Ausgabe 
4.10.1885 Zweites Blatt
 
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Waschbecken gestellt, rasch mit der Hand an allen Seiten gerieben und dann abgc- trocknct. Diese Waschung des ganzen Körpers erfordert bei einiger Hebung nicht mehr als vier Minuten. Für den Anfang empfiehlt es sich, durch öftere Beachtung der Uhr das Zeitmaß der Thütigkeit zu controliren. Als besonderer Vorzug dieser Art von Abwaschung dürfte cs bei Zeit- und Raummangel erscheinen, daß bei ihr ein Unterstellgefätz entbehrlich ist.

Mau kann zu jeder Jahreszeit mit den kalten Abwaschungen beginnen und hat nur Sorge zu tragen, daß dabei Zugluft vermieden wird. Wer im Winter beginnt, mag das über stacht im Zimmer gestandene Wasser verwenden, auch ein geheiztes Zimmer vorerst benutzen. An die Abwaschungen Gewöhnte können nicht selten beides entbehren. Sobald die Abwaschung besorgt und das Frühstück eingenommen ist, darf auch bei schlechter Witterung sofort ausgegaugen werden.

lLelbstverständlich ist bei solchen täglichen kalten Ablvaschungen der Gebrauch kalter und warmer Bäder, täglich oder in Zwischenräumen, oder auch allabendlicher kalter Waschungen nicht ausgeschlossen, wenn auch durch sie die kalten Abwaschungen Morgens keineswegs überflüssig gemacht werden. Die letzteren, welche den Körper rasch von der ihm anhaftenden Bettwärme befreien (was nicht unerheblich zur Abhaltung von Erkältungen beiträgt), stehen tu erster Linie, während die ersteren nach Belieben und Rothwenoigkeit hinzugefügt werden können.

Zu in Schluffe sei ausdrücklich bemerkt, daß alles Gesagte nur für Gesunde und Kräftige gilt. Greise, Kranke und Leidende dürfen kalte Regenbäder oder die beschriebenen Abwaschungen nur dann gebrauchen, wenn es der Arzt gebilligt hat.

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Darmstadt, 30. September. sPostpersonalnachrichten.j 1. Ernannt ist der Ober-Postdirectionsseeretair Kunow in Offenbach (Main) zum Postkassirer.

2. Versetzt sind der Postrath Hey sc üou Darmstadt nach Danzig, der Postrath Winkelmann von Danzig nach Darmstadt, der Postsecretair Mittler von Gießen imcl) Reubreisach behufs Hebernahme der Postmeisterstelle daselbst, die Postseeretaire Lubowski üüu Mainz nach Danzig, Schüsling von Mainz nach Gießen, dieOber- Telegraphenassistenten Baitz von Bingen nach Gießen, Boschen von Bad Nauheim nach Bingen und Key del von Bingen nach Ruhrort.

3. Uebcrtragen ist dem Postsecretair Riedel eine Ober-Postsecrctairstelle in Darmstadt.

4. Gestorben ist der Postverwaltcr a. D. Groh in Neckarsteinach.

Mainz, 30. September. ^Rheinische naturforschende Gesellschaft^ In der vor­gestern Abend abgchaltenen Generalversammlung der Rheinischen uaturforschenden Gesellschaft wurde die von den Revisoren richtig befundene Rechnungsablage und das Budget für das kommende Jahr genehmigt. Die statutengemäß austretenden Mit­glieder des Vorstandes und des Ausschusses wurden wiedergewählt und an Stelle des verstorbenen AuSschußmitglicdes Herrn Pfarrer Hieronymi Herr Gymnasiallehrer Tr. Körber in Aussicht genommen. Angesichts des Aufschwungs, welchen die übrigen Sammlungen im schlosse gewonnen haben, sowie ferner im Hinblick auf den stets wachsenden Besuch und besonders auf den noch größeren bei der Landesgewerbe-Aus­stellung in Mainz zu gewärtigenden, hat die naturforschende Gesellschaft beschlossen, erhöhte Anforderungen an ihre naturhistorischen Sammlungen zu stellen und bedeutendere Geldposten hierfür bewilligt. Die ganze Sammlung, welche bereits katalogisirt wurde, wird neu unb deut Stande der heutigen Wissenschaft entsprechend ctikettirt und ver­vollständigt. Im Jahre 1887 werden das von Herrn v. Reichenau gesammelte Herbarium

