Universität- Chronik.
— Professor Dr. Semisch zu Berlin wird zu Ostern k. I. sein fünfzigjähriges Doccnten - Jiibiläimi feiern. Derselbe steht noch in voller Manneskraft unb ferne Vorlesungen üben eine starke Anziehungskraft aus; gleichwohl will em umlaufendes Gerücht wissen, Professor Semifch gedenke nach der Feier fernes ^ubrlaums in den Ruhestand Stürzinger, Privatdoccnt für romanische Philologie an der Universität Bonn, ein geborener schweizer, hat einen Ruf an das Bryn. A awry Coll.m Philadelphia erhalten und angenommen. Sturzmger rft der erste deutsche Romarnst, der als Professor nach Amerika geht. , , cm *
— Professor Schweningerj gibt eine Sammlung älterer und neuerer Werke heraus, die in der medicinischen Buchhandlung von Th. sicher in Berlin (Dorotheen- ft>6c)ln ^Ärl°"d und Cambridge haben der deutschen
Kaiserin ein Eremvlar der rcvidirten Bibel durch den Caplan der englischen Kirche ui Lttn Archibald Wh ite , Überreifen lassen. Die Bibel trägt salzende Jnschris.: Dieses Cremplar der ersten Ausgabe der reoidirten englischen Bearbeitung der heiligen Bibe wurde der deutschen Kaiserin von den Universitäten Oxford und Cambridge überreicht A. D. MDCCCLXXXV." Die Kaiserin hat den Gebern der B»el m einem aus Baden-Baden vom 13. Juni datirtcn Schreiben ihren Dank für das werthoollc («elchcn^abgest°N-t ; 3(uf ben ,cl<.gravhischen Gruß an Se Mas. den Kaiser Seitens i>e - am »origen Sonntag in Atarburg. versammelt gewe enen Marburger, Gi Heuer und Göttinger Professaren erfolgte rrn Allerhöchsten Auflage d-e Antwort dast das Telegramm Allerhachstdemselben hohe Freude bereite habe und er den versammelten Universitätslehrern besten Tank für diese Ovation dreier deutscher Hoch- schulen aussprecke.
Lokale-.
G. Giesten, 2. Juli. lSterblichkeit in Gießens Die Zahl der Todesfälle erhöhte sich während der Woche vom 21. bis 27. Juni auf 9 und Hw ar wurden 2 Minder und 7 Erwachsene betroffen. Beide Kinder starben m noch zartem Alter an allaemeiner Abzehrung. Von den Erwachsenen starb je eine Person an Lungenschwino- sucht, Lungenentzündung, Schlagsluß, Gehirnerweichung, Altersschwache Em Mann erlag ben Folgen der Verletzungen, die er im Bergwerke durch einen Herabsturzenden Stein erlitten und in einem Falle fonnte eine bestimmte Todesursache nicht naher an- gegeben werden.__ __
Vermischte-.
Alsfeld Bei dem Gewitter, was sich am Freitag Nachmittag über unserer Gegend entlud, beschädigte der Blitz einen Gartenzaun in der Hohft indem er einige hatten abriß und sie in einer Unmasse von Splittern weit über das Gelände verbreitete. Jii unserem benachbarten Eifa setzte der Blitz zuerst em an der Giebelwand einer Scheuer etwas heraushängendes Gebund Stroh in Brand, nahm dann feinen Lauf m den daranstoßenden Stall und erschlug drei Stück Großvieh. Das Feuer konnte gluck- licherw^uvch recht,estigigeloMst werdMmittag 4 J?g ci„ ^ftigeS ©eroitter, welches uns außer einem wolkenbruchartigen Regen auch einen heftigen Hagelfchlag brachte, über die Stadt und Umgegend. Viele Straßen wurden wieder unter Wasser gefetzt. Ob der Hagel auch auf ben Feldern Schaden verübt hat, konnte zur Zelt bei Absendung dieser Correfpondenz noch nicht conftatirt werden.
