zur Herstellung seiner angegriffenen Gesundheit, ohne weiteren Aufenthalt nach Bulgarien znrückkehren.
Berlin, 25. Juni. Man erinnert sich wohl noch der seiner Zett von den französischen Journalen in gehässigster Form tnscenirten Deutschenhetze, welche damit mottvirt wuroe, daß seit langen Jahren gefälschte Chininpräparate, welche aus deutschen Fabriken stammen sollen, in den Pariser Hospitälern Verwendung gefunden hätten, natürlich zum Nachtheil der betreffenden Patienten. Deutscherseits wurde zwar Zug um Zug der Beschuldigung entgegengetreten und ihre völlige Grundlosigkeit nachge- wtesen, dennoch wollen wir nicht unterlassen, auf eine in einigen Pariser Samstagsblättern an ganz versteckter Stelle untergebrachte Notiz hinzuweisen, welche auf's Deutlichste bekundet, daß nur bewußte Perfidie den deutschen Fabrikanten den oben erwähnten Vorwurf machen konnte. Thatsache ist nämlich, daß die achte Kammer des Pariser Crtminalgerichts soeben den Drogutsten Lacombe, welchem die Chininlieferungen für die Pariser Hospitäler übertragen waren, zu einjährigem Gefängniß wegen betrügerischer Lieferung einer gänzlich nutzlosen und sogar schädlichen Substanz, des Ctnchonidin, ver- urthetlt hat.
t Der an Stelle des verstorbenen Herrn Professors vr. Brat ns check auf den philosophischen Lehrstuhl berufene Professor Hermann Stebeck aus Basel hat außer seiner in Halle erschienenen Jnaugural-Dissertatton „über die Ueberemstimmung der Aristotelischen und Herbartschen Psychologie" noch folgende Arbeiten veröffentlicht: „Das Wesen der ästhetischen Anschauung"; „Ueber das Bewußtsein als Schranke der Naturerkenntniß".
Gießen, 27. Juni. Schwurgerichtsverhandlung am 26. Juni l. I. gegen Wilhelm Vetter, Sohn des Wilhelm Vetter II. von Burg-Gräfenrode wegen Brandstiftung.
Vetter war beschuldigt:
Daß er zu Burg-Gräfenrode am 10. Febr. l. I. die Scheuer des Conrad Vetter V. und am 12. genannten Monats die Scheuer des Wtlh. Roß vorsätzlich tu Brand gesetzt habe.
Die Geschworenen bejahten die Schuldfrage und wurde demgemäß Angeklagter in eine Gesammtzuchthausstrafe von 6 Jahren verurtheilt. Gleichzeitig wurde auf Aberkennung der bürgerlichen Ehrenrechte auf die Dauer von 4 Juhren erkannt und Polizeiaufsicht ausgesprochen.
England.
London, 25. Juni. Das „Reuter'sche Bureau" läßt sich aus Damitte melden, daß die Sanitäts-Commission die dort herrschende Epidemie in der That für Cholera erkläre und daß die Zahl der Erkrankungssälle besorg- nißerregend zunehme.
Außlavd.
Baku, 25. Juni. Morgen geht die Expedition zur Erforschung des von Tschernajeff entdeckten Weges nach Central-Asien ab. Dieselbe wird zunächst den Eingang in die Mertwyi-Kultuk erforschen.__________________________
Telegraphische Depeschen.
Wolff's telegr. Eorresponderrz-Burearr.
Landau, 26. Juni. Nach neuerer Feststellung erhielt bei der Reichstags-Ersatzwahl im Kreise Neustadt-Landau der Rechtsanwalt Mahla (nat.- liberal) 9406, Sartorius (fortschrittlich) 9277, und Dresbach (Socialdemokrat) 72 Stimmen.
