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und
lich ungerechtfertigt, da derselbe in jener turbulenten Versammlung nicht allein de« Pottzeibeamlen nicht tnsult'rt, sondern geradezu geschützt habe. Die soctaldemokrattschc Partei, so erklärten die Redner, werden gegen eine Gesetzgebung ankämpftn, welche hunderttausende von Mitbürgern zu Bürgern zweiter Klosse stempele und der gegm- über dte soctalreformatortschen Ideen des Reichskanzlers in etgenthümltchem Lichte
Minister v- Puttkamer empfiehlt der socialdemokratischen Partei, in gesetzmäßige Bahnen etnzulenken, daun wird auch eine Aufhebung der Ausnahmegesetze möglich sein. Der Minister wetst darauf hin, daß die Zahl der Soc'aldewokrattn gar nicht so erheblich zugenommen habe, und Abg. o. Köller fügt dem noch später hinzu, daß auch andere alS socialdemokrotische Stimmen ouS bestimmten Gründen auT die Kandidaten dieser Parteien abgegeben worden seien. Was den Stadtverordneten Ewald betrifft, so sei dieser in beispiellos provokatorischer Weise vorgegangen und habe dte Gefahr auf sich heraufbeschworen. , m r
In einer weiteren Entgegnung dem Abg. Frohme gegenüber, besten Behauptung, daß die preußische Regierung Agents provocateurs unterhalte, wirft der Minister der Partei vor, daß sie die Gemeinschaft mit den Anarchisten nicht werde ablehnen lönvev, den« ihr in Zürich erscheinendes Organ Hube die Ermordung deS PoltzeirathS Rumpff in Frankfurt a. M. geradezu glottficirt. ~
Abg. Liebknecht (Soctaldemokrat) verwahrt sich in energischer Sprache gegen diese Aussührungen des Ministers. Hödel und Nobtling, dte gar nicht zu seiner Partei gehört, seien nur ein Dorwand für das Socialtsteugesetz gewesen. Schon vor Jahren habe er erklärt, die Regierung arbeite nicht allein pro nihili, sondern auch pro nihilisimo, da« habe der Mord in Frankfurt bewiesen. Noch einer das ganze Haus sichtlich anregenden Erörterung der Bedeutung von Anarchismus und SocialtSmuS, verwahrt er sich gegen dte Behauptung des Ministers bezüglich der Seelenverwandt- schäft seiner Partei mit den Anarchisten.
Zwischen dem Abg. Singer (Soctaldemokrat), Lenzmann (Demokrat) einer- settS und dem Abg. Richter andererseits fand noch ein Wortgeplänkcl übrr dte letzte Abstimmung über das Soclaltstengesetz statt. Abg. Richter betonte, daß keine „Ab- kommandtrungen" seitens des Vorstandes seiner Partei stattgefunden haben, und daß, wenn selbst alle Mitglieder derselben zugegen gewrsen wären, daS Gesetz seiner Zett dennoch angenommen sein würde. Stände diese Sache noch einmal zur Entscheidung, so würde ein Votum für die Verlängerung des Gesetzes mit der ferneren Zugehörigkeit zu der deutschfretfinnigen Partei unvereinbar sein.
Nach einer Fluth persönlicher Bemerkungen wurde dte Sitzung geschlossen; die nächste Sitzung finyet am Dienstag statt.
Telegraphische Depeschen.
Wolffs telegr. Correspondeirz - Bureau.
Paris, 1. Februar. Der „Agence Havas" wird aus Chuadman vom 30. Januar, Vormittags, gemeldet: General Briöre de l'Jsle ist gestern Abend mit seinem Generalstabe hier angekommen. Die Concentration der Truppen, deren Gesundheitszustand ein ausgezeichneter, ist beendigt.
London, 1. Februar. General Wolseley telegraphirt aus Korti von heute, daß die Avantgarde des Generals Carle am 30. Januar 7 Meilen von Birti eingetroffen sei und daß die Concentrirung der Kolonne an diesem Punkt? morgen werde bewerkstelligt werden. General Carle hoffe, gegen den Feind, welcher eine starke Stellung bei Birti einnehme, am 3. Februar vorgehen zu können.
New-Aork, 1. Februar. Zu Pittsburg hat eine Gas-Explosion stattgesunden, durch welche mehrere Häuser beschädigt und mehrere Personen getödtet oder verwundet wurden.
