hat jedoch in hochherziger Weise den Gedanken ihres verstorbenen Gatten verwirklicht und dessen ganze Bibliothek, darunter über 100 Handschristen, der Universität zum Geschenk angeboten, das selbstverständlich dankbar angenommen wurde. Die Sendung, aus 13 großen Kisten bestehend, befindet sich unterwegs und wird dieser Tage in Heidelberg eintreffen.
— Dem ordentlichen Professor in der mathematischen und naturwissenschaftlichen Fakultät zu Straßburg, Or. de Bary, ist vom König von Schweden das Ritterkreuz des schwedischen Nordstern-Ordens verliehen worden.
verwischtes.
Alsfeld, 24. August. (Vogelsberger Höhenclub.^s Die vor einigen Tagen im „Deutschen Haus" Hierselbst unter Vorsitz ocs Herrn Oberamtsrichters Fresenius aus Schotten stattgefundene 5. Generalversammlung des Vogelsberger Höhenclubs war auch von auswärts ziemlich zahlreich besucht. Vor Eintritt in die Tagesordnung gedachte der Vorsitzende in warmen Worten der Verdienste des seitherigen Präsidenten des Vereins, des verstorbenen Steuer - Eommissärs Klingclhöffer zu Schotten, den zu ehren die Versammlung sich von ihren Sitzen erhob. Der von dem Vorsitzenden Namens des Central - Ausschusses erstattete Rechenschaftsbericht zeigte — wenn auch einige Sectionen rühriger hätten sein können — ein erfreuliches Bild gesunder Ver- ^nsthätigkeit. Die Zahl der Mitglieder in den 19 Sectionen beträgt mehr als 1000; überall im Oberwald sind Wegweiser angebracht; eine Anzahl Aussichtsgerüste ist an hervorragenden Punkten errichtet, andere werden in der Kürze in Angriff genommen. Während des Winters wurden hie und da geeignete wissenschaftliche Vorträge gehalten oder gernüthliche Zusammenkünfte gehalten, an welchen auch die Damen Antheil nahmen. Von den vielen gefaßten Beschlüssen seien nur erwähnt: 1) daß der Hauptausflug auf den Hoherodskopf im künftigen Jahre versuchsweise an einem Werktage abgehalten werden soll, um auch Geistlichen und Lehrern die Theilnahme zu ermöglichen; 2) daß der Section Schotten zur Errichtung eines Aussichtsgerüstes auf dem Reippcrts eine Beihülfe von 150 Jt, 3) der Section Nidda zur Errichtung eines Säulentempels auf der Altenburg eine solche von 50 JL verwilligt wurde. Zum Präsidenten wurde Herr Kreisrath Dr. Wolf in Schotten, als Mitglied des Central- Ausschusses Herr Apotheker Scriba daselbst einstimmig gewählt. Nach Schluß der Versammlung fand ein gemeinschaftliches Essen im Fries'schen Garten statt, an welchem ca. 70 Personen theilnahmen und das durch gute Musik (Kapelle Kimpel) und eine Reihe ernster und heiterer Toaste gewürzt war. Hieran reihte sich ein gemüthliches Gartenfest, welches auch die Damenwelt durch ihre Anwesenheit verschönerte und dasdie Gäste bis zum Abgang der letzten Züge zusammenhielt. Die 6. Generalversammlung wird in Nidda stattfinden.
Darmstadt, 27. August. Gestern Abend war die Obergasse wieder der Schauplatz eines größeren Auflaufs, der dadurch veranlaßt worden, daß ein Stein in die Ulrich'sche Wirtschaft geworfen wurde. Da das dort im Quartier liegende Militär annahm, dieser Wurf gelte einem Sergeanten, rückte schnell ein Trupp Soldaten vom 117. Infanterie-Regiment mit aufgepflanztem Seitengewehr aus, was das Signal zur Ansammlung einer großen Menschenmasse gab, verschiedene Militärpatrouillen herbeizog, die auch eine Anzahl Civilperjonen, welche sich ihren Anordnungen nicht fügen wollten, festnahmen. Da die Leute tndeß nichts gethan hatten, so wurden sie von der Polizei alsbald wieder entlassen; zu Ausschreitungen, resp. Thätlichkeiten kam es übrigens nicht. (N. H. V.)