Hamburg, 26. Juni. Der Direction der internationalen landwirth- schastlichen Thierausstellung, welche am 3. Juli hier eröffnet wird, hat Se. Majestät der Kaiser auf die Bitte, die Ausstellung mit Allerhöchstfeinem Besuche beehren zu wollen, mittelst Cabinets-Schreibens eröffnen lassen, daß Aller- höchstderselbe sehr bedauere, durch die Badereise verhindert zu sein, dieser Bitte zu willfahren, jedoch beschlossen habe, als Beweis der besonderen Theilnahme, welche Se. Majestät dieser landwirthschastlichen Ausstellung widme, einen Ehrenpreis zu stiften und zu diesem Zwecke ein mit den Ansichten des königlichen Schlosses und des königlichen Palais in Berlin geschmückte Porzellanvase ausgewählt habe. Der Herzog von Sachsen-Koburg-Gotha hat das Ehrenpräsidium der Gesammc-Jury übernommen und wird zugleich auch als actives Mitglied in der Jury Der Abtheiluüg I (Pferde) fungiren. Prinz Max Emanuel von Bayern hat der Ausstellung seinen Besuch ansagen lassen. Prinz Wilhelm von Preußen hat der Ausstellungs-Direction eröffnen lassen, daß er aus Rücksicht auf das in nächster Zeit bevorstehende frohe Ereigniß in feiner Familie verhindert sei, nach Hamburg zu kommen.
Die Jury der Ausstellung tritt am 1. Juli in der Billa des H^rrn Albertus v. Ohlendorfs, des Vorsitzenden der Ausstellungs-Direction, unter dem Vorsitz des Ehren - Präsidenten, des Herzogs von Sachsen-Koburg-Gotha, zusammen.
Nyiregyhaza, 26. Juni. Tisza-Eszlarer Prozeß. Bet Beginn der heutigen Verhandlung theilte der Präsident mit, er habe bcn Vicegespan angewiesen, die polizeiliche Bewachung der wegen der Bekleidung der Dadaer Leiche verdächtigen Persönlichkeiten aufzuheben, da dieselben bereits vorgeladen worden seien. Hierauf soll die Vernehmung des Kanzlisten Peczelly fortgesetzt werden, dem gegenüber Moritz Schars zuerst seine Kenntniß von dem angeblichen Morde zugestanden hat. Vorher beantragte Verthetdiger Dr. Friedmann, es möge die Verfügung getroffen werden, daß der Sicher- heitskommtssär Reczy, der Kanzlist Peczelly und Moritz Scharf während der Vernehmungsdauer nicht miteinander verkehren könnten; ferner, daß der Untersuchungsrichter Bary, dessen Vorgehen bet dem Verhöre des Moritz Scharf festgestellt werden soll, der Verhandlung nicht beiwohnen dürfe. Der Präsident erwidert, daß jeder anftändige Mensch der Verhandlung beiwohnen dürfe, ausgenommen, er solle als Zeuge erscheinen. Der Staatsanwalt erklärt hierauf, er habe bereits beantragt, daß Bary darüber vernommen werden solle, ob er Moritz versprochen habe, seinem Vater werde kein Leid geschehen. Nach halbstündiger Berathung beschließt der Gerichtshof, von der Vernehmung des Untersuchungsrichters, als ungewöhnlich und unmotioirbar, abzusehen. Der Staatsanwalt und die Verthetdigung melden dagegen die Nichtigkeitsbeschwerde an. Verthetdiger Eötvös fragte den hierauf vernommenen Zeugen Peczelly, ob er nicht jener Peczelly sei, welcher wegen eines grausam verübten Mordes zu 15 Jahren Zuchthaus verurtheilt worden und 12 Jahre thatsächlich abgebüßt habe. Als der Zcuge die Antwort verweigert, übergtebt der Staatsanwalt dem Präsidenten die Auskunft der Jllavaer Strafanstalt.
Lokales.
