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nen Industrie«Etablissements bezüglich ihrer Ansichten über die Sonntagsruhe befragt werden sollen. Von Interesse ist auch die Mittheilung derKölner Vvlks-Ztg.", daß in dem jüngst zu Nom abgehaltenen geheimen Consistorium u. A. auch der frühere Erzbischof von Köln, Paulus Melchers, zum Cardinal präconistrt worden ist.

Die in Berlin lebenden Bürger der Vereinigten Staaten Nordamerikas hielten am Dienstag auf der amerikanischen Gesandtschaft ein Meeting ab, welchem der amerikanische Gesandte Pendleton prästdirte. Auf demselben ward aus Anregung *beä Generalconsuls Raine eine Resolution gefaßt, welche der Trauer um das Ableben General Grant's Ausdruck giebt. Der Gesandte wurde ersucht, die Resolution der Familie Grant's zu übermitteln.

In der österreichischen Tagespreise scheinen die Erörterungen über den Zwiespalt im klerikalen Lager im Sande zu verlausen und wird die katholische Centrumspartei einstweilen wohl nur ein Project bleiben; vielleicht dürste aber dec jetzt wieder überkleisterte Riß zwischen dem Hohenwart-Club und dem Lichtenstein-Club im Laufe der parlamentarischen Debatten auf's Neue sich zeigen. Dagegen setzen die deutsch-liberalen Preßorgane ihre Polemik über den zu gründenden deutschen Club des Reichsrathes noch immer fort. Zur Zeit wird der Compromiß-Vorschlag eines hervorragenden deutsch-liberalen Abgeord­neten erörtert, welcher dahin geht, der färb- und bedeutungslose NameVer­einigte Linke" solle fallen gelassen werden, dafür sollen die Deutsch-Nationalen von chrem geplantenDeutschen Club" abstehen und wird vorgeschlagen, daß sich die beiden Fraktionen der österreichischen Liberalen in einemDeutsch- Oesterreichischen Club" vereinigen. Weder die Männer derschärferencTonart", noch die bisherigen Mitglieder der Vereinigten Linken begeistern sich indessen besonders für diesen Vorschlag und es ist darum nach wie vor wahrscheinlich, daß die Liberalen im neuen Reichsrathe zwei besondere Clubs bilden werden, womit sie den auch in ihren Reihen herrschenden Zwiespalt in nicht sehr erfreu­licher Weise illustriren würden.

Die französische Deputirtenkammer beschäftigte sich am Montag und Dienstag wieder einmal mit dem alten Thema der Colonialpolitik. Es handelte sich um den von der Regierung geforderten Zwölf-Millionen-Credit für Madagaskar und war namentlich die Dienstaqssitzung dadurch interessant, daß in ihr der frühere Ministerpräsident, Jules Ferry, sein colonial-politisches Programm erörterte. Er wies den Vorwurf, daß es ihm an Entschlossenheit gefehlt habe, zurück, und führte aus, daß die Colonialpolitik Frankreichs aus politischen und wirthschaftlichen Gründen beruhe und daß gerade jetzt, in dem Augenblick einer bedenklichen wirthschaftlichen Krisis, die Schaffung von Colonieen nutzbringend sei. Die Rede Ferry's wurde indessen an verschiedenen Stellen durch lebhaften Widerspruch unterbrochen, was darauf hindeutet, daß in der Kammer keine große Neigung zu neuen colonialen Expeditionen vorhanden ist. Ferry hob in seiner Rede noch hervor, daß die Colonialpolitik nothwendig sei, um neue Wege zur Ausbreitung der Civilisation zu schaffen, welche die höher stehenden Völker den auf einer niedrigen Bildungsstuse stehenden bringen bürsten und müßten. Da alle Völker in die coloniale Bewegung eintraten, mußte auch Frankreich dies thun. Aus Antrag Clemenceau's wurde sodann die Weiter- berathung des Madagaskar-Credits auf Donnerstag vertagt.