Seligenstadt, 23. August. Verschiedene Tagesblätter brachten unlängst die Mittheilung, daß Herr Hainebach, Sohn des hiesigen Kaufmanns Herr H. Hainebach, nach mehrjähriger Abwesenheit zum Besuche seiner Angehörigen hier eingetroffen sei. Derselbe sei seither in der Wörmann'schen Factorei auf einer Hulk in einem Flusse des Kamerungebietes als Beamter enaagirt gewesen. Nach seinen Mittheilungen hätten sich die Niederlassungen deutscher Lanosleute in dortiger Gegend ungemein vermehrt, seitdem dieselbe unter dem Schutze des deutschen Reiches stehe. Behufs Berichtigung der in jener Notiz unterlaufenen Jrrthümer können mir aus bester Quelle mittheilen, daß Herr Hainebach weder auf einer Hulk, noch in einem Flusse des Kamerungebietes beschäftigt war und noch nie eine Aeußerung bezüglich der angeblichen Vermehrung deutscher Niederlassungen gethan hat. Der junge Herr war vielmehr Agent einer Zweigstation am Kuiluflusse, welcher ungefähr unter dem 4. Grade südlicher Breite liegt. Er wohnte etwa 50 Meilen oberhalb der Flußmündung, nicht auf einer Hulk, sondern auf dem Festlande. Das Kuilugebiet steht nicht unter deutscher, sondern ieit einigen Monaten unter französischer Herrschaft. Herr Hainebach hält es für ungemein schwer, den Lesern einen annähernden Begriff von jenem Gebiete zu verschaffen. Wir beschränken uns darum vorläufig auf folgcnoe, allgemeines Interesse beanspruchenden Mittheilungen:
Die Kamerun-, Gaboon-, Ogenee-. (Sette kama-, Kuiln- und Congogebiete stehen momentan nur in den ersten Anfängen Der Civilisation. Die dortigen Europäer sind bezüglich ihrer Naturalverpflegung fast ausschließlich auf die Zufuhr aus Europa angewiesen. Nur für Handelszwecke europäischer Häuser existiren die dortigen Ansiedelungen. Der Plantagenbau liegt noch in der Wiege. Die klimatischen Verhältnisse sind recht ungünstige, obgleich bei einer soliden und regelmäßigen Lebensgewohnheit das Klima weniger schädlichen Einfluß auf den menschlichen Körper äußert.
Eine dauernde Ansiedelung von deutschen Auswanderern an den Kamerun- und Kuilngcbieten ist kaum möglich, da für diese Leute auch nicht die mindeste Bequemlichkeit vorhanden ist, vielmehr nur die Unbilden des Klimas und der Eingeborenen den Einwanderer erwarten.
Der Handel ist vorzugsweise Tauschhandel. Die Agenten kaufen Elfenbein, Gummi elaetik, Palmöl und Palmkerne. Als Zahlung dienen diverse europäische Artikel, als Zeug, Rum, Pulver, Feuersteingewehre, Glasperlen, Messer u. dergl. Geld ist wenig oder gar nicht bekannt. Die Eingeborenen sind Neger, träge, feige und hinterlistige Menschen. Obwohl nicht civilisirt, sind sie doch sehr empfänglich für Cultur. Indessen dürften noch viele Jahre verstreichen, ehe jene Gegenden den Segen der Civilisation einigermaßen genießen. (N. H. V.)
— sFaßglasurI Zum Zweck der Conservirullg von Holzgefäßen wird die in Nachstehendem beschriebene Faßglasur empfohlen, welche sv ziemlich den im Handel vorkommenden Faßglasuren entsprechen dürfte: Es werden 1 Kg. brauner Schellack, 125 Gr. venetianisches Terpentin und 125 Gr. Colophonmm in einem geräumigen Gefäße geschmolzen; man läßt die Masse hierauf so weit abkühlen, daß sie gerade noch dünnflüssig erscheint, und versetzt sie alsdann mit 6 Liter 90proccntigen Alkohols, wodurch sie stark aufquillt. Die Glasur kann hierauf sofort verwendet und auf das Holz, welches gut trocken fein muß, aufgetragen werden. Ein-, zwei- bis dreimaliger Anstrich derselben genügt, um alle Poren zu schließen und die Oberfläche des Holzes glatt und glänzend zu machen. Die Glasur verträgt, wenn sie einmal verhärtet ist, Temperaturen bis zu 70 Grad Celcius, ohne darunter zu leiten; dieselbe soll das Eindringen von Flüssigkeiten in die Wände von Fässern und anderen Holzgefäßen völlig verhindern. Mit Ocker gemengt, kann die Glasur auch als Fußbodeulack Verwendung finden.
