— Tiner der bedeutendsten Viehzüchter in Texas, Cap. Richard King, ist kürzlich cm Magenkrebs gestorben. Er hatte eine merkwürdige Laufbahn hinter sich. Im Jahre 1825 in Newyork geboren, lief er seinen Eltern im 10. Lebensjahre davon und kam als Aufseher der Ladung auf einem Dampfer nach dem Süden. Nach mancherlei Wechselfällen und nachdem er 8 Monate die Schule besucht — eine längere Unterrichtszeit hat King niemals genossen — nahm er Dienste auf einem Handelsdampfer , der auf dem Alabama - River fuhr. Später fuhr King während des Seminole - Krieges und bis zur Beendigung desselben auf einem Flusse in Florida. Während des mexikanischen Krieges diente King in der Armee der Vereinigten Staaten, in welche er 1847 eintrat. 1850 baute er, gemeinsam mit Cap. Kennedy, den ersten Dampfer, der auf dem Rio Grande fuhr. Im Jahre 1852 kaufte er ein großes Gut, jetzt unter dem Namen Santa Gertrudes Ranch bekannt, und kaufte von Zeit zu Zeit Grundstücke hinzu. Er begann dort die Viehzucht und schwang sich schließlich zu einem der ersten Viehzüchter der Vereinigten Staaten empor. Der Gertrudes Ranch umfaßt 1 Million Acker Land; es befinden sich auf demselben 80,000 Stück Rindvieh, 20,000 Pferde und Maulesel und 25,000 Stück Schafe. Eine Seite dieses ungeheuren Gutes, das rings mit einem Drahtzaune eingefaßt ist, ist 105 Meilen lang und erstreckt sich durch zwei Dtstricte. . Um nach dieser Seite von dem Wohnhause King's zu kommen, mußte man eine Entfernung von 20 Meilen zurücklegen. King gehörten außerdem mehrere kleinere Güter (Rauches), wo Vieh gezogen wird, am Rio Grande. Er galt für einen siebenfachen Millionär und hinterläßt zwei Söhne und drei Töchter.
— Ein wahrhafter Wohlthäter ist der Augenarzt Herzog Dr. Carl Theodor in Bayern, welcher seit Anfangs März in Meran weilte. Er unternahm in dieser Zeit gegen 130 größere und kleinere Augenoperationen, die, mit Ausnahme zweier unheilbarer Fälle, sämmtlich erfolgreich warm. Dabei wurde der Herzog von nahezu zweitausend meist unbemittelten Personen in seiner Villa consultirt und die Gemeinde Meran dedicirte dem fürstlichen Arzte und Menschenfreunde,ein prachtvolles, im Einband mit Wappenschnitzereien ausgestattetes Album. Inzwischen kündigt derselbe seine Ankunft in Tegernsee durch Inserate an. Der Herzog-Doctor nimmt nämlich in Tegernsee sofort seine augenärztliche Praxis wieder auf und Unbemittelte sind durch Inserate in den Münchener Zeitungen aufgefordert, unter Vorlage der nöthigen Zeugnisse sich um Aufnahme in das Herzogliche Spital in Tegernsee zu verwenden. Uebrigens gehört dem Fürsten auch das zwei Stunden von Tegernsee entfernte Bad Kreuth, welches sich vorzugsweise für Lungenkranke und solche, die an Athmungsbeschwerden leiden, eignet. Auch hier ist eine Abtheilung für wenig bemittelte Kranke errichtet, die in den Monaten Juni und September stark frequentirt und theils auf. Kosten des Herzogs, als Erben des verstorbenen Prinzen Karl von Bayern, theils für Rechnung der Königlich Bayerischen Civilliste unterhalten wird.
