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des Fsstzuges, sodann der GesangvereinLiedertafel" unter seinem Dirigenten Herrn Zander. Demselben schließt sich da» Mnsik-Corp« de» Kaiser Alexander- Regiments, welche» der Studentenschaft vorausmarschirt, an. Die Studenten­schaft arcangirt sich in 4 Gruppen, und zwar zunächst der Ausschuß der Stu- direnden der Universität Berlin in zwei Gala > Equipagen, geleitet von zwei Chargirten zu Pferde. Sodann ebenfalls in Galawagen Deputationen der Universität Bonn, Breslau, Freiburg, Gießen, Greifswald, Halle, Heidelberg, Jena, Kiel, Königsberg, Leipzig, Marburg, München, Münster, Rostock, Straßburg und Würzburg. In der 2. Gruppe marschiren 7, in der 3. Gruppe 9 akademische Gor« porationen, denen sich in der 4. Gruppe 8 weitere studentische Körperschaften anschließen. Diesen Gruppen folgen die Studenten der technischen Hochschule, der Bergakademie, der landwirthschaftlichen Fachschule und der Beterinär-Medicin. Die Regiments-Capelle des Kaiser Franz Garde-Regiments, unter Leitung des Königl. Musikdirigenten Herrn Saro, bildet den Uebergang zu den Studirenden der Kunstakademie, die mit ihrem Triumphwagen den Glanzpunkt des ganzen Zuges bilden werden. Ihnen schließen sich die Ruderer und Segler in Coftunr än. Es folgt sodann die Regiments-Capelle des 1. Garde-Feld-Artillerie-Regi« ments zu Pferde mit den Deputationen der Bürgeroereine des 1. Reichstags« Wahlkreises; dem 2. Reichstags-Wahlkreise reitet das Musik-Corps des Garde« Kürassir-Regimcnts voran. Dasselbe wird sich in prachtvollen Costümen aus der Zeit Friedrichs des Großen präsentiren. Weiter wird in diesem Wahlkreise ein imposanter von der Tivoli-Brauerei gestellter Bierwagen und der Verein der oberen Friedrichstadt, dem zweispännige Postkutschen voransahren und Ritter vor« reiten werden, auffallen. Ihm schließen sich die Deputationen au» dem 3. und 4. Wahlkreise mit der RegimentS-Capelle de» 1. Garde-Dragoner-Regiments zu Pferde an. Es folgen die Deputationen von 35 Innungen mit der Regiments- Capelle des 2. Gaxde.Dragoner-Regtment» zu Pferde. Der Deputation der Bürgervereine des 6. ReichrtagS-WahlkretseS fchließt sich die Chemische Fabrik auf Actien mit 100 Magnefiumsackeln an. Den Schluß bildet ein 60 Mann stades Mvstk Corps zu Pferde, Den Comitö-Mitgliedern ist für diesen Abend das Degentragen gestattet. Bei dem Vorbeimarsch vor dem Palais des Kron­prinzen werden sämmlliche Capellen den Hohenfriedberger Marsch intoniren, während vor dem Palais des Kaisers dasHeil Dir im Siegeskranz" angs« stimmt wird. Aus vielen Theilen des Landes ergehen Anfragen, um den Tag genau zu erfahren, an welchem der Reichskanzler Fürst Bismarck vor 50 Jahren in den Staatsdienst trat. Aus Grund zuverlässiger Feststellungen können wir mittheilen, daß der Reichskanzler am 4. Juni 1835 als Auscul- tator vereidet wurde. An demselben Tage des laufenden Jahres wird also das 50jährige Staatsdienst-Jubiläum stattsinden. (Neueste Rachr.)

Arankreich.