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. — [SEie gewonnen — fo ;enonnen.J Heber die Bewahrheitung dieses alten Sprichwortes erzählt die „Neue Zeitung" Folgendes: Es wird sich io Mancher noch eines Mannes aus den sechsziger Jahren erinnern, der im alten Hofjäger Blümer» verkaufte und wegen seines sprudelnden Humors viel Abnehmer für seine Waare, die ausgewürfelt wurde, fand. Ter Händler hatte sich bereits ein Sümmchen erübrigt. Da gefiel ihm das Handwerk mit den Kindern des Frühlings nicht mehr, er gab ihn auf, zog nach Weißenfee und fing an, mit Ländereien zu speculiren. Das Glück war ihm auch hier hold — in nicht zu langer Zeit war er ein reicher Mann, große Land- ttrmplexe waren sein eigen und sehr bald wurde eine Straße nach ihm benannt. Equipagen, edle Pferde, gallonirte Diener wurden angeschafft und mit weltmännischem Jade fuhr der Begüterte durch die Straßen Berlins. Aber wie gesagt, lange währte Die Freude nickt. Die Ausgaben waren sehr große — plötzlich schlugen einige ^peculationen fehl, der Betreffende gerieth in große Differenzen, aus denen ihn immer neue sehr gewagte Speculationen befreien sollten — vergebens. Es ging mit seinem Vermögen rapid bergab und jetzt — jetzt fährt der ehemalige Millionär wieder mit einem Handwagen zum Markte, um Blumen feilzuhalten.
— .Ein recht artiges Anekdötchen, dessen Mittelpunkt der Berliner Bankier Goldberg ist, kursirt augenblicklich in Börsenkreiscn. Als jüngst der finanzpolitische Vertreter einer fremden Regierung, die sich in permanenten Geld-Schwulitäten befindet, jur Einleitung von^Finanzoperationen in Berlin weilte, sprach auch Herr Goldberger vor. Der Geheim-Secretär meldete den Besuch seinem Vorgesetzten mit den Worten: „Herr Goldberger wünscht Excellenz zu sprechen." — „(Soli) berg er?" wiederholte oiefer mit Nachdruck — wir können jetzt nur einen Geldborger brauchen!" Diese Worte waren so laut gesprochen worden, daß sie der anticharnbrirende Bankier durch die nur angelehnte Thür hören konnte. „Wie schlecht muß es um Eure Finanzen stehen" — soll darauf der schlagfertige Berliner Financier ausgcrufen haben, indem er ohne Antwort abzuwarten, sich entfernte — „wenn man bei Euch schon Buchstaben versetzt!"
lDic Tournüre als Spitzbube.^ Einen neuen Beitrag zu den ebenso zahlreichen als erbaulichen Geschichten von der Tournüre entnehmen wir der „Köln. Z.": Da heißt es: Gestern 'Nachmittag fuhr ein Pferdebahnwagcn durch die Comödicn- straße. Der (Sontroleur steigt auf den Hinterperron auf, vor ihm steht der Eon- ducteur, derselbe schaut fortwährend auf den Boden, bald links, bald rechts, dann guckt er in seine Geldtasche und schüttelt bedenklich den Kopf. Plötzlich springt er mit einem Satze vom Wagen herunter und eilt einer Dame nach, welche soeben vom Wagen abgestiegen ist. Diese hat — auf ihrer gewaltigen Tournüre den Blechkasten mit dem Fahrbillets hängen; sie hat denselben beim Absteigen, ohne es zu merken, mit ihrem Aufsatz von der Ledertasche des Conducteurs aufgehoben und schreitet nun, den Apparat mit den Fahrscheinen auf der Rückseite trageno, stolz davon. Nach kurzem Dauerlauf hat der Wagenbegleiter sie erreicht und seine theurell Billels abgehoben. Die Dame war nicht wenig erstaunt, als sie bemerkte, welchen Diebstahl aus Fahrlässigkeit ihr Anhängsel begangen hatte.
teinQtjanbt.
Gießen, 29. August.
Wenn man die Vergnügungsorte in der Umgegend Gießens besucht, so muß man, mit einer einzigen Ausnahme, sagen, daß in den letzten Jahren nicht roenia zur Bequemlichkeit und Verschönerung derselben geschehen ist. Um so auffallender ist daher auch der Contrast, wenn man diese Ausnahme, den an und für sich sonst schönen Punkt, „die Badenburg", eines Besuches würdigt.