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der Frühlingsflora von Mainz, sowie die von demselben Herrn zusaminengestellie Sammlung der klimatischen Abänderuilgen der Tagfalter des europäisch-asiatischen (paläarktischen) Faunengebiets und der Schmitt'schcn Käfersammlung, letztere neu um- aearbeitet und completirt, zur öffentlichen Schaustellung gelangen. Wenn von Seiten oer Stadt Mainz für ausreichende Beleuchtung der unglücklich gebauten oberen Säle des ehemaligen kurfürstlichen Schlosses Sorge getragen werden sollte, wird die ganze obere Sammlung desselben umgearbeitet werden. Die Fische werden systematisch auf­gestellt, die Sceletsammlung übersichtlich geordnet und vervollständigt, endlich die inter­essante Sammlung aus dem Mainzer Tertiärbeckcn und Diluvium in einer Flucht nach den Epochen gesondert, dein Auge des Beschau.ers sich darstcllen. Betreffs einer Spiritus-Sammlung wird wahrscheinlich nur die inländische Fauna berücksichtigt werden können. Trotz den großen Anstrengungen, welche den Sammlungen zugewendet werden, ist dennoch für Vorträge ausgiebig gesorgt und sind hierfür die gleichen Mittel wic für die (Sammlungen bewilligt worden. Es sind bereits interessante Vorlesungen über die Pflanzenphysiologie (Cyclus von 6 Vorträgen) Physik und Astronomie (2 Vor­träge) in Aussicht genommen.

Frankfurt a. M., 2. Oetober. Eine Verlobung eigener Art berichtet die Kl. Pr." ivic folgt: Ein hiesiger Kaufmann, der Vater eines allerliebsten Töchterchens, benöthigte baares Geld und lieh sich von einem andereitKaufmann gegen Hinterlegung eines kostbaren Schmuckes eine verhältnißmäßig kleine öumme aus. Kurz darauf bot sich dem Eigenthümcr des Schmuckes Gelegenheit, denselben besser zu verwerthen, weß- halb er den Kaufmann bat, ihm denselben hcrauszugeben. Der erstere hatte sein Töchterchen zufällig mitgebracht, um mit demselben nach Erledigung des Geschäftes spazieren zu gehen. Im Scherze sagte er zu dein Geldverleiher:Du, höre, Du kannst ja meine Tochter so lange als Pfand behalten." Der also Angeredete nahm die Sache in seiner Weise für Ernst, holte seinen sich in der Nähe aufhaltenden Sohn herbei und frug denselben, ob er mit dem lebenden Pfände einverstanden sei. Der junge Mann wurde verlegen, denn er hat schon längst im Stillen ein Auge auf das schöne Mädchen geworfen und meinte, er wäre glücklich, dieses Pfand zu besitzen. Jetzt kam den beiden Vätern der Gedanke, daß sie sich am besten gegenseitig sicherstellen könnten, wenn sie ihre beiden Kinder verehelichten, und da dieselben nicht im Ent­ferntesten etwas dagegen einzuwenden hatten, so wurde derHandel" abgeschlossen. Vor einigen Tagen fand im Kreise der Angehörigen die Verlobung der auf so seltsame Weise zusammengebrachten jungen Leute statt.

Aus Unter franken. In Sachen der vielbesprochenen Klostcrbrauereien der bayerischen Franziskanerprovinz wird derDeutschen Reichszcitung" authentisch mit- getheilt, daß die Aufhebung der Brauereien, mit Ausnahme in dem kleinen Klösterchcn bei Kissingen, für alle bayerischen Franziskanerklöster eine vollendete Thatsache ist. Dieser Tage kam nämlich vom Provinzial an die einzelnen Klöster ein Erlaß, wonach vom 1. November ab alle Braustätten und Bierschänken der Klöster aufzuheben und die Brauerei-Einrichtungen, sowie außerhalb der Klausur befindlichen Bierkcller bei günstiger Gelegenheit zu veräußern seien. Ebenso darf auch in fremden Brauereien kein Bier für ein Kloster eingesotten werden; auch ist der tägliche Zutritt von Gästen in Klöstern strengstens untersagt, ohne daß deßhalb aber die Gastfreundschaft gegen Geistliche, sowie gegen Wohlthäter des Klosters und distinguirte Persönlichkeiten aus­geschlossen sei. Jedoch darf für die Bewirthung keine Bezahlung, nicht einmal in Form eines Almosens genommen werden; nur im Falle von Uebernachten darf ein Almosen angenommen werden. Das Circular des Prooinzials constalirt mit Dank und Anerkennung, daß sich in keinem Kloster eine Renitenz gegen den Be­schluß des Ordenscapitels gezeigt und alle Patres und Fratres bereitwilligst Gehorsam bekundet haben.

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