Rr. 177 Erstes Blatt. Sonntag den s August 188K
Gießener Anzeiger
Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.
@hm** r SchulRraße 7.
Erscheint ttchttch mt M-mchr« M Mont«-S
Amtlicher Hheit.
Gesunde«: 1 Paar Handschuhe, 1 Schiefertafel und 1 Buch, 1 Kinderschuh, 2 Herrenkragen,
1 Eiaarren-Etui, 1 Scheere, 1 Handstauchen, 1 Windel und mehrere Schlüssel..
8 Gießen, den 1. August 1885. GroßherzoglrcheS Polizeiamt Gießen.
p I. V.: Krämer.
1 Taschenmesser, 3 Porteinonnaie's mit Inhalt,
Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit BringertsP^ Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mart 60 Pf.
Bekanntmachung.
Di- Gestelluna von Borspann zur Fortschaffung der Effecten :c„ der Fourage und der Biwak-bednrfniff« für die Truppen der 21. Division wählend der diesjährigen Herbstübungen in der Zeit vom 19. August bis einschießlrch 26. September er. soll im Wege des Submstsions. Lerfahre^verdung^Zwerden^ August er., Vormittags 10 Uhr, im Bureau der unterzeichneten Intendantur (Hochstraße 18)
anberaumt Unternehmer, welche sich über ihre Qualification genügend auSwsifen können, werden aufgefordert ihre Offerte mit der Aufschrift:
Submission^^ 7u7V°Zann für die Uebungen der 21. Division" versehen versiegelt bis zum gedachten Termm b-l uns emzurerchen.
" in885nferetn SUmU 9Uf ?Ur W Ligliche Intendantur der 2t. Division.
Britische Handelspolitik.
Die Tories tragen sich, seitdem sie die Regierung in England üb-rnom- men haben, in Beziehung aus eine neue Handelspolitik mit großen Plänen. Sie sind am Werke, dem Darniederliegen von Handel und Landwrrthschast »u be> qeqnen. Schon längst sind in England Zweifel ausgestiegen, ob der Freihandel trotz der außergewöhnlichen günstigen Umstände, die ihn für England erklärlich machten, wirklich dem Bolle den ihm zugeschriebenen Segen gebracht hat. Die ftreibanbdfifrage, sagt ein amerikanisches Blatt ganz richtig, liegt für Großbritannien wesentlich anders, als für alle anderen Mächte. England konnte zu Anfang des Jahrhunderts zum Freihandel übergehen, weil feine Industrie nicht nur damals schon höher entwickelt war, als die der anderen Staaten, sondern weil die Bedingungen dieser Uebermacht Fortdauer versprachen. England besitzt die größten Kohlenschätze, ferne Kohlen die größte Heizkrast; die Kohlengruben liegen unmittelbar neben den Erzlagern; Kohlenbergwerke und Eisenwerke nicht weit von den Seehäfen. Diese sich gegenseitig ergänzenden Faktoren verleihen der Eisenindustrie allein schon ein gewaltiges Uebergewicht über jebe Soncurrenj. Hierzu kam ein ausgezeichnetes intelligenter Arbeiterpersonal, trefflich entwickelte Berkehrs-Verbindungen und Schifffahrts-Einrichtungen, ein großartiger Handel und der Reichthum des Landes an unerschöpflichen Gelbkapital,en. Nimmt man ferner den Besitz Englands an Kolonien hinzu, von denen einzelne größer und bevölkerter sind, als Europa selbst; berücksichtigt man, daß die englischen Kolonien durch ihre Zollgesetzgebung die Einfuhr der Jndustrie-Erzeugnifle der Mutterlandes vor derjenigen der außerenglischen Länder begünstigen, so begreift es sich, daß England ruhig seine Thore allen anderen Nationen öffnen konnte. War es ihnen doch in jedem Stücke überlegen, brauchte es von ihnen doch Nichts zu befürchten! Es wurde mit Allen fertig.