Diese malerische Ruine geht mit Riesenschritten ihrem totalen Verfall entgegen. Es scheint sich hier auch Niemand um die Erhaltung dieses Alterthlims zu kümmern. Macht die nähere Besichtigung schon einen traurigen Anblick von außen, so ist dies noch mehr bei Einsichtnahme des Innern der Fall.
Hoffentlich geben diese Zeilen Veranlassung zur Erhaltung und Renovirung dieser alten und früher gern besuchten Burgruine, und cs wird dann bei einiger aufmerksamer Bedienung und Verabreichung guter und prciswerther Speisen und Getränke der Erfolg ein lohnender sein.
Literarische-.
— sZur Unfallversicherung der Arbeiters Mit 1. October d. I. wird das Reichsgesetz über die Unfallversicherung der im Gesetz ($ 1) näher bezeichneten Arbeiter und Betriebsbeamten im deutschen Reiche in Kraft treten. Nach diesem Gesetz sollen künftig Arbeiter in Bergwerken, Fabriken, Bauhöfen :c. :c. oder deren Angehörigen gegen die Folgen der bei dem Betriebe sich ereignenden Unfälle dadurch gewissermaßen sichergestellt fein, daß sie durch obligatorischen Beitritt zu den beir. Versicherungskassen entschädigungsberechtigt werden. Den Versicherten werden Entschädigungen folgender Art gemährt: 1. Krankengeld, 2. Sterbe- oder Beerdigungsgeld, 3. Rente für die Wittwe und Kinder oder sonstige Asccndenten eines Getödteten, 4. Abfindung der Wittwe eines Getödtetcn im Falle ihrer Wiederverheirathung, 5. Rente an Verletzte bei völliger oder theilweifer Erwerbsunfähigkeit.
Diesen sämmtlichen Bezügen muß der aus dem täglichen Arbeitsverdienst eines Verunglückten nach $ 3 Abs. 2 des Gesetzes berechnete Jahresverdienst zu Grunde gelegt werden. Hat nun schon die Einführung des Krankenversichnungsgesetzes ben damit betrauten Beamten und Behörden manche Schwierigkeiten verursacht, so ist dies noch mehr der Fall bei Einführung und Handhabung des UnfallversichcrungsgesetzeS.
Es wird daher den vielen hierbei Betheiligten, wie u. A. den Beamten der Krankenkassen, Berufsgenossenschaften und der Reichspost sehr angenehm sein, zu erfahren, daß Herr Amtsreoident Ehret in Weinheim, derselbe, dessen „Hilfstafeln zu dem beigedruckten Reichsgesetze über die Krankenversicherung der Arbeiter" (Weinheim, Verlag von Fr. Ackermrann, Preis 1 </M) bereits in vielen Tausenden von Eremplaren im ganzen deutschen Reiche bei den Krankenkassen in Gebrauch sind und sich allenthalben als durckaus zuverlässig und praktisch bewährt haben, nun auch für dieses neue Gesetz zur Erleichterung der schwierigen und umständlichen Berechnung und zur großen Bequemlichkeit für die damit beschäftigten Personen Tarife angefertigt bat, aus welchen die zu gewährenden Entschädigungen bei einem Tagesverdienst von 50 H dis zu 10 JL sofort und mühelos abgelesen werden können. Diese Tarife sind soeben in Der Buchhandlung von Fr. Ackermann, Weinheim (Baden), unter dem Titel erschienen : ,Tarife zu dem beigedruckte« Unfallversicherungsgesetz zur Berechnung der auf Grund dieses Gesetzes zu gewährenden Entschädigungen an die betroffenen Arbeiter*. Wie ans dem Titel zu ersehen, ist das Gesetz selbst sammt Nachträgen den Tarifen vollständig vorgedruckt, so daß dasselbe nicht besonders angeschafft zu werden braucht.
Der Preis des Werkes von 12 Bogen in gr. 4°, auf schönem, starkem Papier mit klarem Druck, ist nur 2.80 JL Wir können die Anschaffung desselben jedem Be- tbeiligten nur empfehlen und bemerken noch, daß die Verlagshandlung das Buch gegen Einsendung des Betrages direct franco überallhin versendet.
r Anzeiger.
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