zahlen. Da er 6 Pfennige kostete, so schenkte ihm die Frau das Geld, worauf er sich mit der Bemerkung entfernte, es sei besser, als wenn sie ein Bein gebrochen hätte.
Vorsitzender: Erkennen Sie ihn wieder'/
Angeklagter: Sehen Sie mich genau an.
Zeuge: Der Hut ist mir unbekannt, aber der Mann ist es.
Vorsitzender: Sahen Sie seine verbundene Hand'/
Zeuge: Allerdings.
Die Zeugin Frau Bentheim bestätigt die Aeußerungen Aßmus' und fügt noch an, er habe sich nicht einmal bedankt. Die Hand habe er mit einem Wollentuch umwickelt gehabt.
Vorsitzender: Sie waren doch in Bickenbach.
Angeklagter: Nein! Ich habe kein Papier gekauft.
Vorsitzender: Die Zeugen werden kommen, welche Sie recognosciren.
Dr. Fester: Frau Bentheim hat, ehe sie den Angeklagten sah, eine ganz andere Beschreibung von ihm gegeben.
Ter Wirth Adam Rau aus Bickenbach erkennt Lieske wieder. Er sei, erzählt er, am 14. Januar, Morgens zwischen 7 und 8 Uhr, in seine Wirthschaft gekommen, habe für 5 H Schnaps verlangt und bis gegen Mittags um 12 Uhr zwei Briefe geschrieben. lieber seiner verwundeten Hand habe er eine Mütze getragen und er habe ihm gerathen, er möge nach Zwingenberg zum Dr. Weil gehen. Die Wunde wollte er von einem Falle erhalten haben. Spuren an seinen Kleidern deuteten darauf hin, daß er im Walde geschlafen. Er habe es ihm auch gesagt.
Staatsanwalt Dr. Frehsee: Erkennen Sie den Mann wieder'/
Zeuge Rau: Jawohl! Aufs Bestimmteste.
Vorsitzender: Trug er den Hut'/ (Lieske setzt seinen Hut auf.)
Zeuge Rau: Nein! Er hatte einen breitkrämpigeren.
Vorsitzender: Lieske! Wann sind sie von hier weggegangen'?
Angeklagter: Entweder am 12. oder 13. Januar, Mittags um 2 Uhr.
Vorsitzender: Nun! Zwei Nächte hindurch werden Sie doch nicht gelaufen sein. Warum benutzten Sie die billige Main-Neckar-Bahn denn nicht, wenn Sie noch 13 JL. hatten, wie Sie in der Voruntersuchung gesagt haben'? Warum blieben Sie den Schnaps schuldig'?
Angeklagter: Was'? — Herr Rau erinnern Sie sich nicht, daß ich Ihrer Frau den Schnaps bezahlte? — Ihnen bezahlte ich denselben nicht.
Vorsitzender: Ei! Sie wollen ja gar nicht bei Rau gewesen sein! Angeklagter (betroffen): Oh ja! Nur habe ich keinen Brief geschrieben. Der Zeuge Härtel aus Bickenbach hat ihn schreibend in der Rau'schen Wirthschaft getroffen und mit ihm gesprochen. Er erkennt ihn bestimmt wieder und gibt ebenfalls an, daß Lieske über der verwundeten Hand eine Kappe getragen. — Als er die Wunde gesehen, habe er gleich gesagt: „Hören Sie einmal, das i|t nicht gefallen, das ist entweder gehauen oder gestochen!"
Vorsitzender: Wie war die Mütze'?
Zeuge Härtel: Von Tuch.
Dr. Fester: lieber die Mütze sind sich die Zeugen nicht klar. Man sagt, es sei eine braune, wollene Mütze gewesen.
Angeklagter: Es war ein Lappen.
Zeuge Härtel: Ich weiß doch, was ein Lappen oder eine Kappe ist.
Vorsitzender: Lieske, Sie kommen nicht gut weg mit ihrem Leugnen.
Der Landmirth Peter Hennemann aus Bickenbach, ebenfalls ein Besucher der Rau'schen Wirthschaft, hat sich mit Lieske in ein Gespräch eingelassen und von ihm gehört, daß er Maschinenschlosser sei. Die Wunde habe er angeblich durch eine Feile erhalten.
Vorsitzender: Könne es nicht ein „Fall" gewesen sein.
Zeuge Hennemann: Ich gebe zu, daß es „Fall" gewesen sein kann.
Dr. Fester: Das denke ich auch. Lieske wird in einer Wirthschaft doch nicht verschiedene Angaben machen.
Der Zeuge bemerkt hierauf noch, daß er ihm durch seinen wilden Blick auf; gefallen sei. Er habe ihn scharf fixirt und da habe er nachgegeben. (Forts, folgt.)