Was sich für das übermächtige England schickte, paßte aber deshalb nicht für die Festland-Staaten mit ihren unentwickelteren Industrien, zumal sie in Folge des Auseinauderliegens der Kohlenbergwerke, Eisenlager und der Sitze der Eisenproduction und der Seehäfen, in Folge der mangelhafteren Verkehrs- und HandelS'Verbindungen und ihrer verhältnißmäßigen Armuth in der ungün- stiasien Lage die Concurrenz mit England aufnehmen mußten. Nur dem Schutzzoll ist es zu banken, baß Englanb z. B. unser beutsches Reich nicht w.rlh- schafllich tobt gemacht hat. Ja, es gelang biefem Schutzzoll, unsere deutsche Industrie soweit zu kräftigen, daß sie aus auswärtigen Märkten mit der englischen in Wettbewerb treten und sogar in England selbst sich ein weites Absatz- qebiet verschaffen konnte. Seitdem England diese Wahrnehmung machte, kühlte sich die Schwärmerei für den Freihandel ab. Seitdem vollends das Frechan- dels-Prinzip in England seinen höchsten Triumph feierte, indem es die Kornzolle aufhob, unter dem Vorgeben, den Arbeitern billigere Lebensmittel zu verschaffen, begann die Nythlage der englischen Landwirthjchaft. Es erwies sich als ein Trugschluß, daß em Land seine wirthschastliche Überlegenheit behaupten könne, wenn die ungehemmte Zufuhr ausländischer landwirthschastlicher Products den heimischen Landbau unrentabel macht- Seit diesen Wahrnehmungen haben sich im Musterlande des Freihandels erst schüchtern, dann lauter ketzerische Stimmen erhoben. Wenn daher jetzt die Tories die Frage des wieder emzusühcenden Schutzzolles ausstellen, so führen sie sich aus den Reihen der Landwirthe massenhafte Anhänger zu. In England greift man aber solche Dinge rn großem Style an. Die neuen Minister gehen nun damit um, Großbritannien mit allen feinen Kolonien ein geschlossenes Handelsgebiet bilden zu lassen. Dieses sei von der ganzen übrigen Welt unabhängig und werde — darin liegt des Pudels Kern— die übrigen Staaten zwingen, ihre Zölle herabzusetzen,, refp. auszuheben. So begreiflich es auch ist, daß England den Freihandel nicht mehr für zeitgemäß findet, so gewinnt die Sache sofort ein anderes Gesicht, wenn der Uebergang ‘ rum Schutzzoll weniger als ein Mittel angewendet wird, um die darmeoerUe- qende Industrie und Landwirthschaft Englands wieder zu heben, vielmehr nur als Drücker anderen Staaten gegenüber dazu dienen soll, künftig den englischen Maaren wieder die Thore derselben weit aufzureißen. Die Tories gehen also daraus aus einen volkswitthschastlichen richtigen Grundsatz weniger zur eigenen Rettung, als zur Schädigung Anderer zu verwerthen.
Darmstadt, 31. Juli. Aus Osborne, 29. Juli, wird der „Darmst. Ztg." aefdirieben: Seine Königliche Hoheit der Großhcnog, Seine Königliche Hohen der Erbgroßherzog und Ihre Großherzoglichen Hoheiten die Prinzessinnen Irene und Alix haben, nach den geräuschvollen Tagen der Hochzeitsfeierlichkelten vom 23. Hüll, tm nahen Verkehr mit Ihrer Majestät der Königin, dem HMg und der Herzogin von Connaught, dem Prinzen und der Prinzessin Ludwig von Battenberg, sowie den anderen Gliedern der Königlichen Familie, welche zeitweise zum Besuche nach Osborne konnnen, die Tage verbracht. Das herrlichste Sommerwetter, welches den ständigen Aufenthalt im Freien ermöglichte, lud zu einigen Ausflügen mit Seegtlbooten und zu einer längeren Fahrt in der Königlichen Jacht „Victoria und Albert" um die Insel Wrght em. Zu diesen Ausflügen waren auch die fürstlichen Kinder des Herzogs von Edmburg und beS Herzogs von Connaught mitgckommen, sowie die Pylonen der Umgebung der Höchsten Herrschaften befohlen worden, und es gestaltete sich du Fahrt von Osborne Bau um Sie Westspitze der Insel (needles) und an den berühmten Luftkurorten der Südküste Shanklin, Ventnor, Sandown vorüber tm ungezwungendsten Verkehre an Bord des großen prächtigen Schiffes bei ruhigster See zu einer wahren Luftfahrt.
