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Serbien.

Pirot, 29. November. Zufolge einem Telegramm des Commandanten von Wtddin griffen die Serben Nachts um 11 Uhr die Redouten Widdins an, wurden jedoch mit großen Verlusten zurückgeschlagen; drei schwere Geschütze der­selben wurden unbrauchbar gemacht. Der Angriff fand nach der Einwilligung des Fürsten, die Feindseligkeiten einzustellen, statt. Minister Zanow Lheilte den Vertretern der Mächte in Sofia das Geschehniß mit und bat, daffelbe durch die in Widdin residirenden Consuln verificiren zu lassen.

Telegraphische Depeschen.

Wolffs telegr. Eorresponderrr ° Burearr. ,

Berlin, 30. November. Der Kaiser eonserirte Nachmittags mit dem Fürsten Bismarck.

DieNordd. Allg. Ztg." schreibt: Zur Feier des 25jährigen Regierungs- jubüäums des Kaisers wird am 3. Januar 1886 in allen Garnisonen Gottesdienst und Paroleausgabe stattfinden. Der Kaiser wird ferner an diesem Tage die Gratulation der gesammten hiesigen Generalität entgegennehmen, wogegen solche am Neujahrstage ausfällt.

Wien, 30. November. DerPresse" und demFremdenblatt" zufolge waren die Erklärungen des Grafen Khevenhüller, welcher dem Fürsten Alexander die öster­reichische Aufforderung zur Einstellung der Feiudseligkeiten überbrachte, keine Drohung, sie kündigten auch nicht den Einmarsch eines österreichischen Hilfscorps an, sondern Khevenhüller bemerkt nur, daß der Fürst bei fortgesetzter Invasion in's Unbestimmte österreichischen Truppen begegnen könnte, da Oesterreich den völligen Umsturz der Ord­nung nicht zugeben könne.

Pefth, 30. November. Bei dem gestern Abend zu Ehren Tisza's in den Redoutensälen ftattgehabten Festbanket brachte Tisza einen Trinkspruch auf den Kaiser, die Kaiserin und die kaiserliche Familie aus. Cardinal Haynald toastete auf Tisza, Jokai auf die Mitglieder der Regierung. Im Laufe des gestrigen Tages gingen Tisza telegraphische Glückwünsche von der Kaiserin, dem Kronprinzenpaar, dem Herzog und der Herzogin von Coburg, sowie von zahlreichen Freunden und Verehrern zu. Heute empfing Tisza zahlreiche Vereine und Corporationen. Heute Abend findet Festsoiröe bei Tisza statt.

Rom, 30. November. Der Papst ordnete den Trauergottesdienst in der Sixtinischen Kapelle für den König von Spanien an und wird hierbei selbst das Hoch­amt halten.

London, 30. November. Bis heute Abend 10 Uhr sind 158 Confervative, 176 Liberale und 29 Parnelliten gewählt.

Wien, 30. November. Die Nordwestbahn theilt mit: Bei dem Courierzug von Berlin nach Wien, welcher heute Morgen hier eintreffen sollte, ist in Folge einer Felsabrutschung zwischen Wiese und Branzau die Maschine mit dem Tender entgleist, wodurch ein Gepäckwagen beschädigt und der Postconductcur leicht verletzt wurde. Sonst sind sämmtliche Passagiere unverletzt. Ein Hilfszug bringt dieselben mit mehrstündiger Verspätung nach Wien.

Belgrad, 30. November. Die Rüstungen und Sendungen von Truppen an die Grenze dauern ununterbrochen fort. Gutem Vernehmen nach soll eine Abrüstung Serbiens nicht eher eintreten, als bis in Ostrumelien ein neuer Gouverneur, der je­doch nicht Fürst Alexander sein darf, von der Pforte eingesetzt, somit der frühere Zu­stand wieder hergestellt ist.

Leschjanin fährt fort, Widdin zu beschießen; er machte einen Sturm auf den Platz und besetzte weiteres Gebiet im Umkreise. Man nimmt an, daß Leschjanin entweder die Nachricht vom Abschluß des Waffenstillstandes noch nicht erhalten hat oder eigenmächtig handelt. Die Minister begaben sich heute wiederum zum Könige nach Nisch. Aus Deutschland, Rußland und Oesterreich-Ungarn gehen reichliche Hilfsmittel zur Pflege der Verwundeten ein.

