Aufregung über den schrecklichen Vorfall. Garnier war erst 37 Jahre alt und verheirathet.
Cassel, 27. October. Diese Nacht gegen Vrl Uhr wurden die Bewohner unserer Stadt und Wehlheidens durch Feuerlärm erschreckt. Bald erfuhr man denn, das; die in der Gemarkung von Wehlheiden in der Nähe der Strafanstalt gelegene Farbenfabrik von Urban, die erst seit einem Jahr im Betrieb ist, in Flammen stehe. Als die Wehl- beidcner und Casseler Feuerwehr anlangten, vermochten sie Anfangs nicht viel auszurichten, da Wassermangel vorhanden war. Ueberhaupt konnte nicht viel an Löschen gedacht werden, da das Feuer, das im Dachstuhle entstanden war, durch den Wind sich alsbald allen Theilen des Gebäudes mitgetheilt hatte und durch die Masse von Fettstoffen re. die großartigste Nahrung erhielt. Das zur Fabrik gehörige langgestreckte Wohnbaus wurde von allen Bewohnern verlassen, die mit ihren Habseligkeiten die Nacht auf freiem Felde campirten. Eine Wöchnerin wurde herausgeholt und im Dorfe untergebracht. Der Feuerwehr gelang es aber, das Feuer von dem Wohnhause abzuhalten. Das Fabrikgebäude war nach Verlauf von zwei Stunden völlig ausgebrannt und nur noch die kahlen Umfassungsmauern und der Schornstein ragten aus den Trümmern heraus. In dem Fabrikgebäude lagerten u. a. mehrere hundert Centner „Casseler Braun". Das ganze große Dach bestand aus Holz mit Bretteroerschalung, wiederum mit Dachpappe gedeckt, und gab ebenfalls, nebst den großen Holzfußböden, die vom Feuer getrennt waren, reichliche Nahrung. Versichert sind die Gebäulichkeiten, außer bei der Landesbrandkasse, bei dem Londoner Phönix. — Von fremden Spritzen waren, ohne jedoch zur Thätigkeit zu kommen, anwesend: die Casseler, Wilhelmshöher und Rothenditmolder; die hiesige Feuerwehr rückte um 4 Uhr von der Brandstelle ab.
— In Brooklyn sind in der letzten Zeit mehrere werthvolle Erfindungen von Deutschen gemacht worden. Kaum hat ein dortiger Deutscher, Herr Ducker, den ersten Preis für ein tragbares Feldhospital erhalten, da hat auch schon wieder ein anderer Brooklyner, gleichfalls ein Deutscher, Herr Ernst Bauer, zwei neue Erfindungen gemacht. Die erste ist eine Lebensrettungsweste und die andere eine Vorrichtung, mittelst welcher die Lebensrettungsgürtel schnell vertheilt werden können. Die Weste ist aus Gummi und kann schnell aufgeblasen werden. Die Person, die eine solche anthut, kann zwei andere Leute über Wasser halten. Die zweite Erfindung besteht aus einem Behälter, in dem sich die Lebensrettungsgürtel befinden. Ein Druck mittelst eines elektrischen Drahts öffnet den Behälter und die Gürtel fallen auf das Deck.
Literarisches. •
Meyer's ConverfationS-Lexikon. Vierte, durchaus umgec^rbeitete Auflage mit 550 JUustrationsbeilagen und 3000 Abbildungen im Text. Zweiter Band. Verlag des Bibliographischen Instituts in Leipzig. — Es reicht dieser zweite Band bereits weit in den zweiten Buchstaben des Alphabets hinein. Der Prüfung liegt also nunmehr bereits ein ansehnlicher Theil des berühmten Werkes vor, zu dessen Neugestaltung sich die hervorragendsten Kräfte vereinigt haben. Und wirklich ist auch ein eminenter Fortschritt zu constatiren, so daß mancher Besitzer der vorhergehenden Auf
lage neidisch auf die stattlichen Repräsentanten der gegenwärtigen schauen wird. Man sicht, in der ganzen Anordnung des Stoffes, in der planmäßigen Raumverwendung, in der knappen, abgerundeten Darstellung ist ein zielbewußtes Vorgehen; man hat in Bezug auf Uebersichtlichkeit und praktischen Gebrauch das Möglichste und jedenfalls sehr viel mehr als bisher geleistet, und schon in diesen äußeren Dingen verdient die neue Auflage mustergiltig genannt zu werden. Größer und wichtiger ist jedoch die Vervollkommnung im Innern. Ein unerschöpflicher Schatz von Belehrung ist hier niedergelegt und wir können sicher sein, daß auch alles darin enthalten ist, was mir brauchen. Möge es sich um einen neuen politischen oder wirthschaftlichen Begriff, um das Ergebniß einer wissenschaftlichen Forschung handeln, suchen wir Orientirung über unsere jungen Colonien u. dergl., stets sind wir einer befriedigenden Auskunft gewiß. Und genügt das Wort nicht, so werden mir noch auf's Trefflichste unterwiesen durch irgend eine Abbildung, eine Karte, einen Schlachtplan u. dgl. Denn auf die textliche Illustration ist wiederum erstaunlich viel verwendet worden, wir finden eine ganze Reihe von Fächern damit ausgeftattet, die früher der Abbildungen entbehren mußten. Von unschätzbarem Werthe erscheint eine außerordentliche Vermehrung der Artikel, wobei besonders der praktische Gesichtspunkt den Ausschlag gegeben hat. Für biographische Nachweise, Neuigkeiten auf technischem Gebiete (hier ist die sachgemäße Illustration besonders zu rühmen) ist eine größere Reichhaltigkeit kaum denkbar, während wir eine solche Fülle der neuesten statistischen Angaben auf so engem Raum, wie sie z. B. die Artikel: „Australien", „Baden", „Bayern", „Belgien", bei klarer, übersichtlicher Gruppirung aufweiscn, selbst in Specialwerken vergebens suchen. Viele der Artikel sind wahre Musterstücke populär-wissenschaftlicher und encyklopädischer Behandlung, entsprechend den bedeutenden Namen ihrer Verfasser. — Unter den nicht weniger als 43Jllustrationsbeilagen, Karten und Plänen sind wieder einige in Chromodruck ausgeführt (unter letzteren „Augenkrankheiten" und als besonders zeitgemäße Beigabe „Bakterien" mit Dr. Koch's Cholerabacillus rc.), während für die interessanten „Autographen berühmter Personen" (4 Quartseiten) das photographische Verfahren angewendet wurde. Der schöne, kunstgeschichtliche Atlas wurde um eine Anzahl interessanter Blätter vermehrt. In der That eine durchaus verbesserte Auflage, welche die Beweise eines wahren Bienenfleißes ihrer Bearbeiter und der Umsicht einer vorzüglich organisirten Redaction auf jedem Blatte zeigt. — Kein Wunder, daß Herr Webster in Edinburg, ein bekannter Gelehrter und Mitarbeiter der „Encyclopaedia Britannica“, jüngst schreiben konnte: „Wer irgendwie Deutsch versteht und ein zuverlässiges populäres Buch zur täglichen Auskunft wünscht, kann nichts Besseres thun, als sich Meyer's Lexikon anzufchaffen. Und wer es noch nicht versteht, kann seine Zeit nicht besser anwenden, als es zu lernen, blos um ein solches Buch gebrauchen zu können."
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