Ausgabe 
2.7.1885 Erstes Blatt
 
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tüchtige pecuniäre Unterstützung der Soldaten derRevolution" ersucht und in der Freiheit" wird die Ermordung Rumpfs bejubelt. Im Briefkasten derFreiheit" ist die Notiz:L. in B." zu finden, und dahinter;Möge es gelingen."

Vorsitzender: Das ist doch reicht, verdächtig. Es soll wohl heißen: Lieskc in Basel.

Angeklagter: Es gibt in Berlin genug Lehmanns; das ist gar nichts. Be­weise! Beweise! Das sind keine. Das ist gar nichts.

Hierauf wird die Verlesung von Artikeln aus derFreiheit" fortgesetzt, die einen recht revolutionären Inhalt haben, von Rumpff als einemSchurken", von den Poli­zisten alsHallunken" sprechen. Die Sitzung wird gegen ll41 Uhr vertagt.

(Forts, folgt.)

Lokale-.

Gießen, 1. Juli. Auch heute beging die hiesige Hochschule, wie dies seit dem Jahre 1882 emgeführt ist, ihr Stiftungsfest mit großer Feier. Schon vor 11 Uhr hatte sich der prächtige Raum der Aula, mit Fahnen der Studentencorporationen und Blumen reichlich geschmückt, mit Damen und Herren bis zum letzten Platze gefüllt.

Um 1/412 Uhr traten die Lehrer und Beamten der Universität in den Saal, geführt von dem oerzcitigcn Rector, Herrn Prof. Dr. Thaer, unter den Klängen des von dem hiesigen Orchester unter der Leitung des akademischen Musikdirectors ausgeführten feierlichen Krönungsmarschcs aus Kretschnier'sFolkunger".

Darauf trug der akademische Gesangverein mit Orchesterbegleitung in wohl- gelungener Weise den ersten Ehor aus Haydn's Jahreszeit:Komm, holder Lem", vor. Rach Beendigung des Gesanges betrat Seine Magnificenz der Rector Die Rednerbühne.

Zunächst gedachte derselbe des Landesfürsten und drückte das Gefühl tiefster Trauer über das Ableben dessen durchlauchtigster Mutter aus.

Er sprach von der wohlwollenden Gesinnung der Negierung in Betreff der chemischen und mcdicinischen Anstalten in der Hoffnung, daß auch die Kammer den Vorschlägen derselben beistimmen werde.

Das Thema seiner Rede bildete die landwirthschaftlichc Krise in der letzten Zeit und besonders in Deutschland. Nach einem geschichtlichen Ueberblick gab er die Gründe dieser Krise an, von denen wir nur anführen wollen die Ueberstuthung von Getreide rc. von Außen und die bedeutend gehobene Technik in der Landwirth- schaft. Darauf berührte er die bessere Wasserversorgung, die Anwendung chemischer Mittel (Dünger), Verbesserung des Weizens, der Zuckerrübe rc., der Viehzucht. Nach Betonung der Üeberproduction wurden die Kornzölle besprochen, das Versicherungs­wesen rc. behandelt. Der Vortrag interessirte bis zum Schlüsse in hohem Grade.

(Auf den Vortrag werden wir demnächst eingehend zurückkommen.)

Wie dies alljährlich geschieht, berichtete nun der Redner über die Veränderungen des Lehrpersonals, wobei mit großem Bedauern des Verlustes der Herren Professoren v. Schlagintweit, Noack und des Bibliothekars Dr. Rumpf gedacht wurde, ebenso wie des früher hier weilenden und in Königsberg als ordentlicher Profeffor der Geo- grapbe verstorbenen Herrn Prof. Dr. Karl Zöppritz.

Von den in den einzelnen Fächern gestellten Prcisaufgaben wurden nur zwei gelöst; das Thema aus den Staatswissenschaften von Herrn stud. cam. Friedrich Gärtner aus Alzey, und das Thema aus der Physik von Herrn Jul. Fink, I stad. math. et rer. nat. aus Darmstadt; den beiden Herren wurden die betreffenden I

Areffe zuerkannt. Die Bearbeitung eines mcdicinischen Themas mußte als nicht des Prclscs würdig bezeichnet werden und nur der dabei an den Tag gelegte Fleiß anerkannt. s. Schach des schönen und erhebenden Festes bildete der feierliche Ehor aus Mendelsiohn s Elra's:Wohl dem, der den Herrn fürchtet."

