Ausgabe 
1.10.1885 Erstes Blatt
 
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einmal, Liebs zweimal. Don den Kindern starb das eine wenige Stunden nach der Oebun an allgemeiner Schwäche, das andere, ein Mädchen von 8 Jahren, an Tuber- culose des Gehirns.

Vermischtes.

Odenhausen a. d. Lahn, 29. September. In der Nacht vom 26. auf den 27. d. M. erscholl gegen 1 Uhr früh dahier der Ruf: Feuer. Eine bis obenhin wohl­gefüllte Scheune einer in der ganzen Umgegend wohl gekannten und geachteten, wohl­habenden Familie stand mit einem Male in Hellen Flammen, und gelang es nur mit Aufbietung aller Kräfte, das mächtige Feuer von den ringsum stehenden Wohnhäusern und Scheuern fern zu halten. Die Einwohner unseres Dorfes sind den benachbarten Ortschaften, ganz besonders auch dem wirksamem und schleumgem Eingreifen der Feuerwehren von Ruttershausen, Lollar und Staufenberg aus dem benachbarten Hessen sehr zu Dank verpflichtet.

Die Hülfe wurde bereitwillig, prompt und mit Geschick geleistet und sie verdient I lebhafte Anerkennung. In derartigen Nothfällen ist vortreffliche Gelegenheit zu wirk- | samer Betätigung der Nächstenliebe geboten.

Fast scheint es, als läge der traurige Fall von Brandstiftung vor, und es hat sich eine Reihe von Jndieien ergeben, die auf diese beklagenswerte Perrrrung i Ees neidischen oder von Haß erfüllten, gesunkenen Menschen schließen lassen.

Wünschenswerth ist es, wenn dergleichen Verbrechen, wo solche vorliegen, nicht verdeckt und verborgen bleiben, sondern wenn sie ans Tageslicht gefördert werden. Das fordert die Ruhe und Sicherheit und der gute Ruf der Einwohner eines Dorfes.

T rei§ a d. Lumda, 29. Sept. Heute Morgen um 8 Uhr, als gerade der größte Theil der Einwohnerschaft im Felde bei der Kartoffelernte beschäftigt war, er­tönten plötzlich die Sturmglocken. In dem Hause des Heinrich Wolf dahier war Feuer ausgebrochen. Ein in dem oberen Stockwerke des Hauses sich befindliches Bett war dadurch in Brand geraten, daß ein vierjähriges Mädchen, wie cs sogleich selbst cm- | gestanden hat, mit Streichhölzern spielte, dieselben entzündete und hinwegwarf, wobei dann ein solches auch in betreffendes Bett geflogen sein muß. Dank dein energischen I Eingreifen der rasch herbeigeeilten Leute konnte das Feuer bald als gelöscht betrachtet | werden Jedoch sollte dieser Vorfall der Familie selbst einen traurigen Verlust bringen, indem die Schwiegermutter des qu. Wolf, welche schon von verschiedenen Unglucks- fällen heimgesucht wurde, durch den jähen Schrecken verursacht, bei dem Ausräumen von einem Herzschlag getroffen zusammensank und bald darauf eine Leiche war. Die Frau des betr. Wolf, welche aus dem Felde kam, fiel, als sie von beiden Uiiglucks- fällen benachrichtigt wurde, in Ohnmacht. Dieser traurige Vorfall mahnt abermals mit eindringlichster Stimme, beim Aufbewahrcn der Streichhölzer Vorsicht zu gebrauchen, damit dieselben nicht geistig noch unmündigen Kindern in die Häiide fallen können.

E. Homberg a. d. Ohm, 28. September. (Einweihung von Neu-Ulriche ftdn.J Heute Mittag wurde die Arbeiter-Kolonie Neu-Ulrichstein, sals völlig fertigge­stellt, eingcweiht. Die Feier begann um 1 Uhr Mittags unter Beisein der Herren Prälat Habicht-Darmstadt, Sr. Excellenz derGeheimerath Dr. Goldmann-Darm­stadt, Prov.-Direktor Dr. Boekmann, Pf. Dr. Strom berger-Zwingenberg (Berg­straße), Polizeirath v. Hergen Hahn-Frankfurt, Ministerialrath Rothe-Darmstadt, Freiherr v- Rabenau-Friedelhausen u. A. m.