Paris, 30. März. Sitzung der Kammer. Eine zahlreiche Menge findet fich vor dem Beginn der Sitzung vor dem Palais Bourbon, doch geht er ohne Ruhestörung ab. Wegen der Berathung der Gruppen hat sich der Anfang der Sitzung verzögert. Ferry erscheint um 2 Uhr 35 Min. im Sitzungssaal, der leer ist, und geht wieder. Präsident Briffon eröffnet die Sitzung um 3 Uhr. Ferry lieft: Die Hoffnungen, welche die Depeschen Briöre's am Samstag erweckt, haben sich nicht verwirklicht. Langfon ist geräumt, aber der Rückzug ist langsam vor sich gegangen. Reue Pflichten sind erwachsen. Die Generale sind überrascht worden. Langson muß wieder genommen werden unserer Ehre vor Europa wegen. (Beifall im Centrum, Widerspruch rechts und links.) Wir verlangen einen außerordentlichen Credit von 200 Mill, und die sofortige Er­nennung einer Commission, der die Regierung nähere Erklärungen geben wird. Wir betrachten das Votum des Credits keineswegs als Vertrauensvotum. (Großer Lärm. Dis Rechte schreit: * la Porte! Clemenceau und Delafoffe stehen auf der Tribüne.) Clemenceau betrachtet die Minister als Angeklagte. Er legt eine Interpellation über die Dinge in Tongking vor und beantragt eine Tagesordnung dahin, alle Credits dem gegenwärtigen Ministerium zu verweigern, doch solle der Kriegsminister sofort die nöthigen Maßregeln treffen, bis em neues Ministerium ernannt ist. Duval wiederholt Clemenceau's Erk arung für die Rechte. Ribot: Wir dürfen dis Stellung in Tongking nicht au,geben und werden die Credits votiren. Es ist dies das erste Mal, daß eine Regierung Frankreichs in einem solchen Moment einen Credit fordert, ohne Vertrauen zu verlangen. Ribot legt eine Tagesordnung nieder, die bedauert, daß die Regie- rung nicht die Wahrheit gesagt. Ferry veranlaßt die Abstmimung uber dle Priorität der Credits oder der Interpellation Clemenceau. Die Kammer ver wirft dis Priorität der Credits mit 303 gegen 161 Stimmen. F^ry Abt hierauf Namens des Cabinets die Demission, das Cabmst zieht sich sofort zuruck. Delafoffe beantragt den Proceß gegen die Minister Laffant ebenso. Dw Dnng. lichkeit des Antrags wird jedoch verworfen mit 304 gegen 161 Stimmen.

m,,i8 30 TOS:.. Kammer. Cl-m-nc-au zieht seine Interpellation zurück, weil bOdbe durch den Rück,ritt d-S Cabinets a-g-"Ü->ndSI°s °^°^-n f-t. Bris °n K^mm-r^Ächlietzt^ «ms-Antrag Langlws ^dte^Eommisston^fürbdte Tonak n^CrE s/or^zu -rn-nn-n und o-itagt die -uf Di-vStag angefetzte Ernennung der Budget-Commts^n. ,!ne Interpellation über die Ding- in Tongking an,

bf. )7dnF,u?ück-?bt nachdem Tirard den Rücktritt des Eabinets angekündigt. Die ? si-nwabl^wurde v s Dienstag verschoben. Man hofft, das neue Ministerium werde Ribot, S°y werden als Eandidaten genannt.

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77. Mittlvoch dm 1« April 188»

Kichmer Anzeiger

Amts- und Anzeigtblatt für den Kreis Gießen.

-------------------------------------- . ~ \ Preis vierteljährlich 2 Mar? 20 Pf. mit «nngfrlchN ßAuIfttafce 7. Erscheint täglich nut Ausnahme des MontagS. Turch die Post bezogen viertcljährlicb 2 Mark 50 Pf.

Dem Fürsten Bismarck!

Gießen, 1. April.

