Ausgabe 
1.2.1885 Erstes Blatt
 
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nirten Polizei-Mannschaften seien in Folge dessen verstärkt und auch andere i Vorsichtsmaßregeln getroffen worden. '

Petersburg, 30. Januar. DerNeuen Zeit" zufolge Hütte es das Ministerium des öffentlichen Unterrichts für angezeigt erachtet, für Die katholi- , scheu Geistlichen, welche an den Lehranstülen der nordwestlichen und südwest- 1 lichen Gouvernements Religionsunterricht in russischer Sprache ertheilen. die i ' gleichen dienstlichen Rechte, wie sie die übrigen Lehrer dieser Anstalten besitzen, . zu erwirken. I

New Uork, 30. Januar. Einem Telegramm aus St. Louis zufolge , wurde daselbst am Samstag ein gewisser Cunningham aus Der Reise nach

London verhaftet. Derselbe soll identisch sein mit dem Individuum, welches vor zwei Jahren unter dem Namen Byrne in St. Louis gewesen und damals per* < dächtig war, Attentate aus öffentliche Gebäude Londons zu planen. i ;

Lokales.

Gießen, 31. Januar. (Sitzung der Stadtverordneten vom 29. Januar.) Anwesend: Herr Bürgermeister Bramm, Herren Beigeordneten Keller und Hetz, von Seiten der Stadtverordneten die Herren: Batst, Gail, Dr. Gutfleijch, Hanstetn, Hornberger, Kauf, Lüdektng, Ad. Noll, Aug. Noll, Petrt, Scheel, Schopbach, Simon und Wortmann.

Mit Bericht Großh. Poltzetamtö Gießen theilt bcffelbe ein Schreiben der König!. Etsevbahndtrectton Hannover mtt, nach welcvem diese Behörde die Absicht äußert, den von dem Bahnhofe der Oberhrssischen E senbahnen nach dem Güterschuppen dec Köln- Gteßener Bahn führenden Weg für den öffentlichen Verkehr zu schließen. Auf Grund dieses Berichts beschloß die Stadtverordneten-Schung cm 18. SepUmber 1884, den Wunsch zu äußern, daß sragl. Weg namentlich im Interesse de»- benseld-n fr» quensircnden Kobkenfuhrwerke erhalten bleibe. In dem hierauf erlassenen R scrtpt Kgl. Eisendahn- directiou Hannover drückt selbige ihr Bedauern ouS, diesem Wunsche Mangels der benö'higten Mittel und auch Angesichts des Umstandes, daß der Weg vom Publikum benutzt werde, nicht entsprechen zu können, worauf denn auch kurz darauf die offictelle Bekanntmachung der Schließung d eses Weges für den öffentlichen Verkehr erfolgte. Ditser Umstand sowohl als auch schon lange zu Tage getretene Uebelstände hinsichtlich der Verbindung des Bahnhofs resp. der diesseitigen Stadtiye le mit den jenseitigen hat eine Anzahl von Bewohnern des Seltersbergs, der Fränkin-ter Straße und von den umUißcnhtn Ortschaften veranlaßt, In einer Petition an d e Stadtverordnetenversamm­lung deren Einfluß zur Abstellung beregter Uebelstände herbetzufühcen. Diese Petit on kommt in heutiger Sitzung zur Vo läge und wirb dieselbe unter Berücksichtigung b;3 bereits in dieser Sache früher Geschehenen behandelt. Au sgetauchte Zwe fel über die Etgenthumsrechte an d m Weg : füh.ten zu dlksdezügltchen Erhebungen, woraus erhellt, daß die Großh. Divection der Oberhrssischen Eisenbahnen sich nur für einen kleinen Thetl des Weges als Eigenthümertn bekennt- Aus dem wetteren Verles zahftecber, die Ver- befferung der Uebergangs- und Verbwdungsvechältnisse der jenseits der Bahn gelegmeu Siad-tbeile bttreffenben Aki'Nstücke ergibt sich das unablässige Bemühen dec Stadt- vettrerung, den gerechten Beschwerden der Bewohner entgegenzukommen und werden als Beleg hierfür die gepflogenen VerhandluNZen Über den Durchstich des Bahndamms am sogen- Gerberhäuschen mit Fortführung der Straße und Urberbrückung der W estck auf der westl'chm Sette des Bahndammes und d-ejen'-gen ü>er die projectirte Er- wetterung der Bahnhofsanlage nach Süden hir und die damit im Zusammenhang befindliche Ueber- oder Unterführung des Bahnkörpers an der Rüstag'schen Wirthfchast angeführt- Auch von Seiten Großh. Kceisamts wurde der Sache die nöthrge Besüc- woltung zu Tbeil. Der nach Vortrag aller tn Betracht kcmmcndcn Momente zur Kenntniß her Versammlung gebrachte Antrag der Baudepuiat on Uulet: Dotz die Sta'rt bie Erlaubniß zur Un'erholiung des Fahrweges von der Eiffteighrll de: Oberbessischen Bahnen bis an den Auffc.httsweg nach der Frankfuc-e straße bei der König!. Bahn- v.'rwaltung erwirken, sodann auf Abstellung des mtHständ gen Planü^ergangs bei Rösing wiederhott dringen solle. Dieser Antrag wird von mehre, en sich zum Worte meldenden Herren Stadtverordneten in der Hauptsache befürwortet, wogegen Herr Dr. Gutfleisch hie Gründe darlegt, welche ihn bestimmen, dahin zu wirken, daß die Vahnoerwattung rechtlich verklagt werde wegen Sperrung des Verkehrs, daß er auf Grund des seither beliebten Hintanhaltens Seitens ver Bahnverwaitung nicht für Ein­reichung einer Petition stimmen könne; man solle bie Beseitigung der vorhandenen Uebelstände nicht erbitten, sondern fordern. Herr Dr. Gutfletsch fügt feinen Aus­führungen den Antrag bei:Eine juristische Commission mit P-Üfung ber Frage, ob und tn welcher R-chtung die Beschreitung des Rechtsweges zulässig fei, zu beauftragen." Dieser Antrag, sowie die Anträge der Baudeputatlon werden angenommen.