Rücken; ziemlich schwer.
5) Matrose Kuhnert („Olga"), Schußwunde am lmken Oberarm
3) Matrose Bugge („Olga"), Schuß durch das linke Scheitelbein Gehirn; tödtlich verwundet; in der Nacht gestorben.
4) Matrose G lud au („Olga"), Schußwunde am linken Oberarm und
Deutschland.
Berlin, 31. Januar. Der Kaiser nahm militärische Meldungen und Vorträge entgegen und machte in der zweiten Nachmittagsstunde wiederum eine Spazierfahrt.
Hannover, 31. Jan. Zufolge einer von einem provisorischen Comitö ergangenen Einladung fand heute hier unter dem Vorsitz des Landesdirectors Herrn v. Bennigsen eine Versammlung statt, welche wegen der dem Fürsten v. Bismarck an seinem bevorstehenden Geburtstage darzubringenden Ehrengabe derieth. Es wurde ein definitives Comit6 eingesetzt und ein Ausruf zur Vornahme von Sammlungen beschloffen und von den Anwesenden alsbald unter- | zeichnet. Die Versammlung war von Mitgliedern der verschiedensten Parteien ’ und von Männern aus den verschiedensten Lebensstellungen besucht.
Heftcrreich.
Wien, 31. Januar. Eine auf heute anberaumte Arbeiterversammlung deren Tagesordnung „Arbeiter- und Socialistengesetz" lautete, ist behördlich verboten worden.
— Der zwanzigjährige Eijenvreher Thomas Tiefenbacher aus Kärn- then, welcher der Theilnahme an den jüngsten Dynamit-Attentaten in der Wiener Neustadt dringend verdächtig ist, wird steckbrieflich verfolg;. Man vermuthet, derselbe sei unter falschem Paffe nach der Schweiz geflüchtet.
Arankreich.
Paris, 31. Jan. Im Gegensatz zu anderweitigen Meldungen überden Vertrag der Mächte betreffs Egyptens, insbesondere betreffs proportioneller Garantie einer Anleihe sagt die „Ag. Hav.", die Anleihe werde von den Mächten nicht nach Maßgabe ihrer Interessen an den egyptischen Angelegenheiten garantirt. Die Garantie werde vielmehr eine collective, solidarische, ungetheilte sein; auch schiene man geneigt, die bprocent. provisorische Couponssteuer den egyptischen Gläubigern zurückzuerstatten, falls die Enquete-Commission die Ueberzeugung gewinne, daß der Zustand der egyptischen Finanzen ein solches Opfer von den Gläubigern nicht erheische. Die Frage der Daira-Domänen werde Gegenstand einer besonderen Vereinbarung zwischen England und Frankreich sein, die dabei allein interesfirt seien. Die einzelnen Punkte der Vereinbarung seien noch zu discutiren, im Princip scheine bis jetzt nur anerkkannt, daß die Daira-Verwaltung und die Domänen-Lerwaltung gesondert fortbeständen.
Marseille, 31. Januar. Die Regierung miethete die beiden Schiffe „Halabah" und „Suez", um durch dieselben 4500 Tonnen Kohlen nach Pondichery schaffen zu laffen. Die Abfahrt der Schiffe erfolgt am 25. Februar.
England.
London, 31. Januar. Gegen den in Derby als Dynamitarden Verhafteten, Namens Newbold, sind weitere Verhandlungen eine Woche vertagt.
Stoßen.
Rom, 31. Januar. Der „Moniteur de Rome" glaubt zu wiffen, daß zwei italienische Erzbischöfe den Cardinalshut erhalten werden.
Rücken; ziemlich schwer. , L . c „ , m ,
6) Matrose Krüger („Olga"), Schußwunde m der linken Brustsette; schwer.
7) Matrose Meier („Olga"), Streifschuß am Halse; unerheblich.
8) Matrose Lewerentz („Olga"), Schuß in der rechten Backe; leicht.
9) Obermatrose Schlosser (Bismarck"), Bruch des rechten Vorderarmes durch einen Fall.
Bekanntmachung.