Tas Festessen anläßlich des heutigen Stiftungstages unserer Landes-Uni- oerntat vereinigt die daran thcilnehmcnden Gäste im HotelEinhorn". Ter übliche Eommers der Studirenden wird heute Abend im Saale der Eaf6 Leib abgchalten.

Gießen, 1. Juli. Während des Gewitters am Montag Mittag verunglückte ein Hulfsbremser auf der Main-Weser-Bahn bei Treysa dadurch, daß er durch das antobende Wetter von seinem Sitze heruntergeworffen und unter den Zug fiel, welcher ihn total zermalmte. Der Verunglückte war ein lediger Mann von Lützellinden.

Vermischtes.

Lollar, 30. Juni. Das gestrige Lollarer Jugendfcst kann als ein sehr ge­lungenes betrachtet werden. Obwohl es Mittags sehr stark regnete, hatte es sich doch bis V,2 Uhr wieder aufgehellt, so daß sich gegen 2 Uhr die Kinderschaar auf dem Fest­platze versammeln konnte, um in den Festzug eingereiht zu werden. Um 2 Uhr setzte |td) dann der Festzug, an dessen Spitze die Musik rnarschirte, in Bewegung. Nachdem derselbe das Dorf durchschritten hatte, ging es wieder auf den Festplatz. Dort ange­kommen, hielt Herr Lehrer Mergott-Lollar eine Rede, worin er besonders betonte, daß diese Spiele zur Stärkung und Erhaltung der Sitten ?c. dienen sollten. Nachdem er auf ec. Maj. den Kaiser und auf die Lollarer Jungfrauen ein Hoch ausgebracht hatten, vcrtheilten sich die verschiedenen Klassen auf die angewiesenen Spielplätze, um dort unter Leitung der Herren Mergott-Lollar, Glitsch-Lollar, Schmulbach-Lollar, Seipp-Lollar, Eberhard-Lollar und verschiedenen Anderen ihre Spiele, wie Wurst­schnappen, Klettern, Springen rc. auszuüben. "Nachdem sich die Kleinen sowohl als die Großen amusirt hatten, wurden die Geschenke und Preise ausgetheilt und die Kmder dann zu ihren Angehörigen entlassen, um sich an Bier, Bretzeln rc. zu er­quicken, wahrend die Größeren sich mit Tanzen unterhielten und theilweisc erst am andern Morgen deii Festplatz verließen.

Es war dies das erste derartige Fest, welches in Lollar abgehalten wurde, und hoffen wir, daß es tm nächsten Jahre den Kindern wieder vergönnt sein wird, in Ein­tracht ihre Spiele auszuüben.

. ?^tzlar, 30. Juni. Einem bisher noch unbestäligten Gerüchte zufolge sollen gestern in Mudersbach ctu Schäfer, sowie 15 Schafe durch einen Blitzschlag getödtet worden fern.

^'^-Rechtenbach, 30. Juni. In Folge der Entzündung durch einen Blitzstrahl sind gestern Mittag die Scheunen des Schäfers Heller, sowie des Peter Höchst Hierselbst in Flammen gerathcn und niedergebrannt. Der Blitz fuhr zwischen zwei auf Dem Dache des einen Hauses mit dem Auflegen von Ziegelsteinen beschäf­tigten Mannern hindurch, ohne denselben irgendwelchen Schaden zu thun. (W. A.)

Wiesbaden, 30. Juni. Durch einen Blitzstrahl rourben heute Nachmittag am Biersiadter Berg hier 1 Arbeiter getödtet und 2 Frauen gelähmt. (F. Z.)

Temperatur der Lahn und der Luft

nach Reaumur gemessen am l.Juli, zwischen 11 und 12 Uhr Mittags. Wasser 16A0, Lust im Schatten 12<>.

L. Ehr. Nübsamen, Turn- und Schwimmlehrer.

Hcugras- Serfietgming.

