Nr. 228 Zweites Blatt Donnerstag den 1. Oktober 1889
Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.
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S>ÄTM* r Schulstraße 7.
Erscheint tLglich mit SvSnahme des
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' also die Verhandlungen von Cabinet zu Cabinet fortgesetzt werden und sei die । ^°ffnun9 "och keineswegs aufgegeben, daß bei der Loyalität und Aufrichtigkeit ! der diplomatischen Beziehungen, die zwischen dem deutschen Reiche und Spanien
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■n »■ 5Ia”Litiil Ichaftlichen Interessen aller Länder und Völker Oesterreichs, besonders aber die Wahrung der Einheit und Machtstellung des Reiches betont und mit Genug. t Ahnung auf die Theilnahme der Vertreter aller Völker Oesterreichs an den
w I ^beiten des Reichsraches hingewiesen. Schließlich empfiehlt die Thronrede den
.^geordneten den Geist der Mäßigung und eine ruhige sachliche Prüfung aller t Vorlagen- Auffallend erscheint, daß in dem knappen, der auswärtigen Politik
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gewidmeten Passus des Aufstandes in Ost-Rumelien mit keiner Sylbe Erwäh- wng gethan wird. — Gleichzeitig mit dem österreichischen Reichstage sind auch beiden Häuser des ungarischen Reichstages zusammengetreten. Im Un-
obwalten, die Herbeiführung einer unmittelbaren Verständigung über den strittigen Gegenstand, gelingen werde.
Die Thronrede, mit welcher am Samstag der neugewählte öster-
Zur friedlichen Lösung der Karolinen-Frage sind in jüngster Leit zwei Kundgebungen zu verzeichnen. Wie bekannt, hat Spanien die von Deutschland vorgeschlagene Vermittelung des Papstes angenommen und säst unmittelbar daraus wurde gemeldet, daß sich das Berliner Cabinet durch die Ent- schuloigung, welche die spanische Regierung wegen der Madrider Pöbel-Excesse gegeben hat, für befriedigt erklärt hat. Durch diese Erklärung hat die ceremo- nrelle Seite der Karolinen-Angelegenheit ihre Erledigung gefunden und die fach- l,che Seite derselben wird jetzt allein hervortreten. Ob die päpstliche Ver- Mittelung wirklich nur eine solche sein oder ob sie vielmehr den Charakter eines Schiedsgerichts tragen wird, ist noch etwas unklar. Während die „Germania" wiffen will, der Papst werde in der That als Schiedsrichter fungiren, schreiben die „Berl. Polit. Rachr.", daß es sich eben nur um eine Vermittelung handle. Diese Vermittelung würde indessen erst dann Platz greifen, wenn sich eine directe Verständigung beider Theile nicht erzielen lassen sollte. Zunächst würden
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mW. Hospital M solche, die iahen und unw u berücksichtigt.^
Politische Ueberskcht.
Gießen, 30. September.
Die Anwesenheit des Fürsten Bismarck in der Reichshauptstadt hat sich, wie man jetzt erfährt, in der Hauptsache auf den Termin für die preußischen Landtagswahlen, die Berufung der parlamentarischen Versammlungen, die Landtags- und Reichstags-Vorlagen — besonders über Budget- Angelegenheiten — bezogen. In den letzten Tagen ist hierüber vom Kanzler mit den Ressort-Chefs eingehend conferirt worden und dürften die bezüglichen Anordnungen in der Hauptsache den Gegenstand des letzten Ministerrathes gebildet haben. Daß auch die braunschweigische Frage während des Aufenthaltes des leitenden Staatsmannes in Berlin mit erörtert worden ist, geht aus der längeren Conferenz hervor, die er in voriger Woche mit dem braunschweigischen Staatsminister Grafen Görtz-Wrisberg gehabt hat. Merkwürdig ist, daß von Braunschweig von officiöser Seite aus auch jetzt noch geleugnet wird, es seien bezüglich der Regentschafts-Frage bereits feste Bestimmungen getroffen, ja, es werden auch alle über die Person des zukünftigen Regenten von Braunschweig umlaufenden Mittheilungen als durchaus unzutreffend bezeichnet. Da es ein offenes Geheimniß ist, daß dem in etwa 3 Wochen zusammentretenden braunschweigischen Landtag vom Regentschaftsrathe nach wie vor nur Prinz Reuß als Regent vorgeschlagen werden wird, erscheint das Verfahren der braunschweigischen Officiösen unerklärlich.