Der 2. Gegenstand der Tages-Ordnung, betr. den Uebergavg über die Ober- hessische Eisenbahn auf dem Seltersberq, gibt auch hier Herrn Bürgermeister Dramm Beranlassung, alle seit Erbauung dieser Bahnen tn Betreff der Sicherheit und Er­leichterung des Verkehrs m?t der Verwaltung derselben, sowie den höchsten Behörden des Landes gepflogenen Verhandlungen zurückzugreffen und die bete. Eingaben dir Bewohner des Selttrsbergs und der Frankfurter strotze vorzutragen. Die neueste Petition, in welcher sich die Petenten tn ber Hauptsache für Beseitigung der durch das Rangiren der Züge an dem Uebergange an der kttholffchen Kirche entstehenden Ver­kehrsstörungen, eoent. für Herstellung einer Uebersührung an dieser Stell", ferner für Errichtung einer Ueberbrückung der Bahn zwischen Hotel Kühne und Hotel L nz en klären, kommt hierauf zur Verhandlung, nachdem Herr Bürgermeister Bramm mtt- gethetlt halte, daß die von ihm angestellten Erhebungen ergeben haben, daß u A. 200 Schulkinder die bezeichnete Stelle täglich passiren. Die Baubepntatton beantragt: Bei Großherzoglichem Ministerium der Finanzen das Ersuchen zu stellen auf Er­richtung eines Fußgängerstegs über die Oberhessischen Eisenbahnen und die Verbesserung der Beleuchtung daselbst, dagegen von einem wetteren Uebergange vom Seltersberge nach dem Stationsgebäude Abstand zu nehmen." Herr Dr. Gutfletsch stellt auch hier, nachdem er die ihn bestimmenden Gründe hierfür dargelegt, den Antrag, den Rechtsweg zu betreten und gegen den FiScus klagbar zu werden. Dieser Antrag wird mit 9 gegen 8 Stimmen zum Beschluß erhoben.

Der 3. Punkt der TageS-Ordnung, Bildung der Ersatz-Commission, rottb durch die Wahl der Herren Wortmann, Vogt, Petri und MoSler zu Vertretern der Stadt bei dem Kreisersatzgeschäfte erledigt.

Die Quellwasserleitung betreffend, theilt der Herr Bürgermeister den Inhalt eines Schreibens Großh. KcetsöauamteS mit, welches Revers darüber verlangt, daß der Stadt etu Recht auf Abführung des Wassers aus den Reservoirs der Quellwasser- leitung in bie Straßengraben nicht erwachse. Die Genehmigung zur Ausstellung qit Reverses wird ertheilt.