Das Cabinet Salisbury beginnt jetzt, dem egyptischen Problem ernstlich auf den Leib zu rücken und zwar gilt es zunächst, die Lösung und Be­seitigung der sinanziellen Schwierigkeiten. Die egyptische Neun-Millonen-Anleihe ist in Paris, Berlin und London bereits zur Auflage gelangt und darf an deren Erfolg nicht gezweifelt werden. Auch mit der Specialmission Sir Drummond Wolff's wird es nunmehr Ernst; seine Abreise nach Egypten über Konstanti­nopel steht unmittelbar bevor. Sir Drummond hat die Aufgabe, wie der Schatzkanzler Hicks-Beag in der Dienstagssitzung des Unterhauses mittheilte, in den Gebieten, welche dem Khedive durch den Firman von 1879 unterstellt seien, die Segnungen des Fliedens und einer guten Verwaltung zu sichern und die betr. Gegend gegen eine Wiederholung der in den letzten Jahren vorgekommenen Unruhen zu schützen. In England begleitet man die Mission Wolff's mit um so größeren Hoffnungen, als gerade jetzt aus dem Sudan die Bestätigung vom Tode des Mahdi eintrifft. Mit dem Ableben Achmet Mahommed's hat sich die so verwickelte sudanesisch - egyptische Frage für England aus das Glücklichste ver­einfacht. Die Südgrenze Egyptens, deren Sicherung Lord Salisbury in seiner Programm-Rede als einen der schwierigsten Punkte der egyptischen Frage bezeich­nete, scheint nun gesichert und dürfte höchstens noch gegen Briganten zu schützen sein. Dem angeblichen Nachfolger des Mahdi, demKhalisen" Abdullah, über welchen übrigens keine Nachrichten vorliegen, wird es schwerlich gelingen, den Nimbus des Mahdismus wieder aufzufrischen und die ausständischen Sudanesen zum weiteren Kampfe gegen den Khedive und dessen englischen Beschützer zusammenzuhalten.

In der afghanischen Grenzfrage wird bas Dementiren wieder Mode. DasJournal de St. P^tersbourg" bezeichnet dieDaily News" über den angeblichen Inhalt der russischen Antwort in der Zulfikar-Angelegen- heit als nicht gut unterrichtet. Die Zulfikar-Frage schwebe noch und sei Gegen­stand der Verhandlungen. Bevor die Regierungen über den Stand derselben keine Mittheilungen machten, würde man gut thun, anderweitige bezügliche Mit­thellungen vorsichtig auszunehmen.

Die außerordentliche marokkanische Gesandtschaft, welche bis jetzt in Paris weilte, hat nun auch Italien besucht, was vielleicht den Franzosen nicht ganz recht sein mag. Ein italienisches Panzerschiff, derCastel- Fidardo", führte die Marokkaner von Marseille nach Genua über; dieselben wurden am Mittwoch in Mailand vom König Humbert empfangen und beglei­teten ihn am folgenden Tage nach Venedig, wo die marokkanischen Gäste dem Stapellauf der PanzerfregatteMorosini" beiwohnten.

Die Beerdigung der Leiche General Grant's wirb nicht im New-Dorker Centralpark, sondern auf Wunsch der Familie Grant's im River- sidepark am Ufer des Hudson stattfinden. Der New Docker Centralpark wäre allerdings die passendste Ruhestätte für den Retter der Union gewesen.

Berlin, 29. Juli. Das heute ausgegebene Eisenbahn-Verordnungsblatt veröffentlicht den zwischen Preußen und Mecklenburg-Schwerin wegen Herstellung einer Eisenbahn von Stralsund über Damgarten und Ribnitz nach Rostock am 15. December 1884 abgeschlossenen Staatsoertrag, sowie ferner den Erlaß des Ministers der öffentlichen Arbeiten vom 17. Juli, betr. das Verdingungswesen. Der Erlaß, der das Ergebniß der im November v. Js. einberufenen Sachver- stänbigen-Berathung ist, zerfällt in zwei Theile; er trifft zuerst die allgemeinen Bestimmungen über die Vergebung von Leistungen und Lieferungen und sodann

