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Donnerstag den 4. Juni
Zweites Blatt
Nr. 126
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Betrittt «chul-straße 7.
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Offenbach a. M., 31. Mai. Dis hiesige Handelskammer hat sich in ihren letzten Sitzungen mit der gegenwärtig die deutsche GeschästSwelt aus das Lebhafteste interesstrenden Frage der Einsührung wirksameren gesetzlichen Schutzes gegen den Verralh von Geschäst«' und Fabrik.Geheimnissen beschäftigt- Dieselbe hat der Staatsanwaltschaft für die Provinz Starkenburg dar aus Grund ihrer bei den Jnteresienten ihres Bezirkes veranstalteten Enquete eingelaufene und namentlich aus der chemischen Industrie ziemlich reichhaltige thatsächliche Material nebst einem die thatsächlichen Mttheilungen ergänzenden und erläuternden Bericht der Secretärr und einem Gutachten überreicht, welch' letzteres in der Sitzung vom 21. Mai nach eingehender Vorberathung sestgestellt wurde. Dieses Gutachten bezeichnet den Erlaß strafrechtlicher Bestimmungen gegen den Verrath von Geschäfts- und Fabrik- Geheimniffen als eine nothwendige Ergänzung der zum Schutze der gewerblichen Eigenthums bereits bestehenden Patent- und Musterschutz-Gesetzgebung als dringend münschenswerth, damit der Fabrikant in denjenigen Fällen, in welchen er die Concurrenz, wegen der naturgemäßen Begrenzung der Wirksamkeitrbereicher der Musterschutz- und Patent-Gesetzgebung, nur durch Geheimhaltung von der Mitbenutzung seines geistigen bezw. gewerblichen Eigenthums aurschließen kann, den ersorverlichen Schutz gegen Vertrauensmißbrauch seinen Arbeitnehmer bezw. gegen Verleitung der letzteren zum Verrath von Fabrik-Geheimniffen finde. Den Schutz der kaufmännischen Geschäfts-Internen will die Handelskammer der privatrechtlichen Haltbarmachung vorbehalten wissen, während sie hinsichtlich de» Verraths von Fabrik-Geheimniffen oetaillirte Vorschläge strafrechtlichen Inhalt» macht. Unter allen Umständen will sie die ausdrückliche Verpflichtung zur Geheimhaltung als Grundlage genommen wissen, auf der da» Reat eines dolosen Vertrauens- mißbrauch» event. müsse construirt werden können; auch hält sie ausreichende Bekanntqebung des Gesetzes in allen Arbeitsräumen für nothwendig. Eine Definition de» Begriffes Fabrik-Geheimniß im Gesetz hält sie für unmöglich; das räffe wie es auch bei Erlaß der Patent- und Musterschutz-Gesetze geschehen, der Praxi'» und der Rechtspreschung überlaffen bleiben; dagegen bezeichnet sie eine möglichst alle Fälle des vorkommenden Verrathes von Fabrik-Geheimniffen in aeneralisirter Form in'» Auge fassende Umschreibung als äußerst wünschenSwerth. In letzterer Hinsicht werden schließlich einige Gesichtspunkte aufgestellt, welche sich aus den Verrath von Fabrik»Geheimniffen und die Verleitung zu dem- eiben u s w. beziehen und die auch die schwierige Frage des Austritts eines unter contractlicher Verpflichtung verbleibenden Arbeitnehmers, unter voller Wah- rung der materiellen Interessen de» Letzteren, gebührend berücksichtigen. — In den letzten Tagen hat die Handelskammer eine Rundfrage wegen der geplanten Berliner Ausstellung veranstaltet. Allzuviel Stimmung für da» Unternehmen scheint hier nicht vorhanden zu sein; doch haben auch ermge ansehnliche Firmen die eventuelle Beschickung der Ausstellung m Aussicht gestM. — »n ihrer letzten Sitzung hat die Handelskammer auch die Vorschläge des Mannheimer Verein» deutscher Tabak-Industrieller in Betreff der Reform de» Markenschutzes ihrerseits zur Verabschiedung gebracht. Dre Handelskammer hält es für unthunlich, daß