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Die Abgeordneten Wtvdthorst und Stöcker behandelten bfe Frage vom religiöse« Standpunkte, nameuilich Letzterer betonte die Heilighaltung befi SonntggS.

Abg. Baum bach (dfr.) war der Ansicht, daß die Frage wett mehr einen wtrth- fchafttichm als einen religiösen Hintergrund habe; hier sei etn Punkt, wo sich die Liede des Abg. Stöcker am besten bethättgen könne.

Diesen warmen Appell an sein gutes Herz benutzte der Abg. Stöcker zu einem ganz unmotlvirlen Ausfall gegen die ^jüdischen Arbeitgeber", die zwar ihren Sabbath heiligten, am Sonntage aber die Arbeit ihrer christlichen Arbeiter bean­spruchen.

Wenn diese Aeußerung an dieser Stelle überhaupt einen Sinn haben sollte, so konnte sie sich nur auf den Abg. Singer (Socialderuokrai) beziehen, der in der Lage war, unter dem Hinweis auf seine arbeiterfreundlichen Anträge, die von ihm und seiner Partei bereits etngeretcht find, diese Behauptung energisch zurückzuweisen.

Abg. Liebknecht (Soctaldemokrat) führte über eine Verfügung Beschwerde, welche dm Postbeamten geradezu eine Spionage nach politischen, soctaltsttschen Schrift- stücken zur Pflicht macht.

Staatssecretär Stephan, der an einer langen Liste das Unzutreffende früherer Beschwerden dieses Abgeordneten hinweist, berief sich auf das Socialistengesetz, das auch die Pflicht auferlege, socialistische verbotene Schriften zu unterdrücken.

Die Spectalberathung wurde dann nach unwesentlichen Debatten auf morgen vertagt.

Abg. Baumbach (dfr.) schilderte bei einem der berathenm Titel das Unzuläng- ltche der Besoldung der Landbriefträgcr und befürwortete die Erhöhung des Geholtes derselben von 600 auf 800 X.

Telegraphische Depeschen.

Wolff'S telegr. Correspondenz-Bureau.

Berlin, 3. Februar. Der Kaiser besuchte heute Abend mit dem Kron­prinzen , der Kronprinzessin, dem Prinzen und der Prinzessin Wilhelm, dem Prinzen und der Prinzessin Friedrich Karl, der Prinzessin Victoria von Hohen- zollern rc. den Subscriptions-Ball im Opernhause. Der Kaiser eröffnete die Polonaise des Hofes mit der Kronprinzessin, begrüßte später die Botschasterinnen Oesterreichs und Frankreichs und die anwesenden Fürstlichkeiten und verweilte längere Zeit in der Loge derselben. Um 11 Uhr verließ der Kaiser mit den übrigen Herrschaften den Ball.

Das Abgeordnetenhaus genehmigte die Vorlage über den weiteren Er­werb von Privatbahnen in zweiter Lesung unverändert, erledigte mehrere kleine Vorlagen und verwies den Gesetzentwurf über die Veräußerung der hypotheka­rischen Belastung von Grundstücken im rheinischen Rechtsgebiet an eine Com­mission von 14 Mitgliedern, nächstdem erklärte dasselbe die Mandate Cuny's und Delbrück's für fortdauernd. Morgen Anträge Zedlitz-Lassen. Etat.

Entgegen dem Gerüchte, daß die Negierungen auf die Durchberathung des Postsparkaffen-Gesetzes keinen Werth legen, bemerkt dieNordd. Allg. Ztg.", die Regierungen wünschen dringend nicht nur die Durchberathung, sondern auch das Zustandekommen des Gesetzes in dieser Session.

Muttchen, 3. Februar. Das hier für eine patriotische Feier des 70. Geburtstags Bismarck's gebildete Comits beschloß die Ueberreichung einer künstlerisch ausgestatteten Adreffe an den Fürsten. Ferner soll am genannten Tage ein Festzug nach dem Maximilianeum sich begeben, wo eine größere allge­meine Festlichkeit stattfindet.

Puris, 3. Februar. Eine Depesche des Admirals Courbet aus Keelung meldet: Eine aus 1500 Mann mit 4 Geschützen bestehende Truppen-Abtheilung hat am 25. v. Mts. mehrere befestigte Werke weggenommen, welche unsere im Südosten befindlichen Positionen bedrohten und den Zugang zu den Minen be­herrschten. Wir haben vor einer steil abfallenden und stark befestigten Hoch­fläche Halt gemacht, befinden uns aber auf einer festen Basis und werden die Operationen fortsetzen, sobald die Truppen sich ausgeruht haben werden. Der Widerstand des Feindes war ein heftiger, das Feuer deffelben ganz vorzüglich. Unsere Soldaten zeigten große Kampfbegier; unsere Verluste bestehen in 9 Tobten und 53 Verwundeten.