Die erwartete kaiserliche Verordnung, welche das Jnkraft- treten des Unfallversicherungs-Gesetzes in seinem vollen Umfange vom 1. October an verfügt, ist erschienen. Das Schriftstück ist datirt Baden-Baden, den 25. September 1885.
Zwischen die sächsischen und preußischen Landtagswahlen fallen die Wahlen zum badischen Landtage und beginnen die llrwahlen am 9. October. Wie bei den Reichstagswahlen, so handelt es sich auch bei Äen Landtagswahlen in Baden in der Hauptsache nur um einen Kampf zwischen den Nationalliberalen auf der einen und Ultramontanen und Demokraten auf der anderen Seite. Bis jetzt blldeten die liberalen Abgeordneten in der badischen zweiten Kammer gerade die Hälfte der Mitglieder, nämlich 42. Es ist aber gerade nicht unwahrscheinlich, daß den Liberalen jetzt einige Mandate verloren gehen, da Ultramontane und Demokraten vielfach zusammengehen werden. In diesem Falle würde jedenfalls zunächst das badische Schulgesetz, d. h. die gemischte Schule, fallen und wahrscheinlich noch so manche Errungenschaft der liberalen Aera unter dem Ministerium Turban. Ob letzteres jedoch schließlich selbst dem Anstürme der badischen Centrumspartei wird weichen müssen, ist noch «ine Frage, denn es ist bekannt, wie hoch gerade das Ministerium Turban in dem Vertrauen des Großherzogs steht.
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terhause wurde von Krany eine Interpellation über die auswärtige Politik der Regierung, insbesondere mit Rücksicht aus die Kaiserbegegnung in Kremsier und die Ereignisse in Ost-Rumelien angekündigt. Außerdem meldete der Deputirte Helfy eine Anfrage an die Regierung über den Besuch des Kaisers in Bosnisch- Brod an.
Ein Telegramm aus Sofia meldet, daß 300 bewaffnete Macedo- nier dort eintrafen und sofort von der Grenze weg nach Ost-Rumelien dirigirt wurden. — Die „Times" bezeichnen die Gerüchte, die britische Regierung verlange den Status quo ante in den Balkan-Staaten, für unbegründet. Die britische Regierung that keinerlei Sonderschritte, sie cooperire mit den Mächten, um einen Ausgleich der sich widersprechenden Ansprüche herbeizuführen.
Eine Uollrsdouche.