Gießen, 27. Juni. ^Sterblichkeit in Gießens Die Zahl der Todesfälle in Gießen beltef sich während der Woche vom 17. bis 23. Juni im Ganzen auf 11. Es wurden 4 Kinder und 7 Erwachsene betroffen. Von 3 Kindern im ersten Lebensjahr starb eins rasch an Schlagfluß, 2 an Scharlach. Ein 4 Jahre altes Kind erlag der Diphtherie. Bet den erwachsenen Personen war zweimal Schlagfluß, zweimal Krebs, je einmal Lungenschwindsucht, Lungenentzündung, Altersschwäche die Todesursache. G.
X l l ß e M e i n e
— Bezüglich der Sitzungen des Schwurgerichts hat eine Aenderung in der Weise stattgefunden, daß diejenigen vom Mittwoch und Donnerstag wechselsweise verlegt worden sind. Es kommt sonach nunmehr zur Verhandlung:
Mittwoch den 27. l. M- Strafsache gegen Christian Hofmann von Gießen und Susanne Schilling von Offenbach wegen betrügerischen Bankerutts.
Donnerstag den 28. l. M. Strafsache gegen die Ehefrau Stubba von Berlin, Großh. Dtstrtcts-Etnnehmer Frank von Laubach und Marie Reitz von Merlau wegen Abtreibung der Leibesfrucht und resp. Anstiftung dazu.
Vermischtes.
Berlin, 21. Juni. sTod in der Chloroform-NarcoseO Am Dienstag Vormittag ereignete sich in der chirurgischen Abtheilung der hiesigen Charit6 ein höchst bedauerlicher Vorfall, der in medtctnischcn Kreisen das größte Aussehen erregen wird. Ein dem Arbeiterstande angehöriger Mann von sehr kräftiger Körperconstttutton, her wegen eines Schenkelbruchs sich zur Charilä begeben hatte, sollte — so berichtet der „B. B -C " — an dem genannten Tage behufs Vornahme einer Operation, welche Geheimerath v. Baldeleben auszuführen beabsichtigte, chloroformirt werden. Kaum hatte jedoch der Kranke 3 bis 4 Minuten in der Narcose dagelegen — dieselbe war noch keine vollständige, da dem Manne erst ein Zehntel von der nöthtgen Dosis verabreicht worden und die Operation war noch nicht begonnen worden — da bemerkte einer der Assistenzärzte, daß bet dem Patienten plötzlich ein Stillstand in den Athem- ■ und dann auch in den Herzbewegungen eintrat. Sofort wurden von Gehetmrath Bardeleben, im Verein mit seinen Assistenten, die umfassendsten Wiederbelebungsversuche angestellt: Es wurde nicht nur die künstliche Athmung eingdeitet und der Luft- röhrenschnttt gemacht, sondern auch zur Belebung der Herzihatigkeit Einspritzungen von Strychnin, einem Gegengifte des Chloroforms, gemacht- Alle jene Bemühungen, welche über IV2 Stunden fortgesetzt wurden, waren resultatlos; die Thätigkett des Herzens, das durch jenes durch seine schmerzstillende Wirkung sonst so segensreiche Betäubungsmittel gelähmt worden war, konnte nicht wieder angeregt werden. Die Schuld an diesem Unglücksfalle kann keinem der Betheiligten in irgend einer Weise betgemessen werden, da nicht nur die Qualität des Chloroforms eine tadellose war, sondern auch nicht die Rede davon sein kann, daß dem Manne eine zu große Quantität hiervon verabreicht worden sei, da zu seiner Betäubung erst 10 Gr. verbraucht worden waren, während sonst 100 Gr. zu einer solchen nöthig sind. Es muß hier eben gefolgert werden, daß bet dem Patienten, der, wie hervorgehoben werden muß, die Erscheinungen des Säuferwahnsinns zeigte, aus unbekannten Ursachen im Anfangsstadium der Chloroformnarkose eine Herzlähmung eingetreten sei. Dieser Vorfall ist wiederum ein eclatanter Beweis dafür, daß es gewisse Menschen gibt, die eine aus unbekannten Ur- , fachen entspringende Prädisposition für die schädlichen Wirkungen des Chloroforms haben. —
WitterungSkunde.*)
28. Juni. Das Wetter bleibt trüb und regnerisch, namentlich in Südwest- und Südeuropa mit kurzen besseren Zwischenzeiten, besonders Vormittags und Nachmittags. Im Norden und Nordosten ist Ausbesserung zu erwarten. Auch in einigen günstig ge- legenen Strichen, wie in dem niederrheinischen Gebiet dürfte es mehr trocken bleiben, wenn auch Sonnenblicke mit Trübung abwechseln.
