Ausgabe 
1.2.1885 Erstes Blatt
 
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Nr. 27 Erstes Blatt. Sonntag den 1. Februar 1885

Kießmer Anzeiger

Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.

. . <n% 4 c. Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf mit Brinyerkobn.

Bnreau: echulstrahe 7. ta^l.ch nut Ausnahme des Montags. die Post bezogen viertesiftbrltcf» 2 Mark 50 Pf.

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Amtlicher Hheil.

Setreffcnb: Den Rundgang der Feldgeschworenen. Gießen, am 29. Januar 1S8Ö.

Das Großherzogliche Kreisamt Gießen

an die Tr-tzh-rzoglich-n Bürgermeistereien des Kreis«-.

v<i Prüfung der auf unser Ausschreiben vom 23. September o- I. (Anzeiger Nr. 225) von Ihnen gemachten Vorlagen haben sich Anstande ergeben, behufs deren Beseitigung wir Ihnen daü Folgende eröffnen: . f n .

1) Qm Besichtigung der Grenzen ist es genügend, wenn zwei Feldgeich«orene zusammengehen. Die Gememdekasse wird unnüthig belastet, wenn drei oder gar noch mehr Feldgeschworen- sich an einem und demselben Nundgang beteiligen. Bei Revision der Kostenverze.chmsse werden künftig für einen Grenz- qang nur die Gebühren zweier Feldgeschworenen gutgeheißen; was darüber hmopsgeht, wird gestrichen. Erne Ausnahme kann nur dann gemacht roerfren, wnm seit dem letzten Rundgang zwei oder mehr Feldgeschworene neu angestellt borden sind, welchen die Grenzen noch nicht genügend bekannt sind. Sm solcher Umstand ist von Ihnen besonders zu erwähnen. c I ' ...

2) Richt nur die Gemarkllngsgrenzen, sondern auch bte Flur- und Geiöanngrenzen sind zu revidiren.

31 Die schiesstehenden, umliegenden, verdeckten, abgebrochenen, fehlenden wtö sonst nicht m Ordnung befindlichen Grenzsteine find im Protokoll ipecun aufiufüfiTen; allgemein gehaltene Bemerkungen genügen nicht. , _ , , ..

* 43 E- ist deii Feldaeschworenen untersagt, schiefstehende Steine aus trigonometrisch bestimmten Punkten ohne Zuziehung eines Geometers 1. Klaffe

gradzurichten, indem sonst die Uebereinstimmung der Kataster und Grundbücher mit der Wirklichkeit alterirt wird und diese werthvollen Documente nach und nach werchlo^geniacht^werden.^ ^ggcher der Feldgeschworenen ausgenommen^ Protokolle über die Grenzbegehungen ist in allen Fällen, also auch dann durch Sie einzusenden, wenn Grenzinängel nicht aufgefunden worden sind. Die berichtliche Anzeige, daß Alles in Ordnung sei, genügt Nicht.

6) Daß in einer Gemarkung mehrere Jahre hindurch keinerlei Grenzmängel zu notiren gewesen sem sollen wie dies aus einer Anzahl Gemeinden berichtet wird -, ist kaum anzunehmen. Es liegt vielmehr die Vermuthung nahe, daß die Feldgeschworenen entweder oberflächlich rcoibirt oder Vorgefundene Mängel nicht angegeben haben. Ja solchen Fällen gibt die Gemeinde ihr Geld für die Grenzbegehung umsonst aus. Feldgefchworene, welche sich derartige Dienstwidriateiten zu Schulden kommen lasten, haben selbstverständlich disciplinäre Bestrafung zu gewärtigen. , , ,

Sie wollen sich nach dieser Verfügung bemesten und dieselbe chrem ganzen Inhalt nach den Feldgeschworenen zur Rachachtung bekannt machen.

Dr. Bookman n.

befunden: 1 Schürze, 1 Halstüchelchen, 1 Hut, 1 Spannkette, 1 Armstauchen, 1 Scheere, Hundehalsband, I Messer, 2 einzelne Handfchuhc, 1 Portemonnaie, 1 Taschentuch. Sodann aus der Eisbahn des Eisvereins gefunden.' 7 einzelne Handschuhe, 2 Portemonnaie s, 7 Taschentücher, 1 Pelz­kragen, 1 Brosche, 1 Vorstecknadel, 1 Haselnuß in Silber gefaßt, 1 Cigarrenspitze, 1 Stauchen, 1 Bernsteinkette, 1 Bleistift, 1 Strunipfband, t Pfeifchen, 3 Stöcke, mehrere Schlüssel. .