In ihren Ansprachen suchten die genannten Herren darzulegen, mit wie viel Mühe, Arbeit und Kosten das ganze Werk verknüpft gewesen sei und sprachen die sichere Erwartung aus, daß die ganze Anstalt nicht umsonst entstanden sei, sondern vielen dem Versinken Nahenals sicherer Rettungsort dienen möge.

Die Ansprachen wechselten mit kirchlichen Liedervorträgen, die von den Kolonisten (z- Z- 11) und einigen Handwerkern gesungen wurden, ab. Bei dem hierauf folgen­den Gabelfrühstück leerte Herr Regicrungspräsident v- Wurmb-Wiesbaden, der be­merkte, daß man eben nicht in den lauten Jubel, in dem sich unsere Herzen befänden, einstimmen könne, still sein Glas, auf das Wohl unserer Landesfürsten, die sich in so liebevoller Weise der Anstalt angenommen hätten Um 4 Uhr war allgemeiner Auf­bruch; es wird dieser, einem so ernsten Zwecke gewidmete Mittag, Jedermann im Gedächtniß bleiben und wünsch.'n auch wir der Anstalt ein rasches und fröhliches Emporblühen.

Heining mit Gascokes.

Beim Herannahen der Bedarfszeit erlauben wir uns, unsere aus westphalischen Kohlen gewonnene

Gaseokes

als gutes und besonders reinliches Heizmaterial für Wohnräume, Geschäftslokali­täten und Säle in empfehlende Erinnerung zu bringen-

Die Gascokes gewinnen als beliebtes Heizmaterial auch hierorts wie ander­wärts immer größere Verbreitung und sind insbesondere ein vorzügliches Heizmaterial für die verschiedenen Construetiouen von Füllöfen.

Es ist für das gute Brennen der Eokes von) besonderer Wichtigkeit, daß die­selben in möglichst gleichmäßiger Größe Nußgröße verwendet werden und sind wir durch die Anwendung einer Cokesmühle in den Stand gesetzt, unsere Gascokes in der zweckmäßigsten Größe zerkleinern und liefern zu können.

Um einen Versuch mit denselben zu erleichtern, geben wir solche schon in halben Centnern ab; auch sind wir gerne bereit, in solchen Fällen, wo es gewünscht wird, sachkundige Anleitung zum Heizen mit Eokes zu ertheilen.

Da wir bei dem häufigen Zusammentreffen zahlreicher Bestellungen im Winter mitunter nicht alle Aufträge so schnell wie wünschenswerth ausführen können, empfiehlt es sich, den betr. Bedarf möglichst zeitig vorher aufzugeben.

6425 Gießener Gaswerk.

Allgemeiner

Anzeiger.

Bekanntmachung.

Vom 1. October er. ab wird der zum Anschluß an den Courierzug 301 und den Personenzug 306 an den Sonntagen beförderte Personen - Extrazug von Wildungen nach Wabern nicht mehr gefahren.

Cassel, den 27. September 1885.

Königliches Eisenbahn - Betriebs - Amt.

(Main-Weser- Babn.) 7006

Mrhesßslhe

Am 1 October d. A. tritt ein Aus­nahmetarif für die Beförderung von Holz, Infusorienerde und Braunkohlen-Briquets zwischen den diesseitigen Stationen und den hauptsächlichsten belgischen Stationen in Kraft.

Die gegenwärtig bestehenden einzelnen Tarifsätze für Grubenholz und Eisenbahn­schwellen gelangen dadurch zur Aufhebung, soweit jedoch Taxerhöhungen damit ver­bunden find, finden die billigeren Sätze noch bis zum 15. November d. I- An­wendung- Nähere Auskunft ertheilen die Verbands-Güterexpeditionen. 6981

Gießen, den 26. September 1885.

Grobherzogliche Direktion-

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