Ausgabe 
1.10.1885 Zweites Blatt
 
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Vermischte-.

Bad Salzschlirf (an der Eisenbahn Gießen-Fulda). Nachdem von den neuen Besitzern des hiesigen Bades manche verbessernde Einrichtung in Bezug auf gute Verpflegung und angenehmen Aufenthalt getroffen und für dauernde Besetzung der badeärztlichen Stelle gesorgt wurde, (das gegentheilige Verhältniß wurde früher oft als Mangel empfunden) hat sich die Frequenz unseres Kurortes ganz bedeutend gehoben.

Mitte Juni waren bereits nicht nur sämmtliche Wohnungen in den 3 Logir- hausern des Etablissements, sondern auch die Logis in den meisten Privathäusern besetzt und reichten, trotzdem deren Zahl durch Neubauten für dieses Jahr vermehrt worden waren, in der hohen Saison nicht aus; es ist in Folge dessen bereits die Herrichtung weiterer Wohnungen für die nächste Saison projeclirt.

Schon zu Anfang August war die höchste Frequenzziffer der früheren Jahre überstiegen. Die überaus große Wirksamkeit der Salzschlirfer Kurmittel macht sich in immer weiteren Kreisen bekannt, wofür wohl als Beweis angeführt zu werden verdient, daß 7pCt. der die hiesige Kur gebrauchenden Gäste Aerzte waren. Auch das Ausland hatte diesmal eine verhältnißmäßig hohe Zahl von Besuchern gestellt.

Außer dem stark eisenhaltigen Temchelbrunnen, der Schwefel- und Bitterwasser­quelle, den Sool- und Moorbädern, sowie der an keinem Luftkurort besser anzutreffenden sehr ozonreichen Luft, kommt der Bonifaciusbrunnen als Kurmittel hauptsächlich in Betracht. Dieser steht als stärkste aller existirenden Lithionqucllen einzig da; sein Gehalt an Lithion (als specisisches Heilmittel gegen Gicht, Nieren- und Blasenleiden, Harngries, Nieren-, Blasen- und Gallensteinbildung geltend) übertrifft denjenigen der bedeutendsten concurrirenden -Quellen von Baden-Baden 4mal, Aßmannshausen 7mal, Homburg lOmal und die Kronenquellen in Obersalzbrunn 20mal.

Coblenz, 27. September. Wenn je eine Nachricht im ganzen Rheinthal Schrecken verbreitet hat, so ist es die von dem ganz ungeahnten und alsbald so massen­haften Auftreten der Reblaus in den ausgedehnten Weinbaubezirken um Honnef. Der Fall greift zu tief in unseren nationalen Wohlstand ein, um mit Gleichgiltigkeit be­handelt zu werden. Alle Vorsicht, welche die Regierung schon in der Gegend von Linz, mit oft fast zu scharfer Rücksichtslosigkeit gegen die Besitzrechte der Winzer, angewandt hatte, hat sonach nichts geholfen und wir sehen den edlen Rheinwein mehr als je vom Untergange bedroht, leider wieder durch die Einfuhr amerikanischer Reben. An solchen ausländischen Stöcken beim Steinbüscher Hof bei Honnef wurden die ersten Rebläuse entdeckt und der gestern hier eingetroffene Bericht darüber redet von einer enormen Ausdehnung der Phylloxera in der Honnefer Gemarkung. Am räthselhaftcsten ist dabei die erste Entstehung dieses Heerdes, denn der am meisten angegriffene Weinberg wurde schon vor 30 Jahren angelegt und er trug schon seit ca. 12 Jahren, seit 1873, kranke Reben, die damals $11111 Theil auch rasch abstarben, so daß man das geheime Vor­handensein einer gefährlichen Krankheit fürchtete. Seit 2 Jahren stand das Wachsthum der ganzen Fläche total still und alle Operationen der Winzer halfen nichts mehr; die Blätter der sämmtlichen Stöcke, so sagt der Bericht, hingen welk und matt, als ob sie zu dünn seien, nieder und es zeigten sich keine Nebenansätze mehr; als dann die Winzer den Stöcken durch scharfes Zurückstutzen neuen Antrieb geben wollten, muß gerade dadurch jedenfalls der Brut des Jnsects freier Spielraum gegeben worden sein, denn nun begann erst das Absterben der Reben in weiterem Kreise, so daß nmn fast von Tag zu Tag die fortschreitende Verwüstung beobachten konnte, bis endlich die Negierungs­commission den wahren Grund feststellte. Man sollte nun denken, jeder Winzer werde ähnliche Anzeichen in seinem Besitzthum sofort zur Anzeige bringen, da er sonst die sichere Vernichtung seines Eigenthums erwarten darf, aber immer noch werden alle Rückgänge der Reben nur dem Regen, schlechtem Boden oder zu wenigem Dünger zu­geschrieben und die Reblauscommission wird möglichst hinter's Licht geführt, weil sie möglicherweise, um die Ausbreitung eines Jnfectionsheerdes zu verhüten, gezwungen ist, eine Anzahl Stöcke, wenn auch gegen Vergütung, auszureißen.

Zum Glück sind, wenigstens die Gegenden des eigentlichen engeren Rheinthals von hier auswärts bis gegen Bingen und Johannisberg, noch frei von der Reblaus, es wäre aber ein Verlust von Millionen, wenn die Districte Rüdesheini, Geisenheim, Aßmannshausen rc. inficirt würden und deshalb kann die Vorsicht gar nicht streng genug walten.

Die Ernteaussichten sind diesmal doch noch ganz leidlich, es wird keine großen Massen geben, auch an der Mosel nicht, aber die Sorten stehen ziemlich alle in guter Qualität, die den Ausfall schon ersetzen kann! Süße weiße Trauben sind hier schon lange auf dem Markte und kosten pr. Pfund 25 Pfg., der Preis sinkt aber auch bereits und wird wohl bis auf 10 Pfg. gehen.