29 Juni. Nach Osten und Nordosten, wenn auch Frühmorgens dunstig bis bedeckt, so doch Morgens bis Vormittags aufgebessert, Mittags mehr wolkig. Nachmittags Neigung zu Aufheiterung, Abends wieder mehr bedeckt. Nach Westen und Südwesten zu im Allgemeinen mehr bedeckt, namentlich in Süddeutschland nicht ohne Niederschläge, die am Abend mäßig gewitterhaft auftreten. 5
30. Juni. Im Allgemeinen Morgens wolkig bis bedeckt, dann Aufheiterung, auf Mittag zu Hanfenwoikm, Nachmittags besser, Abends gewitterhaft- Namentlich in ben südlichen Gebieten sind 'mmer noch kurze, örtlich ergiebige Regenschauer mit Gewitter- natur zu erwarten. Di? Winde sind dabei im Allgemeinen mäßig, im Süden und Südwesten ziemlich lebhaft. Der Wasserstand des Rheins dürfte bei Köln eine mittlere Höhe von 3 bis 4 Metern haben.
*) Aus Dr. L- Overzier's Wetter-Prognose für den Monat Juni, abgeschlossen am 15. Mai (Verlag der M. rLengfeld'schen Buchhandlung in Köln, Preis 1 XV — Nachdruck verboten. ______________________________ I
Nrankifirrt <». 27. Juni, Nachmittags 2 Uhr — Min. (Telegraphisch^
Coursber cht. Mitgetheilt durch das Bankgeschäft 21 Ibert Kaufmann in Gießen) Creditactien 255V<, Staatsbahnactien 2783A, Galizier »257, Lombarden 1325/9, Nord- weftbahnactien 172^2, Gotthardbahnactien 120Vs, Darmstädter-Bankactien 1551/<„ j Disconto Commandit 1973/ö, Oesterr. Silberrente 67s/ie, 4% Ungar. Goldrente 76*4, Z 4o/o 1880er Russen 72Vs, 5% 1877r Russen 91</#, 2. Orient-Anleihe 563/16, 4°/o . Spanier 633/8, 5% Rumänische Rente 933/i, 4°/o Unific. Egypter 707/8, 5% Türkei» 5 113/r, Marienburger 105V4. Tendenz: still. |
Wafferwärme der Lahn.
Am 27. Juni, Mittags zwischen 11 und 12 Uhr: + 17° R-, Luftwärme + 18° & L. Chr. Rübsamcn.
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Am 1. Juni 1883 Versichert 60847 Personen mit 426724100 Mark
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Dividende 1883 für 1878: 43pCt., 1884 für 1879: 44pCt.
Vom Jahr 1885 an tritt neben dem bisherigen ein neues System der Ueberschutz-Vertheilung (das „gemischte" System) in Kraft, dessen Vorzug darin besteht, daß die Dividende, unbeschadet gerechtester Zumesfung, mit dem Versicherungsalter beträchtlich steigt. Schon Versicherte können sich bis Ende Oktober 1883, neu Beitretende zur Zeit des Beitritts für das neue System entscheiden.
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Allen Personen, Äckrsmch gehöv laben oder zur & Wig sind, wird MdenGemeinfchm A zu leisten, aud chilegt, von^ dem ßii von den Forde aus der Zch Äigung in Anst jckrsvemalter l 1 Anzeige zu r Wn, den 26. L- Großh. Är Dr. G Deröf 9hi Gericht
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