London, 3. Februar. General Wolseley zeigte dem Kriegsminister in einer Depesche aus Korti vom Montag 9 Uhr Abends an, Carle besetzte am Sonntag das vom Feinde geräumte Berti. Die Mschiffsahrt ist sehr schmierig. Die Kolonne Carle überwand aber bisher alle Schwierigkeiten.

DemDaily Telegraph" zufolge wäre der Polizei die Anzeige zuge­gangen, es bestehe ein Complot zur Zerstörung der Westminster-Abtei.

London, 3. Februar. Heute wurde vor dem Polizeigerichte in Great- Darmouth die Verhandlung gegen die Fischer Ruß, Chalk und Jarvis, welche wegen Beraubung der deutschen KutterDiedrich" undAnna" angeklagt sind, wieder ausgenommen. Die Angeklagten wurden vor die Geschworenen verwiesen und gegen Kaution freigelassen.

Petersburg, 3. Februar. DerRuff. Petersb. Ztg." zufolge erhielt der jüngst vom Reichsrath gefaßte Beschluß, betr. die Errichtung von Control- stellen Seitens der Regierung für die Rechnungsführung der Privatbahnen, die Allerhöchste Genehmigung.

Rew-Uork, 3. Febr. Auf O'Donovan Rossa wurden heute, als er die Straße passirte, von einer jungen Frau fünf Revolverfchüffe abgefeuert. O'Donovan Rossa fiel zur Erde, soll aber nicht schwer verwundet sein. Die Attentäterin wurde verhaftet, sie giebt an, sie sei Krankenwärterin im englischen Hospitale.

Ueber die näheren Umstände hinsichtlich der Verwundung O'Donnovan Roffa's verlautet: Die Frau, welche die Schüsse auf Roffa abgegeben, heißt Aeslet Dudley. Dieselbe soll unter dem Vorwande, daß sie Geld für die irische Sache beisteuern wolle, Rossa zu einer Unterredung eingeladen haben. Als Rossa mit ihr durch die Chambre-Straße ging, blieb sie einen Augenblick hinter diesem zurück und schoß auf ihn. Die Frau soll die Wittwe eines englischen Osficiers fein und stets in Aufregung gerathen fein, wenn in ihrer Gegenwart von den Dynamit-Verschwörern die Rede war. Mehrere ihrer Freunde hielten sie für geisteskrank, feit ihrer Verhaftung ist sie indeffen vollkommen ruhig geworden.

Gestern Abend fand Hierselbst eine Versammlung von Socialisten und Anarchisten statt, die mit einer allgemeinen Schlägerei endete. Die Polizei schritt ein, liefe sofort den Saal räumen und verhaftete die Veranstalter der Versammlung.

Rom, 3. Februar. Der belgische Gesandte im Vatikan wird demnächst hier erwartet. Nachdem derselbe seine Creditive vem Papste überreicht haben wird wird der päpstliche Nuntius für Brüssel Befehl erhalten, dahin abzugehen. '

Der Beginn der Verhandlungen zwischen Montenegro und dem Vatikan zur Lösung obschwebender Kirchenfragen ist bevorstehend.

,v In Folge Unwohlseins der Minister DepretiS und Grimaldi fand Dor- «tttsgS keine Kammersitzung statt. In der Abenbsitzung wurde der Antrag Delvechw'S (Pevtarchist), die Berathuug der Eisenbahn - Conventionen zu vertagen, sobald man W dem EaPitel »Tarife" angelangt sei, um die Agrarfrage zu verhandeln, mit 186

gegen 133 Stimmen abgelehut, nachdem die Regierung sich gegen den Antrag er­klärt batte.

Vermischtes.

Nach demT. A" hat der kürzlich tu Darmstadt verstorbene Rentner Helfmaun die Stadt Darmstadt zu Elben seines Vermögens eingesetzt und derselben eine R.the von Fideicommiffen zu wohlthütigen Zwecken auferlegt. Unter denselben befinden sich 100,000 X an die Kleinkmderschulr zur Errichtung einer zweiten solchen Schule, 20,000 X an den Alice-Frauenverein, 10,000 X an daS sog. Maurrhospttal, 50,000 X an den Verein gegen Verarmung und Bettelet, wovon die Hälfte zu Ankauf von Häusern in der Altstadt verwendet werden soll, 3000 X dem BerschömrungS- verein, 500 X dem Mufikoerein. Der immer noch betlächtliche Rest des Vermögens bleibt der Stadt Darmstadt und sollen die Zinsen deffelben zur Verschönerung der Stadt und ihrer Anlagen verwendet werden. Sollte jedoch in Darmstadt eine Anstalt für verwahrloste Kinder errichtet werden, dann soll das ganze der Stadt verbleibende Kapital dazu verwendet werden können.