die bereit» geschützten Zeichen, deren Schutzfrist ab- läuft sowie auch neue Zeichen, welche ja in dem, jedem Jntereffenten zugänglichen Centralhandelsregister sür das deutsche Reich abgedruckt würden, den Mannheimer Vorschlägen entsprechend publicirt und aufgeboten werden fallen, wob« die Beruss-Genoffenschasten über die Zulassung eine» Zeichens zum Markenschutz, bezw. Dektarirung deffelben als eines Freizeichens zu bestimmen hatten. Die Organe der Beruss-Genoffenschasten seien zu anderen Zwecken gewählt und würden mit der Unfallversicherung genug zu thun bekommen. Auch wurden ihre Entscheidungen, bei denen möglicherweise nächste Concurrenten nntzuwrrken haben würden, die Interessenten eines Zeichens nicht von der Beschreitung des Proceßweges abhalten, wenn ste, was jedenfalls zurückzuweisen wäre, lucht inappellabel gemacht würden. Zudem sei ein erheblicher Mißstand tn anderen Jridustrieen nicht vorhanden, in der Tabakindustrie seien aber auf Grund des vor 10 Jahren erlaßenen Gesetzes Rechtsverhältnisse erwachsen, in welche man heute nicht mehr mit rückwirkender Krast gesetzlich eingreifen könne. Die Handelskammer hat deshalb beschlossen, die Mannheimer Reformvorschläge ihrerseits auf sich beruhen zu lassen. (Fr. Ztg.)
ießener Anzeiger
Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.
Mutige Aeil' kW üW für die reichlichen die wir als E M bett* 41»
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Ruhe ging und in ein Nebengeleis zur Aufstellung geschoben wurde. Die nächtliche Kühle mußte jedoch störend auf den Schlummer des Müden eingewirrt Haben, der beim ersten Hahnenschrei erwachte und fröstelnd sein sonderbares Schlafgemach überschaute. Glücklicherweise ging bald ein Stationsbeamter vorüber,„ der dem Bedrückten auf dessen Weheruf zur Hülfe kam. Telegraphische Anfragen bestätigten, daß die Kleidungsstücke des A. in Langendreer, wo man schon einen Selbstmordversuch vermuthet hatte, lagerten. Endlich nach bang verlebten Stunden gelangte er in den Besitz derselben und konnte ungestört und um eine unangenehme Erfahrung reicher ferner Hermaty zudampfen. < . , _, , . . , ..
- Ueber einen Unglücksfall in Wallenstadt in der Schweiz wird berichtet: „Der Jäger Lendi befand sich letzten Mittwoch Nachmittag beim sogenannten Gaistobel, zwischen Quinten und den Marmorbrücken unter Wallenstadt, auf der Flschreiherfagd. Da diese schädlichen Watvögel bekanntlich auf hohen Felsenvorsprüngen nisten, mußte Lendi, um zu den Nestern zu gelangen, sich von oben her an einem Seil über die Felswand herunterlassen. Unglücklicherweise zerriß das Seil und Lendi stürzte über die Felsen hinunter in den See. Unten am Felsen befanden sich ferne arme Frau und ein Schiffer mit einem Kahn, die auf sein Geheiß hier warteten, um ihn nut dem erlegten Wild über den See nach Hause zu führen und nun dre traurige Aufgabe hatten, statt des Wildes den armen Verunglückten aus dem Wasser zu sifchem Der Arme hatte beide Beine und mehrere Rippen gebrochen und zweifelsohne auch noch innere Verletzungen erlitten. Er starb am Donnerstag. ,
— Einen künftig ausbrechenden Krieg hofft eine neue Erfindung erheblich zu vereinfachen. Herr Lorenz in Karlsruhe hat eine neue Flintenkugel erfunden, welche die Chirurgen wesentlich interessirt, weil sie kampfunfähig macht ohne die Verwundeten im Allgemeinen fo übel zuzurichten, wie die jetzt gebräuchlichen großen Bleikugeln, und welche doch zugleich die Militärs erfreut, indem sie gestattet, mehrere Menschen hintereinander zu durchschießen. Offenbar ist es von Vortheil, das Kaliber unserer Schießgewehre klein zu machen, indem dadurch sowohl das Gewicht der Flinte, als überhaupt die Belastung des Soldaten verringert wird. Aber damit eme kleine Kugel nicht vom Stele zu sehr abweiche, muß man ihre Rotationsgefchwmdigkeit vergrößern und folglich die Zahl der Schraubenzüge im Rohr vermehren. In der Praxis gestattet die Hämmerbarkeit der Bleikugel nicht, hierin über eine gewisse Grenze-ymaus- zugehen. Das Blei preßt sich, setzt sich in die Züge uni) Derringert