die allgemeinen Vertragsbedingungen für die Ausführung von Hochbauten. Für die Regel wird, wie bisher, öffentliche Ausschreibung der Leistungen und Liefe­rungen vorgeschrieben. Unter Ausschluß jeber Ausschreibung kann die Vergebung erfolgen bei Gegenständen unter 1000 JL, bei Dringlichkeit, bei Arbeiten, die besondere Kunstfertigkeit verlangen, und bei Nachbestellung von Materialien ztrr Ergänzung des ausgeschriebenen Gesammtbedarss, falls kein höherer Preis ver­einbart wird. Mit Ausschluß der Oeffentlichkeit zu engerer Bewerbung können ausgeschrieben werden: N Leistungen und Lieferungen, welche nur ein beschränk­ter Kreis von Unternehmern in geeigneter Weise ausführt; 2) Leistungen und Lieferungen, bezüglich deren in einer abgehaltenen öffentlichen Ausschreibung ein geeignetes Ergebniß nicht erzielt worden ist. Die niedrigste Geldsorderung als solche ist bei der Zuschlagsertheilung keineswegs vorzugsweise zu berücksichtigen. Der Zuschlag darf nur auf ein in jeder Beziehung annehmbares, die tüchtige und rechtzeitige Ausführung der betr. Arbeit oder Lieferung gewährleistendes Gebot ertheilt werden. Ausgeschlossen von der Berücksichtigung sind solche Angebote: a. welche den der Ausschreibung zu Grunde gelegten Bedingungen ober Proben nicht entsprechen; b. welche nach den von den Bewerbern eingereichten Proben für den vorliegenden Zweck nicht geeignet sind; c. welche eine in offenbarem Mißverhältniß zu der betr. Leistung oder Lieferung stehende Preisforderung ent­halten, sodaß nach dem geforderten Preise an und für sich eine tüchtige Aus- fiihrung nicht erwartet werden kann. Nur ausnahmsweise darf in dem letztem Falle (c) der Zuschlag ertheilt werden, sofern der Bewerber als zuverlässig und leistungsfähig bekannt ist und ausreichende Gründe für die Abgabe des aus­nahmsweise niedrigen Gebotes beigebracht sind oder auf Befragen beigebracht werden. Im Uebrigen ist bei öffentlichen Ausschreibungen der Zuschlag dem­jenigen der drei Mindestfordernden zu ertheilen, dessen Angebot unter Berücksich­tigung aller in Betracht kommenden Umstände als das annehmbarste zu erachten ist. Bei engem Ausschreibungen hat unter sonst gleichwerthigen Angeboten die Vergebung an den Mindestsordernden zu erfolgen. Sind ausnahmsweise den Bewerbern die nähern Vorschläge in Betreff der im Einzelnen zu wählenden Constructionen und Einrichtungen überlassen worden, so ist der Zuschlag auf dasjenige Angebot zu ertheilen, welches für den gegebenen Fall als das geeig­netste und zugleich in Abwägung aller in Betracht kommenden Umstände als das preiswürdigste erscheint. Ist keines der hiernach in Betracht kommenden Mindestgebote für annehmbar zu erachten, so sind sämmtliche Gebote abzulehnen. Bei der Vergebung von Bauarbeiten sind im Falle gleicher Preisstellung die am Orte der Ausführung oder in der Nähe desselben wohnenden Gewerbetrei­benden vorzugsweise zu berücksichtigen.

Telegraphische Depeschen.

Wolst'S telegr. Eorresporrdeirr -B«rea«.

Bad Gastein, 30. Juli. Seine Majestät der Kaiser unternahm gestern Abend eine Spazierfahrt nach Backstein und machte heute in Begleitung des Flügeladjutanten, Oberstlieutenant von Plessen, eine Promenade auf dem Kaiserwege. Zur Tafel sind heute Geheimer Regierungsrath Professor Werder und der Badearzt, Bavon Haerdtl, geladen.

Köln, 30. Juli. Wie dieKölnische Volkszeitung" meldet, wurde in dein heutigen geheimen Consistorium Bischof Krementz zum Erzbischof von Köln präkonisirt.

