussicht genommenen Persönlichkeiten die meisten Chancen hätte; in erster Reihe hört man jedoch den deutschen Botschafter in London, Grasen Münster, nennen und verlautet ferner, daß, im Falle dieser ablehnen sollte, der deutsche Botschafter in Petersburg, v. Schweinitz, zum Nachfolger des Fürsten Hohenlohe ausersehen sein und daß alsdann der Staats- socretär im auswärtigen Amte, Graf Hatzseldt, den Botschafter-Posten in Petersburg übernehmen würde. Da ferner auch die Erwählung des Vertreters Deutschlands am Wiener Hofe, des Prinzen Reuß, zum Regenten von Braunschweig sicher gilt, so würde sich auch die Neubesetzung des Wiener Botschafter- Postens nothmendig macken und stehen demnach eingreifende Veränderungen in der diplomatischen Vertretung Deutschlands im Auslande in Aussicht.
Die Ankunft des neuen Oberhirten der Kölner Erzdiöcefe an dem Orte feiner künftigen Bestimmung soll Ansangs September, und zwar in aller Stille erfolgen, da der Prälat jede Empsangsfeierlichkeit vermeiden will. Die Kölner Bischossfrage wäre hiermit zu ihrem definitiven Austrag gelangt und kann man dem Erzbischof nur wünschen, daß er das Seinige zur Wiederherstellung des kirchlichen Friedens in Deutschland beitragen möge. Dagegen ist di- Lösung der fast noch wichtigeren Posener Bischosssrage noch immer in Dunkel grhüllt, vielleicht, daß die am 5. August stattfindende Conferenz der deutschen Dischöse in Fulda etwas zur Lösung dieser verwickelten Frage beitragen wird.
lieber das Programm der Reise des österreichischen Kaiserpaares nach Gastein und seinen Aufenthalt daselbst werden jetzt folgende Einzelheiten bekannt: Das Kaiserpaar trifft Donnerstag Mittag 1 Uhr, von .Ischl kommend, in Lend ein und steigt im „Hotel Straubinger", wo das Diner eingenommen wird, ab. Um 3 Uhr erfolgt die Weiterreise nach Gastein zu Wagen, die Ankunst in Hof-Gastein, wo ein halbstündiger Aufenthalt zur Besichtigung des Militär-Kurhauses genommen wird, um halb 5 Uhr Nachmittags, die Ankunft in Wildbad Gastein um 6 Uhr Nachmittags. Die Begrüßung des Kaiserpaares und seine Begegnung mit Kaiser Wilhelm wird auf dem Strau- kinger Platze stattfinden. In Gastein sind bereits umfassende Vorbereitungen zu einem glänzenden Empfange der österreichischen Majestäten getroffen. Die- silben nehmen Abends den Thee beim deutschen Kaiser, übernachten im „Hotel Straubinger" und diniren am Freitag, Nachmittags 4 Uhr, bei Kaiser Wllhelm m Badeschloffe. Unmittelbar darauf erfolgt die Wiederabreise des Kaiserpaares, rnd zwar begiebt sich Kaiserin Elisabeth nach Zell am See, Kaiser Franz Josef rach Innsbruck zum österreichischen Schützenfest.
Das russische Kaiserpaar hat in Begleitung des Großfürsten- Thronsolgers und einer großen Suite am Sonntag zu Schiff eine Reise nach ssumland angetreten. Die Ankunft in Wiborg erfolgte am 3. August; von te begiebt sich der Kaiser nach Wilmanstrand, um den dortigen Manöoern berzuwohnen. In Helsingssors wird ein mehrtägiger Aufenthalt genommen und m daselbst zahlreiche Feierlichkeiten in Aussicht genommen.
Aus Petersburg ist in London eine Depesche des Botschafters Thornton eingelaufen, welche im Londoner auswärtigen Amte einen guten Eindruck gemacht haben muß. Der Botschafter meldet, Herr v. Giers habe ihm getagt, der Czar wünsche die schleunige Lösung der afghanischen Frage im Interesse des Weltfriedens, der ihm sehr am Herzen liege. Zugleich übermittelt Thornton eine russische Antwort in der Zulfikar-Controverse. Angesichts des bevorstehenden Besuches des Czaren beim Kaiser Franz Josef ist der Wunsch desselben, sich den Bemühungen um Erhaltung des Weltfriedens anzuschließen, sehr begreiflich und sehr erfreulich. Dieser Besuch würde eine gesteigerte Bedeutung erhalten, wenn vor demselben der Czar durch die friedliche Erledigung der afghanischen Frage gezeigt hätte, daß er als Friedensfürst mit den Kaisern von Oesterreich und Deutschland die gleichen Wege wandelt.
In Frankreich ist dem Cabinet Brisson noch kurz vor Schluß der parlamentarischen Session ein bedeutsames Vertrauensvotum Seitens der Kammer zu Theil geworden, indem dieselbe am Donnerstag den Füns-Millionen- Kredit für Madagaskar mit großer Majorität angenommen hat. Dieses Resultat der mehrtägigen Debatten der französischen Deputirter.kammer über die Colonialpolitik ist umsomehr mit Genugthuung zu begrüßen, als oieselbe von den meisten Rednern, namentlich aber von Clemenceau, Dem Führer der äußersten Linken, heftig angegriffen worden war. Letzterem trat indessen am Donnerstag der Ministerpräsident Brisson selbst in einer sehr sachlichen Weise entgegen und unter dem Eindrücke dieser Ausführungen wurde dann schließlich der Madagas- Kredit bewilligt.