Wichtigkeit der Hautpflege für die menschliche Gesundheit ist einer der wenigen Punkte, über die wohl alle Sachverständigen einig sind. Mit der Förderung der in der öffentlichen und persönlichen Gesundheitspflege eine so große Rolle spielenden Reinlichkeit ist indessen die Bedeutung von Waschungen und Bädern keineswegs erschöpft. Eine weitere, sehr wichtige Wirkung derselben besteht darin, daß sie dem Körper Wärme entzieht. Als Mittel, die Wärmeabgabe unseres Körpers zu be-. schleunigen, sind sie natürlich besonders in heißer Jahreszeit geschätzt. Eine dritte noch nicht allseitig genügend gewürdigte Bedeutung kommt den kalten Waschungen und Badern dadurch zu, daß ihre regelmäßige Anwendung abhärtend aus das Hautorgan wirkt. v
Von Erkältungskrankheiten hat Jeder gehört, wenn nicht selbst daran gelitten. Der plötzliche Uebergang von einer hohen in eine niedrige Temperatur, der Einfluß von Rässe, gleichviel ob diese Vorgänge nur örtlich wirken oder den ganzen Körper treffen, rufen bei Vielen Erkrankungen hervor. Je nachdem dieser oder jener Theil weniger widerstandskräftiger ist, kommt es zu Katarrh der Nase (Schnupfen), des Rachens (Halsentzündung), des Kehlkopfs, der Luftröhre und Lungen (Husten), des Darms (Durchfall), wohl auch zu schmerzhaften Affectionen der Gelenke und Muskeln (Rheumatismus, Reißen). Je geübter die mit der Megulirung der Wärmeabgabe betrauten Muskeln, Blutgefäße und Nerven der Haut sind, dem Kältereiz in einer Weise zu begegnen, welche den Körper nicht schädigt, desto weniger ist derselbe für Erkältung empfänglich. Die Erfahrung lehrt nun, daß kalte Bäder und Waschungen einen werthvollen Schutz gegen Erkältung gewähren. Wie du Bois-Reymond mit Rosenthal ver- muthet, beruht dieser Schutz auf einer Hebung der glatten (unwillkürlichen) Muskeln der Haut und ihrer Gefäße. Kalte Waschungen und Bäder- sind „Turnen" der glatterr Hautmuskeln.
Bassins-, Fluß- und Seebäder leisten ausgezeichnete Dienste, sind aber nicht immer und nicht für Jeden anwendbar. Da sich für kalte Bäder gewöhnliche Badewannen nicht wohl eignen, weil diese für die im kalten Bade nöthigen Bewegungen zu eng smd (in Badeanstalten benutzt man deßhalb zu kalten Vollbädern große Bassins), so hat man längst Douchen hergestellt, die es zu jeder Jahreszeit ermöglichen, im Hauff ein sogenanntes Regenbad zu nehmen. Die Wassermengen, welche zu diesen Badern gebraucht werden, sind sehr gering, weil das Wasser in seiner Vertheilung außerordentlich sparsam zu verwenden ist. Zu Wannenbädern sind viel bedeutendere Wassermengen nothig. Einen weiteren Vortheil gegen das Wannenbad bietet das Regenbad dadurch, daß es viel weniger zeitraubend ist. Außerdem regt es durch die mechanische Einwirkung des herabfallenden Wassers die Nerven und Gefäße der Haut kräftiger an. Aus diesen Gründen bürgern sich auch die Regenbäder in neuerer Zeit immer mehr in öffentlichen Anstalten ein; namentlich in Kasernen hat sich die Massen- douchung der Soldaten, auch in Bezug auf die Reinheit der Luft (was helfen alle Ventilationseinrichtungen, wenn der Mensch selbst durch Unreinlichkeit eine Quelle der Luftverunreinigung bildet!) ausgezeichnet bewährt.
Mit Recht wird daher für Volks- und Fabrikbäder dem System der Regenbäder warm das Wort geredet, zumal sie sich ohne große Kosten einrichten lassen. Tie meisten Zimmer-Doucheapparate sind dagegen zu kostspielig, als daß an ihre allgenieine Einführung zu denken wäre. Einen billigen Ersatz liefert die bekannte Handbrause. Angenehmer als diese wirkt die von Herrn Pfarrer R. Lechler in Roßwälden (Württemberg) erfundene Volksdouche, welche nebst Rolle je nach der Länge des Seils für 6
7 ^ einschließlich der Verpackung (durch ganz Deutschland portofrei) vom Flaschner (Klempner, Spengler) Th. Kurfeß in Aalen (Württemberg) durch die Post verschickt wird. Der auf der Landesausstellung in Stuttgart 1881 prämiirte Apparat hat auf der Berliner Hygieine-Ausstellung sich die Anerkennung der Sachverständigen, insbesondere auch jene des Herrn Generalarzt Pros. Dr. Roth (Dresden) und des Herrn Prof. Dr. Lassar (Berlin) erworben, dessen Volks(Regen)-Bad sich auf der Hygieine-Ausstellung eines so großen Beifalls erfreute. Der überaus billige Preis erklärt sich dadurch, daß Herr Lechler „zum allgemeinen Besten" auf eine Patentirung der Volksdouche verzichtet und dieselbe ausdrücklich preisgegeben hat. Ehre und Dank dem Menschenfreunde!
