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01/10/1885 Erstes Blatt
 
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Donnerstag den 1. October

1885

Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Brii Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mart

Erscheint tSHkLH mit «KSmchme de« Montag».

Vmeeanr Schulstraße 7.

Kriegsstärke der Armee könnte ange-

auch nichts.

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der activen Armee mit 815,000 Mann. Territorial'Armee mit 454,000 Mann

aufgestellt werden können, und zwar aus tonaler Kavallerie und Artillerie. Die nommen werden:

An Infanterie aus 815 Bataillone

Arankreich.

Pari-, 28. September. Frankreich hat fleißig und mit Erfolg an seiner neuen Heer- und Wehr-Organisation gearbeitet. An materiellen Mitteln hat es saft einen Ueberfluß und ist in dieser Hinsicht der Fehler von 1870 vollständig gut gemacht. Wenn trotzdem behauptet wird, daß die französische Armee noch nicht fertig ist, so sind die Ursachen hierfür zu suchen in dem ewigen Aendern und Wechseln, der geringen bisherigen Stetigkeit der Entwickelung, in dem

ießencr Anzeiger

Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.

Hierzu kommen noch 180 Bataillone der

Infanterie. Die Kavallerie würde bestehen aus 392 activen und 148 Terri- torial-Escadrons, die Artillerie aus 545 activen Batterien (incl. Festungs- Artillerie) und 35 Territorial'Batterien mit 180,000 Mann und 2500 Ge­schützen , und die Genietruppen aus 50.000 Mann, so daß die active Armee sich im Ganzen aus 1,030.000, die Territorial-Armee aus rund 555,000 Monn zusammensetzen würde. Dieses würden sämmtlich Cmnbattanten sein. Rechnet man die noch nothwendigen Mannschaften für die Kadres des Trains und der Verwaltungs-, sowie Sanitätstruppen hinzu, so ergiebt sich eine Gesammtmachd von 1 800,000 Mann. Nach seinem augenblicklichen Wehrgesetz versügt Frank- reich über rund 3,700,000 Mannschaften in den Listen u. s. w., so daß der Kriegsbedarf vollauf gedeckt ist. In dieser Beziehung also kann Frankreich mit Ruhe der Zukunft entgegensetzen. Die Hauptarbeit bleibt aber noch zu leisten, das ist die innere Kräftigung der Armee, die wahre Detailarbeit in Ausbildung der Mannschaften und Osficiere und die Erziehung zu einer Disciplin, wie wir sie in unserem Heere gewohnt sind. Ohne eine solche Helsen die größten Massen

Rr. 228. Erstes Blatt

Frankreich ist im Stande, im Mobilmachungsfall sofort aus seinen 19 Armee-Corps 24 zu sormiren, welche in erster Linie verwandt werden kön­nen und die ungefähre Stärke einer deutschen haben. Es treten hinzu voraus­sichtlich 8 Kavallerie-Divisionen. In zweiter Lmie würden noch 8 Armee-CorvS Marsch - Infanterie - Regimentern terri-

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Keutschkand.

Baden-Baden, 29. September. Um 4 Uhr Nachmittags erfolgte der feierliche Einzug des Erbgroßherzoglichen Paares Am Bahnhof wurde das­selbe begrüßt vom Freiherrn von der Goltz Namens des Kaisers, vom Grafen Fürstenstein Namens der Kaiserin, vom Stadtdirector v. Goeler und dem Ober- Bürgermeister Goenner. Das neuvermählte Paar hielt seinen Einzug unter Glockengeläute und Kanonendonner in die glänzend geschmückte Stadt nach dem neuen Schloß, wo der Großherzog nebst Gemahlin und der deutsche Kronprinz das Paar begrüßten. Sämmtliche Vereine defilirten. Den Schluß bildete der Hochzeitsmarsch und Hymne von Pohl, componirt von Rübner. Abends findet Vorstellung bei den kaiserlichen Herrschaften statt, alsdann erfolgt ^eine Rund­fahrt durch die illuminirte Stadt. (Fr. Ztg.)