Das Cabinet Salisbury widmet der egyptischen Frage gegenwärtig mindestens eine ebenso große Aufmerksamkeit, als'-der afghanischen Grenz-Affaire. Im Mittelpunkte der Thätigkeit des englischen Ministeriums zur Lösung der egyptischen Wirren steht die Mission Sir Drummond Wolff's, der in diesen Tagen nach Alexandrien abreift, um sich dem zur Zeit daselbst residirenden Khedive als außerordentlicher Abgesandter Ihrer Großbritannischen Majestät vorzustellen. Vor Erstattung des Berichtes Sir Drummond's wird indessen die englische Regierung endgültige Entscheidungen in Betreff ihrer Politik in Egypten nicht treffen, man hofft aber, daß dieser Bericht der geplanten obermaligen Action Englands im Sudan günstig sein werde.
Berlin, 3. August. Die „Nordd. Allg. Ztg." wendet sich gegen einen Artikel des „Temps", welcher eine Vermehrung der französischen Kavallerie längs der französischen Ost- und Südgrenze empfiehlt und sagt: „Man hat in Deutschland Zeit gehabt, sich an die kriegerischen Vorbedeutungen zu gewöhnen, die jenseits der Vogesen niemals schweigen, gelegentlich im Crescendo betont werden. Man hat aufgehört, die französische Nation mit den Pariser Chauvins zu identificiren. Wir halten es aber für unsere Pflicht, diese Erscheinungen öffentlich zu controliren und beide Nationen im Interesse ihres Friedens aufmerksam zu machen, wenn Staatsmänner, höhere Officiere ober angesehene Preßorgane den Krieg gegen Deutschland predigen ober wie der „Temps" und kürzlich Caffagnac den Kampf in den Vogesen als bevorstehend, als unwandelbares Ziel jeder französischen Politik in Aussicht stellen. Wenn man aber sieht, daß sich der „Temps" jetzt auf chauvinistische Agitation einläßt, so liegt darin ein Symptom, daß Die friedliche Entwickelung der nachbarlichen Beziehungen Frankreichs, wie sie von Deutschland angestrebt wird, den Stimmungen Der Leser des „Temps" nicht entspricht und daß unsere Bestrebungen, die guten Beziehungen Frankreichs zu pflegen und eine Politik der Versühnung anzubahnen, bisher kein Glück gehabt und keine Gegenseitigkeit gefunden haben. Wir müssen uns gegen unseren Willen die Sorge ausdrängen lassen, daß Frankreich nur auf eine günstige Gelegenheit warte, um allein ober verbündet mit Anderen über uns herzufallen. Trotz aller Verbächtigungen unb Verleumdungen eines Theiles der auswärtigen Presse kann auch im Ausland kein aufrichtiger Zweifel bestehen, daß die deutsche Politik der Friedensliebe und dem Friedensbedürfniffe des deutschen Volkes im vollsten Maße entspricht und daß Deutschland sicherlich unter keinen Umständen beabsichtigt, seine Nachbarn anzugreisen; aber keiner, dem das Wohl Deutschlands am Herzen liegt, wird sich der Besorgniß erwehren können, daß Die von Frankreich feit 14 Jahren ersehnten Tage der Revanche noch immer das Mittel bieten, womit jeder Parteimann in Frankreich seine Landsleute für sich zu intereffiren und, wenn die Umstände günstig sind, fortzureißen vermag. Die Möglichkeit für jeden EhrgMgen, das Feuer anzublasen und einer friedliebenden Regierung durch Appell an die Revanche Schwierigkeiten bereiten ober vorhanbene regierungsseitig zu überwinden, läßt uns befürchten, daß unsere französischen Nachbarn auch heute auf den Frieden mit Deutschland keinen höheren Werth legen, als zu irgend einer Zeit seit 200 Jahren.
Telegraphische Depeschen.
Wolff'* telegr. Correfpondenz - Bnrean.
Bad Gastein, 3. August. Seine Majestät der Kaiser brachte den gestrigen Abend bei der Gräfin Lehndorff zu. Bei der heutigen Morgenpromenade begrüßte der Kaiser den gestern Abend angelangten russischen Militärattache Fürsten Dolgorucki, welcher den Kaiser aus dein ganzen Spaziergange begleitete und Mittags mit dem Kriegsminister zur Tafel geladen ist. .
Berlin, 3. August. Die umlaufenden Gerüchte über einen dem Kronprinzen in der Schweiz angeblich zugestoßenen Unfall entbehren jeglicher Begründung.
Wien, 3. August. Die „Presse" meldet aus gut informirter Quelle, daß die Zusammenkunft des russischen und des österreichischen Kaisers in der zweiten HälftL des September stattfinde. Ein Ort sei bisher noch nicht festgesetzt worden.