London, 30. November. Bei dem Abschiedsdiner zu Ehren des Grafen Münster brachte Lord Salisbury einen Trinkspruch auf Se. Maj. den deutschen Kaiser aus, in welchem er die zwischen Deutschland und England bestehenden freundschaftlichen Beziehungen betonte und auf die Thatsache hinwies, daß beide Reiche die beste Bürg­schaft für den europäischen Frieden bieten. Das Bündniß zwischen England und Deutschland, welches die Herzen beider Völker labe, sei durch den Grafen Münster be­festigt. Den Toast auf den Grafen Münster brachte der Herzog von Bedford, welcher den Vorsitz führte, aus.

Petersburg, 30. November. Eine außerordentliche Versammlung des slavischen Wohlthätigkeitsvereins beschloß, dem Metropoliten Climent in Tirnowa und dem serbischen Patrioten Ristic 5000 Fr. zur Vertheilung unter den bulgarischen, reip. serbischen Opfern des jüngsten Krieges unverzüglich zuzusenden, ferner dem serbischen Metropoliten Michael zu dem nämlichen Zwecke 1000 Rubel zur Verfügung zu stellen und eine Sammlung von Spenden für die oben gedachten Opfer zu eröffnen.

DieNowoje Wremja" fragt anläßlich der Sendung des Grafen Kheven- huller, m welchem Zusammenhang dieser Schritt Oesterreich - Ungarns mit der Ein- muthrgkeit der Kaisermächte stehe. Das Blatt spricht die Befürchtung aus, der Waffen­stillstand werde nur so lange dauern, bis Milan Dank der österreichischen Unterstützung seine Kräfte zum Weiterkampf gesammelt habe.

Madrid, 30. November. In der Provinz Lerida ist eine bewaffnete Bande erschienen; sie wurde von Bauern verfolgt und alsbald zerstreut.

r. : r 30. November. Die Leiche des Königs wurde gestern im Eskurial

betgesetzt. Die feierlichen Obsequien finden nächsten Donnerstag statt. Graf Solms legte vor der Ueberfuhrung im hiesigen Königspalais einen Kranz mit Schleifen in den deutschen Farben auf den Sarg.

t Konstantinopel, 30. November. Meldung derAgence Havas".j Die Pforte erließ eine Proklamation, worin sie das ostrumeltsche Volk und die Behörden auffordert, von der Verirrung, in welche sie durch ihr persönliches Interesse suchende Personen gedrängt wurden, zurückzukommen und zum Gehorsam znrückzukehren Die Proklamation, versichert, das Wohlwollen des Sultans werde ihnen eine allgemeine Amnestie gewahren.

Lokale-.

Gießen, 1. December. Tagesordnung für die Stadtverordneten-Sitzung am Donnerstag den 3. December 1885, Nachmittags 4 Uhr. 9

1. Aufnahme des Hamm in den allgemeinen Bauplan.

2. Das Tonnensystem.

3. Vergebung von Eichenstammholz aus der Hand.

Ludwig Pfaff Wittwe wegen käuflicher Abtretung von Gelände. u

*> Mch M Kaufmanns Louis Frohnhäuser um Bauerlaubniß.

6. Gesuch des Schr-inermersters Emil Müller um Bauerlaubniß

7. Gesuch des Buchhändlers Wilhelm Ferber um Erlaubniß zur Legung von Platten vor seinem Hause. 0 b 0

8- KN des Ludwig Christoph Rllbsamen um käufliche Uebcrlassung staatlichen Geländes. °

9. Das nördliche Thorhaus am Neuenwegerthore betr.

10. Kostendecreturen.

c ? V Gießen, 1. December. Am kommenden Sonntag findet das 2. Concert des Concertvcrems statt und bringt uns die C-moll Symphonie von L. v. Beethoven orchestralen Werke die jedem Musikinteressenten hinreichend bekannt und über welche so viel und so bedeutendes gesprochen ist, daß'wir es entschieden für überflüssig halten, in einer großen Standrede das Meisterwerk bis in die kle nsten Details zu zerlegen. 1 u

TJ- W" sollte tie c-moll Symphonie und ihre hohe Bedeutung nicht kennen und »elchem wirklichen Concertenthusiasten möchte es wohl auch an Kenntniß unserer Classtker mangeln, so daß er eines Commentars benöthigt wäre?