Man hat der Schwierigkeit dadurch zu begegnen gesucht, daß man das Blei tn Hullen von härterem Metall, namentlich in Kupfer einkleidete. Dte Resultate wurden besser, ader das Kupfer ist theuer. Lorenz hat die Aufgabe besser gelost. Seme Kugel besteht aus einer Stahlhülle und einem Bleikern. Der Stahl ist innerlich nut einem imnnen Zinnüberzug bekleidet, um die Adhärenz des Bleies inniger zu , machen. Man gießt den Bleikern hinein, wenn die Stahlhülle noch warm ist. Die Hülle rst am Kopfe 1,5 Millimeter dick, hinterwärts am Boden nicht dicker als em Blatt Papier, ^m Moment der Explosion drücken die Pulvergase auf die Bodenhulle, erweitern sie und pressen sie in die Züge, wodurch nun das Geschoß, die Spiralen entlang gleitend, eine große Rotationsgefchwmdigkeit erhält, ohne daß sich doch Metall in den Zugen E^Man 6at mit sicher Flinte kleinen Kalibers bis 5000 Schüsse abgegeben, ohne daß eine Verschlechterung der Seele des Rohrs konftatirt werden konnte. Die Durchdringungskraft der neuen Kugel ist bedeutend. Bei den Versuchen drang das Geschoß 30 Schritte von der Mündung durch 3 Millimeter Eisen, 27 Millimeter Buchenholz und 400 Millimeter Tannenholz. Die Kugel hatte keine Veränderung erlitten und die Stahlhülse hing noch immer mit dem Bleikern zusammen. Man erklärt sich die Ueber- legenheit der harten Kugel Über Ke WW i^er
leicht daraus, daß bei letzterer ein Theil der lebendigen Kraft vernichtet wird durch die Zerquetschung des Bleies an dem Hinderniß. Beim harten Geschoß wird der ganze mechanische Effeet nutzbar gemacht. Die Stahlkugel durchdringt leicht kleine Erd sch cm z en, Ziegelmauern und Barrikaden. In militärischer Hinsicht bietet die Lorenz-Kugel demnach drei Vortheile: Geringes Gewicht, größere Durchdringungskraft und bessere treffsicherheck^ Herstellung im Großen nicht erheblich bedeutender sein
als die der Bleikugeln. Auch in humanitärer Hinsicht, soll das neue Geschoß Vorzüge haben Die Bleikugel zerquetscht sich, zerbröckelt, geht m Stucke.
Im deutsch-frmzäfisch-n richtete sie manchmal solche.Verheerungen em menschlichen Körper an, daß man glaubte, mit Explosivkugeln zu thun zu haben. Die Zerstückelung de^ Bleies erzeugt complicirte Wunden, die sehr schwer hellen. Ganz anders die Wunde beim Stahlgeschoß; sie rst hübsch ^uber em einziges WnesLoch, und die Kugel geht gewöhnlich gleich aus der anderen Seite des Körpers wieder heraus, so daß die Chirurgen nicht viel Schererei damit haben. Es muß sormkch ern Vergnügen sein, ich damit todtschießen zu lassen! Man probrrte am Kopse -m-s,P!«des die Bleikugel und die Stahlkugel. Die gemeine Bleikugel schlug sich am Strrnknochcn platt, machte ein großes Loch, ließ zahlreiche Stucke rnr Hirn und blieb Mrchhch'N der Rückwaird des Schädels stecken. Das hebe, «eme Stahlgeschoß huigeg n drang gleich durch beide Schädelwände, in denen es nur kleine Locher machte, und, suhr dann einen Meter weiter rückwärts in eine Erdschanze. Man halt sur 6