Hanau, 27. Juni. Gestern entlud sich gegen halb 4 Uhr em schweres Gewitter über unserer Stadt und nächster Umgebung. In der Villa des Herrn Walz brannte kurz nach einem Blitzschläge die Gasleitung über der Kuchenthur, An dicstr Stelle lauten einige Telephondrähte über das Gasrohr und vermuthet man, daß der Blitz außerhalb des Hauses in die Telephonleitung einschlug, das Gasrohr durchschmolz und das Gas entzündete. Ein Glück war es, daß die Gartner sich vor dem Wetter gerade in den Hausflur geflüchtet hatten und den Brand gleich gewahrten. Dieselben warfen einen nassen Lumpen auf das Feuer, stellten den Haupthahn ab und verhüteten so weiteres Unglück. — Während des Gewitters waren vier Heubauern mit ihren leeren Geschirren von Frankfurt kommend auf dem Heimwege begriffen: dieselben fuhren, wie gewöhnlich, dicht hintereinander. Als der zweite Wagen, dem Bauer Diez von Rohrbach gehörig, eben die Kreuzung der Frankfurter Chausse und der Kastanieii- allee passirte, fuhr ein Blitz nieder, durchschnitt an beiden Pferden die sogen. Auf- fTtthnltf». warf die Pferde rechts und links zu Boden und zertrümmerte den ganzen
Wagen. Ter Manu selbst fiel vom Wagen herunter und kam wunderbarer Weise mit dem Schrecken davon. Durch rasch herbeigeeilte Leute von Kesselstadt gelang es, das eine Pferd sofort auf die Beine zu bringen, das zweite wurde aber erst nachdem Herr Kreisthierarzt Collmann erschienen war, wieder soweit hergestellt, daß es unter beständigem Zittern seinen Weg fortsetzen konnte. Hoffentlich werden sich beide Thiere wieder erholen, damit der Fuhrmann, welcher sehr arm sein soll, keinen größeren Schaden erleidet. An dem dritten Geschirr wurden ebenfalls die Aufenthalte der Pferde wie mit einem Messer durchschnitten und die Thiere rechts und links an den Wagen geworfen, jedoch ohne weiteren schaden zu nehmen. (Sin 10—15 Zentimeter im Durchmesser großes Loch auf der Chaussee zeigte die Stelle, wo schließlich der Blitz in die Erde schlug. — Ein dritter Schlag fuhr in schräger Richtung vom linksmainischen Ufer aus in die Dechert'sche Schwimmanstalt, durchriß die mitten in derselben angebrachte dicke Kette und fuhr in einen diesseitigen Ponton, löste dort alle an demselben befindlichen Ciientheile ab und machte denselben dadurch leck. Sofort begann dieser Thcil der Anstalt zu sinken. Mil großer Anstrengung gelang es schließlich, dieselbe wieder zu heben unb ben schabhaft gewordenen Ponton durch einen großen Kahn zu unterstützen, so daß jetzt jede Gefahr wieder beseitigt ist. Das Gewitter war von Hagel begleitet, jedoch haben die Hasclnußgroßen Eisstücke keinen großen Schaden verursacht.
— Einer Meldung aus Kopenhagen zufolge hat sich der Socialdemokrat v. Vollmar am 15. Juni mit Fräulein Julia Kjölberg aus Stockholm civil trauen lassen. Die Dame soll mehrfache Millionärin sein.
Eingesandt.
Wir machen die Freunde des Thier schütz Vereins, sowie die Polizeibehörde auf bie Steinfuhren aufmerksam, die jetzt täglich nach dem Bauplatz der neuen Kaserne am Trieb angefahren werden. Wir sahen gestern, wie große, mit den ' schwersten Steinen beladene Wagen ohne das, bei aufsteigender Höhe nöthige Vorspann, nur von zwei, ja sogar nur von einem keuchenden und ermatte- den Pferde gezogen wurden. Wir meinen, hier Hütte der Thierschutzverem eine ebenso naheliegende wie segensreiche Pflicht zu erfüllen, indem er solche Thierquülereien wer hüten hilft. Ein Mitglied des Thierfchutzvereius.
Literarische-.
— T. U. Z. Diesen geheimnißvollen Titel führt eine, in der ersten Juli- nummer der seit Januar in Berlin erscheinenden, echt volksthümlichen Zeitschrift ^Was Ihr wollt!" beginnende hochinteressante Geschichte „aus den Papieren eines alten (Sriminal beamten", die, wie wir verrathen dürfen, die intimsten Pfade des Verbrechens enthüllt. Das Mannscript derselben, das der Oeffentlichkeit aus Rücksichten besonderer Natur vorenthalten werden sollte, gelangte durch Zufall aus einem Nachlaß in bie Hände der Verlagshandlung, die es nunmehr zu publiciren sich entschlossen hat. Da das Vierteljahrsabonnement auf das genannte Blatt (bei allen Buchhandlungen und Postanstalten) nur 1 JL beträgt, so dürfte die Lectüre dieser Enthüllungen Jedermann zugänglich sein. „Was Ihr wollt!" gehört übrigens schon heute durch die Vorzüglichkeit seines Inhaltes zu den meist gelesenen Blättern, obwohl es erst auf ein Halbjahr des Erscheinens zurückblickt._________
SchiffSn ach richt en.
