1883
Donnerstag den 28. Juni
Nr 146.
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Amtlicher HHeit.
Betreffend: Die regelmäßigen Ergünzungswahlen der Stadt- und Ortsvorstände. Gießen, am 25. Juni 1883.
Das Großherzogliche Kreisamt Gießen
an die Grotzherzoglicherr Bürgermeistereien des Kreises.
Nach Art. 13 der Landgemeinde-Ordnung ist die Stimmberechtigung bei den Wahlen an die Bedingung geknüpft, daß vom 1. Januar des dem Jahr, in welchem die Wahl stattfindet, vorhergehenden Jahres Einkommensteuer gezahlt werden muß. Da diese gesetzliche Bestimmung nicht ausdrücklich aufgehoben worden ist, muß sie nach Weisung Großherzoglichen Ministeriums wörtlich befolgt werden, wenn auch mittlerweile das Etatjahr vom 1. ^anuar^auf den 1 1)ril verleat wurde - r
Weiter geben wir Ihnen auf, außer der Liste E auch den nach unserem Amtsblatte vom 30. Juli 1874 Nr. 8 aufzustellenden Hülfsbogen anZdre Großherzoglichen Steuercommissariate mitzutheilen.
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Das Großherzogliche Stkuer-Commiffariat Gießen
an die Grostherzoglichen Bürgermeistereien des Bezirks.
Wir ersuchen Sie, den von uns zu prüfenden Verzeichnissen für die Gemeinderathswahlen auch die Hülfsbogen beizuschließen.
Kieben, den 27. Juni 1883. puffert.
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Politische Ueberstcht.
Gießen, 27. Juni.
Der Besuch, welchen der König von Dänemark nach Beendigung seiner Wiesbadener Kur Kaiser Wilhelm in Ems abgestattet hat, wird an maßgebender Stelle als ein deutlicher Beweis dafür betrachtet, daß bezüglich der nordschleswig'schen Optantenfrage keine Verstimmung zwischen Deutschland und Dänemark eingetreten sei. Diese Ansicht wird noch gestärkt durch die überaus herzliche Art und Weise, in welcher die beiden Monarchen miteinander verkehrten. Nachdem der dänische Herrscher noch der Kaiserin in Koblenz einen Besuch abgestattet, ist er nach Kopenhagen zurückgereist.
Nach einer Mittheilung der „Nordd. Allg. Ztg." besteht das Unwohlsein des Reichskanzlers in einem heftigen Magenkatarrh, verbunden mit Gelbsucht, doch ist in den letzten Tagen eine Wendung zum Bessern eingetreten. Die Kur, welcher sich Fürst Bismarck auf den Rath des Dr. Schwenninger unterzogen hat, ist von keinem günstigen Einflüsse aus das Befinden des Fürsten gewesen, da sie gastrische Störungen verursachte. Die Kur ist nunmehr auf den Rath des Geh. Raths Frerichs eingestellt worden.
In den Reihen der freiconservativeu Partei in Preußen sollen anläßlich der kirchenpolitischen Vorlage ernste Differenzen ausgebrochen sein. Ein Theil der freiconservativeu Abgeordneten, namentlich solche, welche katholische Wähler zu vertreten haben, haben sich entschieden gegen die von der Parteileitung ausgegebene Parole, wonach die Fraktion bei der dritten Lesung der kirchenpolitischen Vorlage geschloffen gegen dieselbe stimmen soll, erklärt. Es heißt sogar, daß die betr. Abgeordneten eventuell gesonnen feien, aus der Fraktion herauszutreten, der Vorstand der freiconservativen Fraktion erklärt allerdings, daß die von der „Nordd. Allg. Ztg." über diese Vorgänge gebrachte Darstellung in den wesentlichsten Punkten unrichtig sei, trotzdem scheinen in der That Meinungsverschiedenheiten vorhanden zu sein, welche der Vorstand der sreiconservativen Fraktion begreiflicherweise nicht in die Oeffentlichkeit gelangen lassen will.
Der langjährige badische Gesandte am Berliner Hofe, Freihr. Türckheim von Altdorf, hat nach einer Mittheilung der „Post" seine Pensioni- rung nachgesucht und dieselbe auch erhalten. Zu seinem Nachfolger soll der Freihr. v. Marschall, welcher den Wahlkreis Karlsruhe im Reichstage vertritt und bisher der Diplomatie nicht angehörte, designirt sein.
In den Wiener akademischen Kreisen hat die gerade nicht sehr deutsche Rede, welche der Rector der Wiener Universität, Professor Maassen, im niederösterreichischen Landtage zu Gunsten der czechischen Volksschule in Wien gehalten hat, große Entrüstung hervorgerufen. 63 Professoren der Wiener alma mater haben an Maassen eine Adresse mit der Erklärung gerichtet, daß sie seine im Landtage ausgesprochenen politischen und nationalen Meinungen nicht theilen und es als ihr Recht und ihre Pflicht betrachten, diesen Gegensatz öffentlich zu constatiren. Auch die Studentenschaft demonstrirte wiederholt gegen den Rector, so daß dieser laut Anschlages am schwarzen Bret seine Vorlesungen einstweilen eingestellt hat. — Die Schlußverhandlungen des Tisza - Eszlarcr Mordprocesses ziehen sich nun schon in die dritte Woche hinein und bei der großen Anzahl der zu verhörenden Zeugen läßt sich der Endpunkt der Verhandlungen noch nicht absehen. Die Zeugenaussagen lauten oft sehr widersprechend, was natürlich nicht wenig dazu beiträgt, den Proceß complicirter zu gestalten.