In Betreff ber Legung des StadtbacheS in eine Steinsohle hat die Baudcputaton beantragt, im Anschluß an die bereits bestehende Probelange eine weitere Strecke von 400 Metern, vom botanischen Garten abwärts, in eine Steinsohle zu legen. Dieser Antrag wird zum Beschluß erhoben. __________________

Zur rrage der Kormölle

DaS Bekanntwerden der Absicht der Regierung, die Zölle auf die Getreidearten und einige andere Importartikel zu erhöhen, hat zunächst zwei extreme Erscheinungen hervorgehoben: Maßloses Schreien und Toben gegen die Kornzölle und übertriebene Hoffnungen auf die günstigen Wirkungen derselben. Die ganze Affatre tft aber noch gar nicht spruchreif, wird es möglicher Weste auch in der gegenwärtigen Reichstags- session noch nicht, also wäre es dringend geboten, die Angelegenheit doch recht sachlich Zu prüfen und sich zumal vor Uebertreibungen zu hüten.

Zunächst erscheint es unS schon total verkehrt, Fcechandel und Schutzzoll zu einer Parteifrage aufzubauschen, denn ein Blick auf die v:rschtedcnen Culturländer lehrt, daß Freihandel und Schutzzoll vielmehr wtrthschaftliche Opportunitätsmaßregeln als For­derungen politischer Parteiprogramme sind und erweisen sich sehr liberal regierte Staaten, z. B. die Vereinigten Staaten von Nordamerika, oft ganz extrem schutz- zöllncrisch. Von einer guten Politik erwartet man nun, baß sie nicht den Interessen einzelner Berufszweigen ober Volksklassen, sondern dem Woble der Gesammtheit dienen soll. Wie steht es nun in dieser Beziehung mit Freihandel und Schutzzoll? Man kann wohl sagen daß sowohl dem Freihandel als dem Schutzzoll gegenüber das Volk sich in Jnteressentengruppen theilt. Die Kaufleute aller Klassm. denen es vom finanziellen Standpunkte gleich sein kann, ob ihre Waare ein tn- ober ausländisches Product ist, werden immer für möglichste Freiheit des Handels schwärmen, weil sich dadurch bas Geschäft am glattesten und vorthrilhaftesten machen läßt. Dte Pro-

ducrnten dagegen, wr Fah^k-nten, Landwftih^ Gewerbetreibende werden immer eine griffe Vorliebe für Schutzzölle haben, um b;r eit drückenden ausländischen Con- currenz eine Schranke vorz 'schieben. Von her Masse der SIrbdterb?Doir?ri;r,ß könnte man sagen, daß sie beim Freihandel, der die Preise aller Bedarfsariik l heruntcrbrückt, am besten stehen würde, doch kann dies nur mit einer wesentlichen Einschränkuag ge­sagt werden, rotnn nämlich der Freihandel d.m Arbeiter noch lohnenden Verdienst in den betreffenden Ecwerbszweigcn läßt. Geht cs so weit, baß die ausländische Con- currenz einheimische Industriezweige lahm legt und auch die Arbeiter dieser Zweige mehr ober weniger arbe tSlos macht, bann nutzen bie billigen, vom Freihandel herbei- geführten LebenSmsttelpretsr dem Arbeiter auch nichts, er kann sie ja doch nicht be­zahlen. Besser wäre es bann, die bluffenden P oducentm wären durch zweckent­sprechende Schutzzölle vom Ruin bewahrt worben, sie könnten dann auch ihren Arbeitern noch lohnende Arbeit und damit Brot geben. ,

Die elementare Ursache der Kornzölle ist nun die, d^.ß die deutsche Landwirty- schäft in Folge ber enormen Concurrenz des ungarischen, russischen, amerikanischen ur.d indischen Getreides an einer solchen schweren Bedrängniß le'.det, daß selbst gute ein- heimische Ernten diese Bedrängniß nicht heben können. Gleichzeitig wird geltend ge­macht, daß die landwirthschafiliche Bwö'kerung Deutschlands die größere Hälfte ber deutschen Bevölkerung überhaupt ist und daß, wenn man für baß Wohl der Gesammt- beit Wirthschastspoltt k mache, man die 26 Millionen von Landwlrthschaft lebenden Deutschen doch nicht ausschließen könne.