Bremen, 29. Juni. [$er transatlantischen Telegraph.) Der Postdampfer Elbe Capt. F. Hamelmann, vom Norddeutschen Lloyd in Bremen, welcher am 17. Juni von Bremen und am 18. Juni von Southampton abgegangen war, ist am 27. Juni, 3 Uhr Nachmittags, wohlbehalten in Newyork angekommen.
— Ein Künstler-Concert eigener Art findet nächsten Sonntag in Pöschels Bierhalle statt. Die ungarische Zigeuner-Capelle Urban Cuszon, welche in Frankfurt, Hanau und Soden Concerte giebt, wird am obigen Sonntage hier ein einmaliges National- Concert mit Gesang und Tanz geben. Es ist dies die einzige ungarische Capelle, welche Damen Gesang und Tanz in ihrem Programm aufgenommen hat, und somit läßt sich daS genannte Concert als außerordentlicher Kunstgenuß empfehlen, möge daher Niemand versäumen, da die Truppe nur dieses Eine Concert geben kann.
Temperatur der Lahn und der Lust
nach Reaumur gemessen am 2. Juli, zwischen 11 und 12 Uhr Mittags. Wasser 15Va°, Luft im Schatten 15°.
L. Chr. fR übfamen, Turn- und Schwimmlehrer.
Oimhesßslhe Eisenbahnen.
Freitag -en 3. Juli, Nachmittags 3 Uhr, soll ein der Oberhessischen Eisenbahn gehöriges Grasstück im Riegelpfade dahier, 2030 qm groß, für das laufende Jahr an Ort und Stelle meistbietend verpachtet werden.
Gießen, den 1- Juli 1885.
Der Eifenbahnbaumeister.
4865__________ Stegmayer._____
Bekanntmachung.
Der Landwirth Konrad miiUer XX. von Langr GöuS ist als Verschwender entmündigt und als Curator desselben Heinrich Brückel II. bestellt worden-
Die Gläubiger des Konrad Müller XX. werden aufgefordert, ihre Forderungen zum Zweck gerichtlicher Vermögens - Regulirung binnen 14 Tagen am Amtsgericht Gießen einzureichen.
Gießen, den 17. Juni 1885.
Großh. Amtsgericht Gießen- __________Müller. 4622
Heule den 3. Juli 1885,
Mittags 2 Uhr,
Fortsetzung der Versteigerung im W. Seibert'schen Local.
Es kommen hierbei neben Klein- eisenwaaren auch 2 große Hängelampen, 1 gutes Bett, Comptoirpult, Werkzeugkasten, Laubsägeholz zum Ausgebot.
F. Hoffmann, 4889 Conkursverwalter.
Allgemeiner Anzeiger.
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11. IlHt>8<imen.
TEUTONIA,
5Ug.«tnttn-, Kapital- u. ftbtnsntt|id)trungabank in fcipjig,
errichtet 1852.
Einrichtung der steigenden Dividende. Folge davon : Fortgesetzte ®™iebrigung ber Beitragszahlungen bei zunehmendem Alter. Die Dividende für das Jahr 1884 betragt beispielsweise für die Versicherungen mit Dioidendeberechttgung - welche abgeschloffen roUrb6n im Jahre 1873: 29,93 Procent der Jahresprämie „ „ 1863: 57,14
„ „ 1853 : 84,35 „ * , - . r .
Dabei sind die Prämien von vornherein wesentlich niedriger als bet anderen Gesellschaften für Versicherungen mit Anspruch auf Dividende.
Alles Nähere aus den Statuten und Profpecten4ol5 Qur Vermittelung von Versicherungen empfiehlt sich die Hauptagentur von Ferd. Hoffmann m Gießen.
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Niederlage in Gießen bei Earl Tchmaah und H. Äioftl, Condttorer.
Arbeitsversteigerung.
Montag den «. Juli d. I.,
Vormittags 9 Uhr, sollen nachstehende, im Freiherrlich von Nabenau'schen Oberdurger Hof dahier vorkommende Arbeiten an die Wenigstnehmenden in Accord gegeben werden, nämlich: «M.
1. Maurer- u. Weißbinderarbeit
im Betrage von 130
2. Zimmerarbeit im Betrage von 20 3. Dachdeckerarbeit (Umdecken
von Ziegeldächern) im Betrage von 44
4. Schreinerarbeit im Betrage von 63 5. Schlosserarbeit im Betrage von 35
Londorf, am 30. Juni 1885.
Der Bauverwalter 4875. Unger.
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