— sGeprellt!] Auf der Brücke sitzt zusammengekauert ein krüppelhafter Mensch und bittet die Vorübergehenden um ein Almosen. Ein vornehm aussehender Herr mit einer Dame am Arm geht vorüber und ist eben im Begriffe, seine Börse zu ziehen, als ein von hinten kommender, anständig aussehender junger Mann ihn daran zu hindern sucht. „Geben Sie dem Manne nichts, er ist ein Betrüger und so gerade gewachsen, wie Sie und ich." „Wodurch wollen Sie das beweisen?" — „Wenn Sie mir für einen Augenblick Ihren Stock leihen wollen, werden Sie sich überzeugen,, daß der „Krüppel", sowie ich nur Miene mache, den Stock gegen ihn aufzuheben, wie ein Windhund davonlaufen wird." Der Herr schien zu zweifeln, gab aber seinen mit einem Diamantknopf versehenen Stock. Und in der That, kaum hatte der Bettler bemerkt, daß einer der beiden Herren mit erhobenem Stock auf ihn zutrat, als er mit einem Satz aufsprang und Reißaus nahm, während der junge Mann ihm nacheilte, um ihn, wie der Herr, der mit seiner Dame dem kleinen Vorgang mit Interesse gefolgt war, wenigstens glaubte, eine tüchtige Tracht Prügel für seine Betrügerei aufzuzählen. Leider aber erwies sich dieser Glaube als irrig, denn plötzlich waren beide, der Bettler sowie der ihm nachlaufende junge Mann, um eine Ecke gebogen und ward es jetzt erst dem völlig verblüfft dastehenden Herrn klar, daß er von zwei abgefeimten Betrügern, die jedenfalls auf derartige Geschäfte „reisen", um seinen werthvollen Stock geprellt worden war.
— Vom Ehrengerichtshof der Rechtsanwälte zu Leipzig wurde kürzlich ein Anwalt mit Verweis und 600 Jt Geldstrafe belegt, weil er feine Praxis gemeinsam mit einem Winkelconsulenten betrieben und letzterem 40 pCt. der Reineinnahme aus der Eivilpraxis und aus dem Notariat gewährt hatte.
— lieber Victor Hugo's Vermögen, das von Rothschild verwaltet wurde, hat dieses Bankhaus Bilanz gemacht. Demnach besitzt Hugo vier Millionen Francs an
Liegenschaften und Werthen in Frankreich und etliche Actien bei der Belgischen Bank Das Testament Victor Hugo's beauftragt die Vollstrecker desselben ein Asyl zu gründen welches den Namen Victor Hugo tragen solle. Die zurückgelassenen Manuscripte vermachte er dem Staate. Weiteres verfügt der Dichter, daß mit seinen sterblichen Resten Frankreich machen möge, was es wolle.
— Ein kräftiger Hühnerhabicht machte kürzlich zur hellen Tageszeit zu Neugarten bei Ratibor Angriffe auf eine junge Henne. Auf ihr Angstgeschrei kam ihr schleunigst die ganze große Hühnerschaar, voran der Haushahn, zur Hülfe, und nach wenigen Augenblicken war der Räuber, von den Hühnerschnäbeln arg zugerichtet, tödt- lich verwundet.
— [©ine Alwine wird gesucht.^ Die in Berlin verstorbene ßrau Medicinal- rath Sachs hat in ihrem Testament ihr Dienstmädchen Alwine mit einem Legate bedacht. Das Berliner Amtsgericht I. sucht nun diese „ihrem Vatersnamen und Aufenthalte nach unbekannte" Alwine.
— [Wie lange hält sich ein gesalzener HäringEinen interessanten Beitrag zur Lösung dieser Frage lieferte in diesen Tagen ein Zufall in Bergen (Norwegen). Eine dortige Handelsfirma sandte zur Weltausstellung in Philadelphia im Jahre 1876 eine Probe gesalzenen Härings, welcher im Jahre 1875 gefangen und in Blechbüchsen eingelegt war. Von derselben Partie, wovon die Proben für die Weltausstellung genommen worden waren, blieben zufällig drei Büchsen übrig. Sie standen in einem kühlen Raume auf einer Steinmauer, wo sie vergessen waren. Da die Büchsen vor einigen Tagen zufällig beim Auftäumen gefunden wurden, öffnete man eine derselben in der Voraussetzung, eine vollständig verdorbene Waare vorzufinden. Das Resultat war jedoch ein ganz anderes. Der Häring war vollkommen erhalten und wurde dem Fischereicomptoir als Rarität zugestellt. Der Häring schmeckte frisch und zart und selbst das Fett war unverdorben.