Es haben in letzter Zeit im kaiserlich deutschen Schutzgebiet von Kamerun mehrfach anscheinend durch Fremde angestistete Ruhestörungen stattgesunden, welche schließlich die Entfaltung militärischer Gewalt zu meinem Bedauern erfordert haben. r
Da es der bestimmte Wille der kaiserlichen Regierung ist, die erforderliche Ruhe und Ordnung in diesem Lande unter allen Umständen herbeizuführen und aufrecht zu erhalten, so erkläre und mache ich hierdurch öffentlich und amtlich allen Einwohnern bekannt, daß von diesem Tage ab jeder Ruhestörer, gleichgültig von welcher Nationalität, die sofortige Ausweisung aus dem kaiserlichen Schutzgebiet von Kamerun zu gewärtigen hat. Im Falle der erwiesenen mittelbaren oder unmittelbaren Theilnahme an den Operationen der feindlichen Negerstämme werden dieselben als Feind behandelt werden. Bis auf Weiteres verbiete ich jeglichen Verkauf von Waffen und Munition.
King-Bell-town, den 21. December 1884.
Knorr,
Contre - Admiral und Chef des westafrikanischen Geschwaders.
Vermischtes.
— Das Vorkommen von Viehseuchen im Großherzogthum Hessen während deL Monats December 1884:
Rotzkrankhstt: Ja Dorndürkhsim, im Kreise Worms, steht ein Pferd wegen Verdachts Der Seuche unter Stallsperre und zwei Pferde desselben Besitzers wegen Verdachts der Ansteckung unter poltzeiltcher Beobachtung. In Jugenheim, tm Kreise BenShrtm, stehen 11 Pferde eines Besitzers wegen Verdachts der Ansteckung unter polt- zrilicher Beobachtung. Constattrt wurde dte Rotzkrankhett am 26. December bei einem LetnreiterSpferd in Hainstadt, im Kreise Offenbach. Dieses Pferd wurde am 29. December getödtet. Ein anderes, demselben Besitzer gehöriges Pferd wurde wegen Verdachts der Ansteckung uuter polizeiliche Beobachtung gestellt. Am 29. December wurde bet den 2 Pferden eines Lernretters in Klein-Krotzenburg, im Kreise Offenbach, die Seuche constattrt. Bet einem wetteren Leinreiter daselbst ergab sich an demselben Tage der Verdacht der Seuche bet einem Pferde, über das andere Pferd desselben Besitzers wurde polizeiliche Beobachtung angeordnet. DaS Pferd eines dritten LetnreiterS in Klein-Krotzenburg wurde als der Seuche verdächtig befunden. Die drei Besitzer der rotzigen, bezw. verdächtigen Pferde in Klein - Krotzenburg hatten mit demjenigen von Hainstadt auf den Letnfahrten zusammen eingestellt.
Milzbrand wurde constattrt: In Birklar, im Kreise Gießen, bei einem cre- ptrten Rind; tn Klein-Linden, tm demselben Kreise, bei einem cccpirten Pferde; in Gambach, Osthetm und Kirch-Göns, im Kreise Friedberg, bei je einem Rtndvtehstücke; tn Michelstadt, tm Kreise Erbach, bet einem geschlachteten Schweine.
Lvngenseuche: Wegen Verdachts der Ansteckung stehen unter polizeilicher Beobachtung: 2 Kühe in Httzkrrchen, im Kreise Büdingen, und 2 Rinder in Rheindürkheim, tm Kreise WormS. In beiden Fällen war die Seuche tm Auslande con- statirt worden. Am 9. December wurde die Seuche tn Ktrschhausen, tm Kreise Bensheim, bei 2 getöbteten Rindern constattrt. Drei weitere, dec Ansteckung verdächtige Rinder desselben Besitzers wurden am 30. December geschlachtet.
Die Maul- und Klauenseuche wurde im Monat December festgestellt i« den Orten Dalheim und Ludwigshöhe tm Kreise Oppenheim; tn Alsheim, tm Kreise WormS; tn Nteder-Jngelhetm, tm Kreise Bingen; tn Alzey, tn Essenheim im Kreise Mainz, bei Rindvieh und auf dem Viehhof in Mainz bet mehreren Schweinen eines aus Nürnberg angekommenen Transports.
Der Bläschenausschlag tn AngerSbach, im Kreise Lauterbach, ist erloschen» Auch in Stammheim im Kreise Friedberg, wo die Seuche Anfangs des Monats December constattrt wurde, ist sie wieder erloschen. In Pfaffenschwabenheim, tm Kreise Alzey, wurde die Seuche am 24. December bei zwei Bullen in einem und mehreren Kühen in vier Ställen festgestellt. In Nieder - Roßbach, tm Kreise Friedberg, wurde sie am 25. December bei einem Bullen und fünf Kühen in zusammen 5 Stallungen constattrt.