Gestern kehrte das junge Paar von Quarr Abbey, wo es seither verweilte, nach Osborm^uruck^^ ber Großherzog werden morgen mit mehreren Hohen
Herrschaften über Portsmouth und Chichester sich zu den Nennen nach Goodwood begeben, um dort mit dem Prinzen von Wales bei dem Herzog von Richmond zusammen zu treffen, auf dessen Grund und Boden sich am 30. d. M. das letzte große Crelgniß der Saison, der Tag des Goodwood cup abspielt. ... , ..
Seine Großherzogliche Hoheit Prinz Alexander mit hoher Familie weilen snt letztem Freitag in London, im Königlichen Schlope Buckingham Palace re ldlrend, haben einem großen Balle in Marlborough House beim,. Prmzeniwm 2Bate§ unb anderen Festlichkeiten beigewohnt und werden am vertag für emen Tag nach Osborne zurückkehren, um bei Ihrer Majestät der Königin vor der Rückreise nach dem Contment sich zu verabschieden.
Telegraphische Depeschen.
Wolff'- telegr. «Korrespondenz-Burearr.
Mannheim,
die gestern Abend abgehaltene Generalversammlung des Heidelberger Schloßverems mit ^grober Mehrheit beschlossen, sich gegen das letzt vorliegende Project einer Drahtseilbahn nach dem Schlosse und der Molkenkur zu erklären. In der zahlreich besuchten Versammlung wurde gegen die Abstimmung Protest erhoben.
Bern, 31. Juli Im Auftrage d-S Buudesraths werden Oberst F-ch (Bein) und O^rstUcutenant Wild (Zürich) den Herbstmanovern des 14. deutschen Armee- C°rP§ Vakts/si. Juli. In der Miinzcanf-r-nz erklärte heute der belgische T-l.girte Virme, Belgien könne deö Liquidationsklausel so, w,e ft- vorgeschlagen worden ist nickt »ustimmen, es sei aber bereit, nach Mitteln der Verständigung zu suchen NamenS seiner Regierung schlage er daher vor, die Eonscrenz zu vertagen und die Munz- Conoentton von 1878 auf ein Jahr zu verlängern. Die übrigen D-legwten beschloßen, hierüber^rhrm Re^lermigcn^^beiichwii.^^^b tcIeßrapt,ijd, gemeldet es entbehrten die Gerüchte von dort vorgekommenen Cholerafällen der Begründung. Gegen die llrheber dieser Gerüchte würde gerichtlich eingeschritten. ~ ,
— Fürst Hohenlohe hatte heute eine längere Unterredung Mit Freycmet.
London, 31. Juli. In einer Extra-Sitzung des Oberhauses leistet der Prinz von Battenberg der Königin den Treueid in der üblichen Form. Heute Abend erfolgt im OdeAaus die Behandlung der Naturalisationsbill des Prmzen.
— Das Unterhaus nahm die Bill über die Nautralmrung des Prinzen von Noitenbera in allen Lesungen ohne Absttmmung an. — Bourke erklärte, über Die Entsetzung Kassalas fänden noch Erwägungen statt. Eine Mittheilung hierüber er- kchftm daher mähuuftch. Dft Creditforderung erfolge in der l-ü'gen S-ft.on n.cht, die Unterhandlungen über die egyptiiche Anleihe hatten zudem Resultate gen b ,ft Deutschland, Oesterreich und Italien einwilligtcn, die Anleihe ihren Parlamenten bei deren Zusannnentritt zur Ratification zu unterbreiten und d e sofortige ^m>s,,on i" ----- - Steuermanmorps ?nd d°S Artilleriecorps in der W «MÄnunft.
daß eine allmälige Ersetzung der Officicre dieser Eorps durch ,ftotlcn°>ncicre statt finden soll. E ■ -----
Univerfitäts - Chronik. t
, Qmei Söbne des Mr. Cleoeland, deS Präsidenten der Vereinigten Staaten, wAcke bisher in Bonn sstidirten, werden jetzt nach Berlin kommen, um dort ihre Studien fortzusetzen.