Chemnitz, 28. September. Socialistenprozeß. Nach dem Anklagebeschluß wird den Angeklagten zur Last gelegt, an einer Verbindung zur Beförderung und Erreichung bestimmter, der geschlossenen Zahl ihrer Mitglieder bekannter Zwecke der in $ 1 des Gesetzes gegen die gemeingefährlichen Bestrebungen der Socialdemokratie gedachten Richtung theilgenommen zu haben, beziehentlich Theilnehmer einer solchen Verbindung zu sein, deren Dasein, Verfassung und Zweck vor der Staatsregierung geheim gehalten werden soll und zu deren Zwecken oder Beschäftigungen es gehört, Maßregeln der Ver­waltung oder die Vollziehung von Gesetzen durch ungesetzliche Mittel zu verhindern oder zu entkräften, insbesondere dadurch, daß sie möglichst viel Preßerzeugnisse des in S 11 des Socialistengesetzes erwähnten Inhaltes trotz der entgegenstehenden Bestimmung dieses Gesetzes hergestellt und verbreitet haben. Letzteres haben sie auch bezüglich bereits nach diesem Gesetze verbotener Druckschriften, darunter die periodische Druckschrift Der Socialdemokrat" gethan. Schließlich werden die Angeklagten beschuldigt, Ver­sammlungen der in 8 9 des genannten Gesetzes gedachter Art bez. Versammlungen überhaupt mit Umgehung der in dieser Beziehung bestehenden gesetzlichen Vorschriften über das Vereins- und Versammlungsrecht heimlich abgehalten zu haben. Die An­geklagten bekennen sich sämmtlich der ihnen zur Last gelegten Strafthat nichtschuldig, nachdem Bebel Namens Aller auf Befragen die Erklärung abgegeben hatte, daß sie sich auf die wider sie erlassene Anklage auslasfen wollten. Der Vorsitzende gab hierauf einen kurzen Uebcrblick über die Wandelungen in der socialdemokratischen Partei und ihre Organisation bis zum Erlaß des socialistengesetzes. Seitens der Angeklagten wurde hiergegen keinerlei Einwand erhoben, Nachdem eine Reihe belastender Artikel aus demSocialdemokrat" und andere schriftliche Aufzeichnungen vorgelesen worden waren, suchten die Angeklagten darzuthun, daß die socialdemokratische Partei nach Erlaß des Socialistengesetzes keine feste Organisation mehr besitze, wenigstens keine solche, daß man von einerVerbindung" im Sinne der Anklageschrift sprechen könne. Als eine Reichstagsrede Dollmar's verlesen werden soll, macht der Vertheidiger, Rechts­anwalt Freytag, darauf aufmerksam, daß diese Maßnahme im Hinblick auf die Ver­fassung unstatthaft sei; der Vertheidiger bemerkte ausdrücklich, daß er der Verlesung nicht widersprochen habe, weil er den Inhalt der fraglichen Rede für die Angeklagten burchaus nicht als belastend ansehen könne, er habe formell das Recht des Reichstags­abgeordneten gewahrt wissen wollen. Da Rechtsanwalt Munckel der Verlesung dieser Rede ausdrücklich widersprach, so zog sich der Gerichtshof zur Beschlußfassung zurück und verkündete bei seinem Wiedereintritt den Beschluß, den Einwand der Ver- lheidigung als unbegründet zu verwerfen. Hierauf erfolgte die Verlesung der ge­dachten Rede.

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[ Mangel einer Disciplin, wie sie aus dem Gefühl der Treue und Anhänglichkeit I ar. k-n angestammten Herrscher und Kriegsherrn entspringen kann, und in dem geringen Abschluß der Armee als solcher gegen die verderblichen Einflüsse des politischen Lebens. Die französische Armee ist uns ein Beispiel, wie die Stärke eines HeereS'Organismus noch auf anderen Faktoren beruht, als blos auf der Grundlage möglichst großer Mittel an Personal und Material. Letzteres hat Frankreich besonders berücksichtigt und wenn die Armee seit 1870/71 noch nicht den innern festen Halt gefunden hat, so ist dieser daraus kein Vorwurf zu machen, wohl aber der im Lande herrschenden Parteiwirthschaft.

Es ist interessant, sich einen Ueberblick zu verschaffen über die enormen Zahlen an personellen Streitkräften, mit denen unser westlicher Nachbar nach kaum 14jähriger Neuordnung seiner Heerverhältnisse rechnen kann.

Landes - Baugewerkschule Darmstadt.