Ferner wird auch darauf hingewiesen, baß die landwirthschaftliche Bevölkerung nicht nur unsere zahlreichsten Producrnten, sondern auch unsere zahlreichsten Con- fumenteu sind und deßhalb, wenn etz dem Bauer besser gehen, von feiner gesteigerten Kaufkraft auch bie anderen Erwnbszweige einen Aufschwung erhalten würden. Schließ­lich führen die Vertreter ber Kornzölle noch bas Argument in's Feld, daß in den letzten Jahren tn Folge der besseren Ernten und dem Steigen ber auswärtigen Concurrenz wohl die Kornpreise um durchschnittlich 25 pCI. gefallen seien, aber die Brotpreise nur um 10 bis 15 pCt., woraus hervoraehe, daß die Zwischenhändler, Müller und Bäcker die Blotpreise viel mchr beeinflussen, al9 ein Steigen ober Fallen der Kornpreise.

Mun sieht hieraus, daß es dringend geboten ist, die Gründe für und gegen die Schutzzölle sehr sachlich zu untersuchen und nicht mit Vorurtheilen und Uebertreibungen die Frage ber Kornzölle zu behandeln. Eia Ausgleich zwischen den verschiedenen Jnteressentengruppen dürfte sich bann vielleicht als die gerechteste Lösung der Streit­frage finden laffm.

UniverfttätS- Chrvnik.

Die Zahl der auf den 9 preußischen Landesuniversitäten im laufenden Wintersemester Studirenden beträgt 12 937 gegen 12,548 im Sommer fern« ft er 1884 und gegen 12,465 im Wintersemester 188384. Was die Frequenz ber Universitäten anbetrifft, so ist d"felbe im Vergleiche zum Wintersemester des vorigen Jahres folgende: Berlin 5006 (4635). Halle 1631 (1544), Breslau 1389 (1479), Bonn 1080 (1073), Gottingm 993 (1064), Königsberg 887 (909), Greifswald 856 (725), Marburg 708 (720), K'el 387 (352). Auf die einzelnen Fakultötm vertheilt sich im laufenden Semester (die Zahlen für das Wintersemester 188384 sind tn Klammern beigesüqt) die Frequenz w e folgt. Es ßubtrten: Evangelische Theologie 2322 (1926), katholische Theologie 236 (223), Jury 2244 (2338), Medicin 3256 (2876), Philosophie 4879 (5102).

Vermischtes.

Lich, 28. Januar. H'ute Abend wurden die Einwohner unfern Stadt schon wieder (fett ca. 4 Wochen zum dritten Male) durch Feuerlärm erschreckt. In einem Stallgedäude des Ehr- Uhrhan in der Ohlegassc, welches vor etwa 2 Jahren erst abgebrannt war, war Feuer ausgLbroLcn, welches jedoch durch die rasch herbeigeeilte Löichmannschaft bald wieder gelöscht wmde. Wie man hört, soll der E'genthümer deS abgebrannten Gebäudes und sein Vater, welche der Brandstistung verdächtig seien, als­bald gefänglich eingezogen worden sein. (Gründ. Anz.)

Eme neue Betriebskraft wurde in England eingeführt. Von einer Central- siclle an der Themse wirb den Kaufleuten und Industriellen die für den Betrieb ihrer Maschinen erforderliche Albettskrast in der Gestalt unter hohem Drucke stehenden Wassers zugeführt. Da sich diese Einrichtung glänzend bewährt hat, wird dieselbe über ganz London ausgedehnt werden.

(Terpentinöl und DiphtheritiS.) Von einem praktischen Arzte erhält die

Post" folgende Zuschrift: ^Mit großem Interesse las ich im Feuilleton Ihrer Zettnng