Montag den 6. Juli l. I., Bormittag- von 8 Uhr an, soll das Heugras von den städtischen Wiesen, ca. 60 Morgen, an Ort und Stelle versteigert werden.

Der Anfang ist bei der hiesigen Ziegelhütte.

Allendorf a/Lda., 29. Juni 1885. Gr. Bürgermeisterei Allendorf a/Lda.

Bieber. 4844

Arbeits-Versteigerung.

Zur Chaussirung einer Wegstrecke von Watzenborn nach Grüningen soll das Liefern von 220 Cbm. Steine, so­wie die Chaussirarbeiten Samstag den 4. Juli, Nachmittags 1 Uhr, auf dem Rathhause zu Watzenborn in Accord vergeben werden.

Steinberg, den 1. Juli 1885.

Großh. Bürgermeisterei Watzenborn- Steinberg.

4857 Heß.

Submission.

Die zur Errichtung eines Hofchores der Pfarrhofraithe zu Groß-Buseck erforderlichen Maurer-, Steinhauer-, Schlosser-, Weißbinder- u. Pflästerer- Arbeiten, veranschlagt zu 246,50 JC, sollen aus dem Wege schriftlicher Sub­mission vergeben werden. Zeichnung, Voranschlag und Bedingungen liegen auf der dortigen Pfarrei zur Ein­sicht offen, woselbst auch die Offerten verschloffen und mit gehöriger Auf­schrift bis zum 9. L M., Mittags 1 Uhr, einzureichen sind.

Gießen, am 1. Juli 1885.

I. A..

Senßselder, 4846 Bez.-Bauausseher.

Fritzlarer Pferdelotterie

Loose ä 3 Mark

empfiehlt 4226

Julius Wallach.

Allgemeiner Anzeiger.

Bekanntmachung.

Diejenigen Steigerer und Uebernehmer von Holz im Gießener Stadt­wald, welche mit der Abfuhr desselben noch im Rückstand sind, werden auf­gefordert, ihr noch sitzendes Holz bis zum 20. Juli d. I. aus den verschiedenen Schlägen zu bringen, widrigenfalls gegen die Säumigen Anzeige erhoben werden wird.

Gießen, den 30. Juni 1885. 4842

Großherzogliche Bürgermeisterei Gießen.

A. Bramm.

Vergebung von Brückenbauarbeiten.

Die nachstehenden, zur Erbauung einer Kleebachbrucke auf der KreiSstraße von Groß-Linden nach Lützellinden erforderlichen Arbeiten und Lieferungen, und zwar:

1) Grab-, Maurer-, Steinhauer- und Chaussirarbeiten im JL Betrage von.............. 2076,01

2) Lieferung der Eisenconstruction im Betrage von . . . 1880,' sollen SamStag den 11, Juli d. I., BorwittagS 9 Uhr, im Wege schriftlicher Submission auf dem Bureau des Unterzeichneten vergeben werden, woselbst bis dahin auch Pläne, Voranschlag und Bedingungen zur Einsicht offen liegen, beziehungsweise solche für die Lieferung der Eisen­construction zu beziehen find.

Gießen, am 30. Juni 1885.

Der Kreisingenieur:

4849 Gnauth.

u. cx ale dir

vorrüthig in ben Colonial» und Delicateßwaaren-Hanblungen, bei Drogisten tfnb Apothekern.

u £ 9W

Zur Saison empfehlen Krausen, Damen-, Herren- unv Kinderkragen, das Neueste in Damen- und Kinderschürzen, Sommer-Handschuhe, weiße uno farbige Uuterröcke, Bein­kleider mit und ohne Stickerei, baumwollene Strümpfe, leichte Unterjacken und Beinkleider.

3418 G-eschw, Heerz, Neuenweg.

Heule den 2. Juli, Mittags 2 Uhr, Fortsetzung der Gisenwaaren-

Versteigerung im W. Seibert'schen Local. Es kommen hierbei insbesondere 1 schöne Copierpresse, einige Oefen, Gewichte, sowie etwas Colonial- waaren, Oel rc.

zum Ausgebot.

F. Hoffmann,

4864 Conkursverwalter.

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Ed, Fuckert,

3960 Neuen Bäue 11.