Politische Ueberficl'
(Sieben , 1. April.
Inmitten der bewegtenParteikämvfe, zu Deren Schauplatz unser deutsches Vaterland jetzt mehr als je geworden ist, bildet der Tag, dessen festliche Begehung ganz Deutschland heute feiert, einen erhebenden Licht- und Ruhepunkt — die Feier des 70. Geburtstages des Fürsten Bismarck. Es biloet diese Feier gewissermaßen einen neutralen Boden, auf welchem sich Die Freunde wie die Gegner de- großen Staatsmannes rusammenfinden, um ihm gemeinsam den Tribut der Bewunderung und Dankbarkeit zu zellen für das, was er für fein Vaterland gethan hat. An diesem Tage schweigt die Erinnerung an die heißen parlamentarischen Kämpfe, in denen der Kanzler so ost mit grollenden Donnerworten, aber oft auch mit sprühendem Witz und beißender Satyre seine Gegner anguff und dadurch genug Aufregung, ja Erbitterung in deren Reihen trug, heute ist in Allen nur das Gefühl dessen, was er seinem Herrscherhause und seinem Volke geleistet, lebendig. Einer Aufzählung seiner Thoten bedarf es nicht, ihr Gedächtniß lebt noch frisch im deutschen Volke und auch die, welche sonst grollend abseits vom Kanzler stehen, können denselben ihre Anerkennung, ja Bewunderung nicht versagen, wie sie auch gestehen muffen, daß er, in vollster Uebereinstimmung mit seinem kaiserlichen Herrn und getragen von dessen unerschütterlichem Vertrauen, fort und fort daran arbeitet, Die nationale Grüße unö Wohlfahrt des deutschen Lolkes^nach jeder Beziehung hin zu mehren. So verschwindet denn an seinem Ehrentage jeder Parteiunterschied und einmüthig bringt ihm die Nation ihre innigsten Segens- und Glückwünsche dar — möge auch nicht der leiseste Hauch dieses selten-reine Bllo nationaler Uebereinstnnmung trüben!
Bei uns ist nunmehr überall die parlamentarische Oster- pause eingetreten, auch der Bundesralh wird wohl zur Stunde in die Osterferien gegangen sein. Am vergangenen Donnerstag hielt er noch eine Plenarsitzung ab, in welcher er eine ganze Reihe von Berichten, Vorlagen u. f. w. erledigte, darunter das Schlußprotokoll der am 15. Mai 1883 zu Berlin unterzeichneten Convention mit dem Königreich Madagascar. lieber die Dampser- SubventionS-Vorlage wollte sich der Bundesrath in einer seiner nächsten Plenar- Sitzungen definitiv schlüssig machen. Bis zum Wiederzusammentritte des Reichstages und des preußischen Abgeordnetenhauses, die an einem und demselben Tage, am Dienstag den 14. April, ihre Sitzungen wieder aufnehmen, wird demnach eine gewisse Ebbe in unserer inneren Politik herrschen, da andere wichtige Fragen, als diejenigen, über welche im Reichstage die Entscheidung noch aussteht, nicht vorliegen. Es wird sich daher der Blick in dieser Zeit mehr den auswärtigen Angelegenheiten zuwenden und ist es hier vornehmlich die afghanische Frage, in der sich die Auspicien bezüglich ihres glücklichen Ausganges immer ungünstiger gestalten. Die Nachrichten über die kriegerische Haltung Englands überstürzen sich förmlich und den Givfelpunkt dieser Nachrichten bildet bie von der englischen Regierung beschlossene Einberufung der Armee Reserven und Milizen, wovon dem Parlamente durch eine Botschaft der Königin Mittheilung gemacht worden ist. Auch die Sprache der tonangebenden Londoner
Blätter, besonder- Der „Times", ist den militarb'djen Vorkehrungen in England und Indien durchaus angemessen und auch im Parlamente tritt die Regierung fortwährend sehr bestimmt auf. So erklärte Granville in der Freitagssitzung dcß Oberhauses, die Regierung halt- fest an der von den beiden großen Parteien in der Afghanenfrage gewünschten energischen Politik, oock könne er den Taz des Beginnens der Grenrabsteckunq noch richt anaeben. Der russische Bot ich alter habe am Donnerstag erklärt, die russische Regierung erwäge die jüngste Mitthellung Englands und werde alsdann antworten. Der Emir von Afghanistan sei von dem jüngsten Arrangement mit Rußland verständigt und habe seinen Truppen Befehle gegeben, welche von denselben jetzt befolgt werden. Von dem Kriegs- geraffel jenseits des Canals sticht aber die Ruhe, welche man russischerseits zur Schau trägt, merkwürdig ab, welche darauf hindeutet, daß in Petersburg bie drohende Haltung Englands nicht so ernst genommen wird.