« c r racl tntc»c^ntc Persönlichkeiten werden wir außerdem begrüßen, erstens Herrn Profeffor James Kwast aus Frankfurt a. M. als Clavtervirtuose, dessen Name einen

bedeutenden Klang in der musikalischen Welt hat und zweitens Herrn Max Friedländer, der als Lieder- und Balladensänger überall glänzende Auf­nahme findet.

Das Programm verzeichnet 2 der besten Balladen Dr. Carl Loewe's und ist dies um so freudiger zu begrüßen, da jene erhabenen Werke leider nur selten auf dem Repertorr der modernen Künstler zu finden sind.

Jedenfalls verspricht das Concert ein recht interessantes zu werden und verfehlen wir deshalb nicht, schon heute ganz besonders darauf hinzuweiscn.

Gießen, 1. December. Das Wintersemester unserer Hochschule hat mit einigen Ileberraschungen begonnen. Eine BurschenschaftArminia", welche jetzt init ihrer Constituirung befaßt ist, will die Ideen desAllgemeinen deutschen Burschenbundes" unter den Schülern der Ludoviciana verbreiten. Zugleich ist ein akademischer Turn­verein, der seither nur in den Spalten des hiesigen freisinnigen Organs spukte, letzten Samstag, allerdings kaum halb so stark, als ihn der X-Reporter derHess. Volksztg." schon vor einigen Wochen gesehen haben wollte, in die Erscheinung getreten. Die geschmackvolle Couleur dieser neuesten Verbindung, welche von verschiedenen Bruder- verbindungen aus anderen Hochschulen gelegentlich ihres Geburtsfestes besucht wurde, bretet eine weitere recht angenehme Abwechselung in dem Straßenleben unserer Uni­versitätsstadt. Lat not least trägt dieHasso-Rhenania" jetzt weiße statt gelben Stürmern. Der akademisch-literarische Verein scheint sich nach kurzer Existenz in dre erstgenannte Burschenschaft auflösen zu wollen.

ri, Zufolge des andauernden Regenwetters sind Lahn und Wieseck bedeutend gestiegen und haben längst die Ufer überschritten. Nur noch eine Steigung von 30 Ctm und die Lahn hat den Höhepunkt des Jahres 1882 erreicht. Als ein wahrer Segen ber diesem Hochwasser ist unsere Pumpstation zu betrachten. Dieselbe begann am Sonntag Abend 8 Uhr ihre Thätigkeit und hat von da an, mit langen Pausen arbeitend, das Innere der Stadt vollständig wasserfrei gehalten und dadurch gegen früher, wo alle Keller der Unterstadt unter Wasser standen, großen Schaden abgewaildt Die Maschine der Station fördert bei voller Kraft pro Minute 11 Cubikmeter im fließenden Zustande ein großer Bach.

Theater.

*** Gießen, 1. December 1885.

Die für Montag angekündigte Vorstellung von Emanuel Geibel's ^Brunhild" mit der königl. bayerischen Hofschauspielerin Mag da Irsch ick als Darstellerin der Titelrolle mußte leider plötzlich eingetretener Hindernisse wegen einen Aufschub erleiden und ist nunmehr auf Mittwoch den 2. December festgesetzt.

Wir machen nun auf unseren Hinweis in der Dienstagsnummer dieses Blattes nochmals, ganz besonders aufmerksam.

Die Künstlerin, welche nach uns vorliegenden Berichten mit einer Clara Steg! er in die Schranken treten darf und überall vor ausverkauften Häusern austrat wird auch ber uns ihre Gastspielabende zu höchst genußreichen zu gestalten wissen und wir glauben, daß unser Publikum die Gelegenheit nicht unbenützt vorübergehen läßt emmal wieder etwas Gediegenes auf dem Gebiete der Tragödie anzusehen a '

Handel und Verkehr.

in.

r Hetzen, 30. November, lieber unser Münzwesen äußert sich der Jahresbericht unserer Handelskammer:

In der letzten Zeit wurde von den verschiedensten Seiten unsere Münzgesetz­gebung hesttg angegriffen und die Währungsfrage zum Gegenstand von Besprechungen und Verhandlungen gemacht. Auch die Kammer nahm zu der Frage Stellung als ihr von den Aeltesten der Kaufmannschaft eine an den Bundesrath und Reichstag gerichtete Petition, die Goldwährungsfrage betreffend, mitgetheilt wurde. Die Petition war in einer Konferenz beschlossen worden, welche von den Aeltesten der Berliner Kaufmann­schaft zum 5. März 1885 berufen worden war und in welcher die hervorragenderen Handelsplätze Deutschlands vertreten waren. Ihr Inhalt ist folgender:

Angesichts der Thatsachen:

1) daß 126 landwirthschaftliche Vereine an den Herrn Reichskanzler die Bitte gerichtet haben, die Initiative zur schleunigen Herbeiführung der vertrags­mäßigen Doppelwährung zu ergreifen,

2) daß der Herr Reichskanzler diese Petitionen dem Bundesrathe zur Kenntniß- nahme unterbreitet hat, D

3) daß dem Reichstage der Antrag vorliegt, den Herrn Reichskanzler zu ersuchen die Initiative zu einer Wiedereinberufung der im Jahre 1881 abgebrochenen Munzconferenzen zu ergreifen,

um eine Wiederaufnahme der Ausprägung vollwerthiger Silbermünzen geltens der Vereinigten Staaten, des lateinischen Münzbundes, des Deutschen Reiches und aller derjenigen Staaten hcrbeizuführm, welche sich diesen Landern anschließen wollen,

fühlen wir uns als die geordneten Vertretungen des Handels und der Industrie unserer Bezirke verpflichtet den Hohen Bundesrath und den Hohen Reichstag zu bi ten ihre Aufmerksamkeit auch darauf zu lenken, daß der Deutsche Handelstag n sein r Plenarversammlung vom 20. November 1880 mit den Stimmen von 89 (gegen 5

f 8 EntI,Itenbe) H°"b-ls°°Mnd°n fügende

Angesichts der hervortretenden Bestrebungen, eine Aendernng der Reicksgeseh- gebung über die Miinzwahrung herbeizuführen, erklärt der Deutsche Hand ls- ag, daß es zu einer schweren Schädigung der deutschen Wirthschastsintercssen fuhren wurde, wenn unter den bestehenden Verhältnissen an den Grundlagen unserer Munzgesetzgebung gerüttelt würde. 0

Der Deutsche Handelstag hält es vielmehr für geboten, di- nöthiaen

TJ' uln. *6unlid)ft schnell die durch das Provisorium geschaffene schädigende Ungewißheit zu beseitigen und den Abschluß unserer herbchufüh7em °° ^Währung beruhenden Münzgesetzgebung

Falls sich das von manchen Seiten behauptete Bedürfniß nach einer Vermehrung der Reichsstlbermünzen (besonders Ein- und Zweimarkstücke) sV01wa?^es- Herausstellen sollte, so würde der Handelstag kein Bedenken in der.Befriedigung dieses Bedürfnisses erblicken. 9

Dre Kurze der Zeit laßt es unmöglich erscheinen, jetzt durch Berufuna der Plenarversammlung des Handelstages ein neues Votum aller Handelsvorstände ein- Vläke^Deutsckl^nd- u« Vertretungen des Handels und der Industrie hervorragender

Deutschlands> legen Zeugnrß dafür ab, daß wir die vorbezeichneten Resolutionen auch letzt noch voll und ganz aufrecht erhalten und erheben Widerspruch aeaen die ^ersuch^em"^"' mit racI$en ble landwirtschaftlichen Vereine ihre Petition zu begründen ,r , Aeben uns der Hoffnung hin, daß der Reichstag den vorerwähnten Antroa ^tc. verbündeten Negierungen wenigstens in der bisher von ihnen ru rö0C /^genommenen Stellung verharren werden, wenn sich wirkt ick der Abschluß unterer auf dem Grundsätze der reinen Goldwährung beruhenden Münmesek- gebung zur Zett mcht sollte beschleuniaen lassen. ocruyenoen ^cunzgefetz-

Schon allem die Befürchtung, daß an den Grundlagen derselben aerüttelt werden fL'g-S fL» 9a,ien ^kchrsl-bm d-r Nation uL-r-ch-^L-n'Sch' dm^uzn-

, .Die Kammer beschloß, die Aeltesten der Kaufmannschaft in Berlin ru antarisiren auch ihre Zustrmmung zu der Petition dem Bundesrathe anzuzeigen

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