Der GarantiefondS für das sechste deutsche Turnfest in Dresden ist vom Finanzausschuß auf 150,000 X normirt und tn dieser Höhe vom Central- auSschuß auch genehmigt worden. Von bitfer Summe sind 30,000 X von der Stadt Dresden durch drei Körperschaften gezeichnet worden, während ein weiterer Fonds von 20,000 X zur Bestreitung der Ausgaben für die Vorarbeiten von der Stadt bereits baar Überwiesen worden ist.

Mainz, 2. Februar. In aller Stille hat sich am gestrigen Tage in unserer Stadt em Eceigniß vollzogen, welches in Zukunft auf die städtischen Finanzen von nicht zu unterschätzendem Einfluß sein dürfte. Die seither von den Gebrüdern Puricellr unter der FirmaBadische Gesellschaft für Gasbeleuchtung" betriebene Gasfabrik ist von gestern ab in städtische Verwaltung übergegangen. Im Lause des gestrigen Tages wurden bei sämmtlichen GaSconsumenten der Stand der Gasuhren festgestellt, um mit den seitherigen Eigenthümern der Fabrik eine genaue Berechnung des zum Confum kommenden Gases vornehmen zu können.

Mainz, 2. Februar. In verfloffener Nacht wurde in daS Bureau der Districis- Einnehmerei Bretzenheim zu Mainz eingebrochen. Die Diebe mußten aber, da die Haupt- und Handkaffe sich im zweiten Stock befanden, nachdem sie verschiedene Schlösser erbrochen, mit leeren Taschen wieder abziehen. Thäter wurden keine ermittelt. Unter­suchung ist eingeleitet.

^Rostflecke.) Um die in der Wäsche oft vorkommenden Rostflecke sicher zu beseitigen, nimmt man nachAck. Jll. W. Gew.-Ztg." Kleesalz, ebensoviel Kochsalz, Citronensaft und wenig weiches Wasser. Mit dieser Lösung, welche in einem Fläschchen gut verkorkt sein muß, befeuchtet man den Rostfleck, nachdem man jedoch vorher einen alttn Schöpflöffel gut erwärmt, was am besten über dem Cylinder einer Petroleum­lampe geschieht. Ueber die äußere runde warme Form des Löffels legt man den Stoff und befeuchtet die Stelle mit der Lösung und sofort verschwindet der Rostfleck.

Um Erhöhung des Häringszolles tft von der Häringsfischerei-Actiengesell- schost zu Emden eine Petition an den Reichstag gelangt. Armer Kater!

Theater.

Gießen, 3. Februar.

Mit dem heutigen Abend hat die Theatersaison ihren Ävschlutz gefunden, nachdem sie uns noch ein Paar Novitäten, die wenigstens hier als solche gelten dürfen, vor- sührte. Die beiden Sonntagsvorstellungen erfreuten sich einer ungemein regen Theil- nahme von Setten deS Publikums und die Kinderkomödte (Nachmittags) fand die denkbar beifälligste Aufnahme, sie bot aber auch an Originellität in den Costümen sowohl, w-e in der ganzen Darstellung recht viel Bemerkenswertes. Man sah den Mitwirkenden die Lust und Liebe an, mit der sie spielten und daß sie btt den kleinen, wie bet den großen Zuschauern viele dankbare Gemüther fanden, darf unS nicht wundern.

Am Abend ging Treptow'S Posse:Schütz en lieSl" in Scene, eine jener Gelegenheitsschwänke, denen man die schnelle Arbeit ihres Verfassers anmerkt. Wie viele ihrer Schwestern, ist diese Posse nichts anderes als ein Erzeugnlß dcShöheren BlödstnnS". Moral gidtS bet den modernen Poffendichtern nicht mehr, die schönen Zetten eines Nestroy und Räder sind längst dahin und daß dasSchützenlteLl" etn so großes Auditorium ins Theater gelockt hatte, beweist nur, daß die Mehrzahl des letzt'ren doch lieber dem flachen faden Zeuge huldigt, als einemgediegenen Stoffe".

