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1886

Freitag den 4. September

Nr. 205

Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen

drei» vierteljährlich 2 Mark 20 mit »Hn$evJjJa- Durch bie Post be-open vierteljährlich 2 Mart L9 Pt.

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11 Darmüadt 2. September. Der Grobherzog wohnte gestern der Detachementsübung der 49. Brigade bei, welche bei Höchst i. 0. endete und auch durch die Anwesenheit des commandrrenden Generals de« XI. Armee.Corp« General der Cavallerie Frhrn. v. Schlothemi ausgezeichnet war. Von Lochs aus begab sich der Großherzog nach Erbach, dessen Graf den höchsten Landes Herrn zu sich eingeladen und seinem hohen Gaste brr beinahe nach^ Höchst ent- geaengesahren war. Die Stadt Erbach hatte zu Ehren des Großherzog« Festerschmuck angelegt und es sand ein feierlicher Empfang statt, bei welchem sich die Vereine, wie Kriegerverein, Feuerwehr, Gelanzvereme 2S-'"0 ®ie Schulen, Spalier bildend, bethciligten. Der Großherzog nahm Quartier im gräflichen Schlöffe, vor welchem die verschiedenen Vereine Abends eine Serenade darbrachten. Heute beabsichtigte der Großherzog, den Uebungen der oO. Brigade beizuwohnen. Der Sedantag, zu deffen Feier dis^offentlichen und viele Piivaigebäude geflaggt hatten, wurde hier in der herkömmlichen Weise begangem Da« Lander-Krieaerdenkmal aus dem Paradeplatz, an welchem Mittags ein Militär-Capelle conceriirte, war sinnig mit Schleisen und Lorbeer geichmuckt. Die Schulen feierten den Tag durch Reden und Ausfluge, das Ludwig-Georgs- Knmnasium durch einen großen Actus im Saalbau. Für heute Abend ist Feuerwerk sowie ein Feslzug mit Lampions und gesellige Vereinigung der Vereine rc'. im Saalbau als Abschluß des deutschen Festes in Aussicht genom­men Eine wie segensreiche Einrichtung der hiesige VereinZum Fei er­bend" genannt werden muß, beweist die hohe Zahl derer welche ,m abge­laufenen Jahr das Lokal des Vereins frequentirten- Daffelbe war nam ich von nicht weniger als 14,215 Personen besucht, welche sich m >eder Beziehung zur Zuftiedenheit benahmen und sich keinerlei Ver,toß gegen die Hausordnung zu Schulden kommen ließen-

jede Eoncession an die Anarchisten, sowie die Aushebung des Culturbudgitr verwerfen müsse. Die Politik der colonialen Ausdehnung bezeichnete Her Ferry als abgeschloffen und versichert- hierbei, der Tonkmghandel ,e. ihm durch Du Umstände ausgezwungen worden; Tongkmg werde zedensall»^ die Volten der Occuvation bald zahlen. Bezüglich der hohen Politik vertrat ^erry den Stan - punkt, daß Frankreich geachtet werde, weil es stark fei,_Wur müffe e« auch seinerseits die Rechte anderer Nationen achten, hierzu bedürfe aber Frankreich einer starken Regierung, eine Republik der Anaichie wurde in Europa kein Vertrauen finden.' - Die Ferry'schen Ausführungen enthalten eine gute DvfiS volilischer Wahrheiten und werden daher wohl mit dazu beitragen, noch manchen Schwankenden dem gemäßigten Republikanismus in die Arme zu fuhren.

Die ossiciellen Cholera-Berichte aus Marfeille und^-rou lon laffen jetzt eine Abnahme der täglichen Cholera-Todessälle in beiden Städten erkennen. Es ist dies unzweifelhaft aus Rechnung des elngetretenen kühleren Wetters zu setzen und darf man darum honen, daß die Seuche in Sudiran reich nunmehr bald erlöschen werde, ohne eine weitere Ausdehnung gesunden zu

®er künftige Souverän Englands, der Prinz v. Waler, und der frühere englische Premier, Mr. Gladstone, weilen auf eigenen Sch,st-n gleichzeitig an der Küste Norwegens und der Prinz wie der em ache Priva mann Gladstone werden von der norwegischen Bevölkerung nut derselben $etjUd)teit ausaenommen. Für den englischen Thronfolger bedeutet bie Reffe an den pilto- reifen Felsenbildungen der norwegischen Küste entlang nichts werter, als eine Vergnügungsfahrt, für Gladstone, den Führer der englischen Liberalen, bedeutet sie aber mehr. In der kräjligen Luit an Norwegens Küste null er sich für tue daheim bevorstehende harte politische Arbeit auj's Reue stärken, um dann mit frischen Kräften in die Wahlbewegung eintreten zu können, von welcher old Glad trotz seiner 76 Jahre hofft, dag sie ihn nochmals an die Spitze der englischen Regierung bringen werde.

