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Dienstag den 5. Mai
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Amtlicher HHeik.
Bekanntmachung.
Wegen Vornahme von Pflasterecarbeit wird von morgen an die Strecke in der Bahnhofstraße zwischen Wolken- und Löwengasse bis auf Weiteres für Fuhrwerk und Reiter gesperrt.
Gießen, den 4. Mai 1885. Großherzogliches Polizeiamt Gießen.
_________________________________________________________I. V.: Krämer.__
B o rladrrng.
Gegen den am 21. Februar 1864 zu Steinheim, Kreis Gießen, geborenen Pionier Wilhelm Repp 1. Comp. Pionier-Bataillons Nr. 16 ist der Proceß wegen Fahnenflucht eröffnet. Der Genannte wird hiermit aufgefordert, spätestens sich in dem auf den 29. August 1885, Vormittags 11 Uhr, im diesseitigen Gerichtslocal, Obersaalstraße Hierselbst, anberaumten Termin einzufinden, widrigenfalls die Untersuchung geschloffen und Repp für fahnenflüchtig erklärt,"auch zu Geldstrafe von 150 bis 3000 Mark verurtheilt werden wird-
Metz, am 30. April 1885. Kaiserliches Gouvernements-Gericht.
Jeutschland.
DanMstQdt, 2. Mai. In der ersten Kammer der Stände wurde von dem Fürsten Ijenburg-Birstein uno Freiherrn Ludwig Riedesel folgender Antrag von politischer Wichtigkeit eingebracht: „Hohe Kammer wolle Großh. Regierung um Vorlage eines Gesetzes-Entwurfs ersuchen, wodurch der auf das Großher- zogthum entfallende Antheil der mdirecten Reichssteuern (Zölle), nachdem der an das Reich zu zahlende Matrikularbeitrag in Abzug gebracht worden, den Gemeinden zur Bestreitung ihrer Lasten, insbesondere dec Schullasten überwiesen wird." Motivirt wird der Antrag wie folgt: „Durch die aus Vorlage der Reichsregierung von dem Reichstage schon beschlossenen und noch zu beschließenden Erhöhungen einer Reihe von Schutzzöllen werden voraussichtlich die Einnahmen des Reiches aus den Zöllen und somit auch die auf das Großherzogthum entfallende Quote derselben erheblich steigen. Der Zweck der gedachten Erhöhung ist aber die Ausbesserung der wirthschastlichen Nothlage, in dec sich heutzutage saft alle Theile der producirenden Klassen befinden, freilich in erster Linie durch Schutz der heimischen Production. Derselbe würde aber doch nur theilweise erreicht werden, wenn nicht die durch diese Zollerhöhung erzielte Mehr-Einnahme zur rheilweisen Entlastung der Bevölkerung verwandt würde. Unter allen öffentlichen Lasten sind aber sowohl in den Städten, wie auf dem flachen Lande die Communallasten mit die drückendsten und ist in den meisten Gemeinden sür die nächste Zukunft eher eine Steigerung derselben, als eine Herabminderung zu erwarten. Es erscheint daher als dringend geboten, auch in dieser Beziehung eine Entlastung eintreten zu lassen."
Potsdam, 2. Mai. Der Kaiser traf in Begleitung des Kronprinzen und Prinzen Friedrich Karl um 10 Uhr 45 Min ein und besichtigte im Lustgarten drei Bataillone des ersten Garde-Regiments, wovon das erste Bataillon Prinz Wilhelm vorführre. Darauf besichtigte der Kaiser die Kaserne des ersten Garoe-Regiments. Sämmtliche fremde Milüärbevollmächtigte waren zugegen.
E. R. Berlin, 2. Mai. Den Mitgliedern des Reichstags ist bekanntlich eine Denkschrift des preußischen Oberforstmeisters Dr. Dankelm ann zugegangen, in welcher die Einführung höherer Holzzölle durch oas Sinken der Holzreinerträge bei gleichzeitigem Steigen der Waldwirthschastskosten zu begründen versucht wird. Der Waldreinertrag des Jahres 1883 beträgt danach nur 9 77 Zr pro Hektar und nur 2 66 pro Festmeter. Vor der dritten
Lesung der Novelle zum Zolltarif wendet sich nun der Abg. Rickert in einer Entgegnung an die Mitglieder des Reichstages, in welcher er auf Grund amtlicher Materialien den Nachweis führt, baß der Reinertrag in dem letzten abge- Musenen Jahre auf mehr als 11 pro Hektar gestiegen ist, und wenn man, Vie dies geschehen muß, die Ausgaben, die nicht zu den dauernden und lausenden gerechnet werden können, außer Ansatz läßt, dürste der Reinertrag auf einen noch höheren Betrag zu schätzen sein, der den höchsten in den Gründerjahren vielleicht nahezu gleichkommen dürste. Angesichts dieser Thatsachen spricht Abg. Rickert mit Recht die Meinung aus, daß von einem Nothstand der Wald- mtthschast in Preußen nicht die Rede sein kann. — Der finanzielle Ertrag der Waldwirthschast hängt sehr wesentlich von der Höhe der Nutzholzausbeute ab. Zn dieser Beziehung steht Preußen hinter den anderen deutschen Staaten, insbesondere gegen Sachsen, weit zurück. Der Procentsatz der Nutzholzausbeule ist in den Staatsforsten Preußens seit 1830 von 19,3 pCt. bis 31,6 pCt. in den Zähren 1864 und 1865 gestiegen. Er fiel dann, stieg im Jahre 1874 auf 34 pCt. und ist von da ab wieder bis 1877/78 gefallen. Es wurden in den senden Jahren von der Gesammtmasse des emgeschlagenen Derbholzes an Nutzholz gewonnen:
1878/79 27,9 pCt., 1879,80 28,9 „ 1880/81 29 1881/82 29 1882/83 31 1883/84 39
Auf der Verschiedenartigkeit der geschäftlichen Usancen der Forstverwaltung benutzt die große Differenz in den Erträgen zwischen Preußen und Sachsen. Die Lesjchästlichen Usancen der Art zu reformiren, daß sür Handel und Industrie ein
Anreiz geboten wird, in dem Vertrieb oder der Verarbeitung der Produkte des Waldes eine Erwerbsquelle zu finden, wird die Aufgabe derjenigen Forstverwaltungen sein, die über das zu langsame Steigen der Waldreinerträge klagen. Herr Rickert resümirt sich dahin: Eine eingehende und unbefangene Prüfung ergiebt, daß die Behauptung, daß Die Waldreinerträge wesentlich nur durch eine namhafte Erhöhung der Holzzölle gehoben werden könne, ebensowenig zutreffend ist, wie die Behauptung, die Waldwirthschast befinde sich in einem Nothstande.