^Deutliche Namensunterschrift.j Der Reichskanzler hat an die Behörden folgende Verfügung gerichtet:Mehrere Herren, welche Actenstücke an mich einreichen, schreiben ihren Namen so, daß die Unterschrift zwar ihnen selbst als Ausdruck desselben gelten kann, für Andere indessen unverständlich bleibt. Es ist dies absolut unzulässig und eine deutliche Unterschrift nicht allein aus Pflichten des Amtes, sondern schon aus denen der Höflichkeit nothwendig. Auch abgesehen von meiner Person, hat Jedermann, welcher eine amtliche Unterschrift erhält, das Recht, den darunter befindlichen Namen mühelos und ohne Zuhülfenahme des Staatshandbuchs außer Zweifel zu stellen. Es wird mir unerwünscht sein, wenn ich genöthigt werde, einzelne Herren besonders und persönlich aus diese Verpflichtung aufmerksam zu machen; ich werde aber dazu schreiten, sobald mir wieder Veranlassung geboten werden sollte. Ich stelle die dienstliche Forderung, daß jeder Beamte seinen Namen so schreibt, daß er nicht allein entziffert, sondern auf den ersten Blick geläufig gelesen werden kann." Das dürfen sich auch

andere Leute gesagt sein laffen, die in möglichst undeutlicher Namensunterschrift oft das Unentzifferbarste leisten.

sWeibliche Geschäftsreisende.) DerMagd. Ztg." schreibt man: Ein Kauf­mann in S. in Süddeutschland bat seit einigen Wochen weibliche Reisende angestellt, um Geschäfte zu machen und an Gehalt, Spesen rc. zu sparen. Ist das nicht ein Zeichen der Zeit? In G. habe ich heute selbst mit einem weiblichenZeichen der Zeit" und zwölf männlichen Collegen im Gasthause gesessen und unter uns Allen hatte das jungfräulicheZeichen der Zeit" die besten Geschäfte gemacht. Warum auch nicht? Sieht man doch ein junges hübsches Mädchen immer gern und kauft ihr folg­lich auch etwas ab. Für sog. Confectionsartikel namentlich sind Damen, denen vom Wickelkissen an der Putz im Kopfe steckt, wie geboren, und an Geläufigkeit der Zunge (Haupterforderniß eines Reisenden) fehlt's, wie allbekannt, Damen auch nicht. Das betreffende Haus hat bereits 5 Damen als Reisende angestellt und soll sich sehr gut dabei stehen. Uns männlichen Reisenden will ich nur wünschen, daß der Erfinder ein hundertjähriges Patent auf seine weiblichen Reisenden genommen hat, damit es kein Concurrent nachahmen kann, sonst sind wir Alle perdu. (Wo bleibt aber das ewig Weibliche", wenn die Damen nächstens Jahr aus, Jahr ein auf der Landstraße liegen, wie die Geschäftsreisende zu sagen pflegen, und häufiger in den Hotels und in Herrengesellschaft als im häuslichen Kreise zu finden sind? Weibliche Wein- und Liqueurreisende würden dieser Neuerung die Krone aufsetzen. R.)

Das bekannte CoupletSchwamm drüber" in der OperetteDer Bettel­student" ist durch folgende Verse bereichert worden:

Im Lande der Kastanien, Im wunderschönen Spanien, Dort, wo der Don Quixote^ Der Welt einst ward zum Spotte, Da ist man jetzt sehr kitzlich.

Karline sei nicht hitzig;

Du hast das Jnselfieber, Schwamm drüber.

College Salamanca, Der sandte jüngst mit Dank ja 'nen Orden uns zurücke, Weil der ihn etwus drücke.

Ha! ^>tolz liej)' ich den Spanier, , So denkt der Sevillanier.

Ich aber sag': mein Lieber, Schwamm drüber.

sEr meint's gut.] Ein Dampfmühlenbesitzer empfiehlt sich, wie folgt: Den geehrten Ackerbürgern und den herumliegenden Landleuten empfehle ich als vorzügliches Düngemittel Knochenmehl. Auch bin ich gegen eine geringe Vergütung bereit, den Herren Landwirthen ihre eigenen Knochen zu mahlen.

Literarisches.

Das Geographische Institut zu Weimar publicirte kürzlich das dritte Blatt der von ihm herausgegebenen vierblättrigen Karte von Afrika, im Maßstabe von 1 : 8 Millionen. Erwähntes Blatt umfaßt das äquatoriale und südliche Afrika, mit Ausschluß der Westküste. Indem dadurch u. a. auch die mächtigen Besitzungen der deutsch-ostafrikanischen Gesellschaft, sowie das ebenfalls unter deutschen Schutz getretene Sultanat Witu auf der Karte zur Darstellung gelangen, erhält dieselbe gerade heute ein besonders erhöhtes Interesse. Sieben diesen neuen deutschen Erwerbungen seien als namentlich interessante Theile der Karte u. a. noch erwähnt: Die vollständig neue Form des oberen Congo und seiner Seen, welche wir den Forschungen des kühnen Reisenden Giraud verdanken; ferner die Abgrenzung der äquatorial-afrikanischenFrei­handelszone" und desCongo-Staates", sowie die Einzeichming des neuen britischen Protectoratsgebiets im inneren Südafrika. Wie die Verlagshandlung anzeigt, eröffnet sie zu Anfang October ein neues Abonnement auf diese Kettler-Müller'sche Wandkarte von Afrika und zwar in 4 halbmonatlichen Lieferungen ä 2

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