Lorenz-Kugel weit mehr Menschen ampsunsahig machen wird, als dl!l Bleikugel. denn sie kann drei Menschen, die hintereinander stehen durchschießen. Anderersirts werden die meisten Verwundungen, bei denen nicht edle Theile getrosten 'md- °erha Aißmätzig günstig verlaufen. Daher gilt dre Lorenz - Kugel als da» Zukunft» - Geschoß künftiger «rte(fe.<Sne neue Sorte von Luftkurorten für Lungenkranke wird jetzt von Dr. Morgan in Manchester empfohlen: Torfmoor. Zn der medicimschen Zertschrist „Lancet" setzt er auseinander, daß die Jnhalirimg der Lust auf Torfmooren der Oe- sundheit äußerst zuträglich sei; sie enthalte antiseptische Stoffe - Creosot Tannin — nebst verschiedenen fluchtigen Deien und Harzen. Der Lust der Torfmoor^ schreibt Dr. Morgan es zu, daß die Bewohner der Insel Skye und der Hebriden sich durch kräftige Constitution und blühende Gesundheit auszeichnen und insbesondere von Lungenkrankheiten gänzlich verschont sind, obwohl, sie in armseligen Hutten wohnen, die nur einen Eingang für die Menschen wie für die Thiere haben und im Innern von Rauch und Gestank erfüllt sind. „ . -
— (Ein guter Schutzherr.s Ans eurem Baume m der ^ammvorstadt in Frankfurt a. d. O. nistet ein Storchpaar, das bereits für stmge Brut zu sorgen bat Unterhalb des Nestes hat ein Sperlingspaar sich eingerichtet. Das erschaute eme Katze und kletterte den Baum hinauf, die junge.Sperl.^gsb^tals^ ^illkonimene Beute 'n erfaifen fterr Storeb auf einem Beine un Neste stehend, sah diesem Beginnen ruM aber auft7erksam zu. Als die Katze auf dem obersten Aste war, bog sich der Storch aus dem Neste, faßte die Katze mit dem Schnabel am Halse, hob sie mte Höbe und ließ sie zur Erde fallen. Freilich geschah ihr damit kem Schaden, aber wiederkommen wird sie wohl schwerlich, denn furchterfüllt schoß sie in wilden Sätzen davon.
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Witten. Eine ergötzliche Geschichte wird hier von einem Passagier Namens 21.
B. erzählt, welcher vor einigen Tagen früh Morgens nach Dortmund gefahren war um in der Nähe Geschäfte abzuwickeln, bei welcher Gelegenheit er sehr tief in's (Mas geschaut haben muß. Am Abend benutzte er den letzten in der Richtung nach 1 Äsen fahrenden Personenzug zur Rückkehr in die Heimath. Als die Locomotive ihr Signal ertönen ließ, glaubte er dort angekommen zu sein, stieg aus dem Wagen und verließ seiner Meinung nach den heimathlichen Bahnhof. Thatsächlich war,, er jedoch Bereits in Langendreer ausgestiegen, gerieth bei Umgehung des Stationsgebäudes aus ' dem dahinter stehenden, anderthalb stunden spater nach Witten abgehenden Nachtzug, dessen Waggons er für Häuser gehalten und in einem derselben sein eigenes Wohn- bmus erkannt haben muß. Er stieg dann, auch m em Coups 4. Klasse, schlug die ; Tlhüre hinter sich zu und begann, da er sich in 1 entern Schlafftubeneabmet zu befinden ve rmeinte, sich auszukleiden, wobei er in dem „guten Glauben, seme Sachen m den I Miderschrank zu hängen, zunächst das Handgepäck, dann, em Kleidungsstiick nach dem amdern nebst Uhr und Kette, Hosen, Sstunm.e und Stiefel durch das dem Perron eirig eg en gesetzte Wagenfenster hindurchschob Sanmitliche^Gegenstände sie en neben das .Bwhngeleise und blieben im Dunkel der Nacht unbemerkt liegen. Behaglich streckte A. sich aus und sank Gott Morpheus in die Arme. Da er dicht an derThme, unterhalb de»s Sehwinkels lag, wurde er von dem die Coups s reoidlrendeit Schaffner nicht b- meerft und von Langendreer nach Witten mit abgefahren, woselbst oer Personenzug
V' r. 35 enthält: Jinan von A. v- d. N Die Taufpatin, k. slschütter. - Odßü! Seidel. - Gustav 5: rat und sechs Zllch n Pranishnikoff. - & chaus auf Honkong. Ä Tratte für's Luthqß Ion Scopolb Witte- - j: Hauswirthschaf!!^
des HaiubuM Ä Leender PapimM fc i unserer Spto- rirten Beilage:^ dm - Umschau in M MM


