Einzelbild herunterladen

98 Dienstag den 3. Februar 1885

Gießener Anzeiger

Amts- und Anzeifledlatt für drn Kreis Gießen.

Bert** : Schulftraße 7.

Erscheint tiglich mit Ausnahme des Montag»

Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Ps mit Bringeriohn.

Durch die Poft bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf.

Gießen, am 2. Februar 1885.

Betreffend: Die Waisenbüchsengelder.

Kosten nicht veranlassende Gelegenheit.

Dr. Boekmann.

Gießen, am 2. Februar 1885.

Betreffend: Das Ersatzgeschäst für 1885.

Das Großherzogliche Kreisamt Gießen

an die Grotzherzoglichen Bürgermeistereien des Kreises.

Wir fordern Sie auf, nunmehr mit Aufstellung der Stammrollen sofort zu beginnen und dieselben mit denjenigen für 1883 und 1884 $ Hierbei wollen Sie die dem Formulare vorgedruckte Anmerkung genau beachten, insbesondere alle Bestrafungen rc. unter RubrikBemerkungen Falls ein Bruder eines Militärpflichtigen schon im Heere dienen sollte, wollen Sie dies in der Stammrolle bemerken.

Reklamationen sind baldigst einzureichen bezw. die aus früheren Jahren zu erneuern.

Dr. Boekmann. ________________________________________

Das Großherzogliche Kreisamt Gießen

an die Grohherzoglichen Bürgermeistereien des KreiseS.

Unter Hinweis auf unser Amtsblatt Nr. 3 vom 10. Februar 1877 erinnern wir Sie an Einsendung der Waisenbüchsengelder und zwar durch eine

Betreffend Die Enteignung eines dem Christian Ban ja zu Gießen zugehörigen Nebenhauses nebst Gelände zu Gunsten der Stadt Gießen.

Bekanntmachung.

Nachdem die Stadt Gießen Zwecks .Herstellung der Baufluchtlinie die Einleitung des Enteignungsverfahrens wegen eines dem Christian Bansa ui Hießen zugehörigen Nebenhauses nebst Gelände in der Nordanlage zu Gießen, Flur 40, Nr. 1 und 2, beantragt hat, io wird diesem Antrag h^rdurch flattgegeben, demgemäß der Plan nebst Eingabe der Gemeinde in der Zeit vom 5. bis zum 19. Februar L I. auf dem Bureau der Grobherzoglichen Burger- meistere! Gießen zu Jedermanns Einsicht offen gelegt und wird Tagfahrt vor der Localcommisiion aus

Mittwoch den SS. Februar l. I., Vormittag- 10 Uhr,

aus da- Bürgermeisterei-Bureau zu Gießen zur Verhandlung über den Plan und die Entschädigung hiermit anberaumt.

Der Eiqenthümer und etwaige Nebenberechtigte werden hierdurch aufgefordert, in diesem Termin

a) Einwendungen gegen den Plan, bei Meldung des Ausschluffes und Annahme der Einwilligung m die beanspruchte Abtretung,

b) Erklärung aus die angebotene Entschädigunasjumme, bei Meidung der Unterstellung der Annahme des Angebots,

c) Anträge auf Ausdehnung der Enteignung, bei Meldung des Ausschlusses mit solchen,

d) Anträge aus Aufrechterhaltung bestehender Lasten bei Meidung des Ausschluffes mit solchen,

c) Anträge auf Einrichtung und Unterhaltung von Anlagen, welche zur Sicherung benachbarter Grundstücke oder im öffentlichen Jnterene sur nothwendig erachtet werden,

f) etwaige noch unbekannte Ansprüche und Rechte an das zu enteignende Grundstuck

»otiubnn&ffl. 9ct|)ei[i Mr ber Tagfahrt sich über Bestellung der Sachverständigen einigen und dieselben der Commission bezeichnen auch Einwendungen gegen Zweck und Plan, sowie die damit in Verbindung stehenden Anträge in der Tagfahrt mcht vorgebracht werden, wird m genanntem xcnmn zugleich über die Höhe der Entschädigung und die mit ihr zusamnienhängenden Fragen verhandelt werden. Andernfalls werden die Sachverständigen tu dem vermine von von der Localcommisfion ernannt.

Gießen, am 29. Januar 1885. GroßherzogllcheS KreiSamt Gießen.

Dr. Boekmann.

Giepen, 2. Februar.

Wir entnehmen demReichs-Anzeiger" nachstehenden Auszug aus dem Be­richt des Chefs des westafrik. Geschwaders über die Ereigniffe im Kamerun-Gebiet: (Schluß aus voriger Nummer).

