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Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen
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Wochen - Ueberficht.
Gießen, 3. October.
Die Kaiserlichen Majestäten empfingen am Dienstag in Baden- Baden das neuvermählte erbgroßherzogliche Paar, nachdem dasselbe vorher seinen feierlichen Einzug in die Stadt gehalten hatte. Am gleichen Tage konnten d»e Majestäten auch den König Leopolo der Belgier als Gast bei sich begrüßen, nachdem König Leopold seinen bereits für vergangenes Frühjahr projectirt gewesenen Besuch am Berliner Hose wegen der damaligen anhaltenden Unpäßlichkeit des Kaisers hatte verschieben müssen. Der belgische Herrscher hat diesen Besuch nunmehr in Baden-Baden ausgeführt; irgendwelche politische Motive liegen demselben fern, König Leopold als Souverän des neugegründeten Congo-Staates wünschte lediglich 'feinen persönlichen Dank dem Kaiser Wilhelm für die warme Unterstützung auszusprechen, welche die kaiserliche Negierung dem Congo-Staate während der Berliner Congo-Consereuz hat zu Theil werden lassen. Am Mltt- jod), Den 30. September, wurde in Baden-Baden der Geburtstag der Kaiserin, wie herkömmlich, im engeren Familienkreise gefeiert. Die hohe Frau vollendete an diesem Tage ihr 74. Lebensjahr und konnte diesmal ihren Geburtstag bei gekräftigter Gesundheit, an der Seite ihres kaiserlichen Gemahls, in der Mitte der durch dis Verehelichung ihres fürstlichen Enkels festlich bewegten, patriotischen Bevölkerung Badens begehen.
äur Wahlbewegung in Preußen ist aus dieser Woche eine neue Kundgebung zu registriren: Der Wahlaufruf der Centrumsparlei. Den breitesten Raum in demselben nimmt der Culturkamps ein; wenngleich der Ausruf anerkennt, daß einige Milderungen eingetreten seien, so spricht er es doch auch unumwunden aus, daß die Regierung noch lange nicht alle Forde- rungen der Katholiken erfüllt habe, als deren hauptsächlichste wlederum dre Heranbildung des Klerus nach klerikalen Grundsätzen und die Revision der Mai- Gesetze, namentlich hinsichtlich der Freigebung des Meffelesens und der Frelgebung des Spendens der Sacramente erscheinen. Es sollen daher nur solche Candr- daten gewählt werden, welche sich verpflichten, vor Allem für diese Forderungen voll und ganz einzustehen. — Am 11. October wird wiederum ein deutsch- freisinniger Parteitag, und zwar diesmal zu Nordhausen, stattfinden. Auf demselben wird auch Eugen Richter sprechen, welcher durch Unwohlsein verhindert gewesen war, dem deutschfreisinnigen Parteitage in Breslau beizuwohnen.
In Berlin tagte in dieser Woche der dritte internationale Geo- logen-Congreß. „ , ,n
Am frühesten von allen deutschen Volksvertretungen ist der bayerische Landtag einberufen worden, welcher am Mittwoch eröffnet worden ist. Demselben wurde vom Finanzminister das Budget pro 1885/86 worgelegt, welches einen Ueberschuß von 7,051,952 ausweist. Der Minister fcblug Stabllisirung des Malzausschlages vor und empfahl, eine Berechnung der Steuer nach dem Gewichte anzustreben. Ferner kündigte der Minister eine neue Subhastations-Ordnung und die Wiedereinbringung des Gesetzentwurfes über die Aufbesserung der Beamtengehälter an.
Die Verhandlungen im Chemnitzer Socialisten-Proceffe sind am Mittwoch nach dreitägiger Dauer geschlossen worden, die Verkündigung des Urtheils selbst wird aber erst nächsten Donnerstag, den 7. October, erfolgen. M ,
Dem Vernehmen nach hat die preußische Regierung durch ihren Gesandten beim Vatikan der Kurie einen neuen Candidaten — den dreizehnten — für das Erzbisthum Posen-Gnesen vorgeschlagen. Es wird versichert, daß von der Zustimmung des Papstes zu der nunmehr vorgeschlagenen Candibatur alles weitere Entgegenkommen Preußens in der Kirchentrage abhänge. , .