— [„Aujuft sollst mal runterfommen!"] Der Gebrauch dieser harmlosen Redensart kann unter Umständen tbeuer zu stehen kommen. Vom Schlawer Schöffen- gerichte wurde dieser Tage ein Geschäftsreisender aus Berlin, welcher einen Eisenbahnschaffner mit den erwähnten Worten angerufen hatte, wegen Beleidigung zu einer Geldstrafe von 100 JL, eventuell 4 Wochen Gesängniß verurtheilt.
— [Vacante Stellen für Militäranwärter im Bezirke des 11. Armee-Corps.s Auf Stationen der Strecke Frankfurt a. M.-Oberlahnstein-Wetzlar, Bezirk des Eifen- bahn-Betriebsamts Wiesbaden, 41 Stellen im Fahrdienst, vorläufig je 54—60 JL monatlich und die reglementsmäßigen Fahrtengelder, bei Anstellung 990 JL jährlich, Wohnungsgeldzuschuß und Fahrtengelder, steigend. Ort der Stationirung wirb bei Einberufung bestimmt. Eisenbahn-Betriebsamt Wiesbaden, 3 Lademeister-Aspiranten, anfänglich je 75 pro Monät, bei Anstellung 1350 JL jährlich nebst Wohnungsgeldzuschuß. Daselbst 25 Stellen im Bahnbewachungs- und Weichenstellerdienst, je 55 bis 60 JL monatlich, als etatmäßiger Bahnwärter 750 <A, als etatsmäßiger Weichensteller bis zu 1050 Jü jährlich und Wohnungsgeldzuschuß. Königl. Eisenbahn-Betriebsamt (Main-Weser-Bahn) in Kassel, 20 Bahnwärterdiärare, vorläufig monatlich je50<X Remuneration, bei Anstellung 660—750 und Wohnungsgeldzuschuß jährlich. Daselbst, 20 Weichenstellerdiätare, monatlich je 60 JL. Remuneration anfänglich, bei Anstellung 810—1050 und Wohnungsgeldzuschuß jährlich. Alzey, Beerfelden, Büdingen, Neustadt, Erbach i. O., Heldenbergen, Homberg (Oberhessen), Liebenau (Regierungsbezirk Kastel), Mainz, Michelstadt, Mümling - Grumbach, Nidda, Rönsahl, Schlitz, Seligenstadt (Hessen), Ulrichstein (Hessen), Postämter, bezw. Postagenturen, Landbries- träger, 500 JL, bezw. 450 bis 800 JL Gehalt jährlich und Wohnungsgeldzuschuß. Montabaur, Bürgermeisteramt, Accisor für Getränke, ca. 300 bis 400 JL jährlich. Oranienstein, Commando des Kadettenhauses, Revieraufwärter, 720 Jü Gehalt, freie Wohnung, Feuerung und Licht für eine Familie. Preungesheim bei Frankfurt a. M., bei dem Neubau eines gerichtlichen Strafgefängnisses, Baurath Becker, Nachtwächter für die Dauer von 24 Monaten, 60 monatlich. Schenklengsfeld, Amtsgericht, drei Canzleigehülfen, ca. 45—50 monatlich. Siegen, Amtsgericht, Lohnschreiber. 5, 6, 7 oder 8 $ pro Seite. Triptis (5. Verwaltungsbezirk), Großh. Bezirks-Directtou in Neustadt (Orla), Chausseewärter, 40 monatlich.
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