Die Räude herrschte noch, bezw. wurde festgestellt während des Monats December in den Orten Merlau, Udenhausen und Eulersdorf im Kreise Alsfeld, tn den Orten Hörgenau, Engelrod, Stockhausen und Maar, tm Kreise Lauterbach, in den Orten Bergheim, Dauernhetm Wenings und Wallernhausen, im Kreise Büdingen, tn den Orten Ulrichstein und Michelbach, tm Kreise Schotten, in den Otten Nteder-Wöllstadt und Wölfersheim im Kreise Friedberg.
Mannheim, 31. Januar. Soeben durchläuft die Nachricht von einem schweren Verbrechen unsere Stadt. In der Nähe des Quadrats R. 6, in dem sich eine Reihe öffentlicher Häuser befinden, auf dem Terrain einer erst kürzlich eröffneten Straße, wurde heute früh mit dem Tagesanbruch ein etwa 30 Jahre altes Frauenzimmer ermordet aufgefunden. Die Getödtete hatte einen Stich in die linke Brust erhalten; der Tod schien bereits seit mehreren Stunden eingetreten zu sein. Die Leiche, welche gut j gekleidet war, konnte bis jetzt nicht recognosctrt werden, doch ist anzunehmen, daß die Ermordete nicht hier wohnhaft war. Die Untersuchung ist in vollem Gange, dte Leiche hat man nach amtlicher und ärztlicher Befichttgung gegen V-IO UHr nach dem städtischen Friedhöfe verbracht.
Mannheim, 31. Januar, lieber den Ihnen bereits heute Vormittag gemeldeten Mord schwebt bezüglich des ThäterS bis jetzt noch völliges Dunkel. Die Gemordete ist nunmehr recognoScirt als die unverheirathete 32 Jahre alte Margaretha Ries aus Weisenhetm am Sand (Pfalz). Dieselbe war bis Ende November hier im Dienst, seit jener Zett auswärts bei Verwandten und ist feit einigen Tagen nach hier ' zurückgekehrt. Gestern Abend ist die RieS mit einem bis jetzt nicht herauSgefundenen
Berlin, 31. Januar. (Reichstag.) In der heutigen Sitzung des Reichstags wurde zuerst die Berathung über das Unfallverstcherungsgesetz für die land- und forst- wirthschafll chen Arbeiter fortgesetzt. Abg. v. Helldorf (cons.) hebt einige Bedenken, dte er gegen dte Vorlage hat, hervor, so namentlich die schwierige Feststellung deS Begriffes Betrieb, was bei der Landwirthschaft sehr schwierig fei. Trotz alledem lege der Großgrundbesitz auf das Zustandekommen deS Gesetzes den allergrößten Werth und werde die verlangten Opfer gerne tragen.
StaatssecretSr v. Bötticher findet, daß eigentlich alle Redner an der Vorlage zu tadeln gehabt hätten, die Regierung glaube indessen wohl daran zu thun, die Unfallversicherung auf alle landwirthschaftltchen Arbeiter auszudehnen; der landwirthschaft- liche Arbeiter hat denselben Anspruch auf unsere Fürsorge wie der industrielle. Der Minister hofft noch in dieser Session auf daS Zustandekommen der Vorlage, die vorerst an eine Commission von 28. Mitgliedern verwiesen wird.
DaS Schicksal deS zweiten Gegenstandes, die Berathung der Berichte über die Ausführung des Socialisten-GefetzeS, war vorauSzufehen. Einige Soctaldemokraten dringen Beschwerden vor, der Minister widerlegt dieselben, unter Schilderung einiger Ausschreitungen der Partei, man revlicirt darauf und dann ist die Diskussion erledigt, ohne einen irgendwie greifbaren Erfolg zurückzulassen.
Abg. Singer, wie Frohme (Socialdemokraten) verwahrten ihre Partei dagegen, daß sie irgendwie Gemeinschaft mit den Anarchisten hätten, beschwerten sich über ungerechtfertigte Verbote von Versammlungen und Auflösung solcher während der Aahlbewegung. Die Ausweisung deS Stadtverordneten Ewald aus Berlin fei gänz-
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