Den Brennpunkt der politischen Erörterungen auf dem Gebiete der auswärtigen Angelegenheiten bildete auch in dieser Woche die Krisis aus der Balkan-Halbinsel. Im Vordergrund der bezüglichen Betrachtungen steht die Botschafter-Conferenz in Konstantinopel, deren Eröffnung unmittelbar bevorsteht. Der Cardinalpunkt der Conferenz.Verhandlungen wird jedenfalls der fein, ob die Vereinigung Bulgariens mit Ost-Rumelien gut zu heißen ist, oder ob an der Bestimmung des Berliner Vertrages, welche Ost-Rumelien als eine autonome Provinz des türkischen Reiches bezeichnet, festzuhalten sei. Bei den Mächten ist allerdings entschiedene Neigung zur Wiederherstellung des Status quo ante aus der Balkan-Halbinsel vorhanden, die italienische Regierung hat den anderen Großmächten sogar offen eine bezügliche Erklärung zugehen laffen und hierbei ■ zugleich den Wunsch ausgesprochen, daß die Krisis im Orient ohne weitere Con- 'flagratiou und Blutvergießen verlaufe. Letzteres wäre aber nicht zu vermeiden, wenn die Großmächte die unbedingte Trennung Bulgariens und Ost-Rumeliens aussprechen würden. Es gilt also für die Conserenz, einen Mittelweg zu finden und diesen deutet die „Mosk. Ztg." an. Das Katkow'sche Organ meint, die Wiederherstellung des Status quo ante auf der Balkan-Halbinsel dürfe nicht in der Vernichtung der vollzogenen Vereinigung Bulgariens und Ost-Rumeliens, sondern in der Reorganisation der inneren und äußeren Beziehungen dieser Länder bestehen. Dies hält die „Mosk. Ztg." ohne bewaffnete Intervention ausführbar, wenn an die Spitze des vereinigten Bulgariens kein Abenteurer, sondern ein Mann der That käme. Die einfache Wiederherstellung des Status quo ante auf der Balkan - Halbinsel wäre nur ein Aufschub, welcher alle interessirten Kräfte in beständiger Spannung erhielte und eine weitere Explosion befürchten ließe. Den Berliner Vertrag buchstäblich aufrecht zu erhalten, ohne
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Vkr* 231 Zweites Blatt Sonntag den 4. October
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feine sichtlichen Fehler zu verbessern, würde nur den Anfang vom Ende hervor- rufen und die verhängnißvolle Nothwendigkeit dorthun, den Berliner Vertrag durch eine ganz andere Ordnung der Dinge, und vielleicht durchaus nicht allein auf der Batkan-Halbinfel, zu ersetzen. - Die „Mosk. Ztg." spricht hier nur offen aus, was wahrscheinlich auch in den bisherigen Verhandlungen der Mächte Über die Baikankrise zur Sprache gekommen ist und was wohl auch zwischen dem Fürsten Bismarck und Herrn v. Giers in diesen Tagen besprochen worden ist. Inzwischen hat der russische Staatsmann Friedrichsruhe wieder verlassen und ist am Mittwoch Abend in Kopenhagen eingetroffen, um dem Kaiser Alexander Bericht über den Stand der ostrumclischen Frage zu ei statten. Am Vor- mittag des 30. September ist auch dis bulgarische Special-Mission, welche die Hülse des Czaren anflehen soll, in der dänischen Hauptstadt angelangt. Die Mission bestebt aus Erzbischof Clement, Slaatsrath Querdjicoff, Bank-Gouver- neur Gueschoff, Advocat Demeter Tulscheff und Kaufmann Demeter Pappazoff; ob die bulgarischen Herren etwas ausrichten werden, ist indessen mehr als zweifelhaft^bbn $ält in Belgrad wie in Athen die kriegerische Be- ■ aeisternng an, trotz der zur Ruhe mahnenden Aufforderungen der Mächte, und es ist nicht unmöglich, daß das Bestreben Serbiens und Griechenlands, gelegentlich der Vorgänge in Ost-Rmnelien im Trüben zu fischen, zu ernsten Ereignissen führen wird. Von dem kriegerischen Eifer beider Staaten sticht die Zurückbal- tung Rumäniens wohlthuend ab und hat die gegenwärtige Reise des rumäni- schon Ministerpräsidenten Bratianu wohl den Zweck, die Mächte über die legale Haltung Rumäniens zu beruhigen.