Die Landes-Baugewerkschule zu Darmstadt beginnt ihre» zehnten Jahres - Cursus am 16. November l. I., welcher 4 Monate, also bis zum 15. März 1886 andauert.

Dieselbe soll, zwischen Handwerkerschule und technischen Hochschule die Mitte haltend, insbesondere Bauhandwerkern, sowie Maschinen- und Mühlen­bauern, Gelegenheit bieten, sich die für einen selbstständigen Gewerbebetrieb erforderlichen theoretischen Kenntnisse und die nothwendigen Fertigkeiten im Zeichnen und Entwerfen von Plänen für die praktische Ausführung zu erwerben. Auch soll die Baugewerkschule zur Ausbildung von Werkmeistern, Parlieren, Bau- aufiehern rc- dienen.

Der Unterricht wird an den Werktagen während der ganzen Tageszeit ertheilt. Die Schule umfaßt 2 Klassen mit folgenden Unterrichtsgegen­ständen Freihand- und geometrisches Zeichnen, darstellende Geometrie (einschließlich Schattenconstructionen und Perspective), Bauconstructionslehre (einschließlich Stabilitäts- und Festigkeitsberechnungen), Elemente der Maschinen-Constructionen, Fachzeichnen, Entwerfen von Bauanlagen, kunstgewerbliches Zeichnen, technisches Rechnen, Algebra, Geometrie, Feldmeßkunde (einschließlich Planzeichnen), Materialienkunde, gewerbliche Buchführung, Theile der Bauführung mit Unfertigen von Kostenvoranschlägen, Grundlehren der Physik und Mechanik, Modelliren in Thon, Holz rc.

Die Unterrichtslocale befinden sich Neckarstrabe Nr. 3, unfern von den Bureaulocalitäten, der Bibliothek und der technischen Mustersammlung des Großherzoglichen Gewerbvereins, so daß die letzteren von den Schülern besucht und geeignet benutzt werden können.

Bedingungen zur Aufnahme sind:

1. Für vie untere Abtheilung, die ! Klaffe: In der Regel werden nur solche Schüler ausgenommen, tvelche eine mindestens ein? jährige Beschäftigung in einem technischen Gewerbe nachweisen können; Ausnahmen hiervon werden nur in besonderen Fällen gestattet. Von den Auszunehmenden wird nur der Nachweis der Kenntniffe verlangt, welche den von der Oberklasse einer Volksschule Entlaffenen zukommen sollen.

2. Für die obere Abtheilung, die II« Klaffe, muß außerdem der Nachweis ausreichender Kenntniß der niederen Arithmetik, einer an­gemessenen Fertigkeit im Freihand- und geometrischen Zeichnen, sowie in der Lösung einfacher Aufgaben der darstellenden Geometrie, und der Befähigung, sich im Deutschen gehörig schriftlich verständlich machen zu können, geliefert werden. u r

Das Schulgeld beträgt für die ganze Unterrichtszeit 30 Mark und ift beun Beginn des Curses vorauszubezahlen.

Anmelduugen zur Aufnahme wolle man möglichst frühzeitig und längstens bis zum 31. Oktober l. I. schriftlich bei der unterzeichneten Stelle oder auch mündlich auf dem Büreau derselben Neckarstraße 3 im III. Stock bewirken.

Darmstadt, den 15. September 1885.

Großherzoaliche Centralstelle für die Gewerbe und den Landesgewerbverein.

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Telegraphische Depeschen.

Wolff's telegr. Eorrespondeur - Bureau.

Berlin, 29. September. Vormittags wurde im Reichstagssaale durch den Cultusminister der Geologencougreß eröffnet. Der Minister begrüßte die erschienenen Geologen 9tamens der Regierung. Dechen wurde zum Ehrenpräsidenten, Prosesior Beyrich zum Präsidenten gewählt. Nachmittags erfolgt die Eröffnung der geologischen Ausstellung in der Bergakademie.

Berlin, 29. September. DieNordd. Allg. Ztg." widerspricht der Itachricht von einer bereits factisch vollzogenen directen Verständigung zwischen Spanien und Deutschland und fügt hinzu, zunächst bleibe die zweite spanlsche Note deutscherseits zu beantworten. Der Entwurf der Antwort liege dem Kaiser vor, das Actenstuck werde voraussichtlich erst Ende der Woche nach Madrid abgehen.

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