Gießen, den 31. Januar 1881. Großherzoglichos Polizeiamt Gießen.

Darmstadt, 29. Januar. Prinz Heinrich von Battenberg war in diesen Tagen aus einige Zeit in Berlin anwesend, um das Röthige wegen seines Ausschüdens aus der deutschen Armee zu veranlasten. Der Bräutigam der Prinzessin Beatrice von Großbritannien und Irland wird nach seiner Ueber- sicdAung nach England die Uniform der Garoes du Corps mit der Uni­form der englischen Horje Guards vertauschen. Die Vermählungsfeier ist, wie dieR. Pr. Zlg." meldet, auf den Monat Juli festgesetzt und soll in Osborne stattfinden. Vorläufig ist der Prinz nach Bulgarien zum Besuche seines sürst- tichen Bruders abgereist. Er wird dort einige Zeit verbleiben, vor seiner lieber» fiebelung nach England aber nach Berlin zurückkehren.

Berlin, 31. Januar. lRetLStag.) In der heutigen Sitzung des Reichstags begründete zuerst Abg. o. Hamm erstem seine Interpellation wegen der Vorgänge der deutschen Gtundcredttbank in Gotha und der Absichten der Regierung diesen Vor- krmmnissen gegenüber. SS sei nothwendig, die Golhaer Regierung aufzufordern, die Anträge der Verwaltung zu prüfen.

StaatSstcrltär v. Scdellln g erkannte an, daß die Vorgänge in Gotha zahl, r»'<be Interessen in Deutschland berührten, zu einem Eingreifen der Regierung aber töte da« Gesttz keine Handhabe und sei eS möglich, die Entschließungen der Landes­regierung über die Generaloersawmlungen irgendwie zu beeinflusien.

In der darauf folgenden ersten Berathung deS Gesetzentwurfs über die Aus- debnun» der Unfall- und Kravken-Verficherung, sprachen sich alle Redner, Abg. Graf Dönhoff, d Wendt (Zentrum), Kräcker (Soc.), Schrader (dfr.) für die Ueber- we sung an eine Commstsion von 28 Mitgliedon au?, demgemäß brfchloß auch dann daS HauS.

Der socialdemokratische Sprecher begrüßte die Vorlage alS einen Beweis dafür, daß seine Partei tm Rechte war, als sie die Ausdehnung der Unsall- und Kranken- Versicherung verlangte; freilich würden nun durch den vorliegLnden Antrag Aender, ungen eingeführt, welche das aUe Gesetz unklar wachten.

Darnach folgte die erste Berathung drS Entwurfs einrS Gesetzes, betreffend die Unfall - Versicherung der in land- und forstwtrthschaftltchen Betrtebm beschäftigten Personen.

Die Berathung hierüber ist heute noch nicht beendet.

Abg. von Ow (conf) Ist mit der Vorlage ctvoerstandea, glaubt aber, daß ein langsameres Tempo auf foclalpolltischem Gedt-.te eingeschlagen werden mLffe, wenn er auch ane kenne, daß die lettevden Personen Eile hätten. Es fehle bisher noch an Er, folgen, der Entwurf belaste die Commune bebrütend. Vielleicht wäre eS richtiger ge- wesen, erst die Krankenversicherung auf die ländlichen Arbeiter auSzudehnen aber trotz aller Bedenken stell- er sich auf den Boden deS Entwurfs.

Abg. v. Wendt (Cent.) weist auf die verschiedenartige Derthetlung deS Grund­besitz.S in Deutschland hin, welche eine einheitliche Regelung der Materie kaum zulaffe; er fürchte, daß auf Grundlage dieses Entwurfs daS Gesetz keine sonderlichen Erfolge haben würde.

Abg. Bubl (natl.) meint, daß auch daS unvollkommenste Gesetz in dieser Materie die Lage der Arbeiter immer noch zu verbeffern geeignet sei. Eine Grenze nach unten werde man suchen müssen, indem man nur die größeren Betriebe versicher, «nzSpflichtig mache, für die Dauer der Karenzzeit könnten daun die Unternehmer ver­antwortlich gemacht werden.