Das „Journal de St. Petersbourg" schreibt. Die Action der Mächte sei angesichts der fortdauernden militärischen Maßregeln in Sofia, Belgrad, Athen und angesichts des Auftretens der ausständifchen Bewegung in Albanien mehr als je erforderlich. Dadurch aHein-Snne noch verhindert werden, daß eine Gährung, von welcher alle diese Lander ergriffen feien, in eine ernste Krise ausarten. Auch von englischer Seite liegt zur ostrumelischen Frage eine bemerkenswerthe Kundgebung vor- Der Träger derselben ist der Minister- präsident Salisbury selbst,^ welcher am Mittwoch zu Hicksbeach eine Rede hielt, in ser er bezüglich der Vorgänge in Ost - Rumelien erklärte, daß der Bruch der von allen Mächten eingegangenen Verpflichtungen nicht gestattet werden dürfe, jedenfalls sei für jede Abänderung die Zustimmung der Mächte nothig. Die britische Regierung würde sich bemühen, die Ausbreitung der Unruhen zu begrenzen und eine friedliche Lösung finden zu Helsen.
In Oesterreich-Ungarn ist auf die Eröffnung des österreichischen Reichsraths und des ungarischen Reichstags diejenige des croatischen Landtags gefolgt. Merkwürdiger Weise ist es in demselben in der neuen Session noch iU feinen Prügelscenen gekommen, die doch sonst eine Hauptrolle in den croatischen Landtagsverhandlungen spielen. Aus der Mittwochssitzung ist die Ablehnung des von den Radicalen eingebrachten Antrags, die Rumelioten zu der Vereinigung mit Bulgarien zu beglückwünschen, hervorzuheben, em Zeichen, daß die Majorität des croatischen Landtags doch vernünftiger denkt, als die rabicate Opposition. . „ _
Von der holländischen Regierung ist em Beschluß zu ver- zeichnen, ber im Interesse ber Humanität nur freudigst begrüßt werben kann. Jene hat nämlich Englanb unb Belgien ben Abschluß eines Vertrags vorge- fchlagen, ber ben fchänblichen Mäbchenhanbel verhinbern fall. Der Vorschlag hat in Lonbon wie in Brüssel eine günstige Aufnahme gesunben.
Für Frankreich bebeutete bie abgelaufene Woche bie letzte vor ben allgemeinen Wahlen, welche an diesem Sonntage stattfinben. Das Chaos ber Wahlbewegung wirb sich nunmehr balb entwirren unb bas war auch hohe Beit benn bie Masse ber Wahlprogramme, Canbibatenreben unb Canbibaten- listen ging zuletzt schier in's Ungeheuerliche, auch führte bas Wahlfieber an verfchiebenen Orten schon zu blutigen Schlägereien. In Pans wieber Provinz werben sich ohne Zweifel zahlreiche Stichwahlen nöthig machen, da bie zahlreichen Listen naturgemäß eine große Stimmenzersplitterung zur tfolge haben werben.
Tägliche kalte Abwaschungen.
So angenehm Regenbäder auch wirken und so billig und praktisch dre Volks- douche auch ist, vielen unserer Leser wird sie trotzdem unzugänglich bleiben,seles daß die Geldfrage, oder daß Zeit- oder Raummangel der Amchaffung des im
Wege stehen. Es mag daher daran erinnert sein, daß auch durch täglichekalte 2 - waschungm des Körpers, sofort nach dem Verlas en des Bet es ^runehmen, Aus^ gezeichnetes für Abhärtung der Haut gegen erkaltende Einflüsse Speiste Y besten Vermittler der täglichen kalten Abwaschungen find - wie unsms Dr. Bresgen in Frankfurt a. M. zuerst hervorgehoben - dre bloßen eigenen »anöc. Schwämme und üappen verursachen leicht ein unangenehmes Kal g Mhl i b L trächtigen auch die so heilfame lebhafte Bewegung der Arme und d e i attgkeik ver
die Waschungen in drei Abschnitten vor sich. .Nachdem dw Hand.: »
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r" gleicher Weif'c wie der Oberkörper behandelt, zuletzt die Fuße nachemander m »