Vermischte
Darmstadt, 27. Juni. Seine Königliche Hoheit der Großherzog haben als Zusatz zur Cabinetsordre vom 5. d. M. zu bestimmen geruht, daß es den Offizieren der Großherzoglichen (25.) Division gestattet sein soll, die Mütze mit Schirm, oder auch nur das Kopftheil destelben, weiß zu überziehen.
Watzenborn, 29. Juni. Heute um die Mittagsstunde hauste in unserer Gemarkung ein furchtbares Hagelwetter. Die Leute waren emsig beschäftigt beim Heu laden, um dasselbe noch trocken einbringen zu können, wurden jedoch vom Unwetter überrascht. Ein nach dem Dorfe eilender beladener Heuwagen wurde von dem Sturm umgeworfen, den Führer des Wagens, sowie mehrere Leute, welche neben dem Wagen hergehend, Schutz suchten, unter sich begrabend. Nur durch rasche Hülfe war es mög lich namentlich den Führer des Wagens aus dem Gewirr von Heu und Wagen heraus zubringen.
Frankfurt a. M., 29. Juni. Hinter der Hauptwache ist seit gestern ein Posten, allerdings ohne Gewehr, aufgestellt. In der Kaserne war eine Compagnie in Bereitschaft und im Leinwandhause befand sich ein Zug Infanterie mit Tombour. Einige Personen, welche unartig gegen die Schutzleute waren, wurden eingesteckt.
— Als Julius Lieske heute Abend 6* 1/* Uhr aus dem Leinwandhaus in einer Droschke abgefahren wurde, schaute derselbe nach der linken Seite, als suche er Jemanden. Kaum hatte sich die Droschke in Bewegung gesetzt, als ein Mann den Hut hoch hob und „Hoch! hoch!" schrie. Wod) hatte der Schreier den Hut nicht aufgesetzt, als ihn ein Schutzmann schon im Genicke hatte und in den Hof des Leinwandhauses führte, von wo er in das Untersuchungsgefängniß abgeführt wurde.
Karlsruhe, 29. Juni, 12 Uhr Nachts. Um 8 Uhr ging hier ein Wolkenbruch nieder und richtete immensen Schaden an. Die DaMpfspritze war in Thätigkeit bis 12 Uhr, die Feuerwehr arbeitet noch. Der Schaden ist vorerst noch unübersehbar.
St. Johann, 28. Juni. Der bei dem vorgestern in den Salley-Schachten statt gefundenen Grubenunglück vermißte Bergmann ist nachträglich ebenfalls tobt in der Grube gefunden worden, so daß das Unglück 18 Todte gekostet hat.
Handel und Verkehr.
Gießen, den 30. Juni. Am dem heuttgen Martt kostet? Butter per Pfund -* 0.70—0.80, Hühnereier pr. St. 5—6 Enteneier St- 6—7 Gänseeier 00—00 H Käse pr. Stück 5—9 Kasematte 2—3 H, Erbsen pr. Liter 22 «jj, Linsen 28 Tauben per Paar 0,60—0,80 Hühner per Stück 0 80—1.20, Hahnen pr. Stück v*L 0.60—1.00, Enten per Stück «X 1.50—1.80, Ochsenfleisch per Pfund 68—00 Kuh- und Rindfleisch 56—60 H, Schweinefleisch 50—60 Hammelfleffch 64—70
Kalbfleisch 46—54 Kartoffeln per 100 Kilo X 4.50—5.00, Milch per Liter 12—16 4,
Zwiebeln ver Gentner JL 5.00—7.00, Kirschen per Pfund JL 0.15—0.18.
Herborn (an der Köln-Gießener Eisenbahn), 29. Juni. Auf den heutigen hiesigen Markt wurden gebracht: 758 Stück Rindvieh und 911 Stück Schweine. Der nächste SOtarft ist am Donnerstag den 23. Juli d. I.
Mepertair der vereinigten Stadttheater ;u Frankfurt a. M.
Opernhaus.
Dienstag den 30. Juni: Letzte Vorstellung vor den Opernferien. Das Glöckchen des Eremiten. Mittel-Preise.
Gesammt-Gastspiel der Münchener. Mitglieder deS Königl. Theaters am Görtnerplatz, nnter Leitung des Königl. Bayerischen Hofschaufpielers Herrn M. Hospauer.
Mittwoch den 1. Jttll: Außer Abonnement. Der Herrgottschnitzer. Mittel-Prelfe.
Donnerstag den 2.Juli: Außer Abonnement. Prozeßhannsl. Mittel-Preise.
Freitag den 3. Juli: Außer Abonnement. Im Austragstübchen. Mittel Preise.
Samstag den 4. Juli: Außer Abonnement. Zum ersten Male: Der Schlag ring. Volksstück aus den bayrischen Bergen init Gesang und Tanz in 4 Akten nach der Erzählung v. Messerer von Hans Neuert. Mittel-Preise.