Aus dem Innern Serbiens werden noch immer Raubansaüe und Mvrdthaten berichtet, obwohl das Standrecht bereits feit längerer seit über verschiedene Kreise verhängt worden ist und vbwvyl schon eme Anzahl eingefan- flener Räuber durch Pulver und Blei summarisch hmgenchtet worden find. Die Regierung des Königs Milan hat aus die Köpfe der Bandenfuhrer Go>a Devic und Pavle Bogaceväc den verhältnißmäßig hohen Preis von ze oOO Ducateu ausgesetzt und beabsichtigt, das Standrecht auf wettere Kreise auszudehnen.

Dar neue conservative Cabinet in Brasilien ist kaum ge­bildet und schon stößt es, wie das ihm vorhergegangene liberale Cabmet, au, den hestigsten Widerstand der Radikalen. Es ist ihm bereits ein Mitztrauens- Votum Seitens der D-putirtenkammer zu Th-il geworden, worauf der Eonseil­präsident Cotegipe die Auflösung des Parlaments ankündigte. Die Reuwahleu dürsten iu.deffen schwerlich im Sinne der Regierung ausfallen.

Politische Uebersicht.

Gießen, 3- September.

Unter den Epilogen, welche der Kaiserbegegnung in Rtem- "Lt werben, erscheint namentlich ein- Sttuations-Betrachtung des «snciöien ^remdenblatt-s" bemeik-nsw-rth, welche mit solg-nd-n Worten ab-

- Aber all' dieser M.ßoerhältniffe und der momentan g-drück en iw euna/ädilet, ist cs die wichtigste Pflicht der Rationen, vom ungetrübten Sonnenschein Des Friedens den größtmöglichen Vortheil zu ziehen und sich die Wobttbaien deffelben zu Eigen zu machen. Oesterreich-Ungarn gchvrt insbefon- o-,?zu p-nen Staaten, für welche der klare Horizont nach allen Richtungen der Politik von der maßgebendsten öconomischen Bedeutung ist. Angewusen auf den Orient mit unserem wirthschastsichen Streben, angewiesen aus dl-fes uns ^nächst liegende Exportgebiet, hatten wir am meisten zu leiden, so ost. dort eine dunkle Wolke den Ausblick verfinsterte. Denn nicht allem war der Orient schon sir fich ein Wttlerwinkel, welcher eine lange Reihe °°u Jahren hindurch den 11 rieben mit stets neuen Gefahren bedrohte, sondern er hatte auch die böse Eig- nung von jeder anderweitigen politischen Trübung sosort asficirt zu werdm.

a[i* einem großen politischen Accumulator, m welchem die electrffche Svanuung angesammelt war, die jede Erschütterung zur Ekplosioii bringen konnte^ le dieser Richtung war jedoch der Bund zwifcheu O-st-rr-i^U gani und Deutschland, und war insbesondere die Herstellung freundschastlicher B. p'-buna-n zu Rußland von ganz außergewöhnlich wohlthuender Wirksamkeit. Im Orienw treten die Conscquenz-n de« Einvernehmen« der Mächte am klarsten zu Tage, frei von jeder Simulation, frei von Agitationen und G-g-n-Agilattonen r.hmen daselbst die V-rhältniffe einen ruhigen und normalen Verlauf. Es ist t »selbst eine solche Achtung der bestehenden Vertrage der durch Europa gffchaf^ i,en RechtSverhältniffe wahrzunehmen, wie man sie vorher nie für möglich -rach