-Jneii Bericht über den Vortrag des Herrn Dr. Ringk, die Diphtheriiis betreffend, unb deren Heilung durch Terpentinöl, äußerlich wie innerlich in energischen Dosen ver­wandt. Unserer schnelllebenden unb schnellvergkssenden Ze t darf hier wohl in Er­innerung gerufen warben, daß schon vor Jahresfrist füi bie Behanblunq der Diph- iherttis mit Terpentinöl in großen Gaben gleichfalls ein Berliner Arzt, Santtätsrath Dr. Hübener, mtt größter Entschiedenheit in einer kleinen B ofchüre aufg treten ist, welche dann in derPoft" einer kurzen Besprechung von mir unhrroorfen wurde. Unb zwar war die innere Behandlungsw-ise genau dieselbe, wie bte heute von Dr. Ringk aufgestellte: Terpentinöl mit OLvenöl bei Dr. Hübener mit einer Schleimiösung zu gleichen Theilen vermischt, theelösselweis; verabreicht. Bei dieser Bchandlung er­klären beide Aerzte, an deren tüchtiger Beobachtungsgabe nicht zu zwrifeln ist, gleich­mäßig. was wohl hoh: Beachtung verdient, in ihrer Praxis ttine ober annähernd Feine Todesfälle mehr verzeichnet zu haben. Damals rief mein kurz-8 Referat einen z'cm- lich lebhaften Widerspruch hervor. Von einer Sette wurde ein älterer College in einer Universitätsstadt als Nestor der dortigen Aerzte bezeichnet, gegen die Sache hcran- gezogen, ber vom Terpentinöl feine besondere Wirkung bei Diphtheritis gesehen haben wolle, von anderer Seite wurde sogar vor der Unvo'sichtigkeit gewarnt, eine Ver­wendung von so großen Gadm Terpentinöl, welche unbedingt lebensgefährlich seien, öffentlich anzupreism. Herr Dr. Ringk unterscheidet sich tndeß von Herrn Dr. Hübener in seiner Behandlungtzweise dadurch, daß derselbe auch örtlich Terprntinöl zur Zerstörung der Pilzbildung durch Pinselung im Halse und Eingießen in die Nase gleichfalls mit Olivenöl vermischt verwendet, während Hübener örtlich Natron oxy- benzoicum oder Höllenstein verwendet. Unb in der Thal ist diese örtliche BchandlungS- weise von Dr. Ringk wohl auch als ein Fortschritt zu bezeichnen und eigentlich zu ver­wundern, warum der so entschieden für die maßgebende pttzzerstörende Wsikunq des Terpentinöls auftretende Dr. Hübener nicht schon die Consequenz zog, um auch örtlich von diesem Mittel in erster Linie ausgiebigsten Gebrauch zu machen. Jndetz baut sich ia naturgemäß die ErfohrungSwffsenschaft der ä-zilichen Behandlungsweise aud stets neuen Beobachtungen aut, bis endlich die möglichst hohe Vervollkommnung für den einzelnen Fall gesunden ist. So auch hier. Vermißt habe ttb tn Ihrem Re­ferate übft den Vortrag des Herrn Dr. Ringk jede Erwähnung über eine energische Terpentinverwenbung bei der Diphtherie des Kehlkopfes; jidenfgllS würde hier unser bisheriger Terpentingebrauch in immerhin schwachen Inhalationen, ober zu einigen Tropfen auf verdampfendes Wasser gegossen, gleichfalls eine wesentliche Verstärkung zu. erfahren haben.

Theater.

(Hießen, 30. Januar 1885.

Kurz vor dem Schlüsse der Saison ist cs unserer thatkräftigen Direction noch­mals gelungen, Frau Charlotte Lauge vom Frankfurter Stadttheater zu einem Gastspiel zu veranlassen. Natürlich konnte das Haus die Menge, rvclche zur Vor­stellung herbeiströmte, nicht fassen und dichtgedrängt saßen die Zuschauer andächtig, wie es eineIphigenie auf Tauris" verlangt.

Ein wahrhafter Kunstgenuß ist auch immer etwas Schönes und prägt sich den Herzen der denkenden Hörer ein, fortlebend in angenehmer und dauernder Eriuvcrnng. Die hohen unvergleichlichen Worte eines G oethe, in solcher Vollendung wiedergcgeben, wie unsere verehrte Gästin dies gethan, müssen unbedingt den tiefsten und nachhaltigsten Eindruck hcrvorbringeu.

Frau Lange gab eine Gestalt von der edlen Priesterin Di a na's, wie sie nur eine nut ganzer Seele der Kunst dienende Schauspielerin geben kann. Das schöne weibliche Gemüth, das im bittersten Unglück nur Menschenliebe empfindet, das mit allen Fasern seines Herzens nur dem Guten hingegeben, konnte nicht herrlicher zur Anschauung gebracht werden. Die hoheitsvolleu Bewegungen, gepaart mit der Aesthetik des Mienenspiels, alles war wie gemeißelt. Man fühlte sich dieser Iphigenie gegen­über in jene uralten Zeiten versetzt, kurz: man fühlte mit, was ihr Herz beiuegte und glaubte nickt mehr an eine Comödie, Frau Lange spielte die Iphigenie nicht, sie.