Die Douche besteht aus einem Blechgefäß, in dessen Boden eine mit Stöpselventil versehene Brause eingelassen ist und das an einem Seil über eine Rolle auf- und abgelassen werden kann. Die Rolle wird entweder in einen Deckenbalken oder in einen besonderen an der senkrechten Wand befestigten Wandarmträger eingeschraubt. Nach unseren Erfahrungen empfiehlt es sich, bei der Bestellung der Douche ausdrücklich zu verlangen, daß die Brause mit wagrechter Fläche geliefert wird. Besitzt dieselbe eine convexe Wölbung, so sprüht das Wasser stark über das Unterstellgefäß hinaus und benaßt den Fußboden. Als Unterstellgefäß dient am zweckmäßigsten eine runde, mit einem etwa 15 (Zentimeter hohen Rand versehene Zinkwanne von wenigstens 1 Meter Durchmesser.
Bemerkt sei noch, daß sich die Volksdouche auch sehr leicht für den Gebrauch von Strahlendouchen, wie solche häufig als Heilmittel verordnet werden, einrichten läßt. Zu diesem Zwecke läßt man an der Seite des Blechgefäßes, dicht über dessen Boden, eine kleine, etwa 6 (Zentimeter lange Blechröhre einlöthen, auf welche der mit einem Messinghahn versehene Gummischlauch befestigt wird. Der letztere kann auch zum 2ln: und Abschrauben eingerichtet werden.
Wer fein Hautorgan durch kühle Regenbäder abhärten will, der beginne in der warmen Jahreszeit und zwar Morgens sofort nach dem Aufftehen. Anfangs benutze mau bis auf 28° R. erwärmtes Wasser und gehe allmälig bis zur Zimmertemperatur herab. Keiner besonderen Betonung bedarf es, daß dem Bade eine rasche und kräftige Abtrocknung zu folgen hat. Auch zu Reinigungsbädern läßt sich die Volksdouche benutzen. Dian doucht sich mit Wasser von 28° R. ab, seift den Körper ein und entfernt durch ein nochmaliges Douchen die Seife. Jin Interesse der Abhärtung dürste es sich empfehlen, schließlich eine kalte Uebergießung folgen zu lassen, wozu ein bereit- stehender Eimer Wasser genügt.
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Zagen würbe eine Hb. ötobaiöon gebeten, biefelbe Exped. d. Bl- ab-
ndieteti- .i.r^,,«x?tonreöe> mit welcher am Samstag der neugewählte öfter- t . reuhlsche Retchsrath rite eröffnet worden ist, liegt nunmehr in ihrem Wortlaut vor. Das Hauptgewicht legt die Thronrede auf oie innere Politik und zählt —PJoCCPni öa^e ^ihe von Vorlagen auf, welche das Arbeitsprogramm des Reichs- l] | rathes bilden werden. Unter ihnen erscheinen die Vorlage, welche sich auf die »Erneuerung des Zoll- und Handels-Bündnisses mit Ungarn bezieht, das Landsturmgesetz, die Vorlage über Abänderung des Zolltarifs, das Krankenversiche- n rungsgesetz , das Gesetz über die galizische Flußregulirung und das Militär-
UoWWir ^lictengefftz als die wichtigsten. Ueber den Nationalitätenzwist gleitet die kaiserliche Thronrede mit großer Vorsicht hinweg und bewegt sich nur in )1OS', <>land- allgemeinen Ausdrücken. In denselben wird die Pflege der geistigen und wirth-
. a Zlayv . Interessen aller Senhor vL