Sonntag den 5. Juli: Außer Abonnement. Ter Herrgottschnitzer. Mittel-Preise.
Montag den 6. Juli: Außer Abonnement. Zum ersten Male wiederholt: Der Schlagring. Mittel-Preise.
Temperatur der Lahn und der Luft
nach Reanmur gemessen am 30. Juni, zwischen 11 und 12 Uhr Mittags. Wasser 18°, Luft im Schatten 18°.
L. Chr. Rübsamen, Turn- und Schwimmlehrer.
Versteigerung von Eisenwnnren.
Mittwoch den 1. Juli
und an den folgenden Tagen, Mittags 2 Uhr, werden in dem W. Seibert'schen Laden, Marktstraße 21, eine Parthie große Kroppen, Bandeisen, Zink, Schippen, Spaten, Schrank-, Schubladen- u. Thürschlösser, Sargbeschlage, Banden, Feilen, Schrotsägen, Zrmmer- manns- u. Schreinerwerkzeuge, Bohrer, Hobeleisen, Roste für Herd und Ofen, Drahtgewebe, Fensterguß rc. versteigert, sowie einige feine Werkzeug- u. Laub- fägekasten, Comptoirpult, Copirpresse, einiges an Colonialwaaren; letztere Gegenstände kommen Donnerstags zuerst.
F. Hoffmann,
4772 Konkursverwalter.
Ein igeschäskshaus mit schönem Laden und großem Lager, in bester Geschäftslage Gießen's, ist zu verkaufen, und kann event. noch bestehendes Geschäft mit übernommen werden.
F. Hoffmann,
4001_________Konkursverwalter.
Mittwoch den 1. Juli Nachmittags 2 Uhr, lasse ich in der Fletl'schcn Hofraithe Möbel und sonstige Gegenstände versteigern.
4815 K. Klees.
4785 Ein zugfestes Arbeitspferd zu verkaufen. Chr. Hauvach I.
Allgemeiner Anzeiger.
Bekanntmachung.
Betreffend: Die Löber'sche Stiftung.
Aus obiger Stiftung ist eine Pfründe von 260 JL jährlich an einen in Gießen geborenen verwittweten Handwerker zu vergeben. Unter mehreren Bewerbern erhalten solche den Vorzug, welche von den Ellern des Stifters abstammen und das Verwandtschaftsverhältniß nachweisen. Anmeldungen werben von heute an binnen 14 Tagen auf unserem Bureau entgegengenommen.
Gießen, den 20. Juni 1885. 4649
Großherzogliche Bürgermeisterei Gießen.
A. Bramm.
Bekanntmachung.
Es wird hierdurch zur öffentlichen Kenntniß gebracht, daß zufolge gerichtlich beglaubigten Vertrags vom 8. Mai d. Js. eine reale Theilung des Feldes der Eisensteingrube Feldheim in den Gemarkungen Feldheim und Inheiden zwischen dem Herrn Grafen von Solms-Laubach und der Gewerkschaft Buderus Jung L- Comp. in Wetzlar stattgefunden hat, wonach der den sogenannten Feldheimer Wald umfassende Theil genannten Grubenfeldes mit einem Flächengehalt von 873725 qm unter dem Namen Redemta an den Herrn Grasen abgetreten worden ist, während der der Gewerkschaft verbleibende Theil einen Flächengehalt von 1400275 qm besitzt.
Etwaige Einwendungen gegen diese Theilung müssen binnen 3 Monaten durch gerichtliche Klage gegen die seitherigen Besitzer der Grube Feldheim geltend gemacht werden.
Darmstadt, am 25. Juni 1885.
Grobherzogliche Obere Bergbehörde.
Lotheisen. 4828
Tecklenburg.
Dr. Jäger’s Normal-Hemde«, Hosen u. Jacken, leichte Unterjacken u. Hosen, von 75 an, baumwoll. Strümpfe u. Socken
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Mauersteine f (Hardtsteine), sowie gute gebrannte Feldbrand - Backsteine zu verkaufen. Balth. Strauch.
Freiwillige Versteigerung.
Am Montag den 6. Juli, Vormittags Uhr lasse ich
4 Kräftige und fehlerfreie Zugpferde sowie 4 gut erhaltene einfpän nige Wagen nebst Geschirr öffentlich meistbietend versteigern.
Hermannstein bei Wetzlar, den 26. Juni 1885.
4825 Heinr. Hederich
Keilgeöolenes.
Ananas-Eröbeeren
alle Sorten Ginrnach-Kirfchen, Aprt- kosen und grüne Nüsse empfiehlt täglich frisch, zu äußerst billigen Preisen
4833 I. Weisel,
Obst- und Gemüsehandlung, Seltersthor.
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