Nächste Sitzung morgen. Forlfitzung der heutigen Debatte und Besprechung deS Berichts über die Ausführung des Socialisteu-GesetzeS.

Telegraphischr Depeschen.

Wolff'S telegr. (Forrefpontem ötiteati*

Riga, 29. Januar. DaS Feuer, durch welches gestern Abend die griechische Kirche in Jacobstadt in Asche gelegt wurde, griff mit so großer Schnelligkeit um sich, daß nur wenige Geräthe und vier Heiligenbilder, darunter ein von der Kaiserin ge­schenktes, gerettet werden konnten. .

Berlin, 30. Januar. Der BundeSrath hielt am gestrigen Tage unter dem Vorsitz des SkaatSrninlsterS, StaatSsecretärS deS Innern v. Bötticher, eine Plenar­sitzung ab. Der Vorsitzende machte Mttthetlung von dem Beschluß des Reichstags zu dem Handels- und SchifffahrtSvertrage mti Griechenland vom v. I. Ein­

gaben, wegen Erhöhung deS Zolles für Getreide und andere landwtrthschaftliche Er­zeugnisse wurden den Ausschüssen für Zoll- und Steuerwesen und für Handel und Verkehr überwiesen. Vo.i der Vorlage, oetreffend die den einzelnen Bundesstaaten bis Ende December 1884 überwiesenen Beträge an Reichs - Silber-, Nickel- und Kupfer­münzen nahm die Versammlung Kenntniß. Sodann ertbeilte dieselbe dem von Preußen oorgelegten Gesetzentwurf wegen eines Zusatzes zum S 12 des GescheS Über die Er­hebung der Tabaksteuer die Zustimmung, und beschloßt dem Anträge deS Herrn Reichs­kanzlers entsprechend, die Ein- und Durchfuhr lebender Schafe auS Oesterreich-Ungarn und aus Rußland, sowie die Ein. und Durchfuhr frischen Fleisches von Schafen aus Rußland biS auf Weiteres zu verbieten. Endlich wurde über die gefchäfUiche Behand­lung mehrerer Eingaben Beschluß gesoßt.

Berlin, 30. Januar. Abgeordneter Woermann veröffentlicht ein Schreiben in der ^National,Zeitung, worin eS heißt:'Son meiner Auffassung, nur auf deutschen SBaften gebaute Dampfer erster Elaste in Die Fahrt zu stellen, bin ich auch heute noch nicht zmückgekommen. Wenn ich zu Anfang der Verhandlungen zweifelhaft war, ob diesen Anforderungen mit der von der Regierung ausgesetzten Summe entsprochen werden könnte, so schwand dieser Zweifel. alS ich in der Zwischenzeit positive Offertm über Preise und Leistungen ihrer Dampfer von Seiten der deutschen SchisiSwerftm eingeftb*.a hatte, welche eine genaue Calculation ermöglichten. Mit den extremen Anforderungen der ^Hamburgischen Börsenhalle" habe ich mich nicht identificirt, auch habe ich die Angriff- dieses Blattes anf denNorddeutschen Lloyd" nur zu oft be­dauert. Mein Bestreben ist nur dahin gegangen, dieses wichtige Gesetz zu Staube zu bringen. In diesem Bestreben bin ich mit dem Abgeordneten Meter stets einig gewesen."

Wien, 30. Januar. DiePolit. Corresp." bezeichnet die Meldung der Zeitungen von österreichisch - russischen Verhandlungen wegen Abschließung eines Auslieserungs - Vertrags auf Grund authentischer Informationen als unrichtig.

Deru, 30. Januar. Der BundeSrath hat vorgestern einen in einer schweizerischen Stadt aufgegebenen Bries erhalten, in welchem demselben ange­zeigt wird, daß der Bundespalast demnächst in die Luft gesprengt werden solle. In Folge deffen sind die umsaffenosten Maßregeln getroffen. .

Paris, 30. Jan. Ein Telegramm derAgence Havas aus Shanghai vom heutigen Tage meldet, es sei dort Das Gerücht von einem bei Matsu zwi. schen chinesischen und französischen Schiffen stattgehabten ernsten Zusammentreffen verbreüet. Genauere Details fehlen noch.

London, 30. Januar. DemReuterffchen Bureau" zufolge lst der Verwaltung des Brüish Museums die Benachnchlrgung zugegangen, daß gegen dasselbe ein Dgnamft-Attentat geplant sei. Die an dem Gebäude statio-