Während man bisher annahm, daß chinesischerseits Marquis Tseng der Hauptträger der Verhandlungen seiner Regierung mit Frankreich fei, scheint dies Liou Chang zu sein. Wenigstens hat Liou, welcher m der Abwesenheit des Marquis Tseng die Geschäfte der chinesischen Botschaft in Paris führt, einem Journalisten gegenüber erklärt, daß die eigentlichen Verhandlungen zu Shanghai zwischen Lihung Chang und dem sranzösischen Gesandten Tricou geführt würden; die Unterredung, welche Marquis Tseng jüngst mit Jules Ferry gehabt hat, scheint demnach nur eine untergeordnete Bedeutung gehabt zu haben. Im Uebrigen heißt es, daß die Verhandlungen zwischen
Lihung Chang und Marquis Tricou eine gütliche Beilegung des französisch- chinesischen Constictes erwarten lassen. Aus Saigon wird gemeldet, daß der dortige Gouverneur die anamitischen Consuln aus Cochinchina ausgewiesen habe, weil dieselben überführt seien, gegen die französische Herrschaft daselbst zu con- spirirem — Das Urtheil in dein Proceffe gegen Louise Michel und Genossen wegen Straßen-Emeute u. s. w. ist unerwartet streng ausgefallen, Louise Michel ist zu Ojähriger Einschließung und lOjähriger Polizeiaufsicht und Francois Pouget zu 8jähriger Einschließung und lOjähriger Polizeiaufsicht verurtheilt worden; drei Angeklagte erhielten geringere Strafen, während die übrigen Angeklagten freigesprocheu wurden. Die Verurtheilung der „bitteren Louise" wird in den Pariser radikalen Kreisen jedenfalls große Entrüstung Hervorrufen.
Der englische Premier, Herr Gladstone, hat an den liberalen Verein des von ihm im Unterhause vertretenen schottischen Wahlbezirkes Mid- lothian ein Schreiben gerichtet, worin er die Hoffnung ausspricht, seinen Wählern noch im Verlaufe dieses Jahres den versprochenen Besuch abstatten zu können. „Ich hoffe auch", fügt der Premier hinzu, „daß, wenn diese Zeit gekommen ist, ich noch un Stande sein werde, zu sagen, was ich jetzt sagen kann, daß ich nämlich weder die Action der zersetzenden Kräfte, welche während der letzten Jahre der Negierung von 1868 bis 1874 thätig gewesen sein sollen wahrnehme, noch irgend einen Grund zur Annahme finde, daß das Land seine Denkungsart über tue wichtige Frage, die 1880 entschieden worden, geändert habe." Mit andern Worten — Mr. Gladstone gedenkt, ohne den Radikalen noch den Conservativen Concessionen zu machen, im liberalen Sinne die Geschäfte weiter zu führen.
Das norwegische Storthing ist in voriger Woche durch den Präsidenten des Staatsministeriums, Selmar, ohne jedes Ceremoniell geschlossen worden. Der Schluß der Session erfolgte unter sehr elgenthümlichen Umständen, denn giebt es wohl im politischen Leben etwas Merkwürdigeres, als ein ganzes Ministerium, welches von der Volksvertretung wegen schlechter Regierung regelrecht unter Anklage gestellt worden ist? Rian kann es Herrn Selmar nicht verdenken, wenn er einem so widerspenstigen Parlamente gegenüber nicht noch viel Worte verlieren will und so ist denn der Schluß des Storthing ohne Sang und Klang erfolgt, im Gegensatz zu andern Ländern, wo man den Schluß der parlamentarischen Verhandlungen in mehr oder weniger feierlicher Weise zu markiren pflegt. , r m r
In Vera Cruz (Mexiko) richtet das gelbe Fieber große Verheerungen an. Während der verstossenen beiden Monate sollen gegen 1000 Personen, theils Amerikaner, theils Europäer, gestorben sein. Vera Cruz mrt semer sumpfigen Umgebung ist zur Entfaltung des gelben Fiebers allerdmgS vortressuch geeignet und bei dem lebhaften Verkehr Vera Cruz' mit den Kustenstadten er südlichen Union kann man sich auch hier auf den Einzug des unheimlichen Gasteo gefaßt machen.___________________ _______
Deutschland.
Darmstadt. 27. Juni. (Privat- Depesche). Heute Margen gegen halb 6 Uhr ziemlich hestig-r Erdstoß. Richtung
"mUibiP,“liT Juni. Se. König!. Hoheit der Großherzog haben beute Abend 6Vo Ubr den von Sr. Maj. dem Kaffer von Rußland zum außerordentlichen Gesandten und bevollmächtigten Minister am hiestgeit Hofe ernannten Geheimerath v. Staat behufs Entgegennahme seines Beglaublgungv-^chrerbens
***g W öÄ w» »-?««? -->>*-, Am 20. Juni den außerordentlichen Professor an der technpchen Hochschule Dr. Richard Lepsins zum ordentlichen Professor au dieser Hochschule zu brennen. , 25 gimi. Se. Hoheit der Fürst von Bulgarien ist, nack rebutäaiacm Aufenthalt bei seinen Eltern, von Schloß Heiligenberg gestern Abend wieder abgereist und wird, nach einer dreiivöchigen Badekur m Gastern