Die Ereigniffe am 21. December.

Noch am Abend des 20. December hatte Kapitän Karcher sich King Aqua kommen lasten und die Auslieferung seines rebellischen Bruders Manga Aqua verlangt- Aus eine sehr energische Wiederholung dieser Forderung am Morgen des 21. wurde ihr denn auch Folge geleistet und Manga Aqua ge­fangen eingebracht.

Hingegen blieb der Versuch, durch eine Umstellung von Aoß- und Tokodo- town die möglicherweise dorthin zurückgekehrten Hoß-Häuptlinge zu sangen, erfolglos, und beschränkte sich die Thätigkeit der Landungs-Division daraus, die noch vom Feuer verschont gebliebenen Häuser anzustecken.

Am Nachmittage waren Theile der Landungs-Division mit der Unter­suchung einiger Missionsgebäude nach geflüchteten Häuptlingen beschäftigt.

Um 9 Uhr 45 Min. a. m. war inzwischen Sr. Maj. SchiffOlga", auf der sich Contre-Admiral Knorr eingeschifft hatte, bis in die Nähe von Doß- toron gelangt, kam aber hier aus der Bank fest und mußte erst wieder die Fluth abroarten, um bis zu ihrem Bestimmungsort vor Aqua-town zu gelangen, wie dies ihr denn auch gegen Abend glückte.

Die Ereigniffe am 22. December.

Die Hickory-Stadt war am 20. December nur zur Hälfte niedergebrannt worden. Die völlige Zerstörung derselben sand nun am 22., Morgens, statt, indem zunächst Sr. Maj. SchiffOlga" mit Granaten gegen sie feuerte, theils um die etwa wieder zurückgekehrten Neger zu vertreiben, hauptsächlich aber des Eindruckes halber, den das Schießen aus schweren Geschützen und das Krepiren der Granaten auf die Negerbevölkerung ausübt.

Bei der darauf durch die Landungs-Division vorgenommenen Durchsuchung der Stadl wurde bann auch kein feindlicher Neger mehr bemerkt. Nach in Brandsetzen der noch stehen gebliebenen Häuser kehrten die Mannschaften auf ihre Schiffe zurück. --------------

Der seiner Wunde erlegene Matrose Bugge Sr. Maj. SchiffOlga" wurde am 21. December auf der Sualawa-Spitze mit allen militärischen Ehren beerdigt.

Der Zustand der Verwundeten, sowie der Gesundheitszustand auf den Schiffen überhaupt war nach den bis zum 30. December reichenden Nachrichten ein guter.

Es erübrigt nur noch einen Auszug aus dem Bericht zu geben, in welchem Kapitän zur See Karcher dem Gefchwader-Chef sein Urtheil über das Ver­halten der ihm unterstellten Mannschaften Sr. Maj. SchiffeBismarck" und Olga" ausspricht.

Es heißt darin:

Das Verhalten der Mannschaften während der 3 Tage war ein muster­haftes. Nicht allein, daß sie mit Unerschrockenheit und Ruhe im semdlichen Feuer vorgingen und Stand hielten, sondern sie führten auch im Uebrigen die. Befehle ruhig und verständnißvoll aus, was mit Bezug darauf, daß bis jetzt erst einmal Gelegenheit gewesen ist, die Compagnie am Lande zusammen zu exercieren, besondere Anerkennung verdienen durste. Desgleichen ertrugen sie die Strapazen der zeitweise bei dem unwegsamen, schwierigen Terrain in ber glühenden Hitze sehr anstrengenden langen Märsche, des Bootsruderns rc., trotz­dem die Verpflegung während der ganzen Zeit nur aus Har tb rod und unge­kochtem präservirtem Fleisch bestand und die Unterbringung wahrend der Nacht eine mangelhafte war, mit großer Ausdauer und Freudi^eit, und ist tein ein* ziger Fall vorgekommen, daß ein Mann wegen Schwache :c. hatte Miverse zurückgelaffen werden müssen. Auch sonst ist nicht die geringste Unordnung vorgekommen.

Verlustliste.

Bei der Landung und dem ersten Sturm aus Yoß wurden verwundet:

1) Unter.Lieutenant zur See v. Ernsthausen (Olga"), durch einen Schuß aus Daumen und Mittelfinger red)ten Urcht.

2) Maschinistenmaat Pseifser (Bismarck"), Schußwunde m dar rechts Auge; schwer.