hätte. Für den Handel Oesterreich-Ungarn«, für unsere Jndustne ist gerade dieser Erfolg der Friedensliebe der drei Kaiser und ihrer erlauchten Staats« inänncr insbesondere die Anerkennung und Bestärkung der vom mittel-europau jchen Bunde verfolgten Ziele durch Rußland von entern geradezu unschätzbaren unb Uyb der deutsch-spanischen Unterhandlungen in der Colonialfrage ist auch beute etwas Positives noch nicht zu verzeichnen. Jndeffen coursiren mancherlei Getüchle, denen zufolge eine baldige gütliche Bei- 1-gung der Streit-Affaire wegen der Karolinen-Inseln zu erwarten wäre. Eines dieser Gerüchte will wissen, Spanien werde den Vorfchlag machen, daß Deutsch­fond zur Entschädigung für die Karolinen-Inseln die oftlich von denselben gele­genen Gilbert- und Marschall-Inseln besetzen solle, aus letzteren befinden sich ebenfalls deutsche Handels-Stationen und eine der Marschall-Jnseln, yaluit, m t ogar deutsche Kohlen-Station und Sitz eines deutschen constilarffchen Vertreters. Ein. andere« Gerücht besagt, der König von Spanien habe einen Brief an den deutschen Kronprinzen gerichtet, worin gebeten werde, Se. Kaiser!. Hoheit möge lerne Bemühungen mit denen te« Königs vereinigen, um den Zwischenfall aus d^r Welt zu schaffen, damit die guten Beziehungen beider Länder, di- er der König, erhalten zu sehen wünsche, nicht gestört würden. Von einer Geneigtheit der f^panffck-n Regierung selbst, auf den Vorschlag eines Schiedsgerichts emzu- a-hen, ist indeffen noch nichts bekannt, es erscheinen daher vorläufig alle Cror- i-cungen darüber, wer das Schiedsrichter-Amt zwischen Deutschland und Spanien übernehmen solle, als überflüssig U-brigens dauert j-nsett« der Pyrenäen die ciereizte Stimmung gegen Deutschland, trotz der neuerlichen Beschwichtigung«- Artikel der Rkadrider oificiösen Blätter, unvermindert fort und es werden noch immer die lächerlichen Demonstrationen gemeldet, wobei nur bedenklich erscheint, tat, auch die Arme» an diesen antideutschen Kundgebungen theiliiimmt. Unter Anderm ist in derselben eine Subscription eröffnet worden, um eine neue Fre- gatte zu beschaffen; ferner hoben die Osficiere der Garnison von Valencia Afintlich erklärt sie würden sich nach den Karolinen ober Philippinen, kurz, ailierafl hin begehen, wohin sie di- Ehre Spaniens rufen sollte, ohne eme andere Entlohnung zu begehren, als ihren Sold Dagegen ,st es schon mehr eme Büberei, wenn im Hippodrom der Stadt Vigo die deutsche Fahne, welche dort neben den Flaggen aller anderen größeren Rationen aufgehängt worden war, beruntergerificn und in den Staub getreten worden ist. ^ll« sich derartige chauvinistische Heldenstücklein noch öfters wiederholen, fo kann leicht tue Sprache Deutschlands der spanischen Regierung gegenüber eme ernstere werden.

In Wiesbaden ist von dem deutschen .^nkareisenden Dr. Paul Reichard ein Telegramm eingetroffen, welches die glückliche Ankunft der ge­lammten unter Leitung Reichard's stehenden Karawane in Zanzibar meldet. Der genannte Gelehrte gedenkt daselbst 14 Tage zu verweilen.

Der württembergische Bevollmächtigte zum Bundesrath, Generallieutenant Faber du Faur, ist am Montag in Gastem gestorben, Lerr v. Faber gehörte zu den Veteranen des BundesratheS und war in den militärischen und diplomatischen Kreisen Berlins eine beliebte Persönlichkeit-

Aus der Wahlbewegung in Frankreich ist eine abermalige große Rede zu verzeichnen, welche der ehemalige französtsche Ministerpräsident tferrg, j^t das unbestrittene Haupt der Opportunisten, am Sonntag zu Bordeaux a»batten hat- Herr Ferry entwickelte in derselben ein Programm, das, wie er ausdrücklich versicherte, für diejenigen Wähler bestimmt war, welche aufrichtig dm Fortschritt wollten. Er betonte die Rothwendigkeit einer maßvollen, Zielde- wußten Politik, die jede VersaffungS-Reviston in der nächsten Legislaturperiode,

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9 (snpntpmber Die Parade des Gardecorps vor dem Kaiser auf dem Ie»£ RÄS&S Ä «SS Ä'S'M ÄTwilter, dem Kronprinzen, Großfürst begleitet, gefolgt von, der Kais Pinnzen Arnulf von Bayern und den

Michael, dem I^grohherzog zunächst die Front beider Treffen entlang unb

Vormarsch vor feinem Wagen vor.

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