Prag, 30. Juli. In der heutigen Sitzung der Handelskammer wurden folgende Anträge vorgelegt: Es ist von der Regierung zu erwirken die Zuweisung eines Minimale's von 50 Millionen an das Bankfilialnetz Böhmen, die Umwandlung der Prager Filiale in eine Hauptfiliale, die von einer eigenen, aus dem Vorsitzenden und acht in Böhmen wohnhaften Mitgliedern bestehenden Direction geleitet wird. Den Vorsitzenden und zwei Mitglieder der Direction hat die Wiener Hauptstadt zu ernennen, bezüglich der sechs übrigen ist Vorschlag von fünf Handelskammern Böhmens iinb dem Landesculturrath nach Wien zu erstatten. In die Direction der Wiener Hauptanstalt soll der Generalrath ein Mitglied der Prager Hauptfiliale wählen. Bei allen böhmischen Filialen ist die sprachliche Gleichberechtigung zu wahren und die Werthangabe auf den Banknoten auch crechisch auszudrücken. Ein weiterer Theil der Anträge bezieht sich auf den Wirkungskreis der Prager Hauptfiliale. Diese Anträge wurden mit allen gegen die Stinnnen der Deutschen angenommen.

Paris, 30. Juli. Nachrichten aus Hue zufolge sind die Banden der Auf­ständischen desorganisirt. Die französischen Truppen nahmen den Vater Thuyets gefangen.

Rom, 30. Juli. Der Papst überreichte hellte den neuernanntcn Cardinälen den Cardinalshut und kreirte mehrere Bischöfe, darunter Krementz zum Erzbischof von Köln. '

London, 30. Juli. Das Oberhaus nahm sämmtliche einzelne Artikel der Bill betreffend die Aufhebung der Wahlunfähigkeit der auf Kosten der Armenpflege ärztlich Behandelten in der voni Unterhause beschlossenen Fassung an.

Gutem Vernehmen nach sind in London allein nahezu hundert Millionen Pfund auf die egyptische Anleihe gezeichnet.

Unterhaus. Churchill antwortet auf eine Anfrage, die Ausdehnung der Quettabahn bis Schlehlo sei genehmigt; von der Absicht, die Bahn jetzt über jenen Punkt hinauszubauen, sei ihm nichts bekannt, es werde aber viel Eisenbahnmaterial in Quetta concentrirt, so daß falls zu irgend einer Zeit die commerciellen politischen Interessen dies zu begünstigen scheinen sollten, die Linie ohne großen Verzug in bei- Richtung nach Kandahar fortgesetzt werden fönne. (Beifall.) Beach antwortet auf eine Anfrage, die dortige Regierung habe beabsichtigt, die egyptische Anleihe zur öffentlichen Subscription durch die Bank von England gelangen zu lassen, aber der internationale Charakter der Anleihe bedang eine Abänderung dieses Arrangements. Rothschild erhält außer Kosten und Provision fünfhundert Pfund per Million. Der Schriftwechsel mit Rothschild wird dem Parlamente vorgelegt.

Das Unterhaus nahm bei der Einzelberathung der Bill betreffend Einführung eines internen Sftpence-Telegramm-Tarifs sämmtliche Artikel unverändert an und lehnte mit 108 gegen 62 Stimmen das Amendement Manners, wonach die Adresse bei der Berechnung außer Ansatz zu lassen ist, ab.

Petersburg, 30. Juli. Auf kaiserlichen Befehl ist die Aufnahme von jüdischen Studirenden in das technologische Institut zu Charkow auf 10 pCt. der Zahl der ge- lammten Studirenden zu beschränken.

Lokale».

Gießen, 31. Juli. Die hiesige Rudergesellschaft wird nächsten Sonntag den 2. August auf ihrem Bootplatze an der Lahn ihr diesjähriges Sommerfest abhalten. Nach dem uns vorliegenden Programm werden Auf- und Wettfahrten, Entenjagd, Schifferstechen, Feuerwerk, bengalische Beleuchtung ;c., sowie sonstige wassersportlichc Unterhaltungen stattfinden, während die hiesige Militärkapelle den musikalischen Theil desselben übernommen hat.

Möge Gott Pluvius ein Einsehen haben und unseren Wassersportsmäimern diesmal besseres Wetter bescheeren, wie dies sonst gewöhnlich der Fall war.

Verrutschte».

Darmstadt, 29. Juli. sPostpersonalnachrichten.f 1. Ernannt sind die Tele­grapheuassistenten D res er in Worms und Keydel in Bingen zu Obcr-Telegraphen- assistenten.

2. Angestellt sind die Postpraktikanten Bickel und Oster in Mainz als Post- secretaire, sowie die Postassistenten Breidenbach und Heß in Nidda und Michel in Bingen, letzterer als Telegraphenassiftent.