Die deutsche Nation hat Ursache, den 1. April 1885 mit fröhlichem Danke und stolzer Freude zu begehen. An diesem Tage feiert unser leitender Staatsmann, Fürst Bismarck, dem wir nächst Gottes Fugung die Wiedergeburt des deutschen Reiches verdanken, seinen 70jährigen Geburtstag rnib sein 50jähriges Dienstjubiläum. Auf zwei volle MenschenaUer blickt der eiserne Kanzler zurück, von denen das eine seiner Ausbildung, ferner ausgezeichneten Schule ver politischen Erfahrung und das andere dem ununter- brodtenen. siegreichen Kampfe für des deutschen Vaterlandes Einheit und Macht, Größe und Herrlichkeit geweiht war. Einem Manne, wie dem Reichskanzler, der fein ganzes Leben dem Dienste des Vaterlandes mit solchen Erfolgen, solcher Ausovferunq gewidmet, der feierlich vor dem versammelten Reichstage einst ge­lobt hat im Dienste für Kaiser und Reich, auf der Bresche, kämpfend bis in den Tod, sterben zu wollen, schlagen die Herzen aller Patrioten entgegen und selbst Diejenigen, welche sich als dis politischen Gegner des Reichskanzlers ge« beiden, werden diesem Staatsmanne Hochachtung und Bewunderung mchk ver« il,9Cn Fürst Birmarck'S RuhmeSihaten, von denen die ganze Welt erfüllt ist und denen die Geschichte bereits stattliche Bände gewidmet hat, aufzuzählen, ist hier überflüssig, auch der einfachste Mann weiß, was der Reichskanzler für da» Vater- land gethan hat. Wohl geziemt es sich aber, an dem großen Ehrentage de» Fürsten derjenigen Eigenschaften zu gedenken, die ihm sem erhabene» Werk vollenden halfen. Zunächst waren es des Fürsten Bismarck glühende, mächtige Vaterlandsliebe, fein edler Nationalstolz, feine hohe, gottbegnadete Einsicht, welche ihn das ungeheuere nationale Weh' und Ungemach. mit denen Deutfchlano bis 1866 rang, so eindringlich zu Herzen führten, daß er al» Bevollmächtigter Preußens zum ehemaligen Bundestage den eben so kühnen, al« ausgQeidjneten Plan entwarf, wie man Deutschland zur nationalen Einheit und Macht ver­helfen könne. Und als nun Der große Kamps begann, da war es der echt Deutsche Muth, die eiserne Beharrlichkeit, das Vertrauen aus Gott, der eine qerechte Sache beschützt, die dem Kanzler vorwärts halfen, dis ihm zumal die hohe, zum Gelingen des Werkes ganz unerläßliche Gönnerschaft unseres mit gleicher Liebe und Einsicht für die Beseitigung der Ohnmacht des Vaterlandes erfüllten Kaisers verschafften. Und das hohe Werk gelang auf das Erfreu­lichste, Alles, was sich dem nationalen Einheitswerk entgegenstellte, wurde beseitigt oder zermalmt und nach den Kriegsjahren wurden bann die Kämpfe um die innere Macht und Einheit des Reiches sortgesührt. Doch Fürst Bis­marck ist nicht nur ein Kämpfer und Streiter, in den letzten 10 Jahren hat er üch ganz im Einverständniß mit unserem erhabenen Kaiser, auch den Ruhm eines Versöhners und Vermittlers in allen den Frieden sördernden Angelegen­heiten erworben. Dank dieser meisterhasten Versöhnungspolitik ist das ansäng« liche Mißtrauen gegen das machtvoll emporgewachsene deutsche Reich verschwun­den und säst alle Mächte der Erde fühlen sich jetzt Deutschland, dessen genialer Staatsmann schon manchen internationalen Zankapsel glücklich beseitigte, zu Dank verpflichtet zwei der mächtigsten Staaten, Oesterreich und Rußland, befinden sich sogar mit dem deutschen Reiche in innigem Freundschastsbunde. Nur ein Wunsch beseelt am 70. Geburtstage des Fürsten Bismarck alle Patrioten, daß der hoch­verdiente Staatsmann noch recht lange dem Vaterlande erhalten bleiben und noch Viele« zur inneren Kräftigung des Reicher beitragen möge.

Deutschland.

Darmstadt, 30. März. Se. Königl. Hoheit der Großherzog haben Allergnädigst geruht:

Am 18. März den Rechtsanwalt Dr. Karl Muhl in Gießen mit Wir­kung vom 1. April d. Js. an zum Vorstand des Erbschaftssteuer-Amtes unter Verleihung des Charakters als Finanzrath,

an dems. Tage den provisorischen Gymnasiallehrer Dr. Georg Ihm aus Darmstadt zum Lehrer an dem Gymnasium zu Bensheim,

an dems. Tage den Locomotivsührer bei den Oberhessischen Eisenbahnen, Georg Step Hany, zum Werkmeister bei diesen Bahnen zu ernennen.

Darmstadt, 30. März Das Großherzogl. Regierungsblatt Rr. 3 enthält: , ,

1. Allerhöchste Verordnung über die Ausführung des Gesetzes, bie Erb- schasts» und Schenkungssteuer betreffend.

2. Instruction zu dieser Aussührung.

Berlin, 29. März. Zu den Auszeichnungen, welche Fürstenhuld dem Jubilar, Reichskanzler Fürsten Bismarck, zugedacht haben, ist eine weitere hohe Decoration gekommen. König Albert von Sachsen hat- demselben die Insignien des Ordens der Rautenkrone in Brillanten verliehen.

Das F-starrangement zu dem am Dientag Abend stattfindenden Fackelzug ift wie folgt sestgestellt: Es werden sich auf den ausgesprochenen Wunsch des Fürsten v. Bismarck, daß der Zug nicht eine ermüdende Länge habe, von allen Vereinen und Corporationen sich nur Deputationen betheiligen, und ist es so ge­lungen, ein vollständiges Bild zu entrollen, ohne die Zuschauer zu ermüden. Eröffnet wird der Zug von einem Herold und vier Trompetern in altdeutschem Kostüm. Ihnen folgt in vierspännigen Gala-Equipagen das Central-Comitä