In Fräulein Sommer sand die Titelheldin allerdings eine Interpretin, wie wir sie uns nicht bester wünschen konnten. Leben, Feuer und Humor, diese Erforder­nisse einer echten Soubrette, sahen wir tn Fräulein Sommer'sSchützrnliesl" gepaart mit einer angenehmen Stimme, die ihr bet den Gesangsnummern vortrefflich zustatten kam. Den bayrischen Dtalect brachte sie im Dialog wie im Gesang zur vollsten Geltung. Ihre Leistung fand deshalb auch von Anfang bis zu Ende den ungethetlten Beifall der Zuschauer. Herr Voigt bethetltgte sich wirkungsvoll und hielt die Lachlust fortwährend im Gange. Auch die übrigen Rollen und besonders der Commis voyageur des Herrn Director Herrmann waren mit Fleiß studirt.

Die Abschiedsvorstellung am Dienstag brachte vor völlig ausverkaustem Hause in erster Linie Wilhelmine von Htllern's dretactiges Lustspiel:Die Augen der Liebe", ein recht interessantes Stück, wenn dasselbe auch gerade nicht zu den hervorragenden Werken der modernen Literatur gehört.

Die Aufführung ließ ein eifriges Studium erkennen und die einzelnen Charactere traten vielfach anerkennenswerth hervor. Besonders gefiel uns Frau Director Herrmann-J hm als Friederike von Steinbach. Wie immer war sie der liebens­würdige kleine Kobold mtt den schalkhaften Einfällen und dem natürlich drastischen Spiel, durch welches sie uns im Laufe der Saison so oft entzückt hat. Nichts Ge­machtes, nichts Uebertriebenes, sondern alles einfach und herzlich, so daß sie auch diesmal mtt vielen stürmischen Betfallsovationen bedacht wurde. Herrn Halm'8 Lieutenant Maroly ließ eS ebenfalls an nichts fehlen. Herr Schwarz zeichnete den Character des Grafen Brunneck treffend, wenngleich kleine Unsicherheiten die sonst gute Leistung hier und da beeinträchtigten. Fräulein Belgrad'S Comtesse Priska war zuweilen etwas geziert, oder b-ssrr gesagt zu pathetisch gehalten, auch darf sich die junge Dame eine zu oft wiederkehrende und dadurch unschön werdende Geberde abae- wöhnen, nämlich daS fortwährende Händefalten auf der Brust.

Eckstein's dramatistrte Schulhumoreske:Der Besuch im Carcer" bildete den Schluß Es ist dies eine lustige Bluette, bei deren Anschauen Manchem wohl die tollen Streiche aus seinen Schülerjahren wieder einfallen, darum ist aber das Stück durchaus ntcht geeignet, den Schülern vorgespielt zu werden, da sie keine besonderen Tugenden daraus lernen können.

Gegeben wurde dasselbe recht gut. Herr H en brich geb daS Urbild deS alten Dircctors und Cathederhelden Samuel Heinzerling äußerst wirkungsvoll und Frau Director Hermann den wilden verwegenen Bengel Wilhelm Rumpf mtt vortrefflicher Wahrheit. Auch Herr Voigt gewann der Rolle des Pedellen Quaddler die besten Seiten ab.

Möge der Dkrectton ein freundliches Andenken bewahrt bleiben und derselben auf ihrem ferneren dornenvollen Wege das beste Glück lächeln. Dies ist unser auf- richtiger Wunsch; möge er in Erfüllung gehen! _

Handel und Verkehr.

7 Eine allgemein interessirende Entscheidung hat die Oberpostdirection in Sktroffen. Die Hinftorff iche Rathsdruckerel in Wismar hatte eine Correctur nebst Manuscrspt unter Kreuzband zur Poft gegeben und auf dem Correcturbogen bemerkt:Rücksendung erbitte möglichst roch heute Abend, damit der Druck Donnerstag erfolgen kann. Die Post verweigerte die Beförderung gegen Drucksachentax-', weil zweifellos der auf dem Zettel niedergeschriebene Vermerk weder als Aendcrung noch als Zusatz, sondern lediglich als briefliche Mittheilung zu betrachten sei, welche der entsprechenden Taxe unterworfen ist." Auf Beschwerde bet der Kaiserlichen Obervost- direction in Schwerin erfolgte Remedur unter der Motivirung. daß schriftliche Rand- bemerkungen auf dem Correcturbogen, welche Correttur, Ausstattung und Druck betreffen, zulässig feien, ohne das Porto zu erhöhen.

Für die bet dem Erdbeben in Spanten Hetmgesuchten gingen ferner bet uns etn Frau Pfarrer Kißner 3 X, in einer hiesigen Arbeitsschule gesammelt 2 X, zusammen do,10 X

Weitere Gaben nimmt die Exped. d. Bl. gerne entgegen.