Kesterreich.
Pesth, 2. Mai. Die feierliche Eröffnung der Ausstellung sand heute Mittag durch den König statt im Beisein des Kronprinzen-Paares. Der Pro- tector der Ausstellung. Kronprinz Rudolph, richtete eine Ansprache an den Monarchen, worin er die Wichtigkeit der Ausstellung betonte, welche den Aufschwung der ungarischen Cultur aus allen Gebieten bezeuge. Der König gab hierauf erwiedernd seiner Freude Ausdruck, diesem hochbedeutenden Feste beizuwohnen, welches Beweise ablege von dem Aufschwung der ungarischen Nation; er erbittet Gottes Segen sür die Ausstellung und erklärt dieselbe für eröffnet, v. Tisza dankte, worauf die feierliche Eröffnung verkündet wurde. Hierauf fand der Rundgang des Königs statt. Die Stadt ist beflaggt.
ArankreiH.
Paris, 2. Mai. Die „Agence Havas" meldet, der Vertreter Frankreichs in Egypten, Taillandier, kehrte nach Kairo zurück. — Eine Depesche aus Hanoi sagt: Die chinesischen Truppen am Rothen Flusse begannen den Rück- marsch nach Iünnan.
England.
London, 2. Mai. Wie „Daily News" aus angeblich unanfechtbarer Quelle erfährt, sei der Kaiser von Rußland, von dem Wunsche beseelt, wenn möglich den Krieg zu vermeiden, geneigt, den Vorschlägen Englands, den Zwi- schensall bei Pendjeh einem Schiedssprüche zu unterbreiten, zuzustimmen. Die englische Regierung sei von der versöhnlichen Stimmung des Kaisers und der russischen Regierung nichtamtlich benachrichtigt, die amtliche Antwort könne aber erst in der nächsten Woche in England eintreffen und werde voraussichtlich die förmliche Annahme der englischen Vorschläge übermitteln. Die Form sür dieses Arrangement, welche jede Collision mit der erregten, beiderseitigen Stimmung vermeiden müsse, sei von der englischen Regierung erwogen und beschäftige jetzt die Ausmerksamkeit des russischen Cabiuets. Das Verhalten Komaroff's und Lumsden's solle dem Schiedssprüche nicht unterbreitet werden, sondern nur die Frage, ob die Instructionen, welche in Folge des Abkommens vom 17. März gegeben wurden, auf der einen oder andern Seite falsch ausgelegt worden sind. Es sei nicht beabsichtigt, die Grenzsrage einem Schiedssprüche zu unterbreiten. Wenn der Vorschlag wegen des Schiedspruches angenommen wird, soll die Grenzregulirung fortgesetzt werden, ohne die Entscheidung des Schiedsrichters abzuwarten. Während der Arbeiten der gemischten Commission bleibt das streitige Gebiet neutral und wird weder von den Russen, noch von den Afghanen besetzt. ,
London, 2. Mai. Die Königin ist heute Abend aus Darmstadt rn Windsor wieder eingelroffen.
Rußland.
Petersburg, 2. Mai. Die „Deutsche Zeitung" erfährt von gut unterrichteter Seite, daß der Friede als gesichert zu betrachten sel. Die ganze diplomatische Action, die sich von englischer Seile jetzt noch vollziehe, sei lediglich eine Rückzugbewegung, der man einen möglichst anständigen Charakter wahren wolle. Das Blatt äußert jedoch noch Zweifel, ob die Situation in dieser unbe- dingt günstigen Weise schon jetzt aufzufassen sei.
Neigten.
Antwerpen, 2. Mai. In der Festhalle des Ausstellungs-Palastes fand heute Nachmittag die feierliche Eröffnung der Ausstellung statt, welcher das Königspaar, Graf, Gräfin und Prinz Balduin von Flandern, sämmtliche Mini-