Die militärische Situation im Norden TongkingS hat sich mit einem Schlage zu Ungunsten der Franzosen geändert. Auf die Nachricht von der Niederlage derselben bei Dangdonq ist eine noch weit schlimmere Hiobspost gefolgt: General Negrier ist schwer verwundet und zur Räumung der von den Franzosen erst nach blutigen Kämpien besetzten Festung Langion gezwungen worden. Die betr. Depesche des französischen Oberst-Commandirenden, Generals Brivre de l'Jsle, weist auf die Uebermacht der Chinesen hin, die namentlich auf dem Songkoy-Flusse in immer größerer Anzahl erschienen, spricht aber die Hoffnung aus. daß es trotzdem gelingen werde, das ganze Delta zu halten und fordert schließlich von der französischen Regierung die thunlichst baldige Ab- sendung weiterer Verstärkungen. In Folge der schlimmen Nachrichten aus Tongking hat das Ministerium Ferry bie Mobisisirung aller vierten Bataillone und die Einberufung der Freiwilligen aller Regimenter angeordnet, 5000 der infcribirten Küstenbewohner sollen einberufen werden. Ferner will die Regierung von der Kammer einen Credit von 200 Mill. Frcs. verlangen, die eine Hälfte desselben, ist für das Kriegsministerium, die andere für das Marine- Ministerium bestimmt. Dieses Credit-Verlangen i|t jedoch in der Kammerverhandlung am 30. ds. nicht gebilligt worden und hat in, Folge dessen das Cabinet Ferry seine Demission gegeben.
Die militärischen Operationen der Engländer im westlichen Sudan sind anscheinenD für längere Zeit gänzlich in's Stocken gekommen. Eine Depesche aus Dongola besagt, daß die Generäle Wolseley und Buller daselbst mit dem Stabe des englischen Expeditions-Corps am Samstag eingetroffen sind. Die „Rückwärts-Concentrirung" des Letzteren wird hiermit auch dem blödesten Auge offenbar und die fernere Mitthellung. daß General Wolseley beabsichtigte, sich am Montag von Dongola weiter nach Kairo zu begeben, beweist sür'S Erste, daß alle größeren Unternehmungen der Engländer in der Richtung nach Khartum aufgegeben sind, der Oberst-Commandirende würde sonst schwerlich das Expeditions-Corps verlassen.
In Canada ist ein Mestizen-Ausstand ausgebrochen. Die Insurgenten sind Mischlinge aus französisch-indianischem Blute; es ist noch unbekannt, welche Motive der Erhebung zu Grunde liegen.
Allgemeiner Anzeiger.
Achversteigkrum;.
Im Licher Stadtwalde, Districte Eisenkaute, Dickesiell, Monchkopfe und llntererspeierlingskopf kommt Donnerstag den 9. und Freitag den 10. April 1. I. nachverzeichnetes sehr schönes Bau- und Werkholz zur
Länge — 88,93 Fstm.
Durchm., 10
M.
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in der Lchwein-
Birkenstämme v. Eichenderbstgn. v. Hainbuchen- und Buchenderbstgn. v. Birkenderbstgn. v.
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= 4,70
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10-13
10—14
Ctm.
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Am zweiten Tag ist die Zusammenkunft am BurkhardSfelder Vwinalweg Morgens 9V3 Uhr bei dem Floß und der Anfang in der Eisenkaute. An diesem Tage konnnen wiederholt von obengenannten Holzarten zur Versteigerung mit Ausnahme der Fichtenstämme und Fichtenderbstangen, welche den ersten
48
56
92
9,23 0,71 0,83 8,83 9,—
4,32
Versteigerung:
455 Eichenstämme von 15—35
20 Fichtenstämme „ 14—27
1 Kiefernstamm bis 34
1 Rothbuchenstamm bis 46
60 Hainbuchenstämme v. 14-17
6 12 Fichtenderbstgn. v. 10—13 „ „ 18
Den ersten Tag Zusammenkunft Morgens 9ll2 Uhr stallsheege bei dem Pflanzgärtchen. Der Anfang im Unterenfpeierlingskopf, wo von allen obengenannten Holzarten zum Ausgebot kommen.
Tag zur Versteigerung gelangen.
Lich, am 30. März 1885.
Grobherzogliche Bürgermeisterei Lich.
2363 Walz.
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